Paul Troger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Paul Troger, Selbstportrait
Christus am Ölberg
Stift Göttweig: Kaiserstiege: Apotheose Karl VI (1739)

Paul Troger (* 30. Oktober 1698 in Welsberg, Pustertal, Südtirol; † 20. Juli 1762 in Wien) war einer der bedeutendsten österreichischen Maler des Barock.

Leben[Bearbeiten]

Der Bischof von Gurk, Jakob Maximilian von Thun und Hohenstein, ermöglichte ihm um 1720 eine längere Studienreise nach Italien, wo er unter anderem bei Giambattista Piazzetta in Venedig und Francesco Solimena in Neapel studierte.

1727/28 schuf er sein erstes Hauptwerk, das Hochaltarbild und das Kuppelfresko der Kajetanerkirche in Salzburg. Anschließend ließ er sich in Wien nieder, wo die Malerei jedoch von Rottmayr und Gran dominiert wurde, so dass er nach Niederösterreich auswich. In den Klöstern Niederösterreichs schuf er den größten Teil seiner Fresken, wobei er oft zusammen mit seinen Tiroler Landsleuten wie dem Architekten Joseph Munggenast und dem Maler Johann Jakob Zeiller tätig war.

Sein letztes großes Werk sind die Deckenfresken des Brixner Domes, die in einem expressiven, zukunftsweisenden Stil gemalt sind (1748/50). In seinen letzten Lebensjahren schuf er nur noch Staffeleibilder.

Paul Troger war der mit Abstand bedeutendste Lehrer unter den österreichischen Malern des 18. Jahrhunderts. Zu seinen Schülern zählen neben Johann Jakob Zeiller die Tiroler Martin Knoller, Franz Anton Leitenstorffer, Pietro Antonio Lorenzoni, Joseph Ignaz Mildorfer und Franz Zoller, der Böhme Franz Xaver Wagenschön und der Wiener Josef Hauzinger.

In den Jahren von 1754 bis 1757 war Troger Rektor der Wiener Akademie der bildenden Künste.

Licht und Farbe wurde bei Troger gezielt für allegorische Zwecke eingesetzt, fast immer gibt es eine „helle“ und eine „dunkle“ Seite in seinen Bildern. Oft sind es auch die allegorischen Figuren, die als „Lichtquelle“ fungieren, was auch perspektivische Probleme aufwirft. Gegenüber dem klassisch orientierten Gran ist bei Troger eine Steigerung des Expressiven zu bemerken, das sich bei seinem Nachfolger Franz Anton Maulbertsch noch verstärkte. Kokoschka stellte sich bewusst in die Traditionslinie von Troger-Maulbertsch.

Im Jahr 1894 wurde in Wien Penzing (14. Bezirk) die Trogergasse nach ihm benannt.

Weitere Werke[Bearbeiten]

Deckenfresken:

  • Stift Melk: Deckenfresken in Marmorsaal und Bibliothek, 1731/32; im Empfangssaal der Prälatur, 1739 (nicht öffentlich zugänglich); im Kolomanisaal mit der Darstellung der Geschichte von Stift Melk, 1745 (im Rahmen von Konzerten zugänglich)
  • Stift Zwettl: Deckenfresken der Bibliothek mit Themen zur klösterlichen Bildung, 1733
  • Stift Altenburg: Kuppelfresko der Stiftskirche: eine Interpretation der Apokalypse des Johannes, die zu den bedeutendsten Barockfresken Mitteleuropas gehört, 1733; Bibliothek: drei Kuppelfresken mit allegorischen Personifikationen und szenischen Exempla; auf dem mittleren Fresko die Personifikation der göttlichen Weisheit und die Szene des Besuchs der Königin von Saba bei König Salomon, 1742
  • Stift Seitenstetten: Deckenfresko des Marmorsaals, 1735; Deckenfresko der Bibliothek, 1741
  • Stift Geras: Deckenfresko des Marmorsaals (ehem. Sommerrefektorium): Wunderbare Brotvermehrung, 1738
  • Stift Göttweig: Deckenfresko der Kaiserstiege: Apotheose Karls VI., der als Sonnengott Apoll dargestellt ist, 1739
  • Brixner Dom: Freskenzyklus bestehend aus der Anbetung des Lammes (nach der Offenbarung des Johannes) im Langhaus, dem Engelskonzert über der Orgel, der Aufnahme Mariens in den Himmel im Presbyterium über dem Hochaltar, sowie dem Hl. Kassian als Lehrer und als Glaubensbote in den beiden Armen des Querschiffes. Ein weiteres Fresko, die Scheinkuppel in der Vierung, wurde 1895 zerstört. Diese Fresken sind die einzigen, die Troger in seiner Tiroler Heimat geschaffen hat. Sie entstanden 1748-50.
  • Basilika Maria Dreieichen bei Horn: Hauptkuppelfresko, 1752

Altarbilder:

  • Welsberg-Taisten, Pfarrkirche zur Hl. Margareth: Hochaltarbild mit der Hl. Margareth und anderen Heiligen; Seitenaltarbilder der Anbetung der Könige (datiert 1737) und der Almosenspende des heiligen Johannes Nepomuk
  • Wien, Schlosskapelle Schönbrunn: Hochaltarbild der Vermählung Mariae, ca. 1744
  • Salzburg, Bürgerspitalkirche St. Blasius: Seitenaltarbild der Anbetung der Hl. Drei Könige, 1746
  • Dommelstadl (Niederbayern), Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit: Hochaltarbild Hl. Dreifaltigkeit, 1752

Gemälde

  • Joachim und Anna, um 1730, Öl auf Leinwand, 123 x 97 cm, Belvedere, Wien
  • Der Apostel Andreas, um 1738, Öl auf Leinwand, 123 x 93 cm, Belvedere, Wien
  • Der Sturz des Magiers, um 1743, Öl auf Leinwand, 75,5 x 51,5 cm, Belvedere, Wien
  • Der heilige Sebastian und die Frauen, um 1746, Öl auf Leinwand, 60 x 37 cm, Belvedere, Wien
  • Der heilige Xaver unter den Pestkranken in Goa, um 1749, Öl auf Leinwand, 75 x 60 cm, Belvedere, Wien
  • Christus am Ölberg, um 1750, Öl auf Leinwand, 241 x 157 cm, Belvedere, Wien
  • Der junge Tobias heilt seinen Vater, Öl auf Leinwand, 73,5 x 91,5, cm, Belvedere, Wien

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Arthur Lier: Troger, Paul. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 38, Duncker & Humblot, Leipzig 1894, S. 633 f.
  • Aschenbrenner, W./Schweighofer, G.; Paul Troger. Leben und Werk, Salzburg (1965), Verlag St. Peter
  • Eintrag über Lorenzi, Peter Anton auf Artisti Italiani in Austria, einem Projekt der Universität Innsbruck
  • Zum 250. Todestag des Barockmalers Paul Troger, Sonderausgabe der Zeitschrift "Der Schlern", Juli/August 2012 (mit Aufsätzen von Leo Andergassen, Andreas Gamerith und Cornelia Plieger, Rudolf Ingruber, Elvio Mich, Klaus Steinmair, Werner Telesko, Hanns-Paul Ties)
  • Johann Kronbichler: Paul Troger (1698-1762). Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2012. ISBN 978-3-422-07127-8
  • Stift Altenburg: Paul Troger & Altenburg. Stift Altenburg, Altenburg (ohne Jahr, 2012 oder später)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Paul Troger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien