Olga von Kiew

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Olgas zweite Rache 945
Olgas vierte Rache 945
Olga spricht mit Konstantin VII.

Olga, genannt „die Heilige“ (* nach 900; † 11. Juli 969 in Kiew), aus der Dynastie der Rjurikiden war 945 bis 969 Großfürstin von Kiew. Sie wurde 1547 von der russisch-orthodoxen Kirche heiliggesprochen.

Leben[Bearbeiten]

Sie war mit Fürst Igor von Kiew verheiratet. Nach dessen Tod während eines Feldzugs gegen die Drewljanen übernahm sie die Regentschaft für ihren Sohn und Nachfolger Swjatoslaw I. An den Drewljanen rächte sie sich mit mehreren Feldzügen. Der Überlieferung nach soll sie an Igors Grabhügel (Kurgan) 5000 Drewljanen ermorden lassen haben und eine drewljanische Delegation in einem Badehaus bei lebendigem Leibe verbrannt haben. Sie soll auch die Hauptstadt der Drewljanen Iskorosten (heutiges Korosten) niederbrennen lassen haben. Nach der Unterwerfung der Drewljanen richtete sie ein System aus befestigten Plätzen, Steuereintreibern und Gastungsrechten im neu eroberten Gebiet ein, was eine Modernisierung der bis dahin Herrschaftsstruktur in der Kiewer Rus darstellte, die bisher auf dem Personenverband der Gefolgschaft (Druschina) beruhte. Dieses System breitete sich nach und nach auch auf die übrigen Teile des Fürstentums aus und führte zu einer weitverzweigten Territorialherrschaft.

Taufe in Konstantinopel[Bearbeiten]

955 wurde Olga in Konstantinopel getauft. 957 wurde sie erneut prunkvoll in Konstantinopel empfangen, worin ein Versuch von Kaiser Konstantin VII. Porphyrogennetos zu sehen ist, die neu Bekehrte an sich zu binden. 959 erbat Olga bei König Otto I. die Ernennung eines Bischofs und Hilfe bei der Christianisierung der Kiewer Rus. Die Gesandtschaft stellte auch eine Bemühung um mehr Unabhängigkeit von Byzanz dar, indem Olga versuchte, starke Verbindungen zum westlichen Kaisertum aufzubauen. Olga hatte jedoch die Verhältnisse im Westen falsch eingeschätzt, da nur der Papst einen vollwertigen Bischof ernennen konnte. Zwar schickte Otto den Mönch Adalbert, den späteren Erzbischof von Magdeburg, als Missionsbischof nach Osten los. Dieser kam allerdings erst in einer Zeit der heidnischen Renaissance dort an und konnte nichts ausrichten. Die erneute Christianisierung fand 987–988 unter byzantinisch-orthodoxem Vorzeichen statt und prägte von da an die religiöse Zugehörigkeit Russlands.

Historische Quelle[Bearbeiten]

Als Ehefrau von Igor wird sie im Igorlied (russisch Слово о полку Игореве) erwähnt.

Ehrungen[Bearbeiten]

1911 wurde ihr zu Ehren ein Denkmal in Kiew errichtet, das von den Bolschewiken 1919 gestürzt und im Jahre 1996 erneut errichtet wurde.

Literatur[Bearbeiten]

  • „Die Reise der Olga nach Byzanz“ [aus der Nestorchronik], in: Itineraria rossica. Altrussische Reiseliteratur. Aus dem Altrussischen hrsg. u. übersetzt v. Klaus Müller. Nachdichtung v. Uwe Grüning. Leipzig, Reclam, 1986 (Reclams Universal-Bibliothek, 1160)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Olga von Kiew – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Olga – Quellen und Volltexte (russisch)
  • Olga in der Enzyklopädie „Krugoswet“ (russisch)
Vorgänger Amt Nachfolger
Igor Regentin der Kiewer Rus
945–962
Swjatoslaw I.