Brixner Dom

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Dom zu Brixen
Fassade zum Domplatz

Der Dom Mariae Aufnahme in den Himmel und St. Kassian ist die größte Kirche Brixens und gehört zum ehemals einflussreichen Fürstbistum Brixen (heute Bozen-Brixen). Der Wohnsitz des Bischofs war schon bald nach Gründung der Stadt von Säben nach Brixen verlegt worden, wo er bis 1964 verblieb. Die Kathedra des Bischofs steht daher noch heute im Dom von Brixen, auch sind die ersten beiden Bischöfe von Bozen-Brixen (Joseph Gargitter und Wilhelm Egger) hier beigesetzt. Der Dom trägt die Titel Kathedrale und Basilica minor. Das Domkapitel ist weiterhin in Brixen. Der Bischof wohnt in Bozen, dessen ehemalige Propsteikirche Maria Himmelfahrt zur Konkathedrale erhoben wurde. Somit ist der Dom zu Brixen weiterhin die ranghöchste Kirche in Südtirol. Zusammen mit umliegenden Baulichkeiten, darunter Domkreuzgang, Johanneskapelle sowie Frauenkirche, ist er Bestandteil des Brixner Dombezirks.

Geschichte[Bearbeiten]

Der älteste Vorgängerbau war eine Münsteranlage aus ottonischer Zeit mit einer dreischiffigen Doppelchorkirche (Symbol von Papst- und Kaisertum), die vermutlich mit einer flachen Holzdecke ausgestattet war. Die Anlage war noch vor der Verlegung des Bischofssitzes von Säben nach Brixen, die um 990 stattfand, vollendet worden. Der Ostchor der Kirche war den Heiligen Petrus und Ingenuin (Bischof von Säben um 600) geweiht und verfügte über eine St.-Martins-Krypta, der Westchor mit einer St.-Nikolaus-Krypta war dem Heiligen Stefan geweiht. Nach dem Ende des Investiturstreites entsprach die Doppelchorkirche dem Sinne der religiösen Reformen nicht mehr. Bischof Hartmann (1140–1164) ließ den Westchor deshalb abbrechen und an seiner Stelle zwei Fassadentürme errichten.[1]

Deckengemälde von Paul Troger: Anbetung des Lammes

Im Jahre 1174 fiel die Münsteranlage einem Großbrand zum Opfer. In der Folge wurden unter den Bischöfen Richer von Hohenburg und Heinrich von Berchtesgaden beim Wiederaufbau bauliche Adaptierungen im Stile der Hochromanik vorgenommen. Das Langhaus wurde eingewölbt und ein einschiffiges Querhaus eingezogen. Der Dom wurde 1237 von Bischof Eberhard von Salzburg geweiht und nach weiteren Brandschäden 1274 nochmals geweiht. In der Zeit der Gotik wurden an den Dom mehrere Kapellen angebaut. Bedeutendere Umbauten gab es dann unter Bischof Nikolaus von Kues, der die Ostapsiden entfernen und diese mit einem gotischen Hochchor mit Spitzbogenfenstern und Netzgewölben ersetzen ließ. Unter der Leitung des Hofbaumeisters Hans Reichle erhielt der romanische Nordturm 1610–1613 seine heutige frühbarocke Form. Der Südturm wurde 1748 an den Nordturm angeglichen.

Fürstbischof Kaspar Ignaz Graf Künigl (1702–1747) tendierte am Beginn seiner langen Amtszeit eher zu einer grundlegenden Renovierung des alten Gebäudekomplexes, auch wenn er vom Domkapitel zu einem barocken Neubau gedrängt wurde. Er zog es dann aber vor, zuerst seine Diözese in seelsorglicher Hinsicht zu stabilisieren (Volksmissionen), bevor er Hand an den Dom legen ließ. Erst 1745 war es soweit. Für die Durchführung des Neubaues, der bis 1754 andauerte, wurde gewissermaßen die Creme des Tiroler Barocks in Brixen zusammengezogen: Josef Delai aus Bozen als Architekt, Theodor Benedetti aus Mori als Stuckateur und Altarbauer, Stephan Föger aus Innsbruck, die auch an der Planung beteiligt waren; weiters Paul Troger aus Welsberg als Freskant, Joseph Schöpf aus Telfs als Maler der Altarblätter, Dominikus Molling aus Enneberg als Gestalter der Altarstatuen, der Troger-Schüler Michelangelo Unterberger aus Cavalese als Maler des Hochaltarbildes. Die Bauleitung hatten unter anderem Josef Delai und die Priester Franz Penz und Georg Tangl inne. Am 10. Sept. 1758 wurde der Neubau mit der Weihe durch Fürstbischof Leopold Graf Spaur vollendet. Die klassizistische Vorhalle hat 30 Jahre später Jakob Pirchstaller aus Trens fertiggestellt.

