Polonaise (Tanz)

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Typischer Rhythmus einer Polonaise

Die Polonaise (von franz.: danse polonaise „polnischer Tanz“; ital. Polacca, poln. Polonez) ist ein polnischer Nationaltanz, bei dem Tanzpaare im Reigen und moderaten Tempo nach bestimmten Figuren würdevoll und majestätisch zu einer Musik im Polonaise-Rhythmus durch den Saal schreiten.

Der Tanz entstand Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts als Prozessionstanz auf den Groß- und Kleinadelhöfen der Szlachta (polnischer Adel) zur Huldigung und Ehre der rechtlich homogenen, demokratischen Adelsrepublik Polen-Litauen. Auf dem Land tanzte man die Polonaise hauptsächlich während Hochzeitsfeiern. In der Volksmusik wurde der Tanz aber je nach Region als Gehtanz, Langsamer, Großer, Gänse- oder Hopfentanz bezeichnet. Der Name „Polonaise“ entstand erst um 1730, als der Tanz sich durch Heinrich III. zunächst in Frankreich verbreitete und danach in den Ballsälen der europäischen Adelshöfen populär wurde, man auf Französisch vom danse polonaise (polnischer Tanz) sprach. Die polnische Bezeichnung Polonez leitet sich daher auch vom französischen Begriff Polonaise her.

Geschichte[Bearbeiten]

Kornelli Szlegel: "Polonaise unter freiem Himmel"

Die Polonaise ist neben der Mazurka und Krakowiak der älteste polnische Nationaltanz. Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Polonaise-Rhythmus aus der Zeit vor der Christianisierung Polens stammt und keine Musik im engeren Sinne war, sondern lediglich dem Ritual der Teufelsaustreibung durch die Volkhvy (heidnische Priester der vorchristlichen Rus) diente. Als Prozessionstanz zur Huldigung und Ehre der rechtlich homogenen, demokratischen Adelsrepublik Polen-Litauen wird der taniec polski (polnischer Tanz) Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts auf den Groß- und Kleinadelhöfen der Szlachta (polnischer Adel) populär. In der Volksmusik wurde er je nach Region als Chodzony (Gehtanz), Langsamer, Großer, Gänse- oder Hopfentanz bezeichnet. Im ausgehenden 16. und 17. Jahrhundert ist die Polonaise vornehmlich in deutschen Sammlungen unter den Bezeichnungen Taniec polski, Chorea polonica oder Polacca überliefert, so z.B. in der Orgeltabulatur von E.N. Ammerbach (1583) oder im Lautenbuch von Johannes Arpinus (nach 1585). Der Name „Polonaise“ entstand erst um 1730, als der Tanz sich durch Heinrich III. zunächst in Frankreich verbreitete und danach in den Ballsälen der europäischen Adelshöfen populär wurde, man auf Französisch vom danse polonaise (polnischer Tanz) sprach. Die polnische Bezeichnung Polonez leitet sich also vom französischen Wort "Polonaise" her.

Die Polonaise im Dreiertakt mit der charakteristischen abtaktigen rhythmischen Figur Polonez r1.svg und dem Schlusstakt Polonez r3.png ist in dieser Form erst aus dem frühen 18.Jahrhundert bekannt. Instrumental stilisierte Vorstufen finden sich im Lautenbuch der Virginia R. von Gehama (ca. 1604). Johann Sebastian Bach schrieb bis 1750 stark stilisierte Polonaisen (z. B. in den Französischen Suiten und der Orchestersuite Nr. 2 in h-Moll). Seit Ludwig van Beethoven wird die ursprüngliche Beschwingtheit und Würde wieder zur Geltung gebracht. Bezeichnend ist, dass die berühmtesten Polonaisen im Ausland komponiert wurden, und zwar hauptsächlich während der Zeit nach den Teilungen Polens (1772-1918), in der das polnische Volk um seine Unabhängigkeit und die Wiedergründung seines Staates kämpfte. Dazu gehört u.a. die Polonaise für Klavier in a-Moll "Pożegnanie Ojczyzny" (Abschied vom Vaterland) des polnischen Adligen Michał Kleofas Ogiński , die er 1794 komponierte, nachdem er wegen neuer politischer Unruhen sein Landgut Zalesie bei Vilnius verlassen musste. Als stilisierte, sogenannte melancholische Polonaise ist sie nicht für den Tanz bestimmt, sondern eines der frühesten Musikwerke der Romantik, geprägt einerseits von wehmütiger Romantik des Abschieds, im Mittelteil andererseits von Nationalbewusstsein. Auf viele Komponisten übte Ogińskis Polonaise großen Einfluss aus. Sie ist heute in zahlreichen Arrangements bekannt, auch als Klingelton fürs Mobiltelefon. Auch in den Nationalopern von Stanisław Moniuszko wie z.B. Halka und Das Gespensterschloss finden sich bekannte Polonaisen.

