Zensur (Informationskontrolle)

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Ein von den iranischen Behörden im Februar 2006 zensiertes Exemplar des Magazins National Geographic. Das vom weißen Aufkleber verdeckte Titelfoto zeigt ein sich umarmendes Paar.
Brennende Bücher auf dem Titelblatt des katholischen Index - der göttliche Heilige Geist ist als Taube dargestellt.
Karikatur von Luis Bagaría auf die spanische Zensur unter Diktator Primo de Rivera: „Zusammenarbeit – der Karikaturist: Herr Zensor: Bekanntlich ist ihr Stift besser als meiner. Also bitte ich Sie, mir die Karikatur anzufertigen. Wenn Sie wollen, mache ich Ihnen einen Vorschlag: Könnten Sie einen stämmigen und optimistischen Spanier zeichnen, der sagt: ‚Nie ging es mir besser als heute.‘?'“

Zensur (lateinisch censura) ist der Versuch der Kontrolle des geschriebenen Wortes.[1] Durch restriktive Verfahren – in der Regel durch staatliche Stellen – sollen Massenmedien und/oder persönlicher Informationsverkehr kontrolliert werden, um die Verbreitung unerwünschter oder ungesetzlicher Inhalte zu unterdrücken oder zu verhindern.[2][3] Oftmals wenden totalitäre Staaten die Zensur verschärft an.[3]

Etymologie[Bearbeiten]

Der Begriff „Zensur“ ist abgeleitet vom lateinischen Wort censura, das eine strenge Prüfung bzw. Beurteilung bezeichnet sowie gleichzeitig auch das Amt eines Sittenrichters (Censors) im römischen Staat bezeichnete.[4]

Mit dem Wort Zins ist der Begriff Zensur ebenfalls verwandt (mit der man auch Schüler bewertet), und zwar über die gemeinsame lateinische Wurzel censere, die eigentlich „schätzen“ bedeutet. Zum Verb censere wurde das Substantiv censura gebildet, das „Prüfung, Begutachtung, Kritik“ bedeutet und im 15. oder 16. Jahrhundert ins Deutsche übernommen wurde.[5]

Ziele und Begründungen von Zensur[Bearbeiten]

Vor allem Nachrichten, künstlerische Äußerungen und Meinungsäußerungen sind Gegenstände der Zensur. Die Zensur dient dem Ziel, das Geistesleben in religiöser, sittlicher oder politischer Hinsicht zu kontrollieren. Diese Kontrolle wird damit begründet, man wolle oder müsse schutzlose oder schutzbedürftige Gesellschaftsgruppen vor der schädlichen Wirkung solcher Inhalte bewahren.

  • So begründete die katholische Kirche ihr Verbot häretischer Schriften (siehe auch Index Librorum Prohibitorum) mit dem Schutz des Glaubens (schon früh wurde auch Sittlichkeit als Argument herangezogen). Sittlich begründet wird eine Zensur z. B. mit dem Schutz Minderjähriger vor Inhalten und Darstellungen, die deren seelische Entwicklung gefährden (zum Beispiel Gewaltdarstellungen oder menschenverachtende Formen der Sexualität), siehe hierzu auch Jugendschutz.
  • Politische Zensur bezweckt mit ihrer Kontrolle die Abwehr von die politische Ordnung bedrohenden Inhalten, etwa mit der Zensur pseudowissenschaftlicher Literatur (gemeint sind meist sich auf die nationalsozialistische Rassentheorie stützende Schriften) in Deutschland.[6]

Von Seiten der von Zensur Betroffenen und auch in wissenschaftlichen Untersuchungen wurde und wird der Vorwurf erhoben, der wahre Beweggrund der Zensuraktivität seien der Schutz und der Machterhalt der sie ausübenden Eliten.[7]

Maßnahmen zur Kontrolle[Bearbeiten]

Maßnahmen zu Kontrolle:[8][9]