Im Jahr 1895 wurde das Freskenensemble Paul Trogers durch die Restaurierungsarbeiten von Albrecht Steiner von Felsburg nachhaltig verändert, indem er nicht nur dessen Scheinkuppel in der Vierung durch seinen „Triumph der Religionen“ sondern auch dessen gemalte Scheinarchitektur um das große Deckenbild in grün-grauer Tönung durch vergoldete und eingefärbte neubarocke Stuckaturen ersetzte; dem damaligen Zeitgeschmack kam das zwar entgegen, aus heutiger Sicht war es kein glücklicher Eingriff, auch wenn für das neue Kuppelgemälde ein Entwurf Paul Trogers für das Stift Geras in Niederösterreich als Vorlage diente.

Umfangreiche Restaurierungsarbeiten nahm 1985/86 die Werkstätte Peskoller aus Bruneck vor, wobei im Außenbereich die originalen Farbtönungen und die Barockornamentik wieder hergestellt und im Innenbereich die Deckenfresken gereinigt und die Stuck- und Wandfelder nachgefärbt wurden. 2001 wurde das Domdach neu eingedeckt und die Turmhelme wurden restauriert.

Bauwerk und Ausstattung[Bearbeiten]

Innenraum des Brixner Doms

Der Brixner Dom ist der Himmelfahrt Mariens und dem Heiligen Kassian geweiht. Der heutige barocke Neubau wurde 1758 geweiht, die klassizistische Vorhalle wurde 1788 von Jakob Pirchstaller errichtet. Der einschiffige Innenraum ist 62,70 m lang, 21,50 m breit und 22,70 m hoch. Das Gotteshaus verfügt über eine bedeutende barocke Innenausstattung.

Die Deckenfresken stammen von dem berühmten Tiroler Barockmaler Paul Troger und sind die einzigen, die er in Tirol geschaffen hat. Sie bestehen aus dem großflächigen Gemälde der Anbetung des Lammes, aus dem Engelskonzert über der Orgelempore, dem heiligen Kassian als Lehrer und als Glaubensbote in den zwei Armen des Querschiffes und der Aufnahme Mariens in den Himmel über dem Hochaltar. Die von ihm ebenfalls geschaffene Scheinkuppel in der Vierung wurde 1895 durch den Triumph der Religion von Albrecht Steiner von Felsburg ersetzt, der auch die gemalte Scheinarchitektur Trogers um das Deckenbild mit vergoldeten Stukkaturen austauschte.

Am rechten Chorpfeiler befindet sich die sogenannte Leinberger Madonna, eine Statue der Maria mit Kind vom bayrischen Bildhauer Hans Leinberger aus der Zeit um 1520. Diese wertvolle Figur, im Stil am Übergang von der Gotik zur Renaissance, kam 1952 zum Bestand des Brixner Doms.

Zu beiden Seiten des Hochaltars befinden sich Galerien des schwäbischen Bildhauers Joseph Stapf, die als Fürstenoratorien gedacht waren. Die Kommunionbank ist ein Werk des Theodor Benedetti und des Rupert Röck aus Gossensaß. Die Kanzel schuf der Brixner Bildhauer Josef Wieser. Sie zeigt das Relief Christus am Jakobsbrunnen. Das Chorgestühl und die Kirchenbänke aus Nussholz stammen vom Hoftischler Ferdinand Schwabl, dessen Werkstatt auch die Beichtstühle, die Möbel in den Sakristeien und die Portale herstellte. Die Sanctusleuchter im Chorraum stammen aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts aus Flandern. Eine der Hängeampeln wurde 1609 von Wolfgang Neidhardt in Augsburg hergestellt, die andere 1754 vom Brixner Glockengießer Josef Graßmair der anderen nachgebildet. Die Wandarme am Triumphbogen sind von 1686 und kommen aus Nürnberg.

Der bischöfliche Marmorthron wurde 1912 von der Firma Linser in Innsbruck hergestellt. Die Fenster stammen aus den Jahren 1894-1897. Die Glasluster kommen aus Murano und sind von 1992.

