Radsport

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Der Deutsche Straßenmeister 2007, 2008 und 2012 Fabian Wegmann im Peloton
Ein Bahnradrennen

Als Radsport, schweizerisch Velosport, bezeichnet man Sportarten, die mit dem Fahrrad ausgeführt werden.

Dazu gehören der Straßenradsport mit dem Straßenradrennsport, dem Radmarathon, der Radtouristik und den Jedermann-Rennen, weiter der Bahnradsport, Mountainbike, Cyclocross, Trial (Geschicklichkeitsfahren), BMX, Mountainbike-Orienteering sowie die Hallenradsportarten Kunstradfahren, Radball und Radpolo. Als Trainingsform und eigenständiges Fitnesstraining hat sich das Spinning, bzw. Indoor Cycling entwickelt. Im Marathonbereich (200 bis 1200 km) gibt es Brevets und Audax-Veranstaltungen für Jedermann.

Frühgeschichte[Bearbeiten]

Die frühen Typen des Fahrrads vor der Entwicklung des heute üblichen Niederrads – also die oft Draisine genannte Laufmaschine in den 1820er Jahren und vor allem das Hochrad der 1870er und 1880er Jahre – waren davon geprägt, dass das Fahrrad kein Nutzgefährt war, sondern als Sport- und Spaßgerät benutzt wurde. Hochradfahrer galten als mutige Hasardeure und erregten dementsprechend seit den 1870er Jahren mit Abenteuertouren große Aufmerksamkeit. So soll die erste Weltumradelung auf zwei Rädern dem Amerikaner Thomas Stevens von 1884 bis 1886 gelungen sein.

In Deutschland wurde mit dem Eimsbütteler Velocipeden-Club am 17. April 1869 der erste Radsportclub in Altona/Elbe aus der Taufe gehoben. Schon am 10. September veranstalteten die Fahrradfans während einer Industrieausstellung im selben Jahr ein erstes Rennen mit Teilnehmern aus Frankreich, Dänemark und England.[1]

Bald verlagerte sich das Interesse der Öffentlichkeit von den Abenteuerfahrten, die eher Entdeckungsreisen als Sportausübungen glichen, auf Rekordfahrten, bei denen einzelne Rennfahrer eine bestimmte Langstrecke (etwa die größtmögliche Entfernung auf der britischen Insel vom Cornwall nach Nordschottland von 1400 km) in möglichst kurzer Zeit abzufahren hatten. Damit konnte den skeptischen Zeitgenossen die Überlegenheit des Fahrrads über alle anderen individuellen Verkehrsmittel der Jahrhundertwende demonstriert werden.

Am 8. Dezember 1867 fand das erste Eintagesrennen der Welt in Paris statt. Etwa 100 Teilnehmer fanden sich auf der Avenue des Champs-Élysées ein und starteten zum rund 23 km entfernten Schloss Versailles.[2]

Das erste von Frauen bestrittene Radrennen wurde am 1. November 1868 in Bordeaux ausgetragen.[3][4] Schauplatz des Ereignisses war der Parc Bordelais.[5] Vier Frauen absolvierten ein Rennen auf einer 500 Meter langen Strecke.[6]

Das erste Straßenrennen soll schon 1865 in Amiens (Frankreich) stattgefunden haben. Viele der damals initiierten Rennen sind noch heute „Klassiker“ wie etwa die „Frühjahrsklassiker“ Lüttich–Bastogne–Lüttich (seit 1892), Paris-Roubaix (seit 1896) oder Mailand-San Remo (seit 1907).

Vor allem ab den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts fanden Distanzrennen zunehmende Aufmerksamkeit beim Publikum, bei denen eine größere Zahl von konkurrierenden Rennfahrern Entfernungen von fast immer über 500 km hinter sich bringen mussten.

1903 schließlich wurde als erstes Etappenrennen die Tour de France ins Leben gerufen, bei der ähnliche Streckenlängen wie bei den Distanzrennen absolviert werden mussten – in diesem Falle allerdings an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen. In sechs Etappen wurden damals 2428 km absolviert, der Schnitt des Siegers betrug beachtliche 26 km/h.

Radrennfahrer bei der Massage vor dem Dauerrennen (Berlin 1906)

Neben den Straßenrennen waren aber auch Radveranstaltungen auf der Bahn, wie etwa Sechstagerennen und Steherrennen schon in der Frühzeit des Radsports äußerst populär.

Einen wichtigen Aspekt des Radsports stellt die Tatsache dar, dass hier das erste systematische Sponsoring im modernen Sport praktiziert wurde: Von Beginn an wurden alle Arten des Radsports von Fahrradfirmen unterstützt und beeinflusst, weil dadurch die zunächst oft bezweifelte Leistungsfähigkeit des Produkts Fahrrad an sich und später der verschiedenen Fabrikate im Speziellen exzellent veranschaulicht werden konnte. Schon in den 1910er Jahren fuhren die Radprofis bei der Tour de France nicht in Nationalmannschaften, sondern wie heutzutage auch in Firmenteams. Dies verdeutlicht die gänzlich andere Entwicklung als in jahrzehntelangen Amateursportarten wie Turnen, Fußball oder Leichtathletik.

Generell wird der Radsport von der Jahrhundertwende bis zum Ersten Weltkrieg von Historikern als die neben dem Boxen vielleicht bedeutendste und beliebteste Zuschauersportart überhaupt eingeschätzt.

Radsport bei den Olympischen Spielen[Bearbeiten]

Folgende Radsport-Disziplinen werden oder wurde bei Olympischen Spielen ausgetragen:

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Radsport – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Radsport

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Radsport – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Radsport – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hamburger Abendblatt vom 18. April 2009: Terror mit Velociped, abgefragt am 14. Juni 2009
  2. Fahrradmonteur.de: Fahrradgeschichte, abgefragt am 14. Juni 2009
  3. Radsportgeschichte 1868–1918 auf cycling4fans.de
  4. Paul Rosen, Peter Cox, David Horton: Cycling and Society, Seite 50 Fußnote. ISBN 978-0-7546-4844-4, abgefragt am 31. Oktober 2009
  5. APA: Historisches Kalenderblatt 1. November, abgefragt am 31. Oktober 2009
  6. too-velo.com: Le Cyclisme Féminin (Version vom 5. Juli 2008 im Internet Archive)
  7. Zusätzlich gab es Radsport-Disziplinen auf Bahn oder Straße, die nur einmal oder selten ausgetragen wurden oder heute fast unbekannt sind, wie Tandemrennen, 25-Meilen-Rennen oder 20-km-Rennen u.ä.
  8. bis 2001 Olympischer Sprint genannt