  • Die Schaffung von Zensurkommissionen,
  • Verbot von Medien,
  • Verzeichnisse verbotener Medien (Schwarze Liste),
  • Verbot des Besitzes periodischer Medien (Indices),
  • Beförderungs-, Verkaufs- und Erwerbsverbot von Medien,
  • Vorzensur (Maßnahme zur Prüfung von Schriften vor der Drucklegung),
  • Nachzensur (Kontrolle von bereits gedruckten und im Handel zugänglichen Druckwerken),
  • Untersagung bestimmter Inhalte und Aussageformen,
  • Impressumspflicht zur Identifikation von Urhebern,
  • Bindung der Herausgeber von Medien an Konzessionen und Privilegien, die auch wieder entzogen werden können,
  • Kautionszwang, d. h. die Verpflichtung, Geld bei der Zensurbehörde zu hinterlegen,
  • Zeitungssteuern (die sogenannte Stempelsteuer),
  • Beschränkungen von Berufszulassungen für Drucker,
  • Berufsverbote für Drucker und Entzug von Druckkonzessionen,
  • Geldbußen, Gefängnisstrafen sowie schließlich Landesverweis,
  • Einziehen einzelner Ausgaben von Medien,
  • Beschränkung der Erscheinungshäufigkeit periodischer Medien,
  • erhöhte Beförderungsgebühren für Medien.

Die Pressezensur umfasst das Verbot der Verbreitung (Ausstrahlung, Vertrieb) oder die inhaltliche Veränderung bzw. Kürzung. Bei Filmen werden beispielsweise zensurwürdige Szenen herausgeschnitten, Objekte verdeckt oder Ausdrücke mit einem Piepston (engl. Bleep) überlagert, letzteres auch bei der Wiedergabe von Tonaufnahmen.

Unterscheidungen[Bearbeiten]

Häufig wird – wie etwa im Grundgesetz – unter Zensur die Kontrolle von Presseerzeugnissen vor ihrer Veröffentlichung verstanden. Zensur in diesem Sinne, die sogenannte „Vorzensur“, ist ein Verbot mit Erlaubnisvorbehalt, das in Art. 5 Abs. 2 GG festgelegt ist. Davon unterscheidet man die „Nachzensur“, bei der erst nach der Veröffentlichung in die Meinungsfreiheit eingegriffen wird:[10]

Bei der Vorzensur müssen Medien (Filme, Bücher, Zeitschriften usw.) vor Veröffentlichung entsprechenden Institutionen zur Prüfung vorgelegt werden, die dann gegebenenfalls Abänderungen fordern oder das Werk indizieren.

Die Nachzensur ist Bestandteil auch jener Rechtssysteme, in denen Vorzensur laut Verfassung verboten ist. Jeder darf seine Meinung zum Ausdruck bringen, kann aber nachträglich zur Verantwortung gezogen werden, wenn er dabei gegen Gesetze verstößt. Die Konsequenzen können Einziehung und Indizierung des betreffenden Werkes oder Bestrafung der Person sein.

Da Grundrechte traditionell als Abwehrrechte Privater gegenüber dem Staat zu verstehen sind,[11] ist in Deutschland eine verbotene Zensur im Sinne von Art. 5 Abs. 1, S. 3 Grundgesetz nur die Zensur durch den Staat oder dem Staat zurechenbare Stellen. Eine Vorauswahl privater Stellen, ob Beiträge veröffentlicht werden oder nicht (z. B. einer Zeitungsredaktion vor der Veröffentlichung von Leserbriefen oder eines Forenmoderators vor oder nach der Veröffentlichung von Beiträgen in Online-Foren), ist daher keine Zensur im Sinne des Grundgesetzes und verfassungsrechtlich unbedenklich, auch wenn sie umgangssprachlich gelegentlich ebenfalls als „Zensur“ bezeichnet wird. Allenfalls im Zuge der sogenannten mittelbaren Drittwirkung von Grundrechten kommt je nach Sachverhalt der Stellenwert von Art. 5 Grundgesetz auch zwischen Privaten indirekt zum Tragen. Dabei handelt es sich dann allerdings um ein Auslegungsinstrument für andere Gesetze, nicht um eine direkte Anwendung des Zensurverbotes aus dem Grundgesetz.[12]