Die Altäre[Bearbeiten]

Hochaltar mit dem Gemälde von Michelangelo Unterberger
Deckenfresko von Paul Troger über dem Hochaltar: Aufnahme Mariens in den Himmel

Hochaltar[Bearbeiten]

Der Hochaltar wurde 1753 von Theodor Benedetti vollendet und ist einer der bedeutendsten Barockaltäre Tirols. Über der Mensa erhebt sich der mächtige oktogonale Tabernakelaufbau mit Kaiserkrone und den Marmorstatuen der Apostel Petrus und Paulus und zwei füllhorntragenden Engeln zu beiden Seiten vom Bildhauer Dominikus Molling aus Wengen. Das Hochaltarbild mit der Darstellung des Marientods ist ein Hauptwerk von Trogers Landsmann und Zeitgenossen Michelangelo Unterberger.

Kassianaltar[Bearbeiten]

Der Kassianaltar wurde 1754-1756 von Franz Faber aus Telfs hauptsächlich aus Rosso-di-Francia-Marmor errichtet. Im Sarkophag aus weißem Carrara-Marmor befinden sich die Reliquien der heiligen Bischöfe Ingenuin von Säben und Albuin von Brixen; ihre Statuen sind zwischen den seitlichen Säulen zu sehen. Das Altarbild schuf Paul Troger 1753 und stellt das Martyrium des heiligen Kassian dar. Das Relief im Altaraufsatz entstand nach einem Entwurf von Franz Sebald Unterberger. Es stellt die Totenfeier des heiligen Albuin dar. Der Altar wurde vom Domkapitel gestiftet.

Rosenkranzaltar[Bearbeiten]

Der Rosenkranz- bzw. Sakramentsaltar wurde vom Trientner Steinbildhauer Francesco Oradini 1751-1753 aus weißem Brentonico-Marmor und schwarzem Bergamasco geschaffen. Zwischen vier Säulen sind die Statuen des heiligen Stephanus und des heiligen Laurentius zu sehen; Reliefs im Giebel zeigen den Abschied Jesu von den Aposteln sowie König David und den Propheten Jesaja. Das Altarbild der Rosenkranzkönigin mit dem heiligen Dominikus und der heiligen Katharina von Siena stammt von Franz Sebald Unterberger. Zu beiden Seiten des Altars hängen je acht Reliefmedaillons mit den Rosenkranzgeheimnissen, wahrscheinlich entstanden um 1611. Der Altar wurde von der Rosenkranzbruderschaft gestiftet.

Annenaltar[Bearbeiten]

Der St.-Anna-Altar wurde 1762-1764 von Franz Faber aus gelbem Brentonico und violettem afrikanischem Pavonazzo geschaffen. Die Seitenfiguren stellen die heiligen Jungfrauen Katharina und Christina dar, im Giebelrelif ist die Anbetung der Könige zu sehen. Das Altarbild der hl. Anna mit Maria und Jesuskind, Joachim und Josef schuf Franz Linder aus Wien. Der Rokoko-Altar wurde von der St.-Anna-Bruderschaft gestiftet.

Kassianaltar

Salvatoraltar[Bearbeiten]

Der Salvatoraltar stammt ebenfalls von Franz Faber und entstand 1763-1764. Er verwendete hierfür genuesischen Verde antico und gelben Torre-Marmor des Nonsbergs. Das Giebelrelief stellt den heiligen Augustinus dar, die Seitenfiguren aus weißem Carrara-Marmor die heiligen Bischöfe Martin und Nikolaus. Das Altarbild zeigt die Verklärung Christi auf dem Berg Tabor und wurde von Christoph Unterberger nach einem Bild von Raffael gemalt. Der Altar wurde von der Salvatorbruderschaft gestiftet.

Agnesaltar[Bearbeiten]

Der St.-Agnes-Altar ist ein weiteres Werk des Franz Faber, diesmal 1764-1766 aus sizilianischem Diaspro und weißem Carrara-Marmor geschaffen. Die Seitenstatuen stellen die Bischöfe Lukanus und Hartmann dar, im Aufsatz der hl. Leopold. Das Altarbild von Christoph Unterberger zeigt das Martyrium der hl. Agnes. Der Altar wurde von Fürstbischof Leopold Graf Spaur gestiftet.

Johannes-Nepomuk-Altar[Bearbeiten]

Der Johannes-Nepomuk-Altar wurde 1754-1756 von Theodor Benedetti aus Brentonico- und Carrara-Marmor geschaffen. Er ist der erste klassizistische Altar in Tirol. Die Seitenskulpturen stammen von Dominikus Molling und stellen den hl. Christophorus und den hl. Oswald dar. Das Altarbild malte Gian Domenico Cignaroli in Wien. Der Altar wurde vom damaligen Brixner Domherren und späteren Kardinal Christoph Anton von Migazzi gestiftet.

