Rockefeller-Stiftung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Rockefeller-Stiftung (englisch Rockefeller Foundation) ist eine in New York beheimatete Organisation. Sie wurde von John D. Rockefeller gegründet mit dem Zweck, das „Wohl der Menschheit auf der ganzen Welt“ zu fördern.

Am 14. Mai 1913 genehmigte New Yorks damaliger Gouverneur William Sulzer die Satzung der Stiftung, welche bald darauf ihre Aktivitäten aufnahm.

Das Stiftungsvermögen betrug $101.324.576,78 und war mit der Carnegie Stiftung die größte in Amerika. Sie wurde der Lebensinhalt von John D. Rockefeller, Jr.

Die Stiftung arbeitete auf folgenden Gebieten

Über die Jahre hat die Organisation beigetragen zur Förderung der öffentlichen Gesundheitswesen und der medizinischen Ausbildung, des wissenschaftlichen Fortschritts und der Sozialforschung, sie hat sich eingesetzt für eine Steigerung der Nahrungsmittelproduktion, für Kunst und Kultur und viele andere Bereiche des öffentlichen Lebens rund um den Erdball.

Ende des Jahres 2001 wurde das Stiftungsvermögen auf ca. 3,1 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Eine für Deutschland wichtige Unter-Organisation war die Abraham Lincoln-Stiftung (ALS), die in der Weimarer Zeit viele hervorragende Wissenschaftler zu ihren Mitgliedern zählte, Stipendien an begabete Nachwuchskräfte vergab und allgemein den demokratischen Gedanken im Bildungswesen fördern wollte.

Dabei gab es auch schwere Fehlgriffe. Von 1932 bis 1935 finanzierte die Stiftung unter anderem die Zwillingsforschungen des Otmar Freiherr von Verschuer am Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik in Berlin.[1]

Der faschistische und evangelische Kirchen-Publizist Giselher Wirsing hatte in jungen Jahren ein ALS-Stipendium für einen längeren Amerika-Aufenthalt erhalten. Nach der Rückkehr entwickelte er sich zu einem der aggressivsten Antiamerikaner in der Nazipublizistik, wobei er sich aufgrund seiner Reise als Fachmann gerierte. Er behielt diese Linie lebenslang bei, auch später bei Christ und Welt.

Das Bellagio Center[Bearbeiten]

Villa Serbelloni über Bellagio

Die Rockefeller-Stiftung ist auch Eigentümerin und Betreiberin des Rockefeller Foundation Bellagio Center in der Villa Serbelloni in Bellagio, Italien. Das Anwesen wurde der Stiftung 1950 vermacht. Zum Center auf einem ca. 200.000 m² großen Grundstück auf der Spitze der Halbinsel am Comer See gehört das Hauptgebäude mit Ein- bzw. Zweizimmerwohnungen, einer Bibliothek mit angeschlossenem Aufenthaltsraum, einem Frühstücksraum und Speisesaal mit weitläufiger Aussenterrasse. Kleine Bauten im Wald mit Internetanschluss sind als Forschungsräume für die Gäste eingerichtet. In einem zweiten Gebäudekomplex direkt am See, der im September 2001 eröffnet wurde, stehen den Gästen Appartements und Tagungsräume zur Verfügung.

Im Bellagio Center wird sowohl ein Konferenz- als auch ein Residenzprogramm durchgeführt. Geistes- und Naturwissenschaftler, Künstler, Schriftsteller, Musiker und Politiker der ganzen Welt können sich bei der Stiftung um einen Aufenthalt von zwei bis zu sechs Wochen bewerben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Malcolm Richardson, Jürgen Reulecke, Frank Trommler (Hrsg.): Weimars transatlantischer Mäzen. Die Lincoln-Stiftung 1927 bis 1934. Ein Versuch demokratischer Elitenförderung in der Weimarer Republik. Klartext-Verlag, Essen 2008, ISBN 978-3-89861-882-3
  • Inderjeet Parmar: Foundations of the American century. The Ford, Carnegie, and Rockefeller Foundations in the rise of American power. Columbia University Press, New York 2012, ISBN 978-0-231-14628-9

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Benno Müller-Hill: Das Blut von Auschwitz und das Schweigen der Gelehrten. In: Doris Kaufmann (Hrsg.): Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus. Band 1: Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus. Bestandsaufnahme und Perspektiven der Forschung. Teilband 1. Wallstein, Göttingen, ISBN 3-89244-423-4, S. 189–227, hier S. 190.