Literatur über Zensur[Bearbeiten]

Eine als klassisch geltende Stellungnahme gegen die Vorzensur ist die 1644 erschienene Rede „Areopagitica“ von John Milton, ähnlich wie die 1859 von John Stuart Mill veröffentlichte Schrift On Liberty.[13] Die klassische soziologische Studie zur Zensur stammt aus dem Jahr 1911 und ist von Vilfredo Pareto: Le mythe vertuiste et la littérature immorale (dt. Der Tugendmythos und die unmoralische Literatur, 1968).

  • Heinrich Hubert Houben: Hier Zensur – Wer dort? Antworten von gestern auf Fragen von heute. Der gefesselte Biedermeier. Literatur, Kultur, Zensur in der guten, alten Zeit. Philipp Reclam jun., Leipzig 1990, ISBN 3-379-00532-0. (Reclams Universal-Bibliothek 1340)
  • Werner Pieper (Hrsg.): 1000 Jahre Musik und Zensur in den diversen Deutschlands. Pieper & Die Grüne Kraft, Löhrbach 2001, ISBN 3-922708-09-9. (Der grüne Zweig 209)
  • Werner Pieper (Hrsg.): Musik & Zensur – weltweit. Pieper & Die Grüne Kraft, Löhrbach 1999, ISBN 3-922708-06-4. (Verfemt, verbannt, verboten 1 = Der Grüne Zweig 206)

Siehe auch[Bearbeiten]

Zensur in einzelnen Ländern

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Zensur – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Zensur – Zitate
 Commons: Zensur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerd Schwerhoff: Die Inquisition. Ketzerverfolgung im Mittelalter und Neuzeit. 3. Auflage. München 2009, ISBN 9783406508400, S.75 (Schwerhoff bezieht diese Definition hier auf die Verbrennung des als ketzerisch angesehenen jüdischen Talmunds auf dem Scheiterhaufen im Mittelalter.)
  2. Duden | Zensur. Duden. Abgerufen am 23. Oktober 2011.
  3. a b Klaus Schubert, Martina Klein: Das Politiklexikon, 4. Auflage. Dietz, Bonn. 2006. Abgerufen am 23. Oktober 2011.
  4. http://www.ruhr-uni-bochum.de/komparatistik/basislexikon/texte/zensur/ktext.html
  5. http://www.wissen.de/wortherkunft/i-zensur-0
  6. Ulla Otto: Die literarische Zensur als Problem der Soziologie der Politik. 1969, S. 89–105.
  7. Ulla Otto: Die Zensur als Problem der Soziologie der Politik. 1969, S. 107–114, 130–146, sowie Pareto, Vilfredo: Der Tugendmythos und die unmoralische Literatur. (entnommen aus Otto)
  8.  Heinz Pürer, Johannes Raabe: Presse in Deutschland. 3. Auflage Auflage. UVK, Konstanz 2007, ISBN 978-3-8252-8334-6, S. 59 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9.  Michael Schaffrath: Zeitung. In: Werner Faulstich (Hrsg.): Grundwissen Medien. 5. Auflage Auflage. UVK, Konstanz 2004, ISBN 3-8252-8169-8, S. 491 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  10. Melanie Bär: Präventive Aufsichtsmaßnahmen im Bereich des privaten Fernsehens. Inaugural-Dissertation. Tübingen 2003 (PDF; 1,4 MB), S. 81 f.
  11. Art. 1 Abs. 3 GG
  12. BVerfGE 7, 198 - Lüth.
  13. Ulla Otto: Die literarische Zensur als Problem der Soziologie der Politik. 1969, S. 41.