Allerheiligenaltar[Bearbeiten]

Der Allerheiligen-Altar entstand 1818-1819. Er wurde vom Steinbildhauer Paul Defant in Trient aus afrikanischem Pavonazzo, grünem Genueser und schwarzem Bergamasker Marmor nach einem Entwurf des Dombenefiziaten Franz Ainackerer errichtet. Die Seitenfiguren sind venezianische Rokoko-Arbeiten und stellen die hl. Barbara und die hl. Margarethe dar. Das Altarbild schuf Josef Schöpf aus Telfs im Jahr 1817. Der Altar wurde von den Domherren Hartmann und Joseph Freiherr von Enzenberg gestiftet.

Kreuzaltar[Bearbeiten]

Der Hl.-Kreuz-Altar wurde ebenfalls von Paul Defant geschaffen, allerdings erst 1822, obwohl der Altar von dem schon 1789 verstorbenen Domherrn Josef Freiherr von Rohrbiß gestiftet worden war. Das Material besteht aus rostrotem Marmor aus Korfu, weißem Genueser und schwarzem Bergamasco. Die Seitenstatuen zeigen die Propheten Jesaja und Sacharja, im Altaraufsatz die Eherne Schlange, die zum gekreuzigten Christus auf dem Altarbild in Beziehung stehen, das Josef Schöpf bereits 1792 gemalt hat.

Volksaltar[Bearbeiten]

Der moderne Volksaltar stammt von Martin Rainer und wurde 1966 geschaffen. Auf dem aus Kupfer getriebenen Altar ist ein Relief des segnenden Christus zu sehen.

Die Domorgeln[Bearbeiten]

Orgelempore

Die erste Münsteranlage nach der Schenkung des königlichen Maierhofes „Prichsna“ an Bischof Zacharias von Säben durch König Ludwig das Kind (dd Regensburg 13. September 901) entstand noch in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts. Es wird jedoch angenommen, dass erst Bischof Albuin (975–1006) den Sitz endgültig von Säben nach Brixen verlegte. Ob dieses erste Münster von Brixen bereits mit einer Orgel ausgestattet war, entzieht sich unserer Erkenntnis. Unmöglich ist dies nicht, da bekannt ist, dass bereits im Jahre 757 der oströmische Kaiser Konstantin V. dem Frankenkönig Pippin eine Orgel zum Geschenk machte. Im fränkisch-alemannisch-bairischen Raum hat sich der Gebrauch einer Orgel schnell verbreitet. Bei den schweren Bränden, die in den Jahren 1174, 1234 und 1444 die Domkirche ganz oder teilweise in Asche legten, sind sicher auch die Orgeln, falls vorhanden, zerstört worden.

Die erste urkundlich gesicherte Nachricht über eine Orgel im Dom von Brixen stammt aus dem Jahr 1531. Von dem sonst wenig bekannten Meister Kaspar wurden im Dom zwei Orgeln aufgestellt, eine große und eine kleinere. Über die Disposition derselben berichten jedoch die Quellen nichts. Der ursprüngliche Standort der Orgeln war nicht wie heute rückwärts auf einer eigenen Empore, sondern vorne rechts neben dem Presbyterium, etwa dort, wo heute die Tür vom Rosari-Altar (Sakramentsaltar) in die Süd-Sakristei führt. 1620–1622 wurden die Domorgeln vom damals bekannten Orgelbaumeister Andrä Putz aus Passau einer gründlichen Reparatur unterzogen, teilweise auch ergänzt und ausgebaut. In den Jahren 1690/91 erbaute Eugenio Casparini aus dem „Etschtal“, wie es im Kapitelprotokoll des Jahres 1689 heißt, eine neue, dem damaligen Zeitgeschmack entsprechende „Barockorgel“. Casparini entstammte einer in Deutschland durch Generationen tätigen Orgelmacherfamilie „Kaspar“, wurde selbst in Sorau in der Niederlausitz im Jahre 1624 geboren, kam erst später nach Süddeutschland und Norditalien, wo er in verschiedenen Städten Orgeln erbaute. Nach den Plänen des alten Domes waren zur Zeit des Abbruches im Jahre 1745 zwei Orgeln im Dom aufgestellt: die eine an der oben genannten Stelle, die andere am westlichen Ende des Priesterchores.

Obwohl bis zum Neubau des Domes 1746–1754 unter Fürstbischof Kaspar Ignaz Graf Künigl (1702–1747) und Fürstbischof Leopold Graf Spaur (1747–1778) die Orgel getreulich ihren Dienst zur Ehre Gottes und zur Erbauung der zum Gottesdienst versammelten Gemeinde tat, wurde 1756 Franz Simnacher aus Angelberg bei Mindelheim mit dem Bau einer neuen Orgel betraut. Nach dem schon ein Jahr später (1757) verstorbenen Meister übernahm dessen Schwager Alexander Holzhey die Weiterführung des Orgelbaues, der im November 1758 vollendet wurde. Die musikalische Mitgestaltung der Gottesdienste wurde dann vom Altarraum auf die Sängerempore verlegt.

