Offenstetten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen

Das Dorf Offenstetten ist ein Ortsteil der Stadt Abensberg im Landkreis Kelheim, Niederbayern.

Lage[Bearbeiten]

Kreittmayr-Denkmal; Bildhauer: Alexander Fischer

Der Ort liegt an den Rändern und teils auch in den Ebenen eines Sandbeckens, das von der hier einst über das Hopfenbachtal nordwärts in den Kelheimer Talkessel abfließenden eiszeitlichen Ur-Abens [1] geschaffen wurde. Regensburg ist in östlicher Richtung etwa 35 km, Ingolstadt in westlicher 40 km entfernt. München liegt ungefähr 95 km südlich des Ortes.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort war einst Sitz einer eigenständigen Hofmark mit Schloss, die sich über 400 Jahre lang im Besitz der Herren von Offenstetten befand. Urkundlich traten diese erstmals im 11. Jahrhundert im Zusammenhang mit Schenkungen des Aribo, Herr in „Ouanstetten“, an das Kloster Weltenburg in Erscheinung. [2] In Urkunden des Hochstifts Freising aus der Zeit von 1078 bis 1098 wird ein in Offenstetten beheimateter Ritter „Waltkun“ bzw. „Walchun“, als Zeuge erwähnt.[3] Der letzte „Ofenstätter“ war der 1480 verstorbene Degenhart, Ritter und Pfleger zu Leonberg, dessen Erben 1497 Schloss mit Gütern an die Gebrüder Hans und Wolfgang Preysing zu Kopfsberg verkauften. [2]

Schloss Offenstetten

Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges, dem das Dorf und ein Großteil der Bevölkerung zum Opfer fielen, erwarb Amandus Aicher, Bürgermeister von Landshut die weitgehend zerstörte Hofmark.[2] Im ausgehenden 17. Jahrhundert veräußerte er sie an die Familie Froenau weiter. Georg Caspar Emmanuel von Froenau sorgte für den Wiederaufbau von Schloss und Kirche sowie die Erneuerung der Infrastruktur des Orts. Er wird daher als zweiter Gründer Offenstettens bezeichnet.[3]

1750 gelangte der Besitz für 140 Jahre an die Familie Kreittmayr, als Maria Romana Franziska von Froenau den berühmten Staatskanzler Alois Wigileus Freiherr von Kreittmayr, dem Verfasser des ersten bayerischen Gesetzbuches heiratete.[2] Freiherr von Kreittmayr liegt in der Familiengruft zu Offenstetten begraben.[4] Nach verschiedenen weiteren Eigentümerwechsel erwarb 1939 Botschaftsrat Oskar Schlitter, von 1964 bis 1969 Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Griechenland Schloss und Gut Offenstetten. Frau Daisy Schlitter gründete im Schloss nach Ende des Zweiten Weltkrieges zusammen mit Prälat Michael Thaller, dem Direktor der katholischen Jugendfürsorge in Regensburg, ein Flüchtlingskinderheim, das nach der ersten amerikanischen Heiligen „Cabrini-Heim“, mittlerweile "Cabrini-Haus", benannt wurde.[3] Das „Cabrini-Haus“, immer noch im Schloss ansässig, betreut nun Kinder und Jugendliche, mit einem heil- und sonderpädagogischen Förderbedarf.

Offenstetten ist seit 1876 eine selbständige Gemeinde. Am 1. Januar 1972 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Bachl und Sallingberg eingegliedert.[5] Am 1. Mai 1978 wurde die Gemeinde Offenstetten im Rahmen der Gebietsreform aufgelöst. Der größere Teil wurde in die Stadt Abensberg eingegliedert. Der kleinere Teil wurde in den Markt Rohr in Niederbayern eingegliedert.[6]

Im Rahmen der Schlacht von Abensberg erstürmte am 20. April 1809 der spätere bayerische Kriegsminister Anton von Gumppenberg unter den Augen des Kronprinzen Ludwig von Bayern mit seinen Soldaten das Dorf und wurde dafür zum Ritter der französischen Ehrenlegion erhoben.[7]

Kirche[Bearbeiten]

Die Kirche St. Vitus wurde, nachdem die Vorgängerkirche im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde, 1721 im barocken Stil neu erbaut.

Struktur[Bearbeiten]

Der Ort beheimatet einige Handwerksbetriebe. Seinen ursprünglichen landwirtschaftlichen Charakter hat er fast gänzlich verloren und sich zu einem beliebten Wohnort entwickelt. Offenstetten besitzt neben der Einrichtung „Cabrini-Haus“ (ehemals „Cabrini-Heim“) eine Grundschule, ein Förderzentrum mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung (Cabrinischule) und einen Kindergarten. Bis 1904 war in der Gemeinde ein überregional bekannter Kalksteinbruch angesiedelt. In dessen Nähe errichtete Ende des 19. Jahrhunderts Adolf Wilhelm Keim, der Erfinder der Silikatfarben seine erste Produktionsstätte. Offenstetten zählt ungefähr 2100 Einwohner.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Offenstetten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geologische Institute der Universitäten Wien und Bern (PDF; 1,4 MB)
  2. a b c d Georg Rieger, Kelheimer Heimatbuch für die Stadt und den Landkreis Kelheim Seite 300-302, Hrsg 1953
  3. a b c Homepage der Pfarrei
  4. Wilhelm Ritzinger, Verhandlungen des Historischen Vereins Niederbayern, Bd 55, Seite 41, Hrsg 1920
  5.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 493.
  6.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 611.
  7. Ludwig Albert von Gumppenberg: Geschichte der Familie von Gumppenberg, Würzburg, 1856, Seite 414; Digitalscan aus der Quelle

48.80333611.906312Koordinaten: 48° 48′ N, 11° 54′ O