Ingolstadt

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Dieser Artikel behandelt die Großstadt in Oberbayern. Zu weiteren Bedeutungen von Ingolstadt siehe Ingolstadt (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Ingolstadt
Ingolstadt
Deutschlandkarte, Position der Stadt Ingolstadt hervorgehoben
48.76555555555611.424444444444374Koordinaten: 48° 46′ N, 11° 25′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Höhe: 374 m ü. NHN
Fläche: 133,35 km²
Einwohner: 127.886 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 959 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 85049–85057
Vorwahlen: 0841
08450 (Zuchering, Brunnenreuth)
08424 (Irgertsheim)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: IN
Gemeindeschlüssel: 09 1 61 000
Stadtgliederung: 12 Stadtbezirke mit 61 Unterbezirken
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausplatz 2
85049 Ingolstadt
Webpräsenz: www.ingolstadt.de
Oberbürgermeister: Christian Lösel (CSU)
Lage der Stadt Ingolstadt in Bayern
Weiden in der Oberpfalz Straubing Würzburg Schwabach Schweinfurt Regensburg Rosenheim Nürnberg Nürnberg Passau Landshut Memmingen Kaufbeuren Kempten Ingolstadt Fürth Hof Erlangen Coburg Bayreuth Bamberg Augsburg München Aschaffenburg Amberg Ansbach Landkreis Würzburg Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen Landkreis Weilheim-Schongau Landkreis Unterallgäu Landkreis Traunstein Landkreis Tirschenreuth Landkreis Straubing-Bogen Landkreis Starnberg Landkreis Schweinfurt Landkreis Schwandorf Landkreis Rottal-Inn Landkreis Roth Landkreis Rosenheim Landkreis Rhön-Grabfeld Landkreis Regensburg Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm Landkreis Regen Landkreis Passau Landkreis Ostallgäu Landkreis Oberallgäu Landkreis Nürnberger Land Landkreis Neu-Ulm Landkreis Neustadt an der Waldnaab Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz Landkreis Neuburg-Schrobenhausen Landkreis München Landkreis Mühldorf am Inn Landkreis Miltenberg Landkreis Miesbach Landkreis Main-Spessart Landkreis Lindau (Bodensee) Landkreis Lichtenfels Landkreis Landshut Landkreis Landsberg am Lech Landkreis Kulmbach Landkreis Kronach Landkreis Kitzingen Landkreis Kelheim Landkreis Hof Landkreis Haßberge Landkreis Günzburg Landkreis Garmisch-Partenkirchen Landkreis Fürth Landkreis Fürstenfeldbruck Landkreis Freyung-Grafenau Landkreis Freising Landkreis Forchheim Landkreis Erlangen-Höchstadt Landkreis Erding Landkreis Eichstätt Landkreis Ebersberg Landkreis Donau-Ries Landkreis Dingolfing-Landau Landkreis Dillingen an der Donau Landkreis Deggendorf Landkreis Dachau Landkreis Coburg Landkreis Cham Landkreis Berchtesgadener Land Landkreis Bayreuth Landkreis Bamberg Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Landkreis Bad Kissingen Landkreis Augsburg Landkreis Aschaffenburg Landkreis Ansbach Landkreis Amberg-Sulzbach Landkreis Altötting Landkreis Aichach-Friedberg Bodensee Schweiz Österreich Baden-Württemberg Hessen Tschechien Sachsen ThüringenKarte
Über dieses Bild
Rathausplatz mit Altem Rathaus, Pfeiffturm, Turm der Moritzkirche und Teil des Neuen Rathauses (Mai 2007)
Das Kreuztor, ein Wahrzeichen der Stadt Ingolstadt

Ingolstadt ist eine kreisfreie Großstadt an der Donau im Freistaat Bayern mit knapp über 130.000[2] Einwohnern. Im Großraum leben rund eine halbe Million Menschen.[3] Ingolstadt ist nach München die zweitgrößte Stadt Oberbayerns und nach München, Nürnberg, Augsburg und Regensburg die fünftgrößte Stadt Bayerns.[4] Seit die Stadt 1989 die Marke von 100.000 Einwohnern übertroffen hat, ist sie Deutschlands jüngste Großstadt.

Ingolstadt wurde am 13. März 1472 Sitz der ersten bayerischen Universität, die sich später als Zentrum der Gegenreformation profilierte. Hier gründete sich 1776 auch der freidenkerische Illuminatenorden. In Ingolstadt wurde im Jahr 1516 das bayerische Reinheitsgebot für Bier erlassen. Für gut 400 Jahre war die Stadt bayerische Landesfestung. Die im Jahr 806 erstmals erwähnte Stadt besitzt eine weitgehend erhaltene historische Altstadt.

Ingolstadt hat zwei Hochschulen und ist eines der 23 Oberzentren in Bayern. Die Stadt ist überwiegend vom verarbeitenden Gewerbe, wie etwa dem Automobil- und Maschinenbau geprägt. Die Arbeitslosenquote lag im August 2013 bei 3,5 %.[5]

Geographie[Bearbeiten]

Ausdehnung und Lage[Bearbeiten]

Die Donauauen (Auwald) in Ingolstadt

Das Stadtgebiet erstreckt sich über 133,35 km². Damit ist Ingolstadt flächenmäßig nach München, Nürnberg und Augsburg die viertgrößte Stadt Bayerns. Die größte Ausdehnung in Ost-West-Richtung beträgt etwa 18 km, in Nord-Süd-Richtung etwa 15 km. Die Stadtgrenze hat eine Länge von 70 km.

Ingolstadt liegt auf 48° 45′ 49″ nördlicher Breite und 11° 25′ 34″ östlicher Länge. Die Stadtgrenze ist ungefähr 14 km vom geographischen Mittelpunkt Bayerns bei Kipfenberg entfernt. Der höchste Punkt befindet sich mit einer Höhe von 410,87 m im Stadtteil Pettenhofen, die Altstadt liegt 374 m über dem Meeresspiegel. Der niedrigste Punkt ist die Schuttereinmündung in die Donau mit 362 m ü. NN. In Ingolstadt gilt wie in ganz Deutschland die Mitteleuropäische Zeit, wobei die mittlere Ortszeit um 14 Minuten zurückbleibt.

Das Stadtgebiet von Ingolstadt breitet sich am nördlichen und südlichen Ufer der Donau in einem weiten ebenen Becken aus. Das Ingolstädter Becken ist im Norden von den Juraausläufern und im Süden von tertiärem Hügelland begrenzt. Im Südwesten beginnt das Donaumoos, während im Osten die Auwälder der Donau in das Stadtgebiet hineinreichen. Es handelt sich um die zweitgrößte Hartholzaue an der Donau. Der Süden der Stadt wird von der Sandrach, dem einstigen südlichen Hauptarm der Donau durchzogen, die streckenweise die Stadtgrenze bildet. Im Norden durchfließt von Westen her die Schutter Ingolstadt und mündet nahe der Altstadt in die Donau.

Geologie[Bearbeiten]

Das Stadtgebiet liegt südlich der Donau auf einer Niederterrasse aus der Würmeiszeit und nördlich des Flusses auf einer Hochterrasse aus der Rißeiszeit. Der Grund in Ingolstadt besteht überwiegend aus Schotter und Sand, dem sogenannten Donau-Schwemmland. Im Norden und Süden, wo das Stadtgebiet in tertiäres Hügelland hineinreicht, befindet sich in den tieferen Schichten Süßwassermolasse. Durch die Ablagerung von Löss, dessen Tongehalt im Laufe der Zeit stark angestiegen ist, sind die Böden in Ingolstadt insbesondere dort, wo zusätzlich Auenlehm vorhanden ist, sehr lehmig.

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm Ingolstadt

Das Klima ist mit überwiegend feuchtwarmen Sommern und kühlen Wintern subozeanisch. Mit einer durchschnittlichen jährlichen Niederschlagsmenge von etwa 650 Millimetern ist das Klima in Ingolstadt deutlich trockener als im regenreichen Alpenvorland, wobei der Alpenföhn Ingolstadt noch erreicht. Im Gegensatz dazu halten sich vor allem im Herbst, aber auch im Winter häufig Nebel und Hochnebel, die sich auch im Tagesverlauf nicht auflösen. Der Wind kommt überwiegend aus westlicher und südwestlicher Richtung, im Herbst öfter auch aus Nordosten.

Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 8,2 °C, wobei Juli und August mit 18 beziehungsweise 17 °C die wärmsten und Januar und Februar mit −1 bis −2 °C im Mittel die kältesten Monate sind.

Der niederschlagsreichste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 101 Millimetern, während der geringste Niederschlag mit durchschnittlich 35 Millimetern im März zu verzeichnen ist.

Die Donau in Ingolstadt[Bearbeiten]

Die Donau im Osten Ingolstadts mit Blick auf die Altstadt

Die Donau durchfließt das Stadtgebiet von Westen nach Osten auf einer Länge von 14,2 Kilometern von Flusskilometer 2466,9 bis 2452,7 nach internationaler Zählung, der Pegel Ingolstadt befindet sich bei Donaukilometer 129,7 nach bayerischer Zählung. Der Wasserstand beträgt bei Niedrigwasser 96 Zentimeter, während der langjährige mittlere Wasserstand bei 218 Zentimetern liegt. Beim Pfingsthochwasser 1999 lag der Pegel bei 748 Zentimeter. Im Bereich der Stadt Ingolstadt ist die Donau zwischen 80 und 100 Meter breit. Im Stadtbereich liegt die Donaustaustufe Ingolstadt. Östlich davon wird die Donau von der Staustufe in Vohburg beeinflusst. Bei der 1971 errichteten Staustufe Ingolstadt kann die Donau in einem Stausee auf maximal 500 Meter Breite gestaut werden. Mit Ausnahme der Stadtteile Haunwöhr und Gerolfing, die bei Hochwasser durch einen erhöhten Grundwasserspiegel gefährdet sind, blieb Ingolstadt in den letzten Jahrzehnten von Hochwasserkatastrophen verschont.

Das Bestreben der Stadt ist, die Donau wieder mehr in das städtische Leben zu integrieren. Dazu wurden im Jahr 2007 an der Nordseite der Donau Uferbefestigungen und Terrassen errichtet. Auf der gegenüberliegenden Südseite befindet sich die von Toni Amler konzipierte Seebühne.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Stadt Ingolstadt ist von drei Landkreisen umgeben, die wie Ingolstadt zum Regierungsbezirk Oberbayern gehören. Dies sind im Norden der Stadt der Landkreis Eichstätt, im Südosten der Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm und im Südwesten der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Zusammen bilden diese vier Gebietskörperschaften die Planungsregion Ingolstadt (Region 10). Folgende Märkte und Gemeinden der genannten Landkreise grenzen direkt an die Stadtgrenze von Ingolstadt: (sie werden nach dem Uhrzeigersinn beginnend im Nordwesten genannt):

Mit Schwabach, Kempten, Kaufbeuren und Weiden gehört sie zu den wenigen kreisfreien Städten Bayerns, die nicht Verwaltungssitz eines gleichnamigen Landkreises sind.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Stadtteile sind:[6]
Dünzlau, Dünzlauermühle, Einbogen, Etting, Feldkirchen, Friedrichshofen, Gerolfing, Hagau, Haunwöhr, Heindlmühle, Hennenbühl, Herrenschwaige, Hundszell, Ingolstadt, Irgertsheim, Knoglersfreude, Kothau, Mailing, Moosmühle, Mühlhausen, Niederfeld, Oberbrunnenreuth, Oberhaunstadt, Ochsenmühle, Pettenhofen, Ringsee, Rothenthurm, Samhof, Samholz, Schaumühle, Schmalzbuckel, Schmidtmühle, Seehof, Sonnenbrücke, Spitalhof, Spitzlmühle, Stockermühle, Unsernherrn, Unterbrunnenreuth, Unterhaunstadt, Winden und Zuchering.

Das Stadtgebiet ist in zwölf Stadtbezirke und 61 Unterbezirke gegliedert. In jedem Stadtbezirk gibt es einen Bezirksausschuss, der zwischen 13 und 17 Mitglieder hat. Diese Gremien werden nach jeder Kommunalwahl vom Stadtrat neu bestimmt. Die Bezirksausschüsse sind zu wichtigen, den Stadtbezirk betreffenden Angelegenheiten zu hören. Die endgültige Entscheidung über eine Maßnahme obliegt jedoch dem Stadtrat.

Neben dieser politischen Stadtgliederung existiert eine weitere, die sich aus der Stadtentwicklung ergibt und nicht zuletzt von den beiden Grüngürteln Ingolstadts beeinflusst wird. Unterschieden wird dabei zwischen der Altstadt, die im Wesentlichen aus den vier Altstadtbezirken und dem Unterbezirk Brückenkopf gebildet und vom Glacis, dem inneren Grüngürtel, umschlossen wird, und der Kernstadt. Diese besteht aus den Bezirken Nordost, Nordwest, Südwest, Südost und den westlichen Unterbezirken des Bezirks Mitte, also jenen Stadtteilen, die sich größtenteils innerhalb des äußeren Grüngürtels mit einer geschlossenen Siedlungsfläche befinden. Davon abgegrenzt sind die dörflichen Stadtteile, vor allem die Bezirke Süd, West, Mailing und Etting sowie die Stadtteile Rothenturm, Niederfeld und Unterhaunstadt.

Eine weitere, gröbere Stadtgliederung ergibt sich aus der Lage der Stadtteile zur Donau. So wird zwischen dem Süden, dem Teil südlich der Donau und dem Norden Ingolstadts nördlich des Flusses unterschieden.

Stadtbezirke und Unterbezirke der Stadt Ingolstadt
Die zwölf Stadtbezirke Ingolstadts mit Einwohnerzahl und Fläche
Bezirk Einwohner[7]
31. Dezember 2013
Fläche
in Hektar
I Mitte 13.950 1.142,4
II Nordwest 17.918 469,9
III Nordost 19.565 473,8
IV Südost 15.832 1.395,5
V Südwest 10.462 645,7
VI West 6.569 3.341,9
VII Etting 4.637 861,4
VIII Oberhaunstadt 5.084 553,1
IX Mailing 4.920 812,7
X Süd 8.345 2.700,1
XI Friedrichshofen-Hollerstauden 9.133 487,6
XII Münchener Straße 13.209 449,9

Geschichte[Bearbeiten]

Vor- und Frühgeschichte[Bearbeiten]

Rekonstruktion einer „Villa rustica“, ähnlich der, die man im Stadtgebiet gefunden hat.

Die ältesten Funde menschlichen Wirkens im heutigen Stadtgebiet Ingolstadts sind Faustkeile des Homo steinheimensis, die in Irgertsheim entdeckt wurden. Die Zeiten des Paläolithikums und des Mesolithikums sind nur durch Einzelfunde, etwa in Etting oder Gerolfing, nachweisbar. Erst für die Jungsteinzeit verdichten sich die Funde von Siedlungsspuren im Raum Ingolstadt.