Bedingt durch die Zeitströmung, die an einer barocken Orgel wenig Geschmack fand, erhielt auch der Brixner Dom nach Abschluss einer Domrestaurierung im Jahre 1898 eine neue Orgel, erbaut durch die Gebrüder Mayer aus Feldkirch. Sie war mit einer pneumatischen Traktur ausgestattet. 1931 wurde die Orgelbaufirma Dreher & Flamm aus Salzburg mit dem Umbau der Orgel auf das elektro-magnetische System betraut. Große Erwartungen wurden damals an dieses „moderne“ System geknüpft. Im Protokoll der Kollaudierung wird eigens vermerkt, dass „hier“ in rationeller Weise mit errechenbarer Sicherheit und Gewährleistung einer reichlichen Dauerhaftigkeit eine vorzügliche Präzision erzielt wurde. Diese hochgespannten Erwartungen erfüllten sich jedoch nicht. Vor allem während der Heizperiode im Winter traten – bedingt eben durch die Warmluftheizung – immer mehr Funktionsstörungen auf, die ständige und aufwändige Reparaturen notwendig machten. Die Forderung nach Umbau der Orgel auf die weniger anfällige mechanische Traktur wurde immer dringlicher. Nach reiflicher Überlegung und nach eingehender Prüfung der von Fachleuten eingeholten Gutachten entschloss sich das Brixner Domkapitel in der Sitzung vom 7. Juli 1977, die Orgelbaufirma Johann Pirchner in Steinach am Brenner mit dem Neubau einer Orgel zu betreuen. Als Lieferfrist wurde Herbst 1980 festgelegt.

Hauptorgel[Bearbeiten]

Die Brixner Domorgel
Fresko von Paul Troger über der Orgel: Engelskonzert

Die Orgel besitzt mechanische Spiel- und Registertraktur und Schleifwindladen. Sie umfasst 48 Register und 2 Tremulanten, die im historischen Gehäuse (Hauptwerke, Positiv, Unterwerk, Pedal) untergebracht sind. Die Gesamtzahl der Pfeifen beträgt 3335. Die kleinste Pfeife misst 17 mm, die größte 5,20 m. Der Manualwinddruck beträgt 73 mm, der Pedalwinddruck 90 mm. Die großartige Prospektfront mit 17 Pfeifenfeldern aus der Simnacherorgel des Jahres 1758 blieb erhalten. Das Gehäuse wurde in seiner Ursprungsform von der Firma Peskoller aus Bruneck rekonstruiert und neu vergoldet. Es steht in seiner schönen Gestalt völlig frei im Raum.

Der Werksneubau hält sich im Rahmen der überlieferten Disposition der Simnacher Orgel: drei Manualwerke und ein Pedalwerk, ein großes 16’ Hauptwerk, ein 8’ Positiv, ein besonderes für Begleitzwecke günstiges Unterwerk und ein 32’ Pedalwerk. Mit Rücksicht auf einwandfreie Trakturführung ist in der Mitte des Gehäuseunterbaues der Spielschrank untergebracht. Das alte Glockenspiel aus dem Jahre 1758, das in den letzten Orgeln nicht mehr Verwendung fand, hat seinen ursprünglichen Platz unmittelbar über dem Spielschrank hinter dem Schnitzwerkkorb, der vom Bildhauer Hackhofer aus Brixen geschnitzt wurde.

Folgende Gesichtspunkte wurden bei der Erstellung der neuen Domorgel berücksichtigt: Vorrang der geschlossenen Prinzipalchöre, Tonhöheplafond nach bestbewährter italienischer Ripieno Art, Berücksichtigung von Streicherstimmen in spätbarock-klassischer Art, wie sie zum Orgelgehäuse und zur Gesamtwirkung des Raumes passen, Einbeziehung auch französischer Elemente, die im süddeutschen Raum im besten alten Orgelbau anzutreffen sind. Einen großen Einfluss auf das Klangergebnis hat die tischlerisch richtige Rekonstruktion des Gehäuses aus gut getrocknetem Fichtenholz.

