Sadegh Tabatabai

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Sadegh Tabatabai (Ṭabāṭabā'ī, persisch ‏طباطبائی‎, arabisch ‏طباطبائی‎; * 1940) ist ein iranischer Hochschullehrer der Universität Teheran und ehemaliger Politiker. Er war Regierungssprecher und Minister sowie Sonderbotschafter Irans in Deutschland. Er gehörte zum Gefolge Ruhollah Chomeinis, als dieser am 1. Februar 1979 aus Frankreich in den Iran zurückkehrte. Aufgrund seiner familiären Beziehungen zu Chomeini – seine Schwester war mit Ahmad Chomeini verheiratet –, hatte Tabatabai direkten Zugang zum Revolutionsführer. Tabatabai ist Neffe von Musa as-Sadr, einem der Lieblingsschüler Chomeinis.

Leben[Bearbeiten]

1961 kam Sadegh Tabatabai zum Studium der Biochemie nach Aachen und hat später an der Ruhr-Universität Bochum promoviert. Schon in Aachen organisierte er eine Studentengruppe, die sich gegen Schah Mohammad Reza Pahlavi einsetzte. 1967 übergab er Ulrike Meinhof jenes Material über den Iran, welches diese in einer berühmten Konkret-Kolumne gegen den Schah-Besuch 1967 verwendete. Tabatabai stand nach eigenen Aussagen am Grab von Benno Ohnesorg, der bei einer Demonstration gegen den Schah-Besuch vor der Deutschen Oper in Berlin von Karl-Heinz Kurras erschossen worden war.

Tabatabai gehörte zum Umkreis von Ayatollah Ruhollah Chomeini in dessen Pariser Exil, im Vorort Neauphle-le-Château, und saß am 1. Februar 1979 bei dessen Rückkehr in den Iran im gleichen Air-France-Flugzeug[1], ebenso wie Sadegh Khalkali und Peter Scholl-Latour.[2] Nach eigener Aussage war Tabatabai „eine von acht Personen in Europa und Amerika gewesen, die die Revolution im Ausland vorbereitet und Kontakt mit Chomeini gehalten hätten.“[3]

Tabatabai war von 1979 bis 1982 in verschiedenen Regierungsämtern tätig. Zunächst als stellvertretender Innenminister und als Regierungssprecher. Von November 1979 bis September 1980 war er als Staatssekretär im Büro des Premierministers tätig.

Tabatabai traf am 21. März 1980 in Bonn mit Außenminister Hans-Dietrich Genscher zusammen, um eine mögliche Beendigung der Geiselnahme von Teheran zu erörtern. Das Gespräch blieb aber ohne konkrete Ergebnisse.[4] Tabatabai blieb mit der deutschen Regierung aber weiter in Kontakt und informierte deutsche Stellen laufend über den Stand der Diskussion in der Regierung und im Parlament. So fand am 26. Oktober 1980 ein längeres Telefonat zwischen Tabatabai und Außenminister Genscher statt, in dem Tabatabai über die Aussprache im Parlament informierte.[5] Am 16. und 18. September 1980 waren Tabatabai mit Außenminister Genscher und US-Vizeaußenminister Warren Christopher in Bonn zusammengetroffen, das weitere Vorgehen in der Geiselfrage zu besprechen.[6]

Zuletzt war er mit der Beschaffung von Rüstungsgütern betraut und als Sonderbotschafter der iranischen Regierung auf Auslandsreisen. In diesem Zusammenhang war er in Deutschland 1982 und 1983 in Skandale um Waffenhandel und Drogenschmuggel verwickelt.[7] 1982 zog sich Tabatabai nach eigenen Aussagen aus der Politik zurück, wurde aber am 8. Januar 1983 mit 1,65 Kilogramm Rohopium in seinem Koffer am Düsseldorfer Flughafen von Zollbeamten festgehalten und auf Kaution freigelassen. Sein Status als Sonderbotschafter wurde auch 1983 von der iranischen Regierung bestätigt.[8] Zum juristischen Hintergrund → Hauptartikel Diplomatenstatus.

Tabatabai übersetzte mehrere Bücher von Neil Postman ins Persische und schrieb Publikationen über die Wirkung des Satellitenfernsehens.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. In freudiger Erwartung des Martyriums. In: Spiegel.de. 2. Februar 2009. Interview mit Peter Scholl-Latour über den Flug von Paris nach Teheran
  2. Hans-Peter Drögemüller: Iranisches Tagebuch. 5 Jahre Revolution. Verlag Libertäre Assoziation e.V., ISBN 3-922611-51-6, S. 186.
  3. Tim Geiger, Amit Das Gupta, Tim Szatkowski: Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland 1980 Bd. I: 1. Januar bis 30. Juni 1980. R. Oldenbourg Verlag, München 2011, S. 496.
  4. Tim Geiger, Amit Das Gupta, Tim Szatkowski: Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland 1980 Bd. I: 1. Januar bis 30. Juni 1980. R. Oldenbourg Verlag, München 2011, S. 496-501.
  5. Tim Geiger, Amit Das Gupta, Tim Szatkowski: Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland 1980 Bd. II: 1. Juli bis 31. Dezember 1980. R. Oldenbourg Verlag, München 2011, S. 1584-1586.
  6. Tim Geiger, Amit Das Gupta, Tim Szatkowski: Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland 1980 Bd. II: 1. Juli bis 31. Dezember 1980. R. Oldenbourg Verlag, München 2011, S. 1414-1420.
  7. Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Vera Wollenberger und die Gruppe Bündnis90/Die Grünen, Drucksache 12/2575: Rüstungsexporte in den Iran. (PDF; 254 kB)
  8. Erwin Brunner: Ein Diplomat als Dealer? Chomeinis Verwandter und Vertrauter hatte Opium in seinem Gepäck. In: Die Zeit. 11. Februar 1983.

Weblinks[Bearbeiten]