Während diese frühen archäologischen Zeugnisse in den Vororten Ingolstadts gefunden wurden, liegt für die Bronzezeit erstmals ein Beleg für eine Besiedlung im Bereich der späteren Altstadt vor. Es handelt sich um mehrere Gräber beim Herzogskasten. Welche Bedeutung das Gebiet an der Donau zu dieser Zeit hatte, zeigt der Fund der umfangreichsten Grabanlage der Urnenfelderkultur in Süddeutschland bei Zuchering, die zu den größten Europas zählt. Diese besteht aus etwa 600 Gräbern aus dem Zeitraum zwischen dem 13. und 10. Jahrhundert v. Chr. Ein weiteres Zeugnis dieser Epoche ist das aus fast 3000 Teilen bestehende Bernsteincollier, das 1996 bei Grabungen auf dem Gelände der Audi AG gefunden wurde. Ihr Ende fand diese hoch entwickelte Kultur im Raum Ingolstadt mit der Verbreitung der Eisenverarbeitung.

Für die nachfolgende Hallstattzeit, die frühe Eisenzeit, weisen die archäologischen Befunde etwa die Existenz eines Herrenhofs mit Siedlung für den Bereich Zuchering nach. Ähnliche Spuren fanden sich in Etting und Dünzlau. Aus der La-Tène-Zeit stammt mit dem 1,5 km von der heutigen Stadtgrenze entfernten Oppidum von Manching eine der größten keltischen Siedlungen. Im Stadtgebiet selbst gibt es einige kleinere Siedlungen der Kelten, die die Siedlungsgeschichte der bereits zur Hallstattzeit vorhandenen Niederlassungen fortsetzten.

Mit dem Feldzug des Drusus 15 v. Chr. und der Errichtung der Provinz Rätien wurde das Gebiet um Ingolstadt Teil des Römischen Reichs. Etwa 50 Jahre nach dem Feldzug wurde bei Oberstimm, unmittelbar an der heutigen Stadtgrenze ein römisches Kastell zur Sicherung des 20 km nördlich gelegenen Limes errichtet (siehe Kastell Oberstimm). Auf die wirtschaftliche und militärische Bedeutung der Region weist die hohe Dichte an römischen Straßen hin. Reste des Wegnetzes fanden sich in Hagau, Dünzlau, Etting und Feldkirchen, wo sich der Donauübergang befand. Auf Siedlungen weisen die Reste mehrerer Landhäuser beziehungsweise Landgüter (Villae rusticae) in Etting, Feldkirchen und Unterhaunstadt hin. Auch im Stadtteil Zuchering-Seehof hat das römische Militär Spuren hinterlassen. So entdeckte der Luftbildarchäologe Otto Braasch dort zwischen 1978 und 1982 rund 2,5 Kilometer westlich von Kastell Oberstimm neben Spuren der Donausüdstraße drei frühkaiserzeitliche Truppenlager (siehe Ingolstadt-Zuchering Lager I sowie Ingolstadt-Zuchering Lager II und III). Zudem wurde in dem Gebiet ein spätantiker Burgus identifiziert (siehe Burgus Zuchering-Seehof).

Erste Erwähnung und Stadterhebung (806–1392)[Bearbeiten]

Der Herzogskasten, der älteste erhaltene Profanbau aus der Zeit der Stadtwerdung
Ingolstädter Pfennig aus der Zeit um 1300 mit Stadtwappen
Briefmarke 2006

Die erste schriftliche Erwähnung Ingolstadts findet sich in der Reichsteilungsurkunde Karls des Großen, der Divisio Regnorum vom 6. Februar 806, als villa Ingoldesstat, der Stätte des Ingold, vgl. Ingold, die sich schon in der Zeit der Agilolfinger entwickelt haben dürfte. Ingolstadt ist in dieser Urkunde, die einem Testament Karls des Großen gleichkommt, zusammen mit Lauterhofen als Königshof besonders hervorgehoben: Beide Höfe sollten an den zukünftigen Kaiser, Karls gleichnamigen Sohn, fallen. Wo dieser Königshof Ingoldesstat genau lag, konnte bisher archäologisch nicht nachgewiesen werden. Als wahrscheinlich gilt jedoch ein Standort in der heutigen Altstadt, wobei die Archäologie den Stadtteil Feldkirchen nicht ausschließt.[8] 841 wurde das karolingische Kammergut Ingolstadt von Ludwig dem Deutschen, dem Nachfolger Karls des Großen auf dem fränkischen Königsthron, an seinen Kanzler Gozbald, den Abt des Klosters Niederaltaich übertragen. In der Schenkungsurkunde wird erstmals die Größe des Ortes genannt. Er umfasste neben dem Fronhof insgesamt 34 Hufen (Huben), davon zwölf Höfe für königliche Boten (Sintmannen) sowie zwei Eigenkirchen. Zehn Jahre später übertrug der Abt seine Besitzungen dem Kloster.

Stadtentwicklung Ingolstadts im Hoch- und Spätmittelalter

Es ist nicht ausgeschlossen, dass das ursprüngliche Kammergut Ingoldesstat größer war. Im Hochmittelalter vor der Stadtwerdung Ingolstadts gab es neben dem niederaltaichischen Klostergut noch umfangreichen herzoglichen Besitz. Denkbar ist, dass dieser Besitz den Teil des karolingischen Königsgutes darstellte, der nicht an Niederaltaich übergeben worden war; dass der bayerische Herzog, vielleicht Arnulf der Böse, dem Kloster Besitz entfremdet hat, kann ebenso angenommen werden.

Von den Archäologen diskutiert wird schon für diese frühe Zeit eine Verlegung der Schutter.[9] Geologisch gesehen ist eine ursprüngliche Schuttermündung in die Donau einige Kilometer oberhalb der heutigen Mündung wahrscheinlich. Für eine Siedlung, wie sie das karolingische Kammergut und das niederaltaichische Klostergut Ingoldesstat war, wurde nicht nur eine sichere und strategisch günstige Lage benötigt, sondern auch ein Mühlfluss. Eine Verlängerung der Schutter bis zum heutigen Ingolstadt hätte beides gewährleistet und hätte im Rahmen der damaligen technischen Möglichkeiten gelegen.

Für die Zeit zwischen dem späten 9. und dem beginnenden 13. Jahrhundert fehlen jegliche urkundliche Belege für Ingolstadt. Vermutet wird eine Zerstörung der Siedlung während der Ungarneinfälle im 10. Jahrhundert oder ein großer Brand, der weite Teile Ingolstadts zerstörte und damit den Anstoß für den spätestens um 1200 beginnenden gründlichen Wiederaufbau und die Gewährung der Stadtrechte gegeben hat.[10]

Ingolstadt kann nach der Übernahme des Vogteirechts über Niederaltaich und damit Ingolstadt durch die Herren von Bogen nicht ohne Bedeutung gewesen sein. Nach dem Aussterben der Grafen von Bogen 1242 erbten die wittelsbachischen Herzöge den Besitz. Daher kann eine Stadtgründung durch die Wittelsbacher vor dem Aussterben der Grafen von Bogen 1242 nicht in Frage kommen. Mit den Wittelsbachern erscheint ein erneuter Aufstieg des Ortes möglich, da dort eine wichtige herzogliche Zollstätte mit Brücke lag, die die Straße nach Nürnberg bewachte. Da die Brücke von Neuburg bis 1247 in der Hand der Marschälle von Pappenheim war, war die Ingolstädter Brücke die einzige im weiten Umkreis, die den wittelsbachischen Herzögen unterstand.

Im Jahr 1234 wurde die Moritzkirche neu errichtet. Ob es schon zu dieser Zeit die Planstadt Ingolstadt gab, oder ob erst Herzog Otto II. in den 1250er Jahren den Schritt der Vereinigung verschiedener Vorgängersiedlungen zu einer Stadt vollzogen hat, bleibt unklar. Sicher ist jedenfalls, dass es verschiedene Siedlungen auf dem Gebiet der 1312 von Kaiser Ludwig IV. bestätigten Stadt gab, die ebenfalls auf karolingisches Königsgut und niederaltaichisches Klostergut zurückgehen. Um 1280 ist eine erste Stadtmauer nachweisbar. Diese umschloss ein Rechteck mit schachbrettartig angelegten Straßen und einer zentralen Hauptkreuzung beim Schliffelmarkt sowie einer Burg im südöstlichen Eck des Stadtgebiets, dem heutigen Herzogskasten. Der Stadtkern war offensichtlich schon 1258 bewohnbar, da aus diesem Jahr die erste herzogliche Urkunde datiert, die in Ingolstadt ausgestellt wurde. Um 1250 erhielt Ingolstadt Stadtrechte verliehen und später das Münzrecht. Im Jahr 1254 wurde der erste Bürger der Stadt Ingolstadt namens Heinrich Trost urkundlich erwähnt.

Um 1300 wurde Ingolstadt unter Kaiser Ludwig dem Bayern – wenngleich nur für etwa drei Jahre – Hauptstadt des neu gebildeten Teilherzogtums Oberbayern, da Ludwig als Vormund der Söhne Ottos III. von Niederbayern die Teilung Bayerns wieder rückgängig gemacht hatte.

Bereits bei Fertigstellung der ersten Stadtumwallung lag ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bebauung außerhalb der, mit Ausnahme der vier Türme und Tore nicht aus Mauerwerk bestehenden Befestigung. Dennoch dauerte es bis in die 1350er Jahre, bis mit der Stadtvergrößerung begonnen wurde. Eine wichtige Vorarbeit war die Heranführung des Donauhauptarms an die Stadt, die um 1360 abgeschlossen war. Die Stadterweiterung mit dem Bau einer gemauerten Stadtbefestigung wurde 1362 urkundlich gestattet. Mit dem Bau wurde Mitte der 1360er Jahre im Osten am Donauufer begonnen und Ende des 14. Jahrhunderts der Mauerring an der Donau im Westen geschlossen. Die Arbeiten am Donauufer zogen sich noch bis etwa 1430 hin. Seit 1407 war die Stadt in zwei Pfarreien – untere und obere – aufgeteilt.

Herzogtum Bayern-Ingolstadt (1392–1447)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bayern-Ingolstadt
Das Neue Schloss, Residenz der Ingolstädter Herzöge

Noch während am Ausbau Ingolstadts gearbeitet wurde, kam es 1392 zur Teilung Bayerns in die Herzogtümer Bayern-München (unter Johann II.), Bayern-Landshut (unter Friedrich dem Weisen) und Bayern-Ingolstadt. Ingolstadt wurde dadurch Haupt- und Residenzstadt eines souveränen Herzogtums unter Stephan III. (Stephan dem Kneißel).

Der Sohn Stephans III., Ludwig VII. (der Gebartete), brachte die begonnene Stadterweiterung mit 87 Türmen zum Abschluss und begann die von französischer Architektur inspirierten repräsentativen Bauwerke des Neuen Schlosses und des Liebfrauenmünsters. Stephans Tochter Isabeau heiratete den König von Frankreich. Der junge Ludwig VII. hatte seine Ausbildung am Hof von Paris erhalten. Die Zeit des souveränen Ingolstadt ist vor allem von den Auseinandersetzungen mit dem Teilherzogtum Bayern-Landshut geprägt. 1447 fiel Bayern-Ingolstadt schließlich an die Linie Bayern-Landshut. Ludwig VIII. (der Bucklige), der Sohn Ludwigs VII., hatte sich gegen seinen Vater aufgelehnt und ihn an dessen Vetter Heinrich XVI. ausgeliefert, in dessen Kerker der Ältere 1447 starb. Bereits zwei Jahre vorher war der kinderlos gebliebene Ludwig VIII. verstorben.

Universitätsstadt (1472–1800)[Bearbeiten]

Die Hohe Schule, das Hauptgebäude der Universität
Das Ingolstädter Jesuitenkolleg, Kupferstich von Michael Wening

Das Ende des souveränen Herzogtums bedeutete für Ingolstadt keinen Bedeutungsverlust oder wirtschaftlichen Niedergang. Die Landshuter Herzöge führten zahlreiche repräsentative Bauten wie etwa das Neue Schloss fort und 1472 gründete Herzog Ludwig IX. (der Reiche) von Niederbayern mit päpstlichem Privileg die erste bayerische Universität. Die Errichtung der Universität Ingolstadt bedeutete den Zuzug von etwa 600 Universitätsangehörigen und somit eine nicht unbeträchtliche Stärkung der Wirtschaft. Zur Ausbildung der Studenten wurde 1520 das Pädagogium und 1549 das Jesuitenkolleg Ingolstadt gegründet. Das war die Grundlage für Ingolstadts Bedeutung als Hauptort der Gegenreformation. Zahlreiche Jesuiten und Theologen, darunter vor allem der Ingolstädter Professor Johannes Eck zählten zu den heftigsten Widersachern Martin Luthers. So erschien 1520 in Ingolstadt Ecks De primatu Petri adversus Ludderum, eine Verteidigungsschrift des päpstlichen Primats. Doch die Universität Ingolstadt erlangte nicht nur durch die theologische Fakultät Bekanntheit. Besonders die astronomischen und geographischen Forschungen, etwa von Christoph Scheiner und Peter Apian sind hervorzuheben. Mit dem Werk Annales ducum Boiariae von Johannes Aventinus hatte die bayerische Geschichtsschreibung ihren Ursprung an der Universität Ingolstadt.

Die Festung Ingolstadt um 1573
Kupferstich in der Topographia Germaniae des Matthaeus Merian um 1644

Neben der Universität war Ingolstadt bereits im 14. Jahrhundert zu einem bedeutenden Handelszentrum insbesondere für Salz geworden. Aber auch der Weinmarkt spielte eine wichtige Rolle, die jedoch im 15. Jahrhundert zugunsten des Bieres abnahm. Der Bierumsatz stieg von 15.000 Hektolitern im 15. Jahrhundert auf mehr als 34.000 im Jahr 1546. Dazu trug das von Herzog Wilhelm IV. am 23. April 1516 in Ingolstadt deklarierte Bayerische Reinheitsgebot bei, das unter anderem die erlaubten Inhaltsstoffe des Bieres, Gerste, Hopfen und Wasser, festlegte.

Im Jahr 1537 wurde Ingolstadt zur bayerischen Landesfestung ausgebaut, die es mit einer kurzen Unterbrechung 400 Jahre blieb. Dies brachte der Stadt den Namen die Schanz ein und noch heute nennen sich viele Ingolstädter Schanzer. Unter Graf Solms, dem Herrn zu Münzberg, entstand eine Renaissancefestung mit Bollwerken, wobei die mittelalterliche Stadtmauer erhalten blieb. Die Bauphase dauerte bis etwa 1565. Noch bevor die Arbeiten beendet waren, lagen sich 1546 im Schmalkaldischen Krieg die Truppen des Schmalkaldischen Bundes und die kaiserlichen Truppen Karls V. vor den Stadttoren für zwei Wochen gegenüber. Mit dem Abzug der Schmalkaldener hatte die Festung ihre erste Bewährungsprobe bestanden.

In den Hexenprozessen von 1588 bis 1704 wurden elf Frauen Opfer der Hexenverfolgungen. Besonders bekannt wurden die sogenannten Kinderhexenprozesse 1618 und 1624, die nach langem Prozessverlauf mit der Freisprechung aller Beteiligten endeten.