Die Disposition der neuen Orgel ist eine Gemeinschaftsarbeit der Herren Egon Krauss, Otto Rubatscher, Josef Knapp und Orgelbauer Johann Pirchner. Die feierliche Orgelweihe nahm Diözesanbischof Joseph Gargitter am 4. Oktober 1980 vor. Festorganist: Franz Lehrndorfer, Professor für Orgel und Kirchenmusik an der Staatlichen Hochschule für Musik in München. Das Instrument hat folgende Disposition:[2]

I Hauptwerk C–g3

1. Prinzipal 16′
2. Bordun 16′
3. Prinzipal 8′
4. Rohrgedeckt 8′
5. Viola 8′
6. Oktav 4′
7. Nachthorn 4′
8. Gemshorn 4′
9. Quinte 22/3
10. Superoktav 2′
11. Mixtur major 2′
12. Mixtur minor 1′
13. Kornett 8′
14. Trompete 8′
II Positiv C–g3
15. Prinzipal 8′
16. Schwebung 8′
17. Gedeckt 8′
18. Salizional 8′
19. Oktave 4′
20. Rohrflöte 4′
21. Violine 4′
22. Nasat 22/3
23. Oktav 2′
24. Quarte de Nazard 2′
25. Terz 13/5
26. Scharff 11/3
27. Fagott 16′
28. Cromorne 8′
Glockenspiel
Tremulant
III Unterwerk C–g3
29. Metallgedackt 8′
30. Portunalflöte 8′
31. Prinzipal 4′
32. Gedackt 4′
33. Oktav 2′
34. Waldflöte 2′
35. Quint 11/3
36. Zimbel 1′
37. Vox humana 8′
Tremulant
Pedal C–f1
38. Untersatz 32′
39. Prinzipalbaß 16′
40. Subbaß 16′
41. Oktavbaß 8′
42. Gemshornbaß 8′
43. Choralbaß 4′
44. Hintersatz 22/3
45. Posaune 16′
46. Trompete 8′
47. Clarine 4′
  • Koppeln: II/I, III/I, I/P, II/P, III/P
  • Plenotritte: (auf HW Pr. 16' Pr. 8', O. 4', Q. 22/3', So. 2', Mix. 2', Mix. 1', auf Ped. Pr. 16', O. 8', Ch. 4', Hs. 22/3', Ps. 16')

Chororgel[Bearbeiten]

Bis zum Jahre 1931 gibt es keinen Nachweis einer Orgel im Altarraum. Erst beim Bau einer neuen Hauptorgel mit elektropneumatischer Spieltraktur wurde im Presbyterium im linken Oratorium eine kleinere Orgel eingebaut, die man auch von der Hauptorgel aus spielen konnte.

Die Verbindung der beiden Orgeln wurde 1980 beim Bau der neuen Domorgel nicht mehr hergestellt. Nachdem die Störungsanfälligkeit der nunmehr getrennten Chororgel immer größer wurde und sie schließlich ihren Dienst versagte, beschloss das Domkapitel, eine neue Orgel für den Chorraum bauen zu lassen. Die Ausführung wurde wieder dem Orgelbauer Johann Pirchner anvertraut.

Chororgeln findet man vor allem in Domen und großen Ordenskirchen. Sie sind dem liturgischen Geschehen näher und dienen der Unterstützung des gesungenen Chorgebetes, besonders von Laudes und Vesper. Sie werden bei Messfeiern mit kleinen Gruppen verwendet, ebenso bei besonderen Feierlichkeiten, wenn Chöre im Altarraum oder im Kirchenschiff singen. Mit der neuen Chororgel hat der Brixner Dom gleichsam eine neue Stimme erhalten, um Gott zu rühmen und seinen Namen zu preisen.

Im Gedenken an das 250. Todesjahr von Fürstbischof Künigl, unter dem der Bau des barocken Domes begonnen wurde, wird die neue Orgel nach diesem bedeutenden Bischof auf dem Stuhl des Heiligen Kassian benannt: „Chororgel Fürstbischof Kaspar Ignaz Graf Künigl“. Die Weihe der neuen Chororgel fand am 23. November 1997 statt.

Bischofsgräber[Bearbeiten]

Grabmal von Joseph von Spaur

Im Brixner Dom wurden seit der Verlegung des Bischofssitzes von Säben nach Brixen um das Jahr 990 Bischöfe der Diözese Brixen (heute Diözese Bozen-Brixen) bestattet. Nach der Neuerrichtung der Kathedrale im barocken Stil 1745 wurden die alten Grabsteine vom Priester Joseph Resch aus dem Schutt gerettet; er ließ sie im Dombezirk anbringen. Die sterblichen Reste der Bischöfe ruhen heute in einem Gräberfeld im Querschiff; ihre Grabmäler sind an unterschiedlichen Stellen im und am Dom angebracht. Hier eine Liste von Bischöfen und ihren Grabmalen ohne Anspruch auf Vollständigkeit, mit Angabe der Amtszeit als Bischof von Brixen:[3]

