Merlot

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen belgischen Politiker siehe Joseph Merlot.
Merlot-Trauben in La Mancha, Spanien

Merlot [mɛrˈlo] ist eine Rotwein-Rebsorte. Sie stammt ursprünglich vermutlich aus Frankreich aus der Gegend um Bordeaux. Bis heute ist sie eine der sechs Rebsorten, die für Rotweine im Bordeaux verwendet werden dürfen (die anderen Sorten sind Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Carménère, Malbec und Petit Verdot). Die frühreifende Sorte ergibt fruchtige, körperreiche und vollmundige Weine, die nach wenigen Jahren der Lagerung genussreif sind. Dieser Tatsache ist ihre jetzige Popularität zu verdanken. In den Cuvées machen sich bereits Minderheitsanteile Merlot vorteilhaft bemerkbar: Die Weine werden früher zugänglich, möglicherweise jedoch unter Einbußen bei der Langzeit-Haltbarkeit. In der Alterung (mittel bis gut) kann ein Merlot gewinnen und weicher werden, oft jedoch verfliegen die Fruchtaromen und Kräuteraromen drängen in den Vordergrund.

Die Bezeichnung Merlot kommt vom französischen Wort merle (deutsch Amsel) und soll auf die Vorliebe der Amseln für die rote Rebsorte hinweisen. Der Name kann aber auch eine Anspielung auf die schöne schwarzblaue Färbung der Beeren sein.

Es gibt auch die Mutationen Merlot Gris und Merlot Rose (ca. 1980 in Brasilien entdeckt). Die Rebsorte Merlot Blanc entstand aus einer natürlichen Kreuzung des Merlot mit der Rebsorte Folle Blanche.

Herkunft[Bearbeiten]

Zur Herkunft der Rebsorte ist wenig bekannt. Erste schriftliche Erwähnung im Bordeaux findet sich im 14. Jahrhundert: Zu jener Zeit wurde der Merlot noch Crabatut noir genannt, und galt eher als Sekundärsorte. Eine erste komplette Beschreibung der Sorte wurde von Victor Rendu im Jahr 1857 in seinem Werk Ampélographie française gegeben.

Im Jahr 1784 wird die Rebsorte bereits Merlot genannt und galt schon als eine der wichtigsten Sorten des Bordelais. Noch im 19. Jahrhundert ist die Sorte die dominante Sorte des Médoc.[1]

In der Region Venetien, Italien, wird der Merlot ab dem Jahr 1855 unter dem Synonym Bordò erwähnt und im Schweizer Tessin ist die Präsenz der Sorte seit der Zeit zwischen 1905 und 1910 dokumentiert.[1]

Forscher der University of California in Davis glaubten, dass die Rebsorte in enger Verwandtschaft zum Cabernet Franc steht und ihrerseits eine Vorgängersorte des Carménère ist.[1]

Da Carménère- und Merlotweinstöcke sich äußerlich stark ähneln, wurden aus Frankreich importierte Reben in Chile meist in „Mischbeständen“ gepflanzt. Weil die Rebsorte in Frankreich durch die Reblausplage nahezu vollständig verschwand, geriet der Name Carménère Anfang des 20. Jahrhunderts in Vergessenheit. Man hielt die chilenischen Reben fortan wegen ihrer Ähnlichkeit für eine Variante des Merlot. Niemand konnte jedoch den deutlichen Geschmacksunterschied zwischen Merlotweinen aus Chile und denen anderer Länder erklären. Diesen Irrtum konnte der französische Ampelograph (Rebenkundler) Jean-Michel Boursiquot 1994 durch DNA-Analyse endgültig beseitigen.