Im Frühjahr 1632 belagerte Gustav II. Adolf von Schweden während des Dreißigjährigen Krieges die Stadt. Sein Pferd wurde ihm während eines Erkundungsritts förmlich „unter dem Hintern“ weggeschossen und ist im Stadtmuseum zu sehen, da es nach dem Abzug der Schweden in die Stadt geholt wurde. Der „Schwedenschimmel“ gilt als ältestes erhaltenes Tierpräparat Europas. Am 30. April 1632 starb in den Mauern der Stadt der Heerführer der katholischen Liga, Johann Tserclaes Graf von Tilly, an einer Verwundung. die er sich in der Schlacht bei Rain zugezogen hatte. Dass die Festung Ingolstadt von den Schweden nicht erobert werden konnte, ist ein wichtiger Faktor für die rasche militärische Erholung Bayerns trotz der Eroberung Münchens und der meisten anderen bayerischen Städte. Sie war der erste Misserfolg Gustav Adolfs in seinem Feldzug und gleichzeitig maßgebend für den weiteren Ausbau der Festung nach Ende des Krieges zwischen 1654 und 1662. Bereits im Spanischen Erbfolgekrieg belagerten Truppen des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden die ausgebaute Festung, jedoch wurde die Belagerung nach dem Sieg bei Höchstädt aufgehoben, da die Truppen für die Besetzung Ulms benötigt wurden.

Anfang und Mitte des 18. Jahrhunderts wurde an der Universität Ingolstadt vor allem die medizinische Fakultät aufgebaut und erlangte europaweite Bedeutung. Im Umfeld der Universität wurde am 1. Mai 1776 der Illuminatenorden durch Adam Weishaupt gegründet.

Ausmarsch des kurbayerischen Infanterieregiments Morawitzky im Jahr 1793 (Lithografie von Anton Hoffmann 1896)

1773 wurde nach der Auflösung des Jesuitenordens das Jesuitenkolleg Ingolstadt geschlossen. Mit dem Einzug der französischen Revolutionsarmee im Juli 1799 verlor die Stadt mit der Festung und der Universität ihre beiden wichtigsten Einrichtungen. Ende 1799 wurde die Festung von den Franzosen geschleift und ein Jahr darauf die Universität nach Landshut verlegt. Sie gelangte von dort schließlich 1826 nach München und ist heute die Ludwig-Maximilians-Universität. → siehe auch: Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Festungsstadt (1806–1938)[Bearbeiten]

Die „Batterie 94“ – ein Überrest der klassizistischen Festung
Das „Fort Prinz Karl“ der Festung Ingolstadt. Im Ersten Weltkrieg waren dort Kriegsgefangene untergebracht.
Turm Triva auf der südlichen Donauseite

Die Auswirkungen dieser Entwicklung für die Stadt waren enorm. Die Einwohnerzahl halbierte sich nahezu und ein Großteil der für das Wirtschaftsleben der Stadt wichtigen Professoren und Offiziere verließ Ingolstadt. Obgleich Ingolstadt 1803 einen Polizeikommissär erhielt und damit unmittelbar der Regierung unterstand – eine Vorform der kreisfreien Stadt – wechselte Ingolstadt die Kreiszugehörigkeit und gehörte zunächst zum Oberdonaukreis, später zum Regenkreis und nach Auflösung der alten Kreise schließlich zu Oberbayern.

Bereits wenige Jahre nach Schleifung der Festung Ingolstadt gab es Überlegungen hinsichtlich einer Neuerrichtung. Die Entscheidung fiel bereits 1806, jedoch begannen die Arbeiten erst 1828, als die durch die napoleonischen Kriege belasteten Staatsfinanzen es erlaubten. Der Bau der Königlich Bayerischen Hauptlandesfestung war das größte und teuerste Bauprojekt unter König Ludwig I. und beschäftigte bis 1848 gut 5.000 Bauarbeiter. Die Festung der Bayerischen Armee bestand aus fünf Fronten und sechs Kavalieren. Dies hatte zur Folge, dass beispielsweise 1861 7.193 zivile Einwohner 12.750 Uniformierten gegenüberstanden. Dementsprechend hoch war das Mitspracherecht des Militärs bei der städtebaulichen Entwicklung. Jegliche Bebauung im Rayon der Festung musste von ihm bewilligt werden, was die wirtschaftliche Entwicklung hemmte. Jedoch brachte der Festungsbau gleichzeitig eine Verbesserung der Infrastruktur mit sich. Ingolstadt erhielt 1867 Eisenbahnanschluss und es kam eine zaghafte Industrialisierung, vor allem durch Rüstungsbetriebe wie die Königlich Bayerische Geschützgießerei in Gang.

Während des Ersten Weltkriegs war Ingolstadt zeitweise mit über 40.000 Soldaten belegt, die Festungsbauten wurden als Kriegsgefangenenlager genutzt und drei Lazarette in der Stadt eingerichtet. Die berühmtesten Kriegsgefangenen des Weltkrieges waren der spätere französische Präsident Charles de Gaulle und der spätere sowjetische Marschall Michail Nikolajewitsch Tuchatschewski. Ab 1916 herrschte ein großer Mangel an Lebensmitteln. Im November 1918 bildete sich ein Arbeiter- und Soldatenrat. Vom Balkon des Rathauses rief man kurzfristig eine Räterepublik aus. Der Friedensvertrag von Versailles hatte eine starke Reduzierung der deutschen Armee zur Folge, und die Ingolstädter Rüstungsunternehmen waren zur Produktionsumstellung gezwungen. Besonders erfolgversprechend schien die Herstellung von Spinnereimaschinen durch die Deutsche Spinnereimaschinenbau AG Ingolstadt (Despag). Wegen der Weltwirtschaftskrise 1929 wurden 60 % der Arbeiter entlassen, 500 blieben übrig.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten vollzog sich am 27. April 1933, als der neu gebildete Stadtrat zwei NSDAP-Mitglieder als Zweiten und Dritten Bürgermeister wählte. Der seit 1930 amtierende Oberbürgermeister Josef Listl blieb bis 1945 im Amt. Bis Ende Juni legten die Stadtratsmitglieder der SPD und der BVP ihre Mandate nieder. Nationalsozialistische Übergriffe richteten sich in den ersten Monaten vor allem gegen Politiker und Mitglieder der KPD, die überwiegend in den Arbeitersiedlungen im Osten der Stadt wohnten. Das Gewerkschaftshaus wurde verwüstet. Mehr als 50 Personen wurden in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Beim Novemberpogrom 1938, als SA-Leute die Synagoge im Stegmeier-Haus verwüsteten, lebten noch 46 jüdische Einwohner in Ingolstadt. Die Hälfte der ursprünglich rund 100 Ingolstädter Juden hatte die Stadt seit dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft wegen ständiger Repressalien und Boykotte bereits verlassen. Am Morgen des 10. November 1938 mussten die letzten jüdischen Ingolstädter die Stadt innerhalb einer Frist von einer Stunde verlassen.

Im letzten Jahr des Zweiten Weltkrieges war das Fort VIII bei Manching die Außenstelle des zerstörten Wehrmachtsgefängnisses München. Dort wurden 1944/45 76 Wehrmachtsangehörige wegen Wehrkraftzersetzung bzw. Fahnenflucht hingerichtet. Später bettete man sie um auf den Ehrenhain des Westfriedhofs.[11]

Der zwischenzeitlich ohnehin bedeutungslose Status als Festung war Ingolstadt 1937 aberkannt worden.

Wirtschaftsstadt (seit 1945)[Bearbeiten]

Mit dem Ende der Festung konnte die Stadt noch in den 1930er Jahren expandieren, und es entstanden besonders im Süden und Osten Ingolstadts zahlreiche neue Siedlungen zwischen den Festungsgürteln. 1938 wurde zudem die Autobahn bei Ingolstadt fertiggestellt. Obwohl die Stadt Standort einer Garnison und zahlreicher Rüstungsbetriebe war, blieb Ingolstadt bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs von Bombenangriffen verschont. Erst ab Januar 1945 war Ingolstadt mehrmals Ziel alliierter Luftangriffe. Schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden insbesondere die südliche und östliche Innenstadt sowie der Bereich des Hauptbahnhofes. Weit über 600 Tote waren zu beklagen. Die Bomben trafen neben vielen Wohngebäuden unter anderem das Stadttheater, den Salzstadel, die Sankt-Anton-Kirche und das Gouvernementsgebäude. Bedeutendster kulturhistorischer Verlust war wohl die barocke Augustinerkirche von Johann Michael Fischer, bei deren Zerstörung über 100 Menschen starben. Die US Army besetzte Ingolstadt nach der Kapitulation des Stadtkommandanten am 26. April 1945 kampflos. Zuvor waren von abrückenden SS-Truppen noch die Donaubrücken gesprengt worden.

US-Aufkläreraufnahme des Bereichs um den Hauptbahnhof am 11. April 1945

Die Ankunft von etwa 5.000 Flüchtlingen und Vertriebenen verknappte den Wohnraum zusätzlich. Festungsbauten waren als Notunterkünfte nur eine provisorische Lösung. Nach Würzburg und Regensburg wies Ingolstadt die dichteste Wohnraumbelegung im Bayern der Nachkriegszeit auf. Einen wirklichen Neuanfang ermöglichte erst der soziale Wohnungsbau, vor allem durch die „Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft“.

In vakanten Kasernen- und Festungsarealen fanden zahlreiche Unternehmen Ersatz für zerstörte Produktionsstätten. Zur Sicherstellung der Ersatzteilversorgung für die in der späteren Trizone noch vorhandenen Fahrzeuge der Auto Union wurde in Ingolstadt Anfang Dezember 1945 zunächst das „Zentraldepot für Auto Union Ersatzteile“ gegründet, aus dem mit Krediten der Bayerischen Staatsregierung und Marshallplan-Hilfen Anfang September 1949 die neue Auto Union GmbH entstand. Die in Chemnitz beheimatete Auto Union AG, Chemnitz war im August 1948 aufgelöst worden. Mit dem neuen DKW-Schnellaster und dem Motorrad DKW RT 125 W (W steht für Westen, weil in Zschopau (DDR) auch eine RT 125 nach Vorkriegsplänen gebaut wurde) begann 1949 der Fahrzeugbau in der Stadt. 1950 folgte die ebenfalls aus Chemnitz stammende „Schubert & Salzer Maschinenfabrik AG“, die bereits 1938 Mehrheitseigner der „Despag“ geworden war.

Eröffnung der Konrad-Adenauer-Brücke 1952

In den 1950er und 1960er Jahren entstanden in der Innenstadt zahlreiche Gebäude, darunter das Neue Rathaus, deren Gestaltung keinerlei Rücksicht auf die historisch gewachsene Altstadt nahm. Die Einstellung zum städtischen Bauen wandelte sich in den 1970er Jahren. Wegweisend war der Neubau Klinikum Ingolstadt im Stadtteil Friedrichshofen. Häuser in der zentralen Ludwigstraße erfuhren eine Renovierung ebenso wie zahlreiche andere historische Bauten. Bei der Kreisreform von 1972 fiel der Landkreis Ingolstadt weg. Die Stadt selbst blieb kreisfrei und vergrößerte ihr Gebiet durch Eingemeindungen erheblich. 1989 wurde Ingolstadt wieder Universitäts- und mit über 100.000 Einwohnern auch Großstadt. 1992 fand dort die Landesgartenschau statt, die im Vorfeld zur Entstehung des Klenzeparks und zur Renovierung der Festungsanlagen am Brückenkopf führte. 2006 feierte Ingolstadt das 1200-jährige Stadtjubiläum.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Eingemeindungen zwischen 1962 und 1972

Durch die starke Bevölkerungszunahme von 57 % zwischen 1945 und 1960 war Anfang der 1960er Jahre nahezu das gesamte Gebiet der Stadt Ingolstadt bebaut und es gab kaum mehr Flächen zur Expansion. Das Stadtgebiet war aufgrund der 1813 erfolgten Ausgliederung der Audörfer südlich der Donau erheblich zu klein gewesen. Um das weitere Wachstum zu ermöglichen, schritt man 1962 zunächst zur Eingemeindung der Gemeinde Unsernherrn aus dem Landkreis Ingolstadt. Der größte Gebietszuwachs ergab sich dann nach der Auflösung des Landkreises Ingolstadt am 1. Juli 1972 im Rahmen der Gebietsreform in Bayern.

Folgende ehemals selbständige Gemeinden und Gemarkungen wurden zwischen 1962 und 1972 in die Stadt Ingolstadt eingegliedert:

Datum Orte Zuwachs in ha
1. Januar 1962 Unsernherrn mit den Gemeindeteilen Einbogen, Haunwöhr, Hennenbühl, Hundszell, Kothau, Niederfeld, Ringsee, Rothenturm und Schmalzbuckel (diese Orte gehörten schon bis 1813 zu Ingolstadt) 1.090
1. Januar 1968 Teilstück der Gemeinde Mailing 75
1. Juli 1969 Friedrichshofen 81
1. Juli 1972 Brunnenreuth mit den Gemeindeteilen Oberbrunnenreuth,
Unterbrunnenreuth und Spitalhof
275
1. Juli 1972 Dünzlau 481
1. Juli 1972 Etting 870
1. Juli 1972 Gerolfing 2.387
1. Juli 1972 Hagau 492
1. Juli 1972 Irgertsheim 600
1. Juli 1972 Mailing mit Feldkirchen 812
1. Juli 1972 Mühlhausen 249
1. Juli 1972 Oberhaunstadt mit Unterhaunstadt 553
1. Juli 1972 Pettenhofen 379
1. Juli 1972 Zuchering mit den Gemeindeteilen Winden und Seehof 1.293
  Gesamt:  9.637

Bevölkerung[Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung zwischen 1785 und 2005[12]
Bevölkerungsentwicklung Ingolstadt zwischen 1961 und März 2014[2][12]


Seit dem Mittelalter und am Anfang der Neuzeit gab es in Ingolstadt nur ein langsames Bevölkerungswachstum, das immer wieder durch die zahlreichen Kriege, Seuchen und Hungersnöte unterbrochen wurde. Bevölkerungszuwächse ergaben sich vor allem nach der Stadtvergrößerung im 14. Jahrhundert und die Gründung der Universität Ingolstadt. Der Rückgang der Einwohnerzahl zwischen 1762 und 1803 von 8000 auf 4800 Personen ist auf die Auflösung des Jesuitenordens 1773, die Verlegung der Universität nach Landshut 1800 und die Schleifung der Festung und Audörfer durch die napoleonischen Truppen während der Besetzung der Stadt 1800/1801 zurückzuführen.

Mit Beginn der Industrialisierung im Laufe des 19. Jahrhunderts beschleunigte sich das Wachstum der Bevölkerung langsam. Doch gerade der Ausbau Ingolstadts zur königlich-bayerischen Hauptlandesfestung, der zunächst ein starkes Wachstum mit sich brachte, wirkte sich später hemmend aus, da jede Bautätigkeit im Umkreis der Stadt vom Militär bewilligt werden musste. Erst nach Aufhebung des Festungsstatus 1938 und der Vergrößerung des Stadtgebiets nach 1962 konnte sich die Stadt ungehindert entwickeln.

1914 hatte Ingolstadt 25.000 Einwohner, bis 1959 verdoppelte sich diese Zahl auf 50.000. Die Grenze von 100.000 Einwohnern überschritt die Stadt 1989 und ist damit Bayerns und Deutschlands jüngste Großstadt. Ingolstadt ist damit nach Regensburg die zweitgrößte deutsche Stadt an der Donau und gehört zu den am schnellsten wachsenden Städten in Deutschland. 2012 lebten 127.886 Einwohner in Ingolstadt. Im März 2014 sind bereits 130.070 Einwohner laut Melderegister gelistet.