  • Ingenuin (um 590) und Albuin (um 975–1006): Grabplatte am Ausgang des Kreuzganges mit einer Darstellung der beiden Bischöfe. Während von Ingenuin vermutlich Reliquien beim Bau der Kathedrale hierher verlegt wurden, war Albuin der erste Bischof von Brixen, der auch im Brixner Dom bestattet wurde.
  • Ulrich Putsch (1427–1437): Sein Grabmal befindet sich am Hauptportal; rund um das Grabmal ist der Satz Hie leit bischof ulreich, dem ist ditz pild geleich eingemeißelt. Putsch gab das Grabmal zwei Jahre nach seiner Ernennung in Auftrag.
  • Christoph Fuchs von Fuchsberg (1539–1542): Sein Grabmal im Kreuzgang zeigt ihn sanft schlafend.
  • Christoph Andreas von Spaur (1601–1613): Sein Grabmal befindet sich vor dem Hauptportal rechts am Gemäuer der eng benachbarten Liebfrauenkirche.
  • Daniel Zen (1627–1628): Das Grabmal dieses einzigen Ladiners unter den Brixner Bischöfen befindet sich vor dem Hauptportal links.
  • Kaspar Ignaz von Künigl (1702–1747): Auf seinem Grabmal im Querschiff links ließ er einen Totenkopf als Mahnung, dass sich auch ein Bischof stets den Tod vor Augen halten müsse, einmeißeln.
  • Joseph von Spaur (1779–1791): Sein Grabmal ist im Querschiff auf der rechten Seite angebracht.
  • Johannes von Leiß (1880–1884), Simon Aichner (1884–1904), Joseph Altenweisel (1904–1912), Franz Egger (1912–1918) und Johannes Raffl (1921–1927): Die Büsten dieser fünf Bischöfe sind unter der Statue des guten Hirten auf einem gemeinsamen Grabmal im Kirchenschiff abgebildet.
  • Johannes Geisler (1930–1952): Sein Grabmal gab er beim Diözesankonservator Karl Wolfsgruber in Auftrag. Die Darstellung wurde anhand eines Fotos, das Geisler mit Stola auf einem Betschemel kniend zeigt, gefertigt. Diesen Schemel hatte auch Papst Benedikt bei einem Urlaubsaufenthalt in der Kapelle des Priesterseminars benutzt.
  • Joseph Gargitter (1952–1986): Gargitter war der letzte Bischof der Diözese Brixen und der erste Bischof der neuen Diözese Bozen-Brixen. Sein Grabmal ist eine Bronzearbeit des Künstlers Martin Rainer aus Brixen. Der überdimensionierte Zeigefinger der Figur weist zum Altar der Kathedrale hin.
  • Wilhelm Egger (1940–2008): Egger war von 1986 bis 2008 Bischof von Bozen-Brixen. Er wurde am 21. August 2008 im linken Seitenschiff des Brixner Domes beigesetzt.

Glocken[Bearbeiten]

Das Geläut des Domes besteht aus acht Glocken. Die große Sextglocke hängt für sich im Nordturm (Sextturm), die übrigen Glocken befinden sich im Südturm. Die Alte Primglocke ist die älteste Glocke des Domes.[4] Alle Glocken sind bis auf letztere mit Klöppelfängern ausgestattet. Im Südturm befindet sich neben der großen Glocke noch eine Uhrschlagglocke, Gewicht und Ton unbekannt.[5]

Nr.
 
Name
(Funktion)
Gussjahr
 
Gießer, Gussort
 
Durchmesser
(mm)
Masse
(kg)
Schlagton
(HT-1/16)
Turm
 
1 Sexta 1838 Johann Grassmayr, Wilten 1.830 3.894,5 a0 +1 Nord
2 Maria 1922 Luigi Colbacchini, Trient 1.470 1.873,0 cis1 −4 Süd
3 Petrus und Paulus 1.180 935,0 e1 −4
4 Cassianus 1.080 786,0 fis1 −4
5 Ingenuinus und Albuinus 900 454,0 a1 −4
6 Hertmannus 710 231,0 cis2 −8
7 Odilia 590 111,0 dis2 −4
8 Alte Primglocke 1532 unbekannt 430 ≈50,0  ?