Wilhelm Friedemann Bach: Polonaise Nr. 4 und 5
Frédéric Chopin:
Polonaise As-Dur op.53

Zahlreiche nichtpolnische Komponisten schrieben Polonaisen, so z.B. Wilhelm Friedemann Bach, Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert, Vincenzo Bellini, Carl Maria von Weber, Robert Schumann, Franz Liszt, Moritz Moszkowski, Friedrich Baumfelder, Mauro Giuliani, Modest Mussorgsky, Pjotr Iljitsch Tschaikowski und Alexander Scriabin.

Die berühmtesten Polonaisen überhaupt sind jedoch die von Frédéric Chopin. Seine Polonaise A-Dur op.40,1 "Militärische" und Polonaise As-Dur "Heroische" sind eine seiner bedeutendsten Klavierwerke überhaupt und bevorzugte Stücke vieler Klaviervirtuosen. Heute wird die Polonaise oft als Einleitung von Bällen getanzt, meist zur „Fächerpolonaise“ von Carl Michael Ziehrer. Sie ist in letzter Zeit aber auch noch populärer geworden dank des Films "Pan Tadeusz (1999)", in dem am Ende feierlich zur Polonaise von Wojciech Kilar (+ 2013) getanzt wird. Kilars Polonaise ist inzwischen ein sehr beliebter Tanz beim Polnischen Abiball und neuerdings auch auf Polens Straßen und Plätzen, wo man sie zusammen mit Vertretern der Stadt tanzt.

Die Nationalhymne Finnlands und die Nationalhymne Estlands - beide haben dieselbe Melodie - sind im Polonaise-Rhythmus geschrieben. Die Polonaise findet sich auch in den polnischen Weihnachtsliedern: W żłobie leży, Dzisiaj w Betlejem, Bóg się rodzi, Serca ludzkie się radują, aber auch in O Tannenbaum. Nach dem Walzer zählt die Polonaise zu den beliebtesten Tänzen auf Hochzeiten.

Tanz einer Polonaise[Bearbeiten]

Der langgezogene, fließende Schritt wird durch eine stolze Haltung unterstrichen. Der Tanzschritt beginnt mit einer leichten Kniebeugung (plié) eines Beins, das zweite Bein wird dafür anschließend gestreckt, es folgen zwei Schritte nacheinander. Obwohl es ein eher langsamer Tanz ist, wird er durch abwechslungsreiche Figuren bereichert. Zu den bekanntesten zählen Viererreihe, Kreise, Serpentinen und Tunnel (Brücke).

Die Grundfigur ist ein Reigen: Die Tänzer stehen in Paaren hintereinander. Die Partnerin legt ihre linke Hand auf die rechte Hand des Partners, wobei die Arme etwas vorgestreckt und die Ellenbogen leicht gebogen sind. Die anderen Arme sind nach unten gestreckt. Die Partnerin kann mit der rechten Hand ihr Kleid leicht halten oder den Arm leicht strecken. Der Partner kann die linke Hand auf der Höhe der Hüfte oder am Hosenbein entlang halten. Die Haltung beider Partner sollte gerade sein und der Kopf stolz erhoben. Während des ganzen Tanzes verbeugen sich die Partner sehr oft voreinander.

Polonäse Blankenese[Bearbeiten]

Seitdem Werner Böhm alias Gottlieb Wendehals 1981 bei seinem deutschen Stimmungslied „Polonäse Blankenese“ das Publikum aufforderte „Wir ziehen los mit ganz großen Schritten, und Erwin faßt der Heidi von hinten an die Schulter.“ und das Lied mit diesen Tanzbewegungen fester Bestandteil von Karneval, Fastnacht und Fasching in Deutschland ist, meinen viele, dies bedeute, Polonaise zu tanzen. Das Stimmungslied hat aber mit dem Historischen Tanz nichts gemein. Es wurde weder im Polonaise-Rhythmus komponiert, noch kann man dazu klassisch Polonaise tanzen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Polonaise – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Polonaise – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]