Jahr Einwohner
1961 54.715
1962 63.543
1963 65.383
1964 67.703
1965 68.369
1966 68.777
1967 69.013
1968 69.973
1969 71.954
1970 70.594
1971 71.273
1972 88.799
1973 91.080
1974 90.357
1975 88.500
1976 88.077
Jahr Einwohner
1977 88.550
1978 88.842
1979 89.467
1980 90.490
1981 90.989
1982 90.371
1983 90.412
1984 90.763
1985 91.836
1986 92.593
1987 96.657
1988 97.702
1989 101.360
1990 105.489
1991 107.375
1992 108.448
Jahr Einwohner
1993 109.666
1994 110.910
1995 119.979
1996 112.929
1997 113.494
1998 113.677
1999 114.826
2000 115.722
2001 117.311
2002 118.416
2003 119.528
2004 120.157
2005 121.314
2006 122.167
2007 123.055
2008 123.925
Jahr Einwohner
2009 124.387
2010 125.088
2011 126.076
2012 127.886
2013 128.848
Mrz. 2014 130.707

[2][12]

Demografie[Bearbeiten]

Die Bevölkerung Ingolstadts ist im Vergleich mit den übrigen bayerischen Großstädten die Jüngste. So hat sie mit 18,1 % den höchsten Anteil an unter 18-jährigen und gleichzeitig mit 18,0 % nach München (17,4 %) und Fürth (17,9 %) den drittniedrigsten Anteil an über 65-jährigen. Zudem leben in Ingolstadt etwas mehr Frauen als Männer. Der Anteil der weiblichen Bevölkerung liegt bei 50,6 %, der der männlichen Bevölkerung entsprechend bei 49,4 %. Seit gut 20 Jahren (mit Ausnahme des Jahres 2005) zeigt die natürliche Bevölkerungsbewegung eine positive Tendenz. Das bedeutet, dass die Anzahl der Sterbefälle niedriger ist als die der Geburten. Dieser Umstand erklärt zum Teil das starke Einwohnerwachstum Ingolstadts. Hinzu kommt, dass Ingolstadt in den vergangenen sieben Jahren einen Wanderungsüberschuss von ungefähr 1000 Personen pro Jahr verzeichnen konnte. Von den Zuwanderern stellen die 18 bis 25-jährigen mit gut 40 %, gefolgt von den 25 bis 30-jährigen mit etwa 20 %, den größten Anteil. Auch bei den Zuwanderern der letzten Jahre ergibt sich ein Frauenüberschuss.

Der Ausländeranteil an der Ingolstädter Bevölkerung lag 2005 bei 12,7 %, davon wiederum kommen 26,6 % aus den EU-Mitgliedstaaten. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund liegt hingegen bei ca. 40 % (Stand Dezember 2010)[13]. Die größte Gruppe der ausländischen Einwohner bilden die Türken mit 5273 Personen, gefolgt von den 3442 Angehörigen der Staaten des ehemaligen Jugoslawiens und 678 italienischen Staatsangehörigen. Zwischen den Stadtbezirken gibt es große Unterschiede beim Anteil der ausländischen Bevölkerung. So leben in den Stadtbezirken Süd und West unter 5 % ausländische Bürger, während es in den Bezirken Nordost und Nordwest über 20 % sind. Insgesamt liegt der Anteil von Personen ohne die deutsche Staatsangehörigkeit zum Teil deutlich niedriger als in den übrigen bayerischen Großstädten.

Religionen[Bearbeiten]

Die Moritzkirche Ingolstadt, das älteste Gotteshaus der Stadt
Die Matthäuskirche, die erste evangelische Kirche Ingolstadts
Münster Zur Schönen Unserer Lieben Frau

Christentum[Bearbeiten]

Ingolstadt gehörte von Anfang an zum Bistum Eichstätt, das 741 errichtet wurde und zum Erzbistum Mainz gehörte. Politisch gehörte die Stadt zum Herzogtum Bayern, das über die Jahrhunderte hinweg katholisch blieb. Ältestes heute noch erhaltenes Gotteshaus ist die 1234 errichtete Moritzkirche, die anstelle einer älteren Kirche entstand.

Im Zeitalter der Glaubensspaltung wurde Ingolstadt mit dem Einzug der Jesuiten zu einem Bollwerk des Katholizismus. Im Rahmen politischer Veränderungen mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Bistum Eichstätt 1817/21 der neuen Kirchenprovinz Bamberg zugeordnet, zu der es bis heute gehört. Die Pfarrgemeinden der Stadt sind Teil des Dekanats Ingolstadt, des südlichsten Dekanats des Bistums Eichstätt. Nur Zuchering mit den Pfarreifilialen in Hagau und Winden gehört zum Dekanat Pfaffenhofen des Bistums Augsburg, was durch die alte Diözesangrenze an der Sandrach (ehemals südlicher Hauptlauf der Donau) zu erklären ist.

Die ca. 62.000 Katholiken (Stand 2010[14]) in Ingolstadt stellen mit 49,7 % die größte Glaubensgemeinschaft dar und verteilen sich auf 18 Gemeinden. Auch befinden sich seit dem 13. Jahrhundert die beiden FranziskanerklösterGnadenthalkloster“ und „Kloster Ingolstadt“ in der Stadt.

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts zogen erste Protestanten in die Stadt. 1824 erhielt die Gemeinde ihren ersten evangelischen Pfarrer und errichtete mit „St. Matthäus“ ihre erste Kirche. Die neue Gemeinde gehörte zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Innerhalb dieser Landeskirche wurde Ingolstadt 1935 Sitz eines Dekanats, zu dem heute alle sieben evangelischen Kirchengemeinden der Stadt gehören. Das Dekanat Ingolstadt ist Teil des Kirchenkreises Regensburg. Die Protestanten stellen heute mit 22.997 Personen beziehungsweise 18,8 % die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft in Ingolstadt dar, wobei ihr prozentualer Anteil in den traditionell evangelischen Stadtteilen Friedrichshofen und Brunnenreuth nach wie vor am höchsten ist.

Ukrainische Orthodoxe Kirche an der Dreizehnerstraße 11

Die Mennonitengemeinde Ingolstadt entstand im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts durch den Zuzug pfälzischer Familien. Nachdem man über 90 Jahre sich zunächst in Bauernhöfen der Gemeindemitglieder und seit der Jahrhundertwende in einem gemieteten Saal versammelt hatte, konnte 1982 ein eigenes Jugend- und Gemeindezentrum an der Eigenheimstraße bezogen werden. Die Gemeinde, deren offizieller Name Evangelische Freikirche Mennonitengemeinde Ingolstadt lautet, gehört dem regionalen süddeutschen Verband deutscher Mennonitengemeinden an und ist Mitglied der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland.[15]

Am 14. Oktober 1945 wurde die Ukrainische Orthodoxe Kirchengemeinde Ingolstadt gegründet, welche bis heute in dem historischen Gebäude „Pulverhaus 25“ (ehem. Patronenhaus) existiert und regelmäßig ihre Gottesdienste abhält.

Auch andere orthodoxe Christen, darunter die russisch-orthodoxe Auslandskirche sowie die griechisch-orthodoxe Kirche, unterhalten in Ingolstadt Gotteshäuser.

Die Ingolstädter Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) wurde 1948 gegründet. Keimzelle der Gemeinde waren Flüchtlinge aus den ehemals deutschen Ostgebieten. Ein erstes Kirchengebäude wurde 1962 in der Nürnberger Straße errichtet und 1973 erweitert. Im Dezember 1994 zogen die Baptisten in ein neu erbautes Gemeindezentrum um. Es befindet sich im Stadtteil Hollerstauden.[16] Der Onckenweg, an dem das neue Gotteshaus liegt, wurde nach Johann Gerhard Oncken, dem Gründervater der deutschen Baptisten, benannt. Die Baptistengemeinde Ingolstadt gehört zum Landesverband Bayern des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden.

In der Stadt wirken darüber hinaus eine Reihe weiterer Freikirchen, darunter eine Freie evangelische Gemeinde, eine Freie Christengemeinde, die Siebenten-Tags-Adventisten (STA) sowie die Christusgemeinde Ingolstadt[17], die dem Hensoltshöher Gemeinschaftsverband (einem dem Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverband zugehörigen Werk) angehört.[18]

In Ingolstadt ist auch eine Gemeinde der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) ansässig.

Judentum[Bearbeiten]

Das Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Ingolstadt

In Ingolstadt bestand im Mittelalter eine jüdische Gemeinde, die bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts schriftlich erwähnt wird.[19] Das jüdische Wohngebiet mit Synagoge befand sich im Süden der Altstadt im Bereich der heutigen Schutter- und Spitalstraße. Judenverfolgungen gab es in Ingolstadt in den Jahren 1348 und 1450, wobei sich zwischen den Vertreibungen wieder mehrere jüdische Familien in der Stadt ansiedelten. Nach der Vertreibung von 1450 erhielten jüdische Personen erst ab 1861 wieder das Recht, sich in Ingolstadt niederzulassen. Bis 1933 stieg die Zahl der Gemeindemitglieder auf 100 und es entstand in einem Hinterhof an der Theresienstraße erneut ein Synagoge. Durch die Repressalien in der Zeit des Nationalsozialismus und insbesondere das Novemberpogrom 1938 verließen alle Angehörigen der jüdischen Gemeinde die Stadt oder wurden deportiert. Nach 1945 kehrten nur wenige der jüdischen Ingolstädter zurück, und die wiedereröffnete Synagoge musste 1952 geschlossen werden. 1968 lebten 16 jüdische Personen in Ingolstadt. Die verdrängte Geschichte der Ingolstädter Juden hat der Historiker Theodor Straub erforscht und in seinen Publikationen öffentlich gemacht. An die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus erinnern die im Stadtgebiet und vor allem im Luitpoldpark aufgestellten blauen Stelen.

Islam[Bearbeiten]

Die Kocatepe-Moschee, Ingolstadts jüngstes Gotteshaus

In Ingolstadt lebten einer Schätzung des Stadtplanungsamtes zufolge Ende des Jahres 2009 etwa 9.000 Muslime (Volkszählung 1987: 4566), hauptsächlich türkischer Herkunft. Die verschiedenen islamischen Gemeinden unterhalten Gebetsräume und Moscheen, darunter die Kocatepe-Moschee, Bayerns größte Moschee, die am 18. Mai 2008 im Bezirk Nordwest eröffnet wurde.[20] In einem Abschnitt des Südfriedhofs befindet sich überdies ein muslimischer Friedhof.

Seit 1988 besteht auch eine alevitische Gemeinde, die seit 2001 ein eigenes Gotteshaus im Augustinviertel besitzt.[21]

Politik[Bearbeiten]

Neues Rathaus Ingolstadt (erbaut 1960), April 2007
Altes Rathaus mit Pfeifturm und St. Moritzkirche

An der Spitze der Stadt stand anfangs der „Rat“, der erstmals für das Jahr 1309 bezeugt ist. Dieser Stadtrat bestand aus zwei Kammern, dem „Inneren Rat“, der eigentlichen obrigkeitlichen Stadtverwaltung und dem „Äußeren Rat“, der als beratendes und kontrollierendes Organ fungierte und von den Bürgern der Stadt gewählt wurde. Seit 1407 ist erstmals ein Bürgermeister nachweisbar, der aus den Reihen des Inneren Rats kam.

Das Amt des Bürgermeisters wechselte halbjährlich, später vierteljährlich. Nach 1447 leitete ein landesherrlicher Beamter als Pfleger die Stadt. Ab 1803 wurde in Ingolstadt nach und nach die Magistratsverfassung eingeführt, wobei der Magistrat ab 1818 von den Gemeindebevollmächtigten gewählt wurde. An der Spitze des Magistrats stand ein Bürgermeister. Teilweise wurden den Bürgermeistern der Titel Oberbürgermeister verliehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg trugen nahezu alle Bürgermeister diesen Titel.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Oberbürgermeister und der Stadtrat werden für eine Legislaturperiode von sechs Jahren gewählt. Oberbürgermeister der Stadt Ingolstadt ist seit dem 1. Mai 2014 Christian Lösel (CSU). Zweiter Bürgermeister ist Albert Wittmann (seit 2002, CSU), dritter Bürgermeister Sepp Mißlbeck (seit 2008, FW). Für die Liste aller Oberbürgermeister der Stadt Ingolstadt siehe: Liste der Oberbürgermeister von Ingolstadt.

Stadtrat[Bearbeiten]

Die Sitzverteilung im Stadtrat Ingolstadt nach Parteien

Der Stadtrat setzt sich aus 50 gewählten Mitgliedern und dem Oberbürgermeister zusammen. Zusätzlich unterstützen ihn drei Ortssprecher für die Stadtteile Brunnenreuth, Haugau und Irgertsheim beratend. Nach der letzten Kommunalwahl am 16. März 2014 zogen in den Stadtrat ein[22]:

– die Christlich-Soziale Union (CSU) mit 22 Sitzen,
– die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) mit zehn Sitzen,
– die Freien Wähler (FW) mit fünf Sitzen,
– Bündnis 90/Die Grünen (GRÜNE) mit fünf Sitzen
– die Ökologisch Demokratische Partei (ÖDP) mit zwei Sitzen,
- die Bürgergemeinschaft Ingolstadt mit zwei Sitzen,
– DIE LINKE (Die Linke) mit zwei Sitzen,
– die Freie Demokratische Partei (FDP) mit einem Sitz,
– Die Republikaner (REP) mit einem Sitz.

Fraktionen bilden nur die CSU, die SPD, die Freien Wähler und Die Grünen. Neben dem Stadtrat existieren noch 65 Gremien der Stadt mit verschiedenen Aufgabenbereichen.

Ergebnisse der Kommunalwahlen in Ingolstadt

Bundestagswahlkreis[Bearbeiten]

Ingolstadt gehörte zum Wahlkreis Ingolstadt (Bundestagswahl 2005: Nr. 218, 2009: 217), dem auch der Landkreis Eichstätt und der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen ohne die Gemeinde Aresing [23] angehören.

Wappen[Bearbeiten]

Ältere Wappen­version (nach Stadler)
Die Flagge Ingolstadts

Blasonierung: „In Silber ein rot bewehrter blauer Panther.“ Die Stadtflagge: „Dreimal gespalten (Banner) bzw. geteilt (Flagge) von Silber und Blau, belegt mit dem Stadtwappen.“

Die ersten Siegel der Stadt zeigten den Heiligen Mauritius als Schutzpatron der Moritzkirche, der Hauptkirche der Stadt. Die Wahl des Schutzheiligen geht auf die seit dem 9. Jahrhundert bestehende Verbindung Ingolstadts mit dem Kloster Niederaltaich, einem dem Heiligen Moritz geweihtes Benediktinerkloster, zurück. Ab 1314 stützt sich der Schutzpatron auf einen Schild mit einem Fabelwesen, einem damals als Pantier bezeichneten, feuerspeienden Drachen. Als volksetymologische Erklärung wurde aus „Pantier“ im Laufe der Jahrhunderte der Panther. Ab etwa 1340 wird der Schild mit dem Panther als alleiniges Siegel verwendet und findet sich überdies auf Münzen sowie dem „Kreuztor“. Die Herkunft des Wesens ist nicht mit Sicherheit nachzuweisen. Es wird mehrheitlich angenommen, dass sich der Panther von den spanheimischen Pfalzgrafen von Kraiburg-Ortenburg herleitet, der seit 1260 Nebenwappen der Wittelsbacher war und der sich ebenfalls im bayerischen Staatswappen findet, dort allerdings goldbewehrt ist. Eine weitere, eher legendäre Möglichkeit ist die Verleihung des Wappens durch Ludwig den Bayern im Jahre 1313, mit der er die Tapferkeit der Ingolstädter in der Schlacht von Gammelsdorf honorieren wollte.

Die Stadtflagge von Ingolstadt hat vier gleich breite, horizontale Streifen in den Farben Weiß-Blau-Weiß-Blau und ein Seitenverhältnis von 3:5. Im Zentrum zeigt sie das Stadtwappen auf weißem Grund. Bei der Bannerflagge verlaufen die vier Streifen vertikal und das Seitenverhältnis beträgt 5:2.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Die Städtepartnerschaften der Stadt Ingolstadt.[24]
Italien Carrara (Italien), seit 2. Juni 1962
Schottland Kirkcaldy (Schottland), seit 3. September 1962
Frankreich Grasse (Frankreich), seit 7. Mai 1963
Slowenien Murska Sobota (Slowenien), seit 30. März 1979
Russland Moskau (Zentraler Bezirk) (Russland), seit 8. November 1995
Türkei Manisa (Türkei), seit 30. November 1998
Serbien Kragujevac (Serbien), seit 3. Juli 2003
Polen Oppeln (Polen), seit 4. November 2005
UngarnUngarn Győr (Ungarn), seit 8. November 2008
Provence-Haus im Klenzepark

Die Geschichte der Ingolstädter Städtepartnerschaften begann nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Britische Generalkonsulat in München mit dem Wunsch zum Aufbau einer freundschaftlichen Beziehung zu einer britischen Stadt an bayerische Städte herantrat. Nachdem bereits mehrere Partnerschaften zwischen bayerischen und schottischen Städten geschlossen worden waren, war die 1962 geschlossene Städtepartnerschaft zwischen Ingolstadt und Kirkcaldy im County Fife die zehnte ihrer Art zwischen den beiden Regionen. An die Partnerschaft erinnert heute unter anderem eine Stele im Klenzepark, sie wird durch zahlreiche Schüleraustausche gepflegt.

Im selben Jahr entstand die Partnerschaft zwischen Ingolstadt und der Stadt Carrara im Norden der Toskana. Zu Ehren der Partnerstadt wurde der Platz zwischen der Reitschule und dem Herzogskasten in Carraraplatz umbenannt; zahlreiche Skulpturen aus Carrara-Marmor befinden sich im Stadtgebiet.

Im Zuge des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages von 1963 kam es im selben Jahr zur Unterzeichnung eines Partnerschaftsvertrages mit Grasse in Südfrankreich, womit die erste Phase von Städtepartnerschaften abgeschlossen war. Sichtbar ist die Beziehung in Ingolstadt unter anderem durch das 1992 im Klenzepark errichtete Provence-Haus.

Erst 16 Jahre später entstand die Verbindung zur damals jugoslawischen und heute slowenischen Stadt Murska Sobota; danach dauerte es weitere 16 Jahre bis 1995 die Partnerschaft mit dem Zentralen Verwaltungsbezirk von Moskau geschlossen wurde. 1998 folgte die Verbindung mit der türkischen Stadt Manisa, deren Bürgermeister, ein Architekt, sich am Entwurf der Ingolstädter Moschee beteiligte.

Die jüngsten Ingolstädter Städtepartnerschaften wurden zwischen 2003 und 2008 mit den Städten Kragujevac, Oppeln und Győr geschlossen. Mit der Verbindung mit dem oberschlesischen Oppeln war ein Städtenetzwerk aus den Städten Carrara, Grasse, Ingolstadt und Oppeln entstanden, die jeweils Partnerstädte sind. Die Verbindung zur ungarischen Stadt Győr entstand vor allem aus dem Umstand, dass die Audi AG dort seit 1994 ein Motorenwerk betreibt. Derzeit wird eine Partnerschaft mit einer Stadt in einem Entwicklungsland in Erwägung gezogen.

Patenschaften[Bearbeiten]

  • 1953 wurde die Patenschaft für die Deutschböhmen aus der Stadt Niemes im Kreis Deutsch Gabel übernommen.
  • 1973 übernahm die Stadt Ingolstadt die bereits im Mai 1967 vom Landkreis Ingolstadt geschlossene Patenschaft für die Deutschböhmen aus der Stadt und dem Kreis Prachatitz im Böhmerwald. Grund für die Patenschaft war, dass sich viele Prachatitzer in und um Ingolstadt niederließen. Im Rahmen der Patenschaft für beide sudetendeutsche Städte entstand im ehemaligen „Pedellhaus“ der Hohen Schule das Heimatmuseum Niemes-Prachatitz.
  • Seit 1987 besteht außerdem eine Patenschaft für die Banater Schwaben in Bayern.

Ingolstadt als Namensgeberin[Bearbeiten]

Auf den Namen „Ingolstadt“ getaufter ICE 3
  • 1997 nannte die Lufthansa einen Airbus A319-114 (Seriennummer 651, registriert unter D-AILI) „Ingolstadt“. Der Jungfernflug führte die Maschine über den Ingolstädter Luftraum, Pilot dabei war der in Ingolstadt geborene Flugkapitän Sieber. Der Airbus wird heute von der LH-Italia unter dem Namen „Roma“ genutzt.
  • Die Lufthansa unterhält einen Airbus A330-300 (343E) mit dem Namen „Ingolstadt“ mit Basis auf dem Flughafen Düsseldorf. Das Flugzeug trägt die Registrierung D-AIKL und die Baunummer 905. Es wurde der Lufthansa am 6. März 2008 übergeben.
  • Am 27. November 2003 erhielt im Hauptbahnhof Ingolstadt ein ICE 3 (Triebzug 336) den Namen „Ingolstadt“.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Stadttheater
Das Medizinhistorische Museum in der Alten Anatomie
Das museum mobile
Der „Turm Triva“, in dem das Bayerische Polizeimuseum untergebracht wird.

Theater[Bearbeiten]

Nachdem das alte Stadttheater in Ingolstadt im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, dauerte es bis 1966 ehe eine neue Spielstätte errichtet wurde. Das neue Stadttheater Ingolstadt wurde vom Architekten Hardt-Waltherr Hämer konzipiert und bietet 663 Plätze. Neben diesem Großen Haus verfügt das Theater Ingolstadt über vier kleinere weitere Spielstätten. Das Kleine Haus am Turm Baur, die Freilichtbühne im Turm Baur, das Studio im Herzogskasten und die Werkstattbühne, die sich ebenfalls im Hämer-Bau befindet. Insgesamt finden in Ingolstadt rund 500 Vorstellungen im Jahr statt. In der Stadt ist zudem eine große Zahl weiterer Bühnen zu finden, die von Theatergruppen mit unterschiedlichen Trägern geführt werden. Das Theater wird seit 2007 unter hohem Kostenaufwand saniert, eine Generalsanierung ist ab 2015/2016 geplant.[25]

Museen[Bearbeiten]

Ingolstadt verfügt insgesamt über 13 Museen unterschiedlicher Träger.

Größtes und ältestes Museum in der Stadt ist das Bayerische Armeemuseum mit einer Sammlung von Waffen, Ausrüstungsgegenständen, Uniformen, Fahnen, Standarten, Gemälden und Orden mit dem Schwerpunkt auf der Bayerischen Armee. Das Museum ist im Neuen Schloss und im Reduit Tilly untergebracht und deckt die Militärgeschichte bis einschließlich des Ersten Weltkriegs ab.

Das 1973 eröffnete Deutsche Medizinhistorische Museum, das in der „Alten Anatomie“ untergebracht ist, zeigt die Entwicklung der Medizin seit der Zeit des Alten Ägyptens und ist das einzige Museum dieser Art in Deutschland. Neben Gegenständen der Chirurgie verfügt das Museum über einen botanischen Garten mit einer Fülle von Arzneipflanzen.

Im Stadtmuseum Ingolstadt werden zahlreiche Exponate gezeigt, die die Entwicklung der Stadt und der Region von der Frühzeit bis in die jüngste Gegenwart darstellen. So ist im Kavalier Hepp neben dem Bernsteincollier und dem Stadtmodell von Jakob Sandtner auch der Schimmel des Schwedenkönigs Gustav Adolf ausgestellt. Seit 1998 beherbergt das Kavalier Hepp darüber hinaus das Spielzeugmuseum. Ebenfalls zum Stadtmuseum gehört das Bauerngerätemuseum im Stadtteil Hundszell.

Von den Museen unter privater Trägerschaft ist besonders das museum mobile der Audi AG im Audi Forum hervorzuheben. Es zeigt die Unternehmensgeschichte beispielsweise in Form von über 50 Autos und mehr als 30 Fahr- und Motorrädern.

Die Moderne Kunst ist in Ingolstadt museal vor allem durch das Museum für Konkrete Kunst mit der umfassendsten Sammlung in ganz Europa vertreten. Daneben existiert noch das Museum des Bildhauers Alf Lechner.

Kleinere Museen und Dokumentationsstätten sind das Heimatmuseum Niemes-Prachatiz, das die Heimatsammlung der Stadt Niemes und des Landkreises Prachatitz in Böhmen zeigt, die Dokumentationsstätte Marieluise Fleißer, die in Fleißers Elternhaus untergebracht ist, das Heinrich-Stiefel–Schulmuseum am Brückenkopf und das Europäische Donaumuseum Ingolstadt mit einem Ausstellungsraum im Stadtmuseum und dem alten Messpegelhaus am Brückenkopf.

Jüngstes Museum in Ingolstadt ist das Bayerische Polizeimuseum im Turm Triva im Klenzepark, dessen Eröffnung für das Jahr 2009[26] geplant war und letztlich im Dezember 2011[27] stattfand. Darin wird die Entwicklung der Polizei in Bayern seit dem Jahr 1812 dokumentiert.

Musik[Bearbeiten]

Ingolstadt ist der Heimatort einiger, teilweise deutschlandweit bekannter Musikinterpreten und -bands. Hierzu zählen insbesondere die Hardrock-Band Bonfire und das Dance-Projekt Groove Coverage. Weitere bekannte Bands sind Slut, Hotwire, Blues Lick, The Scandal Rock Band und Kevins Campfire.

Mit dem Georgischen Kammerorchester kann Ingolstadt auf ein renommiertes Orchester verweisen. Darüber hinaus sind in der Stadt zahlreiche Chöre aktiv; darunter beispielsweise die Ingolstädter Nachtigallen, der Jugendkammerchor Ingolstadt, der Kammerchor „incanto corale“, der Schanzer Kosaken-Chor und der Motettenchor Ingolstadt e. V.

Panorama über die westliche und nördliche Altstadt vom Pfeifturm aus gesehen, Mai 2007

Bauwerke[Bearbeiten]

Taschenturm mit Stadtmauer
Die ehemalige Jesuitenbibliothek Ingolstadt
Das Innere der Asamkirche
Im Klenzepark Ingolstadt
Die Saturn-Arena, Spielstätte des ERC Ingolstadt

Ingolstadt zeichnet sich durch eine weitgehend erhaltene historische Altstadt mit Bauwerken aus allen Epochen der Stadtgeschichte aus. Nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege gibt es in der Stadt 582 Baudenkmäler. Der Scherbelberg, ein historischer Trümmerberg aus den napoleonischen Kriegen, sowie der Pfeifturm, ein ehemaliger Wachturm der Stadt aus dem 14. Jahrhundert, gewähren einen Überblick über die Altstadt.

Aus der Zeit der ersten Stadtumwallung und Stadtwerdung sind die Moritzkirche, die Untere Pfarr aus dem Jahr 1234 und der Herzogskasten, das alte Herzogsschloss, erhalten. Ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert stammen die frühesten Bestände der beiden Ingolstädter Klöster, dem Gnadenthalkloster und dem Franziskanerkloster mit Franziskanerkirche, sowie das Spital von 1319. Von der zweiten Stadtumwallung aus dem 14. Jahrhundert sind weite Teile der Stadtmauer sowie das Kreuztor – eines der vier Haupttore – erhalten, das gleichzeitig ein Wahrzeichen der Stadt ist. Teil der Stadtmauer sind auch die beiden Nebentore Taschenturm und Münzbergtor aus dem Jahr 1390. Ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert stammt das Alte Rathaus. Erstmalig wurde dieses im 16. Jahrhundert umgebaut, letztmals 1882.

Aus der Zeit des souveränen Herzogtums Bayern-Ingolstadt stammen das Neue Schloss und das Münster Zur Schönen Unserer Lieben Frau, die „Obere Pfarr“. Beide Bauwerke, die von Ludwig dem Gebarteten in Auftrag gegeben wurden sind eindrucksvolle Beispiele der Spätgotik. Auf den Ingolstädter Herzog geht das 1429 gestiftete Pfründnerhaus zurück, die Hohe Schule, in der ab 1472 die Universität untergebracht war.

Neben diesen repräsentativen Bauten finden sich in Ingolstadt viele sehenswerte Bürgerhäuser. Das älteste ist das „Birnbaumhäusl“ aus der Zeit um 1470. Daneben das Haus des Theologen Johannes Eck, das Sterbehaus des Feldherrn Tilly und zahlreiche weitere Wohnhäuser von Ingolstädter Professoren. Hervorzuheben sind hier das „Kaisheimer Haus“ sowie das „Ickstatt-Haus“, das durch die höchste Barockfassade Süddeutschlands besticht.

Ebenfalls aus der Zeit als Universitätsstadt stammt die Alte Anatomie, ein spätbarocker Prachtbau im Stil einer Orangerie aus dem Jahr 1723, in dem die medizinischen Fakultät der Universität untergebracht war. Die Maria de Victoria Kirche („Asamkirche“) wurde zwischen 1732 und 1736 als Oratorium der marianischen Studentenkongregation erbaut und gilt mit ihrem monumentalen Deckenfresko und ihrer Ausstattung als Höhepunkt des Schaffens der Brüder Asam. Mit der Lepanto-Monstranz beherbergt die Asamkirche eine der wertvollsten Monstranzen der Welt.

Von der Festungsanlage des 19. Jahrhunderts sind ebenfalls große Teile erhalten. Hierzu zählen die Bauten am sogenannten Brückenkopf, dem Reduit Tilly und den Türmen Baur und Triva, bei denen Leo von Klenze an der künstlerischen Ausgestaltung mitwirkte. Darüber hinaus sind vier Kavaliere, darunter Kavalier Hepp und eine der Fronten sowie mehrere Batteriestellungen und Flankenbatterien erhalten.

Mit dem Theater Ingolstadt hat Ingolstadt zudem das jüngste Baudenkmal Bayerns.