Der Kreuzgang[Bearbeiten]

Fresken im Kreuzgang
Hauptartikel: Brixner Domkreuzgang

Der Kreuzgang südlich des Domes, mit diesem durch einen Zugang verbunden, zählt zu den bedeutendsten Kunstdenkmälern Südtirols. Er geht bereits auf eine vorromanische Anlage zurück. Nach dem Brand des Domes 1174 sowie um 1200 erfolgten Umgestaltungen. Es wird angenommen, dass diese von Bischof Friedrich von Erdingen (1375-1396) veranlasst und durch den im Kreuzgang bestatteten Meister Utz(o) durchgeführt wurden. In späterer Zeit erfolgten mit kleinen Ausnahmen kaum noch Veränderungen des Kreuzganges.

Die Bemalung setzte nach der gotischen Umgestaltung des Kreuzganges ein und erfolgte während des ganzen 15. Jahrhunderts schrittweise, meist im Auftrag der Domherren, die dort bestattet wurden. Die Namen der Künstler sind meist unbekannt, aufgrund stilistischer Analysen kann man jedoch auf die herkunft der Maler schließen: Darunter befanden sich viele Einheimische, aber auch wandernde Künstler aus Italien und Deutschland. Man unterscheidet Bilder im weichen Stil (1390-1440) mit idealisierten Gestalten und Motiven, beginnenden Naturalismus der Spätgotik um die Mitte des 15. Jahrhunderts und die Spätkunst des Mittelalters, die Landschaft und Körper beherrschte, im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts. Die Fresken wurden in den letzten Jahrzehnten vom Südtiroler Denkmalamt restauriert und befinden sich in gutem Zustand.

Johanneskapelle[Bearbeiten]

Romanisches Fresko die alttestamentliche Weisheit in der Johanneskapelle (um 1220)

An der Südwestecke des Dombezirks steht die Johanneskapelle, die von der 3. Arkade des Kreuzgangs betreten wird. Sie dürfte schon beim ersten Münsterbau im 10. Jahrhundert entstanden sein und war Taufkapelle und bischöfliche Hofkapelle. Das hohe Kirchenschiff trägt ein steiles gotisches Zeltdach, die gemauerte Empore und das Kreuzgratgewölbe stammen aus dem 14. Jahrhundert.

Besonders bedeutend sind die romanischen Fresken, die die scholastisch-mystische Symboltheologie des 13. Jahrhunderts widerspiegeln. Ebenfalls von Bedeutung sind die frühgotischen Fresken aus der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts im Linearstil. Theophil Melicher aus Wien hat 1900-1902 die Fresken der Johanneskapelle restauriert und leere Flächen mit neuen Bildern und Ornamenten ausgefüllt.

Frauenkirche[Bearbeiten]

Innenraum der Frauenkirche mit Blick zum Hochaltar
Hauptartikel: Frauenkirche am Kreuzgang

Die Frauenkirche ist eine Nebenkirche des Doms. Bischof Konrad von Rodank (1200-1216) ließ die Marienkapelle im Kreuzgang erneuern und durch seinen Hofmaler Hugo um 1215 mit Fresken ausmalen. Die ursprünglich einschiffige Kirche, die heute über ein Haupt- und ein Seitenschiff verfügt, wurde Ende des 18. Jahrhunderts als Flügelelement der Fassade des Doms eingegliedert.

Die romanischen Fresken der sind von hervorragender Qualität, jedoch nur noch in Teilen erhalten. Die Kirche verfügt über mehrere Altäre, die alle aus dem 17. Jahrhundert stammen.

Domplatz und Lebensbrunnen[Bearbeiten]

Lebensbrunnen am Domplatz

Am Domplatz befindet sich der Lebensbrunnen, geschaffen vom Südtiroler Künstler Martin Rainer (1923 - 2012). Der Brunnen stellt die verschiedenen Lebensphasen des Menschen und den Kreislauf des Lebens als Spirale dar, die aus Gottes Hand entspringt und in Gottes Hand zurückkehrt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Wolfsgruber: Der Brixner Dombezirk. 4. Auflage. Bearbeitet von Johann Mayr. Eigenverlag der Domverwaltung, Athesiadruck, Bozen 2002.
  • Josef Gelmi: Geschichte der Diözesen Bozen – Brixen und Innsbruck. Echo Buchverlag, 1993.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Brixner Dom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

46.71588811.657763Koordinaten: 46° 42′ 57″ N, 11° 39′ 28″ O

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl Wolfsgruber: S. 8 ff.
  2. vgl. die Website der Erbauerfirma
  3. Der Hohe Dom ist ihr Grabstein. In: Dolomiten, 21. August 2008, Seite 9.
  4. Jörg Wernisch: Glockenkunde von Österreich. Journal, Lienz [2007], S. 1113.
  5. campanologia.org