Im Jahr 2009 wurden die direkten Verwandten zum Merlot festgestellt. Die nahezu ausgestorbene Rebsorte Magdeleine Noire des Charentes sowie die Sorte Cabernet Franc sind die Eltern des Merlot.[2]

Sortenmerkmale[Bearbeiten]

In der Rebsortenkunde wird der Habitus folgendermaßen beschrieben:

  • Die Triebspitze ist offen. Sie ist wollig behaart und rötlich gerändert. Die Jungblätter sind weißflammig überzogen und bereits fünflappig ausgeprägt.
  • Die mittelgroßen bis großen Blätter sind fünflappig (selten dreilappig) und stark gebuchtet. Die Stielbucht ist U-förmig geöffnet. Das Blatt ist ungleichmäßig gezähnt.
  • Die walzenförmige Traube ist mittelgroß, manchmal geschultert oder verzweigt und lockerbeerig. Die rundlichen Beeren sind klein bis mittelgroß und von schwarzblauer Farbe. Die Reben sind dünnschalig.

Merlot reift fast 15 Tage nach dem Gutedel. Sie gilt somit als eher früh reifend. Der frühe Austrieb führt zu Spätfrostgefährdung. Die wuchskräftige Sorte erbringt gleichmäßig hohe Erträge. Eine strenge Ertragsregulierung ist zur Erzielung hoher Qualität unerlässlich.

Sie ist wenig anfällig gegen den Echten Mehltau, neigt jedoch zur Anfälligkeit gegen den Falschen Mehltau und aufgrund der Dünnschaligkeit zu Rohfäule.

Charakter[Bearbeiten]

Der Merlot ist weich, schmeckt ein wenig nach Pflaumen, hat einen mittleren bis hohen Alkohol-Gehalt. Die Farbe dieses Weines ist dunkelrot. Merlot reift relativ früh und in vielen Gegenden Mitteleuropas daher auch gut aus; man kann ihn bereits zwei oder drei Wochen vor den Cabernet-Sorten ernten.

Verbreitung[Bearbeiten]

Als reiner Sortenwein, so, wie er in Übersee oder im Kanton Tessin ausgebaut wird, ist der Merlot selten anzutreffen. Dies gilt speziell für den italienischen Anbau. Es gibt nur wenige Ausnahmen von dieser Regel, wie etwa in Frankreich. Dort werden die teuersten Weine von Bordeaux als reine oder fast reine höchstklassige Merlots erzeugt: siehe Château Pétrus.

Merlot eignet sich bestens zum Verfeinern und Harmonisieren anderer Sorten, wobei sich als der wohl geeignetste Partner der Cabernet Sauvignon herauskristallisiert hat. Dabei kommt dem Merlot zugute, dass er gut mit Eiche harmoniert, sich also zur Fasslagerung (im Barrique) empfiehlt. Daher haben fast alle Bordeaux-Weine einen mehr oder minder hohen Anteil Merlot in der Cuvée.

In fast allen Weinbauregionen der Welt spielt der Merlot eine gewichtige Rolle. Die geschätzte bestockte Fläche liegt bei weltweit ca. 200.000 Hektar. Der Merlot steht damit an sechster Stelle des weltweiten Rebsortenspiegels. Hauptanbaugebiete liegen dabei in Frankreich (insgesamt 116.715 Hektar, Stand 2008,)[3][4] Italien (ca. 32.000 Hektar), Bulgarien (ca. 15.000 Hektar), USA (allein in Kalifornien ca. 19.600 Hektar, Stand 2007),[5] Chile (13.367 Hektar, Stand 2006),[6] Australien (10.791 Hektar, Stand 2007),[7] Argentinien (7.310 Hektar, Stand 2005) und Südafrika (6.719 Hektar, Stand 2007).[8] Kleinere Anpflanzungen gibt es auch in Slowenien, Kroatien, Griechenland, Moldawien, Rumänien, Neuseeland (1.447 Hektar, Stand 2007),[9] Deutschland (ca. 416 Hektar, Stand 2006).[10] und der Schweiz (ca. 1.018 Hektar, Stand 2007).[11]

Merlot in Frankreich[Bearbeiten]

Hauptartikel: Weinbau in Frankreich

An hohem oder geringem Merlot-Einsatz teilt sich regelmäßig die Bordelaiser Jahrgangs-Qualität: War die Reifezeit lang, so sind oft die Cabernet-betonten Weine die besseren; war die Reifungsphase jedoch witterungsbedingt eingeschränkt, so stehen oft die hoch Merlot-haltigen Weine vorn. Am gravierendsten sind die Unterschiede, wenn guter Merlot eingebracht wurde und dann die spätere Cabernet-Ernte verregnete.