Sehenswert ist darüber hinaus die Dampflokomotive 98 507 (Bayerische D XI), die 1968 vor dem Hauptbahnhof als Denkmal aufgestellt wurde. Diese wurde 1903 von Krauss-Maffei gebaut und ist die letzte Vertreterin von 147 Exemplaren der Baureihe „98.4–5“. 1960 wurde diese Lokalbahnlokomotive im Bahnbetriebswerk Nürnberg Rbf ausgemustert.

Das von Gunter Henn gestaltete Audi Forum ist ein Beispiel für moderne Architektur in Ingolstadt.

Parks und Naturräume[Bearbeiten]

Ingolstadt ist eine grüne Stadt mit zahlreichen Parks, Grünanlagen und Wäldern. Am prägendsten ist das „Glacis“, das Vorfeld des ehemaligen Festungsgürtels rund um die eigentliche Innenstadt. Sie ist heute der innere Grüngürtel und damit grüne Lunge und Pufferfläche zwischen Autoverkehr und Wohnbebauung und Schulen. Durchzogen wird sie von weitläufigen Fuß- und Radwegen mit guter Sicht auf einige der ehemaligen Festungsbauten inklusive eines gut erhaltenen Stücks am Künettegraben. Auch der größte Park Ingolstadts, der Klenzepark, das Gelände der Landesgartenschau von 1992 am ehemaligen Brückenkopf der klassizistischen Festung, ist Teil des Glacis. Der Übergang vom Park zum Wald wird im Luitpoldpark deutlich, der am Brückenkopf als Teil des Glacis beginnt und im Westteil zunehmend waldähnlichen Charakter annimmt.

Der äußere Grüngürtel verläuft im Bereich der ehemaligen Vorwerke der Festung. Zu ihm gehören unter anderem der Spielpark „Fort Peyerl“, der „Fort Haslang Park“ und der Stadtteilpark „Am Augraben“.

Größter Wald in Ingolstadt ist der Auwald („Schüttel“) am nördlichen und südlichen Donauufer. Es ist eines der größten durchgängig erhaltenen Auwaldstücke in Deutschland, größtenteils gelegen zwischen Neuburg und Ingolstadt mit Ausläufern bis ins Stadtgebiet und darüber hinaus. Der Auwald dient als Naturreservat mit in der Region zum Teil einzigartiger Vegetation und Tiervorkommen, zudem als grüne Lunge und (naturnahes) Naherholungsgebiet. Auch der Zucheringer Wald, das Naherholungsgebiet „Am Auwaldsee“ sowie das Naherholungsgebiet Irgertsheim mit seinen zahlreichen Weihern und Seen sind Reste des Auwalds.

Der Westfriedhof ist ein weiterer Naturraum, der vielen Vögeln als Nist- und Futtermöglichkeit dient.

Sport[Bearbeiten]

Das Sportleben in der Stadt wird vor allem von den 83 eingetragenen Sportvereinen getragen. Größter Verein ist der MTV 1881 Ingolstadt mit über 3000 Mitgliedern in 16 Abteilungen. Insgesamt zählen die Ingolstädter Sportvereine etwa 41.000 Mitglieder.

Ingolstadt ist besonders durch den Eishockeysport bekannt. Der 1964 gegründete ERC Ingolstadt spielt seit der Saison 2002/2003 in der DEL. Mit Ausnahme der Aufstiegssaison und des Spieljahres 2007/2008 hat die Mannschaft jedes Jahr die Play-offs und bereits dreimal das Halbfinale der Play-offs erreicht. Die beste Vorrundenplatzierung erreichte der ERC in der Saison 2005/2006 mit Platz zwei. In der Saison 2013/2014 wurde der ERC Ingolstadt in seinem 50. Gründungsjahr Deutscher Meister.

Der Fußballverein FC Ingolstadt 04 entstand 2004 durch die Fusion der Fußballabteilungen der Sportvereine MTV Ingolstadt und ESV Ingolstadt. In der Saison 2007/08 stieg er von der dritthöchsten Spielklasse, der Regionalliga Süd, in die 2. Bundesliga auf. Nach der Saison 2008/2009 stieg der Verein jedoch als Vorletzter wieder ab. Seit der Saison 2010/11 spielt der FC Ingolstadt erneut in der 2. Liga. Die zweite Mannschaft des FC Ingolstadt spielt in der Regionalliga. Der Vorort-Club FC Gerolfing erreichte in der Relegation den Aufstieg in die Landesliga Süd für die Saison 2010/11. Die zahlreichen Teams der weiteren Fußballvereine spielen in niedrigeren Spielklassen, so etwa der TSV Oberhaunstadt und der Türk SV Ingolstadt, die in der Bezirksliga Oberbayern Nord antreten.

Baseball ist in Ingolstadt ebenfalls vertreten. Der Verein Ingolstadt Schanzer wurde 1985 gegründet und zählt damit zu den ältesten Baseballvereinen in Deutschland. Zwischenzeitlich spielte die Mannschaft erstklassig, stieg jedoch 1999 wieder in die 2. Bundesliga ab.

2009 feierten die Ingolstadt Baboons ihr 10-jähriges Bestehen. Der Verein widmet sich dem Rugby und ist 2009 in die Regionalliga aufgestiegen. Trainiert werden die Baboons von den ehemaligen Nationalspielern Felix Martin und Miguel Burgaleta.

Mit dem Team Panthers Lacrosse des TSV Ingolstadt Nord gibt es seit Ende 2008 eine Lacrosse-Mannschaft. Gegenwärtig wird die Mannschaft durch den langjährigen Nationalspieler Florian Klaus trainiert.

Seit einigen Jahren ist auch Floorball in Ingolstadt durch mehrere Vereine vertreten. Der bekannteste und bislang erfolgreichste ist der ESV Ingolstadt, der seit der Saison 2007/08 in der 2. Bundesliga spielt und dort auf Anhieb die Playoffs um den Aufstieg in die 1. Liga erreichte.

Wichtigster Schwimmverein Ingolstadts ist der SC Delphin, unter anderem der Heimatverein der derzeitigen Europarekordhalterin Janine Pietsch (50 Meter Rücken) und der deutschen Meisterin Raphaela Piehler (200 Meter Rücken). Die Wasserballmannschaft des SC Delphin Ingolstadt spielt in der Oberliga Bayern.

Der jährlich im Mai ausgetragene „Ingolstädter Halbmarathon“ ist mit mehr als 3.000 Startern die teilnehmerstärkste, regelmäßig stattfindende, Sportveranstaltung in Ingolstadt. Die 21,1 Kilometer lange Route führt vorwiegend durch die Altstadt und den Klenze- sowie den Luitpoldpark südlich der Donau.

In Ingolstadt startet seit 1969 jährlich Ende Juni die „Tour International Danubien“ (TID), die mit 2.080 km längste Kanu- und Ruderwanderfahrt der Welt.

Die im Jahr 2003 errichtete „Saturn-Arena“ ist die größte Sporthalle in Ingolstadt. Sie ist Austragungsort der Heimspiele des ERC Ingolstadt und bietet 4816 Zuschauern Platz. Für Trainingszwecke wurde eine weitere Eissporthalle in direkter Nachbarschaft zur Saturn Arena gebaut. Bis zum Abriss im Frühjahr 2014 war ferner das nicht mehr überdachte Eisstadion an der Jahnstraße, der sogenannte „Pantherkäfig“, vorhanden.

Das größte Fußballstadion in Ingolstadt ist der Audi-Sportpark, der am 24. Juli 2010 seiner Bestimmung übergeben wurde und etwa 15.000 Zuschauern Platz bietet. Der Audi-Sportpark löst somit das TUJA-Stadion (ehem. ESV) im Stadtteil Ringsee als Austragungsort der Heimspiele des FC Ingolstadt 04 ab. Im alten ESV-Stadion wurden während der Olympischen Sommerspiele 1972 mehrere Vorrundenspiele im Fußball ausgetragen. Das Stadion war darüber hinaus jahrelang Austragungsort des „Ingolstädter Leichtathletik Meetings“, das 2001 letztmals stattfand. Daneben existieren drei weitere Bezirkssportanlagen in den Stadtbezirken Südwest, Nordwest und Nordost. Für Hallensportarten stehen insgesamt sechs Dreifach- und vier Doppelsporthallen im Stadtgebiet zur Verfügung.

Der Poolbillardverein BSC Ingolstadt wurde 1995 und 1996 Deutscher Mannschaftsmeister.

Veranstaltungsorte[Bearbeiten]

Ingolstadt verfügt über eine Vielzahl verschiedener Veranstaltungsorte für unterschiedlichsten Zwecke. Größter Veranstaltungsraum ist die „Saturn Arena“, eine Multifunktionshalle für Konzerte und kleinere Messen. Für größere Messen wurde das „Messegelände Ost“ nördlich von Mailing errichtet. Für musikalische Veranstaltungen wird auch die Kleinkunstbühne „Neue Welt“, das „Ohrakel“ und das „Cafe Paradox“ als Austragungsort genutzt. Weitere Veranstaltungsorte für verschiedene Anlässe sind das „Audi Forum“ und der „Große Festsaal“ im Ingolstädter Stadttheater.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Der geschmückte Ludwigsbrunnen während des österlichen Brunnenfests
Die Ludwigstraße während des Bürgerfests 2007
Der Christkindlmarkt in Ingolstadt vor dem Herzogskasten

Die ersten größeren kulturellen Veranstaltungen des Jahres in Ingolstadt sind die „Ingolstädter Kabarett-Tage“ und die „Ingolstädter Literaturtage“. Im April folgt das „Fest zu Georgi“, der Verkündung des Reinheitsgebots für Bier in Ingolstadt im Jahr 1516.

Vor Ostern findet seit dem Jahr 2000 auf dem Paradeplatz vor dem Neuen Schloss das „Brunnenfest“ statt. Im Zentrum steht der mit über 3000 Ostereiern, Thujen- und Buchszweigen geschmückte Brunnen mit dem Denkmal Kaiser Ludwig des Bayern, um den sich etwa 30 Verkaufsstände gruppieren.

Die Anfänge des „Pfingstfestes“ gehen auf die Verleihung eines ewigen freien dreiwöchigen Markts durch Kaiser Ludwig den Bayern zurück, der alljährlich 14 Tage nach Pfingsten stattfinden soll. Seine heutige Form hat das Pfingstfest seit 1946. Seit 1972 wurde es vom alten Volksfestplatz vor dem Taschenturm auf den neuen, etwa 40.000 Quadratmeter großen Volksfestplatz verlegt. Das Volksfest dauert heute nur mehr 10 Tage und verfügt über zwei Bierzelte und einen Warenmarkt.

Seit 1985 fand alljährlich am ersten Wochenende im Juli das große „Bürgerfest“ statt. Im Jahr 2006 beschloss der Stadtrat, dieses nur noch jedes zweite Jahr, im Wechsel mit dem erstmals 2006 anlässlich des 1200-jährigen Stadtjubiläums stattgefundenen „Historischen Fest“, abzuhalten. Seit 2008 heißt das „Historische Fest“ nun „Ingolstädter Herzogsfest“.

Weitere Veranstaltungen im Sommer sind der „Ingolstädter Kultursommer“ sowie das „Kurzfilmfestival 20 min/max“ und das bereits im Juni stattfindende „Carrara-Weinfest“ der Partnerstadt Carrara auf dem Paradeplatz.

Am letzten Wochenende im August findet in der Gemeinde Oberstimm (direkt hinter der Stadtgrenze, zu Manching gehörend) der Barthelmarkt statt, das größte und älteste Volksfest der Region.

Im September stehen zwei größere Feste auf dem Veranstaltungskalender. Diese sind die „Septemberdult“ auf dem Paradeplatz sowie das „Herbstfest“, das zweite Ingolstädter Volksfest.

Am ersten September-Wochenende findet alle zwei Jahre das „Open Flair Festival“ im Klenzepark statt. Es wird seit 1978 veranstaltet.

Der Spätherbst ist in Ingolstadt von zahlreichen kulturellen Veranstaltungen, wie den „Ingolstädter Jazz-Tagen“ oder den „Der Oktober ist eine Frau Künstlerinnentage“ geprägt.

Im Dezember findet auf dem Platz zwischen Stadttheater und Herzogskasten der Ingolstädter Christkindlmarkt statt. Er wurde bereits im Jahr 1570 von Herzog Albrecht V. als „Jahrmarkt an Nicolai“ gewährt, womit er zu den ältesten Weihnachtsmärkten in Bayern gehört. Neben den über 50 Buden ist ein historisches Holzkarussell Bestandteil des Christkindlmarkts. Ehe er an seinen jetzigen Platz verlegt wurde, fand der Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz statt.

Bibliotheken[Bearbeiten]

In Ingolstadt gibt es zahlreiche Bibliotheken und Büchereien. Hauptstelle der Stadtbücherei, der „Marie-Luise-Fleißer-Bücherei“ ist der Herzogskasten. Daneben existiert mit der Stadtteilbücherei Südwest eine Filiale und mit dem Bücherbus, der 39 Haltepunkte anfährt wird das gesamte Stadtgebiet abgedeckt. Von der Stadt werden in ihren Bibliotheken 180.000 Medien angeboten.

Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt unterhält in Ingolstadt eine „Teilbibliothek der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät“. Weitere wissenschaftliche Bibliotheken sind die Fachhochschulbibliothek und die „Wissenschaftliche Bibliothek des Stadtmuseums“. Darüber hinaus bietet die „Bayerische Armeebibliothek“ 130.000 Bücher an.

Überdies existieren diverse Schulbibliotheken, Pfarrbüchereien, aber auch die Patientenbibliothek im Klinikum Ingolstadt und die Werksbibliothek des Audi-Werkes.

Die Stadt als literarische Kulisse[Bearbeiten]

Der Nachhall der medizinischen Experimente an der Ingolstädter Universität war so groß, dass sie noch 18 Jahre nach ihrem Ende Mary Shelley zu ihrem Erstlingsroman Victor Frankenstein oder der moderne Prometheus inspirierten. Sie lässt darin ihren tragischen Helden im Ingolstadt des 18. Jahrhunderts studieren und forschen und hier seine legendäre Kreatur erschaffen. Noch heute erinnert eine nächtliche Gruselführung durch die Altstadt daran.

Die Heimatstadt Ingolstadt spielt im Werk Marieluise Fleißers eine zentrale Rolle. In Ingolstadt verbrachte sie über 60 ihrer 72 Lebensjahre, hier spielen ihre bekanntesten Stücke, ihr Roman und mehrere Erzählungen. Die Provinz mit ihren Menschen, die kleinbürgerliche Welt der Handwerker, Soldaten, Schüler und Dienstmädchen ist Thema und Nährboden für viele ihrer Stücke. Aus ihrer bayrischen Verwurzelung kommt die Kraft ihrer Sprache. Pioniere in Ingolstadt wurde von Rainer Werner Fassbinder für das ZDF verfilmt.

