Österreichische Galerie Belvedere

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Belvedere (Österreichische Galerie)
Wien schloss belvedere panorama.jpg

Haupthaus der Österreichischen Galerie ist das Obere Belvedere, weitere Ausstellungsräume befinden sich im Unteren Belvedere, in der Orangerie und im Prunkstall (Zugang: Rennweg 6), im 21er Haus (3., Schweizer Garten) sowie ab Oktober 2013 im Stadtpalais des Prinzen Eugen (1., Himmelpfortgasse 8)
Daten
Ort Wien 3., Prinz-Eugen-Straße 27, Österreich
Architekt Johann Lucas von Hildebrandt (Schlösser und Garten)
Eröffnung 1903 (als Moderne Galerie)
Leitung Agnes Husslein-Arco
Website http://www.belvedere.at

Das Belvedere, wie sich das Bundesmuseum Österreichische Galerie Belvedere seit 2007 kurz nennt, ist ein bedeutendes Kunstmuseum im gleichnamigen Schloss in Wien, Bezirk Landstraße. Es beherbergt Kunst mehrerer Epochen vom Mittelalter über das Barock bis ins 21. Jahrhundert. Ein Schwerpunkt liegt auf den österreichischen Malern des Fin de Siècle und des Jugendstils. Das Belvedere besitzt die weltweit größte Sammlung von Gemälden Gustav Klimts.

Neue Konzeption[Bearbeiten]

2007 hat Agnes Husslein-Arco, vorher Leiterin des Salzburger Rupertinums und des Museums der Moderne auf dem Mönchsberg, Gerbert Frodl als Direktorin abgelöst. Sie positioniert das Belvedere seither, ohne den amtlichen Begriff Österreichische Galerie zu verwenden, als Museum österreichischer Kunst im internationalen Kontext (ihr Vertrag wurde 2011 bis 2017 verlängert.) Die Schausammlung wurde 2011 neu konzipiert.

Im Oberen Belvedere wurde bei der Neuaufstellung folgende Gliederung gewählt:

Das Untere Belvedere und die ihm benachbarte Orangerie werden für Sonderausstellungen verwendet. (Im Sommer 2011 war dies eine Makart-Ausstellung.) Im Prunkstall beim Unteren Belvedere wird das Schatzhaus Mittelalter angeboten. [1]

Eine Dependance des Museums befand sich unter dem Namen Augarten Contemporary im Augarten (2. Bezirk, Scherzergasse), wo einst der oft im Staatsauftrag tätige Bildhauer Gustinus Ambrosi sein Atelier hatte; die Räumlichkeiten wurden für mehrere Jahre an Thyssen Bornemisza Art Contemporary, eine von Francesca Habsburg-Lothringen geleitete Institution, vermietet. Aktuelle Dependance ist das ehemalige Museum des 20. Jahrhunderts im Schweizer Garten (3. Bezirk, Arsenalstraße), das im November 2011 als 21er Haus wiedereröffnet wurde.

Im Oktober 2013 werden als weitere Dependance die Prunkräume im Stadtpalais des Prinzen Eugen (1., Himmelpfortgasse 8; auch Winterpalais genannt) zugänglich gemacht, die dem Bundesmuseum vom Finanzministerium übergeben wurden; vor der vom Ministerium veranlassten Restaurierung befand sich hier Jahrzehnte lang das Büro des Finanzministers.

Berühmte Gemälde[Bearbeiten]

Weltweit bekanntestes Werk im Belvedere ist Gustav Klimts Gemälde Der Kuss. Zu den weiteren Schätzen der Österreichischen Galerie zählen unter anderen diese Gemälde:

Geschichte[Bearbeiten]

Gustav Klimt: „Der Kuss“ (Ausschnitt), 1908

Die spätere Österreichische Galerie Belvedere wurde 1903 auf Betreiben zahlreicher zeitgenössischer Wiener Künstler wie Carl Moll vom k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht unter dem Namen Moderne Galerie in der Orangerie des Unteren Belvedere eröffnet. Wien war um die Jahrhundertwende ein Zentrum der modernen Bildkunst geworden. Ausschlaggebend dafür war die Gründung der „Vereinigung bildender Künstler - Secession“ im Jahre 1897. Einer der wesentlichen Wortführer bei der Gründung dieser Wiener Secession war der Maler Gustav Klimt.

Die Secessionisten um Klimt waren bestrebt, zeitgenössische europäische Kunst nach Wien zu bringen, und so schenkten sie dem Staat anlässlich der Eröffnung der Modernen Galerie eine Reihe von Bildern und Plastiken, darunter Vincent van Goghs „Ebene von Auvers“ aus dem Jahr 1890.