Dieses Wissen kennzeichnet den Bordeaux-Kenner: Man spricht mit Bezug zum Merlot über

  • Weine vom „Rechten Ufer“: Saint-Émilion und Pomerol mit viel Merlot-Einsatz liegen am rechten Ufer der Dordogne.
  • Weine vom „Linken Ufer“: die Médoc-Halbinsel bildet das linke Ufer der Garonne. Dort werden zumeist Weine mit Cabernet-Betonung erzeugt.

Einige der besten Rotweine überhaupt werden aus der Merlot-Traube gekeltert. Hierzu zählen die aus Saint-Émilion und vor allem aus dem Pomerol, allen voran die legendären Château Pétrus und Le Pin. Auf den lehmigen und sandigen Böden, die in diesem Teil Bordeaux vorherrschen, ergibt sie rubinrote, fleischige Weine von größter Distinktion. Allerdings weisen sie weniger Tannin, eine niedrigere Säure und eine geringere Langlebigkeit auf als Cabernet-Sauvignon-Weine, dafür aber eine höhere Alkoholgradation. Ihr Aroma ähnelt in der Jugend dem der Cabernet-Weine, wobei statt der herben, aristokratischen Strenge eher süße, malzige Töne in den Vordergrund treten.

Merlot in Italien[Bearbeiten]

Hauptartikel: Weinbau in Italien

Der Merlot ist Bestandteil der DOC-Weine Aprilia, Assisi, Bagnoli di Sopra, Bolgheri, Breganze, Capriano del Colle, Carso, Castelli Romani, Circeo, Colli Altotiberini, Colli Berici, Colli Bolognesi, Colli Bolognesi Classico, Colli del Trasimeno, Colli dell’Etruria Centrale, Colli di Conegliano, Colli di Faenza, Colli di Scandiano e di Canossa, Colli Etruschi Viterbesi, Colli Morenici, Colli Orientali del Friuli, Colline Lucchesi, Collio Goriziano, Contea di Sclafani, Contessa Entellina, Controguerra, Delia Nivolelli, Franciacorta, Friuli Annia, Friuli Aquileia, Friuli Grave, Friuli Isonzo, Friuli Latisana, Garda, Garda Colli Mantovani, Lago di Corbara, Lison Pramaggiore, Mantovani del Garda, Maremma Toscana, Menfi, Montello e Colli Asolani, Vini del Piave, Pomino, Rosso Orvietano, Sant’Antimo, Sciacca, Südtirol, Terre di Franciacorta, Trentino, Valcalepio und Valdichiana.

In Italien wird der Merlot häufig mit der Rebsorte Sangiovese verschnitten. Im Weinbaugebiet Isonzo führt die Weinstraße Strada del Merlot Merlot-Weinberge entlang des Flusses Isonzo.

Merlot in Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland gibt es in den vergangenen Jahren immer mehr ehrgeizige, jedoch meist örtlich recht umstrittene Versuche, hochwertigen Merlot zu erzeugen. Bei etlichen engagierten Winzern in der Pfalz, in Baden und in Württemberg sind mittlerweile erste Resultate zu schmecken. Da die entsprechenden Rebanlagen noch jung sind, haben sie ihr volles Qualitätspotenzial zweifellos noch nicht ausgeschöpft. Immer moderner werden auch die Blanc de Noirs-Weine von der Rebsorte Merlot, die dann überraschend hell im Glas erscheinen.