Robert Shea und Robert Anton Wilson ließen einige Teile der Handlung ihrer Romantrilogie Illuminatus!, die das Genre der belletristischen Verschwörungsliteratur begründete, in Ingolstadt stattfinden. Fiktiv ist allerdings der bei Ingolstadt gelegene Totenkopfsee, an dessen Ufer sich das Finale abspielt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaftliche Situation und Struktur[Bearbeiten]

Die Stadt Ingolstadt gehört zu den wirtschaftlich am stärksten wachsenden Gebietskörperschaften Deutschlands. Dazu trägt neben der allgemein günstigen Lage in Bayern die gute Verkehrsanbindung bei. Diese starke Position wird der Stadt regelmäßig in verschiedenen voneinander unabhängigen Studien eingeräumt, so etwa im „Prognos Zukunftsatlas 2007“, wo die Stadt Platz vier von insgesamt 439 Kreisen und Städten erreichte.[28]

Die Arbeitslosenquote hatte 1997 mit knapp über 8 % ihren Höchststand erreicht, und sank seitdem auf 2,7 % im September 2010, womit sie den niedrigsten Wert einer deutschen Großstadt erreichte. Zudem hat Ingolstadt eine hohe Arbeitsplatzdichte, was durch das positive Pendlersaldo 31.078 Pendlern dokumentiert wird.

Ingolstadt ist stark vom produzierenden Gewerbe geprägt, was sein hoher Anteil von 59,0 % (Stand 2004) an der Bruttowertschöpfung zeigt. Die Dienstleistungsbereiche kommen zusammen auf einen Wert von 40,8 %, während die Land- und Forstwirtschaft mit 0,2 % der kleinste Wirtschaftsbereich ist. Die Anzahl der Handwerksbetriebe ist mit 1.190 im Verhältnis zur Größe der Stadt relativ gering; ihre Umsätze liegen jedoch über dem bayerischen Durchschnitt.

Obwohl sich die Anzahl an Übernachtungen seit 1994 verdoppelte, liegt Ingolstadt im Vergleich zu anderen bayerischen Großstädten in der Bedeutung des Fremdenverkehrs zurück. 2006 wurden in Ingolstadt in 42 Beherbergungsbetrieben (inklusive Jugendherbergen) 2475 Gästebetten angeboten, die 295.674 Übernachtungen (davon 115.163 von ausländischen Gästen) aufzuweisen hatten.[29]

Unternehmen[Bearbeiten]

Automobilindustrie[Bearbeiten]

Das Audi Forum Ingolstadt

Ingolstadt, ein wichtiger Standort der deutschen Automobilindustrie, ist Unternehmenssitz und größter Produktionsstandort des Automobilherstellers Audi. Audi war ursprünglich ein Kraftfahrzeughersteller, der 1909 im westsächsischen Zwickau gegründet wurde und seit 1932 zur Auto Union AG, Chemnitz gehörte. Die ehemals im sächsischen Staatsbesitz befindliche Aktiengesellschaft wurde in der Sowjetischen Besatzungszone durch die russische Besatzungsmacht demontiert und nach dem Willen der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges entschädigungslos enteignet. Im August 1948 erfolgte die Löschung des Konzerns im Chemnitzer Handelsregister. Die in die damalige Trizone vertriebenen Konzernführungskräfte der Auto Union, allen voran Richard Bruhn und Carl Hahn, erreichten danach mit Krediten der bayerischen Staatsregierung und Marshallplan-Hilfen in Ingolstadt die Neugründung der Auto Union. Aus der Fusion der Auto Union GmbH mit der NSU Motorenwerke AG ging 1969 die Audi NSU Auto Union AG Neckarsulm hervor. 1985 kam der Firmensitz verbunden mit der Umbenennung in Audi AG nach Ingolstadt. Die Audi AG beschäftigt (Stand 1. Januar 2008) in Ingolstadt 31.337 Mitarbeiter, davon 19.995 Arbeiter, 9.903 Angestellte und 1.439 Auszubildende aus 72 Ländern der Erde.[30]

Infolge dieser Firmenansiedlung haben sich hier zahlreiche Zulieferunternehmen, wie EDAG, Samvardhana Motherson Peguform, Semcon, Dräxlmaier oder Continental Automotive Systems (zuvor TEMIC, ehemals Telefunken und AEG) mit einem Standort zur Entwicklung und Produktion von Automobilelektronik, niedergelassen. Ein Großteil dieser Betriebe hat seinen Sitz im Güterverkehrszentrum Ingolstadt (GVZ) im Nordwesten Ingolstadts. Die Audi AG hat zusammen mit den Zulieferbetrieben große wirtschaftliche Bedeutung für die Stadt und die Region.

Die Gunvorraffinerie (ehem. Petroplus, Esso) in Ingolstadt

Ölindustrie[Bearbeiten]

Ingolstadt und seine Umgebung sind überdies ein wichtiges Zentrum der Erdölindustrie, das neben Burghausen das zweite und größte in Bayern ist. In den 1960er Jahren wurden drei Raffinerien in Ingolstadt sowie zwei weitere im benachbarten Vohburg an der Donau und Neustadt an der Donau errichtet. Alle Anlagen wurden und werden ausschließlich von den Pipelines CEL (stillgelegt) und TAL (Umschlagplatz bei Lenting) mit Rohmaterial versorgt.

Die Entwicklung der ölverarbeitenden Industrie, die unter anderem zu Überkapazitäten in Europa geführt hat, wirkt sich auch auf den Raffineriestandort Ingolstadt aus. Nach den Stilllegungen der Raffinerien von Shell (1982) und Bayernoil (2008) ist nur noch eine Anlage im Nordosten der Stadt verblieben. Diese war in Besitz von Esso, bis sie im Jahr 2007 durch die Schweizer Mineralölgesellschaft Petroplus erworben wurde. Nachdem die Betreibergesellschaft im Januar 2012 Insolvenz anmelden musste, wurde die Raffinerie im Mai 2012 vom Rohstoffhändler Gunvor übernommen.[31] Die ehemalige Shell-Raffinerie auf dem Gebiet der Ingolstädter Nachbargemeinden Kösching und Großmehring ist mittlerweile in das Gewerbegebiet Interpark umgewandelt. Der Betriebsteil Ingolstadt der Bayernoil wurde 2008 stillgelegt. Im Gegenzug wurden die Standorte Vohburg und Neustadt östlich von Ingolstadt ausgebaut. Auf dem freiwerdenden Gelände im Südosten Ingolstadts wurde 2010 der Audi-Sportpark (Fußballstadion des FC Ingolstadt 04) eröffnet. Für die restliche Fläche wurde 2011 ein städtebaulicher Wettbewerb (Europan) durchgeführt. Dessen Siegerentwurf sieht neben einer Erweiterung des Sportparks die Schaffung von Gewerbeflächen, Bildungseinrichtungen und Wohnraum vor.[32]

Weitere Branchen[Bearbeiten]

Die Airbus Group ist vor den Toren Ingolstadts in Manching mit der Tochter Airbus Defence and Space und mehreren Tausend Mitarbeitern stark vertreten. Hier wird unter anderem der Eurofighter gebaut, getestet und erweitert.

Von Bedeutung für Ingolstadt ist die Bekleidungsindustrie, die mit den Firmen Rosner und Bäumler vertreten war.

In Ingolstadt befindet sich weiters der Hauptsitz der Metro-Tochtergesellschaft Media-Saturn-Holding als Obergesellschaft der Media Markt- und Saturn-Elektronik-Handelshäuser. Im Mai 2010 wurde zudem das Europäische Headquarter der Kaspersky Labs GmbH – eine Tochter der Russischen Kaspersky ZAO – eröffnet. Auch die Firma Schubert&Salzer Gruppe haben ihren Hauptsitz in Ingolstadt.

In Ingolstadt, der Stadt des Bayerischen Reinheitsgebots, haben überdies fünf Bierbrauereien – Nordbräu, Herrnbräu, Westpark Bräu 1516, Schöffbräu und Schwalbenbräu – ihren Standort. Die Brauerei Ingobräu hat ihren Betrieb mittlerweile eingestellt.

Das Klinikum Ingolstadt ist das viertgrößte Krankenhaus in Bayern und mit ungefähr 3.000 Mitarbeitern der zweitgrößte Arbeitgeber in Ingolstadt.

Übersicht zur Infrastruktur
Die 1998 erbaute Glacisbrücke
Ein ICE 3 auf der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt–München kurz vor Ingolstadt
Bus eines Subunternehmens der INVG am Hauptbahnhof Ingolstadt

Verkehr[Bearbeiten]

Ingolstadt ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in Bayern und hatte durch seine Donau-Furt über Jahrhunderte hinweg eine wichtige strategische Bedeutung.

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Die bedeutsamste Straßenanbindung von Ingolstadt ist die sechsspurig ausgebaute Bundesautobahn 9 (A 9). Die Stadt ist an diese durch die Anschlussstellen Ingolstadt Süd (frühere Bezeichnung „Auwaldsee“) und Ingolstadt Nord/ Ost (frühere Beschilderung „Autobahnkreuz IN-Nord“) angeschlossen. Darüber hinaus verlaufen mehrere Bundesstraßen durch das Stadtgebiet von Ingolstadt. Die B 16a, die Ingolstadt mit Vohburg verbindet, kreuzt die A 9 im Bereich der Autobahnanschlussstelle Ingolstadt Nord/Ingolstadt Ost (frühere Beschilderung: Kreuz Ingolstadt-Nord) und endet in Ingolstadt. Im Stadtgebiet ist diese durchgehend vierspurig ausgebaut. Ebenso wie die B 16a, durchquert die B 16 die Stadt in Ost-West-Richtung. Sie ist eine wichtige Verbindungsstraße nach Donauwörth und Regensburg. Von Norden nach Süden verläuft die vorwiegend im Stadtgebiet vierspurig ausgebaute B 13, die Ingolstadt mit Eichstätt beziehungsweise Pfaffenhofen verbindet. Weiter südlich von Ingolstadt verläuft die B 300 Augsburg-Ingolstadt, die eine wichtige Verbindungsachse zwischen den beiden Oberzentren Augsburg und Ingolstadt darstellt. Verkehrstechnisch von Bedeutung sind darüber hinaus die vier für den Straßenverkehr bestimmten Brücken über die Donau. Dies sind neben der Autobahnbrücke die Schillerbrücke, die Konrad-Adenauer-Brücke und die Glacisbrücke (Aufzählung von Ost nach West).

Die Autodichte der Stadt ist mit 751 PKW auf 1000 Einwohner die drittgrößte in der Bundesrepublik[33] (der bundesweite Durchschnitt liegt bei 541 PKW auf 1000 Einwohner). Der hohe Wert erklärt sich nicht zuletzt dadurch, dass viele Werksangehörige der Audi AG, die in den umliegenden Landkreisen wohnen, Leasingwagen der Audi AG fahren, die in Ingolstadt zugelassen sind.

Schienenverkehr[Bearbeiten]

An das Bahnnetz ist Ingolstadt mit dem Hauptbahnhof Ingolstadt und dem Bahnhof Ingolstadt Nord für den Personenverkehr sowie mit drei Rangierbahnhöfen für den Güterverkehr angeschlossen.

Im Fernverkehr wird Ingolstadt über die Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt–München zweistündlich von ICE-Zügen der Relation MünchenNürnbergBerlinHamburg und München–Nürnberg–KasselHannover–Hamburg/Bremen angefahren. Im Abschnitt Nürnberg–Ingolstadt–München überlagern sich diese zu einem Stundentakt. Zusätzlich halten in der Hauptverkehrszeit ICE-Züge der Linie München–Nürnberg–Frankfurt/M.Köln(–Dortmund), die zusammen mit den anderen ICE-Zügen in den Morgen- und Abendstunden einen Halbstundentakt bilden.

Im Regionalverkehr verkehren an Werktagen stündlich Regionalbahnen nach München, Treuchtlingen, Donauwörth/Ulm, Regensburg und Augsburg. An den Wochenenden und an Feiertagen verkehren die Züge nach Regensburg und Donauwörth nur im Zweistundentakt. Darüber hinaus verkehren alle zwei Stunden Züge des München-Nürnberg-Express sowie in der Hauptverkehrszeit zusätzliche Züge zwischen München und Ingolstadt.

Nahverkehr[Bearbeiten]

Der öffentliche Personennahverkehr in Ingolstadt geht auf die Errichtung einer Pferdebahn zurück, die 1878 zwischen dem Hauptbahnhof und der Altstadt betrieben wurde. Diese wurde ab 1921 durch Omnibusse ersetzt, wobei Pläne für die Errichtung eines Straßenbahnnetzes erst in den 1960er Jahren verworfen wurden. Seit 1988 wird der öffentlichen Personennahverkehr in Ingolstadt durch die Ingolstädter Verkehrsgesellschaft (INVG) durchgeführt, die 44 Buslinien mit einer Gesamtstreckenlänge von 653 km ausschließlich über Subdienstleister betreibt.

Flugverkehr[Bearbeiten]

Der ursprünglich nur militärisch genutzte Flugplatz Ingolstadt-Manching, der seit einigen Jahren vor allem von den ortsansässigen Unternehmen Audi und EADS auch zivil angeflogen wird, befindet sich 8 Kilometer von der Stadtgrenze entfernt an der B 16. Der nächstgelegene Flughafen für den internationalen Linienverkehr ist der 70 Kilometer entfernte Flughafen München Franz Josef Strauß bei Erding.

Schifffahrt[Bearbeiten]

Über viele Jahrhunderte war die Donau für Ingolstadt ein zentraler Verkehrsweg. Mit der Eröffnung der Donautalbahn sank jedoch die Bedeutung der Schifffahrt für die Stadt und führte 1874 zur gänzlichen Einstellung der Donaudampfschifffahrt in Ingolstadt. Dennoch gab es bis in die 1950er Jahre noch Ausflugsschiffe, die in Ingolstadt in unregelmäßigen Abständen anlegten. Die einstige Hafenanlage lag im Bereich des Stadttheaters. Während des Zweiten Weltkriegs wurden zahlreiche Kriegsschiffe, darunter sechs U-Boote Typ II, per Schwertransport über die Autobahn nach Ingolstadt transportiert, im Bereich der heutigen Schillerbrücke zu Wasser gelassen und ins Schwarze Meer überführt.[34] Heute ist die Donau bei Ingolstadt eine Landeswasserstraße und mit motorisierten Fahrzeugen nur mit Sondergenehmigung zu befahren.

Fernradweg[Bearbeiten]

Ingolstadt liegt am Donauradweg, der von der Donauquelle über Passau, Wien und Budapest bis zur Mündung in das Schwarze Meer führt und der im Sommer stark befahren wird.

Medien[Bearbeiten]

Verlagsgebäude des Donaukuriers

Die einzige Tageszeitung Ingolstadts ist der Donaukurier, der bei der Donaukurier Verlags GmbH & Co. KG erscheint und eine Auflage von etwa 90.000 Exemplaren erreicht.[35] Zusammen mit den Heimatzeitungen (zum Beispiel Eichstätter Kurier für den Landkreis Eichstätt) die dieselben politischen, wirtschaftlichen, sportlichen und kulturellen Teile besitzen und nur einen eigenen Lokalteil haben, erreicht er täglich die gesamte Planungsregion Ingolstadt. Daneben informiert täglich die Tageszeitung Augsburger Allgemeine in ihrer Regionalausgabe Neuburger Rundschau über Ingolstadt und die Region.

Wöchentlich erscheinen die Anzeigenblätter IZ-Regional (ein Tochterunternehmen des Donaukurier), Blickpunkt Wochenende, Schanzer Zeitung und tip – Das Wochenblatt.

Monatlich werden die Stadtmagazine espresso Magazin, megazin, INVG Haltestelle, Wirtschaft10plus aus Wettstetten, 60plus (ein Tochterunternehmen der IZ-Regional) und ERCI-Panther publiziert. Alle zwei Monate wird das Familienmagazin Family by megazin aufgelegt.