Im Jahre 1909 wurde die Moderne Galerie in k.k. Österreichische Staatsgalerie umbenannt und ihr Sammlungsbereich auf alle Perioden der österreichischen Kunst ausgeweitet. Die Staatsgalerie blieb jedoch auch dem Werk der Secessionisten, das in Wien zu einem Synonym für den Jugendstil geworden war, verbunden.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurden der Galerie auch Räumlichkeiten im Oberen Belvedere zur Verfügung gestellt, das bis 1914 von Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand bewohnt worden war. Die Österreichische Galerie, wie sie nun (ausgenommen in der NS-Zeit) genannt wurde, zeigte nun im Unteren Belvedere ein Barockmuseum, im Oberen Belvedere ihre Galerie des 19. Jahrhunderts und in der Orangerie eine Moderne Galerie. Es wurden zahlreiche Bilder erworben, unter anderem Werke von Gustav Klimt und Egon Schiele. (Bis zum Jahr 2000, als sie als Bundesmuseum in die Vollrechtsfähigkeit entlassen wurde, hatte sie 33 Gemälde Klimts in ihrem Besitz; nicht alle zu Recht, wie sich später herausstellte. Die Bereitschaft zur Rückgabe in der NS-Zeit irregulär in den Sammlungsbestand gelangter Werke war jahrzehntelang überaus bescheiden und nahm erst nach 2000 zu.)

Restitution[Bearbeiten]

Die Österreichische Galerie Belvedere hat nach Untersuchung der Provenienz ihrer Bestände in den Jahren 2001 und 2004 fünf Gemälde Gustav Klimts nach dem österreichischen Restitutionsgesetz an die Erben der enteigneten Familien zurückgegeben: Apfelbaum II (2001 an die Erben nach Nora Stiasny), Dame mit Federboa (2001 an die Erben nach Hermine Lasus), Bauernhaus mit Birken (2001 an die Erben nach Hermine Lasus), Landhaus am Attersee (2001 an die Erben nach Jenny Steiner) und Bildnis einer Dame (2004 an die Erben nach Bernhard Altmann).

Weitere fünf Gemälde wurde 2006 an die Erben von Ferdinand Bloch-Bauer, u.a. Maria Altmann, zurückgestellt: Adele Bloch-Bauer I (1907), Adele Bloch-Bauer II (1912), Buchenwald/Birkenwald (1903), Apfelbaum I (1912) und Häuser in Unterach am Attersee (um 1916). Da die Republik Österreich ein Vorkaufsrecht besaß, wurde darüber diskutiert, ob und aus welchen Mitteln die auf über 200 Millionen Euro geschätzten Gemälde von der Erbengemeinschaft um Maria Altmann zurückgekauft werden sollten, um sie weiterhin im Belvedere ausstellen zu können. Den Verkauf an private Sponsoren, die die Bilder dann der Galerie als Leihgabe zur Verfügung gestellt hätten, lehnten die Erben ab. Als Angebot der Rechtsanwälte von Maria Altmann an die Republik wurde letztlich ein Kaufpreis von 300 Millionen Dollar genannt. Nach einer parlamentarischen Debatte am 2. Februar 2006 beschloss die österreichische Regierung, auf das Vorkaufsrecht zu verzichten. Daraufhin erfolgte die Rückgabe der Gemälde.

Literatur[Bearbeiten]

  • Agnes Husslein-Arco (Hrsg.), Meisterwerke des Belvedere, Wien, 2012, ISBN 978-3-901508-94-3
  • Agnes Husslein-Arco, Cosima Rainer, Bettina Steinbrügge (Hrsg.), 21er Haus: Zurück in die Zukunft - ein retrospektiver Blick auf ein Museum, Berlin, 2011, ISBN 978-3-86895-201-8
  • Agnes Husslein-Arco und Katharina Schoeller (Hrsg.), Das Belvedere: Genese eines Museums. Weitra, 2011, ISBN 978-3-99028-010-2
  • Sabine Grabner: Mehr als Biedermeier. Klassizismus, Romantik und Realismus in der Österreichischen Galerie Belvedere, München 2006, ISBN 3-7774-3145-1

Film[Bearbeiten]

  • Belvedere Wien. Dokumentarfilm, Deutschland, 2011, 29:30 Min., Buch und Regie: Ute Hoffarth, Produktion: SWR, 3sat, Erstsendung: 22. Mai 2011, Reihe: Museums-Check mit Markus Brock, Inhaltsangabe und Video von 3sat, mit der Schauspielerin Dagmar Koller.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Österreichische Galerie Belvedere – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gliederung aus dem Faltblatt Guide Sammlung Belvedere, aufgelegt 2011

48.19138888888916.38Koordinaten: 48° 11′ 29″ N, 16° 22′ 48″ O