In Deutschland waren im Jahr 2007 431 Hektar ( = 0,4 % der deutschen Rebfläche)[12] mit der Rebsorte Merlot bestockt. Im Jahr 2006 waren nur 416 Hektar[13] Anbaufläche bestockt, nachdem im Jahr 2004 nur 370 Hektar[14] erhoben wurden.

Die Rebflächen in Deutschland verteilten sich im Jahr 2007 wie folgt auf die einzelnen Anbaugebiete:

Weinbaugebiet Rebfläche (Hektar)
Ahr unter 0,5
Baden 24
Franken 8
Hessische Bergstraße 1
Mittelrhein
Mosel 8
Nahe 16
Pfalz 207
Rheingau 3
Rheinhessen 141
Saale-Unstrut unter 0,5
Sachsen
Stargarder Land
Württemberg 23
TOTAL Deutschland 2007 431

Quelle: Rebflächenstatistik vom 13. März 2008, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2008 in Beschreibende Sortenliste des Bundessortenamtes 2008, Seite 198ff.[15]

Synonyme[Bearbeiten]

Der Merlot ist auch unter folgenden Synonymen bekannt: Alicante noir, Bégney, Bidalhe, Bigney, Bigney Rouge, Bioney, Black Alicante, Bordeleza belcha, Crabutet, Crabutet noir, Crabutet noir merlau, Higney, Higney rouge, Langon, Lecchumskij, Médoc Noir, Merlau, Merlaut, Merlaut noir, Merle Petite, Merlô, Merlot Noir, Merlot black, Merlot blauer, Merlot nero, Merlott, Merlou, Odzalesi, Petit Merle, Picard, Plan medre, Plant du Médoc, Plant Médoc, Saint-Macaire, Sème de la Canau, Sème Dou Flube, Semilhoum rouge, Semilhoun rouge, Sémillon rouge, Vini ticinesi, Vitraille.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Oz Clarke Encyclopedia of Grapes, Harcourt Books 2001, ISBN 0-15-100714-4, S. 129
  2. Parentage of Merlot and related winegrape cultivars of southwestern France: discovery of the missing link. (PDF; 44 kB), von J-M. Boursiquot, T. Lacombe, V. Laucou, S. Julliard, F-X. Perrin, N. Lanier, D. Legrand und C. Meredith, in Australian Journal of Grape and Wine Research 15: Seiten 144-155. 2009
  3. LES CEPAGES NOIRS DANS LE VIGNOBLE, Statistik zu roten Rebsorten je Großregion, Teil 1, Veröffentlicht von ONIVINS, Stand 2008
  4. LES CEPAGES NOIRS DANS LE VIGNOBLE, Statistik zu roten Rebsorten je Großregion, Teil 2, Veröffentlicht von ONIVINS, Stand 2008
  5. California Grape acreage 2007 Crop (PDF; 655 kB), vom California Department of Food and Agriculture, Sacramento, veröffentlicht im April 2008
  6. CATASTRO VITICOLA NACIONAL 2006 (PDF), vom SAG Chile, veröffentlicht 2007, in spanischer Sprache
  7. Statistik des Australian Government
  8. Southafrican Wine Industry Statistics, veröffentlicht im Juni 2008
  9. New Zealand Winegrowers Statistical annual 2007, PDF
  10.  Deutsches Weininstitut: Statistik 2007/2008. Mainz 2007.
  11. Das Weinjahr 2008 (PDF), Herausgeber Bundesamt für Landwirtschaft BLW
  12.  Deutsches Weininstitut: Statistik 2008/2009, (PDF Datei; 454 kB). Mainz 2008.
  13.  Deutsches Weininstitut: Statistik 2007/2008, (PDF Datei; 430 kB). Mainz 2007.
  14.  Deutsches Weininstitut: Statistik 2004/2005, (PDF Datei; 777 kB). Mainz 2004.
  15. Beschreibende Sortenliste des Bundessortenamtes 2008 (PDF; 519 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]