Als Online-Portale erscheinen das Bürgerforum von bingo-ev, dem Bürgernetz Ingolstadt e. V. sowie die Webportale megazin, ingolstadt-today, stattzeitung.in, das Bilderportal kbumm, nra aus Vohburg (netradioactive), bei-uns aus Beilngries (partys-bei-uns), bayernmatrix, shootyou, kidnetting, nightlifemagazine aus Altmannstein (Kurzform nlm).

Der lokale Fernsehsender, dessen Ursprünge auf das Jahr 1986 zurückgehen, heißt intv – der Infokanal und ist 24 Stunden im Kabelnetz und als Stream über das Internet zu empfangen. Eine teilweise Ausstrahlung des Programms erfolgt über Digitalsatellit auf Astra.digital im Rahmen eines bayernweiten Pilotprojektes. Im Sendegebiet, zu dem neben der Region 10 die Landkreise Neumarkt, Weißenburg-Gunzenhausen und Roth gehören, leben insgesamt 675.000 Personen. Am INTV ist der Donaukurier beteiligt.

Das Funkhaus Ingolstadt ist der lokale Rundfunkanbieter für Ingolstadt und die gesamte Region. Von dort wird der Sender Radio IN mit dem Kulturkanal-Ingolstadt, Radio K1, einem kirchlichen Programm und Radio Pegasus, der Welle der Universität Eichstätt-Ingolstadt ausgestrahlt. Daneben existieren noch Radio Galaxy. An Radio IN und Radio Galaxy ist der Donaukurier beteiligt.

Am Bayernwerk bei Ingolstadt steht ein Sender der Deutschen Telekom (48° 45′ 43,4″ N, 11° 30′ 11,7″ O48.76205555555611.50325), von dem aus Ingolstadt mit Radioprogrammen versorgt wird.[36]. Zudem strahlt Deutschlandradio seine beiden Hörfunkprogramme von einem Senderstandort bei Stammham (48° 52′ 3,6″ N, 11° 26′ 51,5″ O48.86766666666711.447638888889) ab.[36]

Bildung[Bearbeiten]

Die Hochschule Ingolstadt
Christoph-Scheiner-Gymnasium

In Ingolstadt wurde 1472 die erste Bayerische Landesuniversität, die Universität Ingolstadt gegründet, jedoch musste Ingolstadt nach der Verlegung der Universität im Jahr 1800 bis 1989 warten, bis es durch die Eröffnung der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Ingolstadt der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) wieder Universitätsstadt wurde. Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät (WFI) bietet Studiengänge in Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsprüfung an. Im Jahr 1994 wurde mit der Hochschule Ingolstadt die zweite Hochschule in Ingolstadt gegründet. Sie ist deutschlandweit bekannt für den BWL- und Wirtschaftsingenieurstudiengang. Derzeit studieren an den Ingolstädter Hochschulen etwa 5000 Studenten, wobei eine Vergrößerung der Einrichtungen angestrebt wird. Seit 2004 befindet sich das Zentrum für Hochschuldidaktik in Ingolstadt in der Hohen Schule.

Ingolstadt verfügt mit dem Apian-Gymnasium (mathematisch-naturwissenschaftlich, sprachlich und wirtschaftswissenschaftlich), dem Christoph-Scheiner-Gymnasium (naturwissenschaftlich-technologisch und sprachlich), dem Gnadenthal-Gymnasium (musisch), dem Katharinen-Gymnasium (sprachlich, wirtschafts- und sozialwissenschaftlich und naturwissenschaftlich-technologisch) und dem Reuchlin-Gymnasium (sprachlich, humanistisch und naturwissenschaftlich-technologisch (seit September 2007)) über fünf Gymnasien, die alle in Bayern möglichen Zweige anbieten. Von den Ingolstädter Gymnasien befinden sich vier in der Innenstadt.

Ingolstadt hat ferner 17 Grundschulen, zwölf Hauptschulen, davon drei Teilhauptschulen, fünf Förder- und Sonderschulen und drei Realschulen. Darüber hinaus verfügt die Stadt über mehrere berufliche Schulen, darunter zwei Berufsschulen, eine Wirtschaftsschule, eine Fachoberschule und eine Berufsoberschule sowie 14 Berufsfachschulen. Hinzu kommen weitere Bildungseinrichtungen privater und öffentlicher Träger. Hierzu zählen beispielsweise die David-Oistrach-Akademie, die städtische Simon-Mayr-Sing- und Musikschule, die Berufsbildungszentren der Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammer sowie die Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) gGmbH.

Bezogen auf die Schülerzahlen führen die Berufsschulen, gefolgt von den Gymnasien und Grundschulen.

Gesundheitswesen[Bearbeiten]

Ingolstadt besitzt mit dem Klinikum Ingolstadt ein Krankenhaus der Schwerpunktversorgung der dritten Versorgungsstufe mit 1103 Betten. Es ist das viertgrößte kommunale Krankenhaus Bayerns und verfügt über 55 Stationen. Mit Christoph 32 ist ein Rettungshubschrauber des ADAC am Klinikum stationiert. Daneben bestehen drei Privatkliniken, die Klinik Dr. Maul und die Klinik Dr. Reiser (mittlerweile vom Klinikum Ingolstadt übernommen) mit zusammen 112 Betten sowie die Danuvius-Klinik für Psychiatrie mit 87 Plätzen. In der Stadt praktizieren 151 Fachärzte, 95 Zahnärzte und 64 praktische Ärzte. Seit 1996 gibt es in Ingolstadt ein städtisches Gesundheitsamt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Philipp Apian
Marieluise Fleißer
Adam Weishaupt
Christoph Scheiner entdeckte in Ingolstadt 1611 die Sonnenflecken.

An dieser Stelle werden nur Personen aufgeführt, die deutlich mit Ingolstadt in Verbindung gebracht werden. Für genauere Informationen über die hier aufgeführten Namen und über Personen, die im weiteren Sinne mit der Stadt verbunden werden können, existiert der Hauptartikel Liste von Persönlichkeiten der Stadt Ingolstadt.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Die folgende Übersicht enthält bedeutende, in Ingolstadt geborene Persönlichkeiten chronologisch aufgelistet nach dem Geburtsjahr. Ob die Personen ihren späteren Wirkungskreis in Ingolstadt hatten oder nicht, ist dabei unerheblich. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Philipp Apian (* 14. September 1531; † 15. November 1589 in Tübingen) war Mathematiker und Kartograph der Bairischen Landtafeln. Er erhielt, nachdem er schon mit elf Jahren ein Mathematikstudium an der Ingolstädter Hochschule begonnen hatte, bereits im Alter von 21 Jahren eine Professur an der Universität Ingolstadt.
  • Ludwig Fronhofer (* 1746; † 1800 in München) war Realschullehrer und mit Johann Adam von Ickstatt (siehe unten) Begründer des neuen Schultyps Realschule. Seine Verdienste wurden vom bayerischen Herrscherhaus durch die Ernennung zum kurfürstlichen Hofsekretär und von der Gelehrtenwelt durch die Aufnahme in die Bayerische Akademie der Wissenschaften gewürdigt.
  • Adam Weishaupt (* 6. Februar 1748; † 18. November 1830 in Gotha) war Professor an der Universität Ingolstadt und Gründer des bayerischen Illuminatenordens.
  • Marieluise Fleißer (* 23. November 1901; † 2. Februar 1974 in Ingolstadt) war eine Schriftstellerin. Zu ihren bekanntesten Werken zählt unter anderem die Komödie Pioniere in Ingolstadt.
  • Michael Heltau (* 5. Juli 1933) ist Schauspieler und Chansonnier
  • Hermann Regensburger (* 9. Juli 1940) ist Politiker der (CSU) und ehemaliger bayerischer Staatssekretär des Inneren, sowie Ex-Mitglied des bayerischen Landtags (Ehrenbürger seit 2009).
  • Horst Seehofer (* 4. Juli 1949) war Bundestagsabgeordneter sowie Bundesminister (CSU) und ist seit dem 25. Oktober 2008 Ministerpräsident des Freistaats Bayern.
  • Eva Bulling-Schröter (* 22. Februar 1956) war Mitglied des Bundestages von 1994 bis 2002 für die PDS und ist dies seit 2005 erneut für Die Linke.
  • Günter Grünwald (* 27. November 1956) ist Komiker und Kabarettist.
  • Reinhard Brandl (* 1. August 1977) ist seit der Bundestagswahl 2009 direkt gewählter Bundestagsabgeordneter (CSU) für den Bundestagswahlkreis Ingolstadt.

Bekannte Personen mit Bezug zur Stadt[Bearbeiten]

Außerdem wirkten in Ingolstadt:

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerd Treffer: Als man auf Preußen noch schießen durfte. 63 Ingolstädter Geschichten und Anekdoten. Ingolstadt 2006.
  • Stadt Ingolstadt (Hrsg.): Unsere Stadt Ingolstadt. Eine Broschüre für Neubürger, Ingolstadt 2006.
  • Gerd Treffer: Kleine Ingolstädter Stadtgeschichte. Pustet, Regensburg 2004, ISBN 3-7917-1912-2.
  • Siegfried Hofmann, Beatrix Ettelt (Hrsg.): Bayern-Ingolstadt, Bayern-Landshut 1392–1506. Glanz und Elend einer Teilung. Ausstellungskatalog. Ingolstadt 1992, ISBN 3-932113-06-3.
  • Friedrich Mader (Hrsg.): Ingolstadt. Ingolstadt 1988, ISBN 3-920253-21-3.
  • Hans Fegert: Alte Ansichten von Ingolstadt. Kösching 1987.
  • Hans Fegert: Luftangriffe auf Ingolstadt. Kösching 1989, ISBN 3-924940-23-1.
  • Kurt Rassa: Stadt und Landkreis Ingolstadt. München 1963.
  • Hugo Schnell (Hrsg.): Ingolstadt. München/Zürich 1958.
  • Buchdruckerei und Verlagsgesellschaft m.b.H. (Hrsg.): Ingolstadt. Führer durch die Stadt Ingolstadt. Ingolstadt 1928.
  • Franz Bronner: Was Ingolstadt im Laufe der Zeiten erlebt hat. Ingolstadt 1911.
  • Ludwig Gemminger: Das alte Ingolstadt. Regensburg 1864.
  • Siegfried Hofmann: Geschichte der Stadt Ingolstadt. Bde. 1-2, Ingolstadt 2000, 2006, DNB 961924098.
  • Tobias Schönauer: Ingolstadt in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Soziale und wirtschaftliche Aspekte der Stadtgeschichte. Neustadt/Aisch 2007, ISBN 978-3-932113-48-2.
  • Beatrix Schönewald, Gerd Riedel (Hrsg.): Ingolstadt – Vom Werden einer Stadt – Geschichte und Geschichten. Ingolstadt 2000, ISBN 3-932113-30-6.
  • Beatrix Schönewald, Gerd Riedel (Hrsg.): Vom Werden einer Stadt – Ingolstadt seit 806. Ingolstadt 2006, ISBN 3-932113-43-8.
  • Matthias Schickel (Hrsg.), Leistungskurs Geschichte des Katharinen Gymnasiums Ingolstadt: Ingolstadt entdecken : Geschichte(n) einer Stadt. Erzählt von Schülerinnen und Schülern des Katharinen-Gymnasiums. Ingolstadt 2009, ISBN 978-3-9810765-8-5.
  • Theodor Müller, Siegfried Hofmann: Ingolstadt. Schnell und Steiner, Regensburg 1998, ISBN 3-7954-1128-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Ingolstadt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Ingolstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Kategorie:Ingolstadt – in den Nachrichten
 Wikivoyage: Ingolstadt – Reiseführer
 Wikisource: Ingolstadt – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b c Städtisches Melderegister: Stadt Ingolstadt -Zahlen & Daten
  3. Stadt Ingolstadt: ingolstadt.de Wirtschaft/Lage & Anbindung, abgerufen am 6. Juni 2013.
  4. Donaukurier: Sprung in der Statistik: Ingolstadt hat jetzt mehr Einwohner als Würzburg, Artikel vom 4. Juni 2013.
  5. Statistik der Bundesagentur für Arbeit: aktuelle Statistik für Ingolstadt
  6. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, hg. vom Bayerischen Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, München 1987 (Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns), S. 57.
  7. Statistisches Jahrbuch Stadt Ingolstadt 2014: [1]
  8. Historischer Verein Ingolstadt: Ingoldesstat finden
  9. Stadtmuseum Ingolstadt: Verlauf der Schutter
  10. Gerd Treffer: Kleine Ingolstädter Stadtgeschichte, Regensburg: 2004, S. 22.
  11. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 150.
  12. a b c Stadt Ingolstadt: Statistisches Jahrbuch (Bevölkerung)
  13. Stadt Ingolstadt: Aktuelle Statistiken
  14. Statistik (PDF; 752 kB) auf Ingolstadt.de
  15. Homepage der Mennonitengemeinde Ingolstadt: Mennoniten; eingesehen am 15. Oktober 2010
  16. Homepage der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) Ingolstadt: Wir in Ingolstadt; eingesehen am 15. Oktober 2010
  17. Homepage der Christusgemeinde Ingolstadt; eingesehen am 3. Juli 2013
  18. Homepage der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Ingolstadt: Die Mitgliedskirchen und -gemeinden der AcK Ingolstadt; eingesehen am 15. Oktober 2010
  19. Alemannia Judaica – Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der jüdischen Geschichte: Die Synagoge in Ingolstadt
  20. Donaukurier: Neue Moschee als Begegnungsstätte 18. Mai 2008
  21. Alevitisches Kulturzentrum Ingolstadt e. V.
  22. Stadt Ingolstadt: Wahlkreisergebnis der Kommunalwahl 2014 in Ingolstadt
  23. Wahlkreiseinteilung
  24. Stadt Ingolstadt: Partnerstädte
  25. [2]Donaukurier, abgerufen am 9. Februar 2013
  26. stbain.bayern.de Turm Triva Ingolstadt
  27. Eröffnung am 19. Dezember 2011
  28. Prognos Zukunftsatlas 2007 Deutschlands Regionen im Zukunftswettbewerb (PDF; 393 kB)
  29. Stadt Ingolstadt Zahlenspiegel Ingolstadt 2007/2008
  30. Audi AG: Produktionsstandorte Deutschland
  31. Donaukurier: Gunvor übernimmt insolvente Petroplus-Raffinerie, 31. Mai 2012.
  32. Europan Deutschland e.V.: Ergebnisse Europan11-Wettbewerbsbeitrag Ingolstadt, abgerufen am 18. Juni 2012.
  33. Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung: Entwicklung der Städte, Kreise und Gemeinden. Bonn 2004.
  34. Rudolf Arendt: Letzter Befehl. Versenken. Deutsche U-Boote im Schwarzen Meer 1942 bis 1944. 1998, ISBN 3-8132-0543-6 Hans Michael Kloth: U-Boot auf der Autobahn. In: Spiegel-Online vom 5. Februar 2008 (Rubrik Eines Tages).
  35. Donaukurier: Wir über uns
  36. a b Bundesnetzagentur: Senderdaten
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Dieser Artikel wurde am 28. August 2007 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.