Priorat (Weinbaugebiet)

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Das Weinanbaugebiet Priorat in Katalonien
Weinreben beim ehemaligen Kartäuser-Kloster Escaladei

Priorat (katalanisch, spanisch auch Priorato) ist ein Weinbaugebiet in der gleichnamigen katalanischen Comarca. Es liegt in den steilen Hügeln der Serra de Montsant mit geeignetem Licorella-Schieferboden, etwa 30 km von der Provinzhauptstadt Tarragona und Cambrils entfernt.

Der Priorat ist Kataloniens älteste weinbaubetreibende Region. Im Mittelalter zählte die Region zu den bedeutendsten Weinbaugebieten Spaniens (→ siehe auch den Artikel Weinbau in Spanien). Danach war es lange Zeit still, bis ab 1989 ein deutlicher Aufstieg begann, vor allem durch die Weine L’Ermita, Clos Erasmus und Finca Dofi, die auf dem internationalen Markt bekannt wurden. Im Jahr 2001 wurde der Priorat zur höchsten spanischen Qualitätsstufe DOCa (Denominación de Origen Calificada) erhoben. Zurzeit sind die Anbaugebiete Priorat und Rioja die beiden einzigen, die diese höchste Herkunftsbezeichnung tragen dürfen.

Motoren für den Erfolg sind Winzer wie Álvaro Palacios und René Barbier.[1] Palacios stammt aus der im Rioja tätigen Weinbau-Dynastie Palacios Remondo. Er lernte bei Christian Moueix im Bordeaux, dem „Vater“ der Pomerol-Weine von Château Pétrus und Château Trotanoy, die Geheimnisse der großen Bordeauxweine kennen und brachte sein Wissen in der für ihn neuen Region Priorat ein.

Die Region (197 km² Fläche) mit rund 1.700 Hektar Rebbergen (Stand 2008) inmitten der Provinz Tarragona wurde nach dem im Jahre 1163 gegründeten Priorat de la Cartoixa d’Escaladei (zu Deutsch: „dem Priorat des Kartäuser-Klosters der Gottesleiter“) benannt. Von dem Kloster Cartoixa d’Escaladei sind noch Ruinen erhalten, die seit einigen Jahren jedoch restauriert werden. Das Weinbaugebiet ist fast gänzlich von der D.O. Montsant umschlossen.

Die tiefdunklen kirschroten und konzentrierten Rotweine sind sehr alkoholstark (13,75 bis 15 %). Sie benötigen oft mehrere Jahre Flaschenreifung und sind bis zu 25 Jahre alterungsfähig. Rotweine werden zu 90 % kultiviert und zählen aufgrund des besonderen Terroirs und des extrem niedrigen Hektar-Ertrages (nur 5 bis 6 hl/ha) zu den berühmtesten und besten Spaniens. Noten reifer Früchte und des Schieferbodens sind erkennbar.

Zugelassene rote Rebsorten: Cariñena, Garnacha Tinta (empfohlene Sorte), Garnacha Peluda, Mazuelo (empfohlene Sorte), Merlot, Picapoll negre, Pinot Noir, Syrah und Ull de Llebre. Ull de Llebre ist ein anderer Name für die in Spanien dominierende und staatlich favorisierte Rebsorte Tempranillo. Die Rebsorten Cariñena und Mazuelo sind identisch. Mazuelo ist lediglich die in der Region Rioja übliche Bezeichnung für die Rebsorte Cariñena (es gibt auch ein gleichnamiges Weinbaugebiet mit namensgebender Stadt).

Weiße Rebsorten: Chenin Blanc, Garnacha Blanca, Macabeo, Muscat d’Alexandrie, Muscat blanc à petits grains, Pansal, Pedro Ximénez, Picapoll blanca, Viognier.

Die wenigen Weißweine fallen durch ihre brillante, strohgelbe Farbe auf. Die Aromen sind fruchtig und erinnern an Bergkräuter. Im Gaumen wirken sie warm und angenehm.

Die Weinberge der rund 90 Winzer sind meistens terrassenförmig in einer Höhe von 150–1000 m ü. NN an den Hängen der Montsant-Berge angelegt. Unterhalb der Berge fließt der Siurana, ein Nebenfluss des Ebro.

Folgende Gemeinden liegen in der D.O.C. Priorat:

Bellmunt del Priorat, El Lloar, El Molar(teilweise), Falset(teilweise), Gratallops, La Morera de Montsant, La Vilella Alta, La Vilella Baixa, Poboleda, Porrera, Torroja del Priorat.

Die für den Priorat zuständige Regelbehörde ist der „Consejo Regulador D.O.Ca. Priorat“ in Torroja del Priorat / Tarragona.

Literatur[Bearbeiten]

  • John Radford: The New Spain. A complete Guide to contemporary Spanish Wine. Mitchell Beazley, London 1998, ISBN 1-85732-254-1.
  • John Radford: Weinlandschaft Spanien. Tradition und Aufbruch. Hallwag, Bern u. a. 1999, ISBN 3-444-10553-3.
  • Jan Read: Spaniens Weine 2005/06. 7., überarbeitete, aktualisierte Auflage. Hallwag im Gräfe und Unzer Verlag, München 2005, ISBN 3-7742-6962-9.
  • David Schwarzwälder: Die Weine Spaniens. Rioja, Ribera del Duero, Rías Baixas, Navarra. Heyne, München 2002, ISBN 3-89910-041-7.
  • Jeremy Watson: The new & classical Wines of Spain. Montagud Editores, Barcelona 2002, ISBN 84-7212-087-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 31. Oktober 2010, S. 60: Die Antithese zum Fruchtbrei