Phoolan Devi

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Phoolan Devi (* 10. August 1963 in Gorha Ka Puwa, Uttar Pradesh, Indien; † 25. Juli 2001 in Neu-Delhi), auch unter Phool Singh bekannt, war eine indische „Banditenkönigin“, die nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis Politikerin wurde.

Leben[Bearbeiten]

Phoolan Devi wurde am 10. August, dem Tag eines hinduistischen Blumenfestes, geboren. Ihr Name Phoolan bedeutet im Dialekt ihres Heimatdorfes: die Blume. Unsicher ist das Jahr ihrer Geburt, für das aber allgemein 1963 angenommen wird. Ihre Mutter hieß Moolan, ihr Vater Devidin, die Familie war aus der Kaste der Mallah, einer niederen Fischerjati, die zu den Shudra gehört. Sie hatte drei Schwestern und einen Bruder und lebte mit ihrer Familie in ärmsten Verhältnissen.

Im Alter von 11 Jahren wurde sie mit einem 35 Jahre alten Mann Putti Lal verheiratet, von diesem schwer misshandelt und verstoßen. Nach der Rückkehr in ihr Dorf galt sie als rechtlos, wurde mehrfach vergewaltigt und dann unter falscher Anklage verhaftet. Auf der Polizeistation von Kalpi wurde sie wiederum mehrmals brutal vergewaltigt und misshandelt. Dann ließ man sie auf Kaution frei.

Zwischen ihrem 17. und 18. Lebensjahr wurde sie von zwei Banditenbanden unter Baboo Gujar Singh aus der Kshatriya-Kaste der Thakur und Vickram, so wie sie ein Mallah, entführt. Im Streit erschoss Vickram Baboo Gujar. Vickram und Phoolan Devi heirateten und führten zusammen eine Bande von Banditen. Ihre Raubzüge wurden auch von Rache getrieben, so verprügelte Phoolan unter anderem ihren ersten Ehemann und setzte ihn anschließend zur Abschreckung auf einen Esel, der durchs Dorf geführt wurde.

Vickram wurde dann von einem früheren Partner Shiri Ram, einem Thakur, getötet, worauf Phoolan den Namen Phool Singh annahm und eine eigene Bande gründete. Sie selbst sah sich als Inkarnation von Durga an, der von ihr verehrten Göttin. Zusammen mit zwei anderen Banden begannen sie mit umfangreichen Raubzügen. Das erbeutete Geld verteilten sie an Arme und Mitglieder unterer Kasten. Phoolan war jedoch vom Hass auf die Thakurs beseelt. Ihr wird vorgeworfen, beim sogenannten „Massaker von Behmai“ 1981 auf der Jagd nach Shiri Ram 22 Thakurs getötet zu haben. Auch soll sie Verrätern, oder Männern, die Frauen misshandelt hatten, die Nase und den Penis abgetrennt haben. Bei einem ihrer Raubzüge gelang es, den Palast von Jagamanpur zu besetzen.

Es begann eine erbarmungslose Jagd nach ihr und ihrer Bande. Bei einem Zugriff der Polizei wurde das Dorf Guloli vollkommen zerstört, weil die Polizei Bomben aus Hubschraubern abwarf und das Dorf anzündete.

Phoolan Devi ergibt sich 1983

Am 12. Februar 1983 ergab sich Phoolan Devi dem Ministerpräsidenten von Madhya Pradesh, Arjun Singh, auf einer Bühne vor dem Bildnis ihrer Göttin und einem Bild von Mahatma Gandhi. 10.000 Menschen waren zu diesem Spektakel gekommen. Zuvor war ein Vertrag ausgehandelt worden, der ihr acht Jahre Haft und ihrer Familie Land zusicherte. Zuerst kam sie ins Gefängnis in Gwalior, wo sie schlecht behandelt wurde. Sie stand jedoch im Briefkontakt mit Indira Gandhi und Arjun Singh. Später wurde sie in das Gefängnis von Tihar verlegt und kam im Februar 1994 nach elf Jahren frei. Wegen eines Krebsleidens war sie begnadigt worden.

Phoolan Devi war elf Jahre ohne eine Gerichtsverhandlung festgehalten worden. Man scheute sich vor einem Prozess, da dort Misshandlungen der Polizei und Verfehlungen der Obrigkeit zur Sprache gekommen wären.

Nach ihrer Entlassung war sie als Menschenrechtlerin tätig und wurde als Heldin der Armen gefeiert. Sie setzte sich vor allem für Frauenrechte ein. Für die Samajwadi Party, eine linke Partei unterer Kasten, gewann sie 1996 und 1999 einen Sitz im indischen Parlament. 2001 wurde sie, wahrscheinlich von Sher Singh Rana, einem Cousin eines getöteten Vergewaltigers, ermordet. Sie hinterließ ihren dritten Ehemann Ummed Singh.

1994 entstand eine umstrittene und von ihr nicht autorisierte Verfilmung ihres Lebens von Shekhar Kapur unter dem Titel Bandit Queen. Unter anderen kritisierte auch die Schriftstellerin und Feministin Arundhati Roy Kapurs ausbeuterischen Umgang mit dem Stoff und seine Ignoranz gegenüber Phoolan Devi.[1][2]

Film[Bearbeiten]

  • Phoolan Devi – Rebellion einer Banditin, Dokumentarfilm, 16mm, 80 min. Regie: Mirjam Quinte, Co-Regie: Pepe Danquart, Produktion: quintefilm Berlinale Panorama 1994, Intern. Dokumentarfilmfestival München, Cambridge Filmfestival, Galway (Irland), Helsinki, Vienalle Wien, Filmfestival Valladolid u.a., gesendet ZDF/ARTE [3]
  • Bandit Queen, Spielfilm

Literatur[Bearbeiten]

  •  Phoolan Devi: Ich war die Königin der Banditen. Bastei-Lübbe, Bergisch Gladbach 1998 (Originaltitel: I, Phoolan Devi, übersetzt von Theresia Übelhör), ISBN 3404614143.
  •  Veena Kade-Luthra: Phoolan Devi. Die Legende einer indischen Banditin. Verlag Neue Kritik, Frankfurt 1983, ISBN 3801501906.
  •  Mala Sen: Die Geschichte der PHOOLAN DEVI. Ein indisches Frauenschicksal. Goldmann Verlag (Originaltitel: India's Bandit Queen. The true Story of Phoolan Devi, 1991), ISBN 3442124913.
  •  Willi Baer, Karl-Heinz Dellwo, Michaela Karl, Hilmar König: Phoolan Devi. Die Rebellin (= Bibliothek des Widerstands, Band 13). Laika Verlag, Hamburg, 2012, ISBN 978-3942281836.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Phoolan Devi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Arundhati Roy: Arundhati Roy on Shekhar Kapur's Bandit Queen: The Great Indian Rape-Trick I. sawnet.org. 22. August 1994. Abgerufen am 11. April 2014.
  2. Arundhati Roy: Arundhati Roy on Shekhar Kapur's Bandit Queen: The Great Indian Rape-Trick II. sawnet.org. 23. September 1994. Abgerufen am 11. April 2014.
  3. http://www.quintefilm.de/profil/filmografie.html