Ohrenschmalz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ein Ceruminalpropf blockiert den äußeren Gehörgang
Ohrenschmalz auf einem Wattestäbchen – von der Entfernung des Cerumens mit Wattestäbchen wird abgeraten

Ohrenschmalz, Zerumen oder Cerumen ist eine gelblich-bräunliche, fettige, bittere Absonderung der Ohrenschmalzdrüsen (Glandulae ceruminosae, modifizierte Schweißdrüsen; apokrine, tubuläre Knäueldrüsen) des äußeren Gehörgangs.

Funktion[Bearbeiten]

Das Ohrenschmalz existiert bei allen Säugetieren. Es befeuchtet die Haut im Gehörgang und dient der Entfernung von Staub, Schmutz, abgestorbenen Hautzellen und Fremdmaterialien aus dem Ohr. Es enthält außerdem Lysozym und andere Stoffe, die Bakterien bekämpfen sowie Insekten davon abhalten sollen, in den Gehörgang vorzudringen. Fehlt dieser Schutz, zum Beispiel durch häufiges Waschen oder Schwimmen, kann dies zu starken Ohrenschmerzen führen.

Analytik und Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Zur Bestimmung der Inhaltsstoffe kommen chromatographische Trennungen durch Säulenchromatographie, Gaschromatographie und anschließende Massenspektrometrie zur Anwendung. Neben Kohlenwasserstoffen, Squalen, Wachsestern, Triglyceriden, Cholesterin, Cholesterinestern, freien Fettsäuren, Hydroxysäuren wurden weitere lipophile Komponenten beschrieben. Ca. 1000 Substanzen konnten bisher identifiziert werden.[1] Zu aktuellen Forschungsgegenständen des Ohrenschmalzes gehören auch antimikrobielle Substanzen auf Peptidbasis.[2]

Merkmale[Bearbeiten]

Ceruminalpfropf

Das Ohrenschmalz ist neben der Galle eines der beiden stark bitter schmeckenden Sekrete des Menschen. Es existiert, genetisch bedingt, beim Menschen in trockener Form (hoher Anteil gesättigter Fettsäuren) und feuchter Form (hoher Anteil ungesättigter Fettsäuren). Der feuchte Typ ist gelblich, hellbraun oder dunkelbraun und ölig-klebrig. Dieser Typ ist genetisch dominant über die trockene Variante (Farbe weißlich).

Die trockene Variante kommt in Europa und Afrika mit unter 3 Prozent sehr selten vor, hingegen ist sie mit 80 bis 95 Prozent in Ostasien am weitesten verbreitet. Eine mittelhäufige Verbreitung besteht in Süd-, Zentral- und Kleinasien, auf den pazifischen Inseln, bei den Ureinwohnern Nordamerikas und den Inuit. Die Zusammensetzung wird über das Gen ABCC11 gesteuert.[3]

Verstopfungsgefahr des Gehörgangs[Bearbeiten]

Ceruminalpfropf aus Gehörgang, Größenvergleich: Feuerzeug

Das Cerumen kann den Gehörgang, unter anderem bei Überproduktion, völlig verschließen (Ohrenschmalzpfropf, Ceruminalpfropf, Cerumen obturans) und plötzliche Schwerhörigkeit bewirken.[4] Auch eine unsachgemäße Selbstreinigung (z. B. mit Wattestäbchen) kann zur Bildung solcher Pfropfen führen. Sie werden vom Arzt (Hausarzt oder Hals-Nasen-Ohren-Arzt) mit warmem Wasser herausgespült oder mit Hilfe von Luft aus dem Ohr gesaugt. Ist dies nicht möglich, weil dieser Pfropf zu fest sitzt, kann ein Arzt mit Hilfe von Kollagenhydrolysat-Tropfen den Pfropf aufquellen lassen, um ihn dann anschließend ausspülen zu können.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ohrenschmalz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Ohrenschmalz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Stránský K, Valterová I, Kofroňová E, Urbanová K, Zarevúcka M, Wimmer Z: Non-polar lipid components of human cerumen. In: Lipids. 46, 2011, S. 781–788, PMID 21547555.
  2. Schwaab M, Gurr A, Neumann A, Dazert S, Minovi A: Human antimicrobial proteins in ear wax., Eur J Clin Microbiol Infect Dis. 2011 Aug;30(8):997-1004, PMID 21298458
  3.  Koh-ichiro Yoshiura et al.: A SNP in the ABCC11 gene is the determinant of human earwax type. In: Nature Genetics. 38, 2006, S. 324–330, doi:10.1038/ng1733.
  4.  Esther Schimanski: Geschichte der Tympanoplastik. 2004 (Dissertation, urn:nbn:de:hbz:294-12606).
Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!