Salaj (Maler)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Porträt Gian Giacomo Caprottis von unbekanntem Maler

Salaj (* um 1480 in Mailand; † vor dem 10. März 1524 ebenda; eigentlicher Name Gian Giacomo Caprotti) war ein italienischer Maler der lombardischen Schule aus dem direkten Umkreis des Leonardo da Vinci.

Leben[Bearbeiten]

Leonardo: (Vermutlich) Kopf des Salaj

Salaj war ein Sohn des Pietro di Giovanni, der Pächter eines Weinguts von Leonardo da Vinci vor Porta Vercellina war. Er kam gegen 1490 als Zehnjähriger in die Leonardo-Werkstatt, wo er als Gehilfe beschäftigt wurde. Nach Vasari nahm Leonardo den Jungen als Schüler an, weil ihm dessen „Anmut und Schönheit“ sowie sein „gekräuseltes Lockenhaar“ gefielen. In den ersten Jahren zeichnete er sich allerdings vor allem durch zahlreiche Streiche aus, die Leonardo teilweise recht ausführlich dokumentiert. Er bezeichnete ihn als „Dieb, Lügner, Trotzkopf“ und „Leckermaul“. Selbst 1497 konstatiert er noch: „Salai stiehlt das Geld.“ Doch anscheinend konnte er dem Schüler nicht böse sein. Obwohl er ihm und seinen Gehilfen manch gar üblen Streich spielte und ihm sogar Geld und seinen Mitschülern Silberstifte und ähnliches entwendete, muss er sich doch, wie für das Jahr 1494 dokumentiert wird, als nützlich erwiesen haben, denn er durfte in der Werkstatt verbleiben. Laut Vasari lehrte ihn Leonardo selbst „viele Dinge in der Kunst“, und er soll einige Arbeiten seines Schülers selber überarbeitet haben.

Salaj begleitete Leonardo nach Mantua, Venedig und Florenz. In Florenz ist er vermutlich einer der beiden namentlich nicht genannten Schüler gewesen, die 1501 unter Leonardos Augen Bildnisse malten. Dabei muss Salaj Tüchtiges geleistet haben, denn 1505 bot er der Marchesa Isabella d’Este, die sich seit Jahren erfolglos um ein Bild von Leonardo da Vinci bemühte, an, ihr „qualche cosa galante“ zu malen. Kurz darauf begleitete er Leonardo abermals nach Mailand, um ihm gegen 1507/1508 wegen eines Prozesses abermals kurz nach Florenz zu folgen. Von dort schickte ihn Leonardo bald wieder nach Mailand, wo er Briefe an Charles d’Amboise und Francesco Melzi besorgen sollte. Danach folgte er seinem Meister noch nach Rom, wurde dann aber nicht nach Frankreich mitgenommen. Stattdessen begab er sich wieder nach Mailand, wo er sich auf dem Weingut niederließ, das schon sein Vater bewirtschaftet hatte. Nach dem Tode von Leonardo da Vinci erbte er „für die vielen treuen und wertvollen Dienste“ die Hälfte dieses Anwesens.

Dort verbrachte er die letzten Jahre bis zu seinem Tod. Er starb im Alter von 44 Jahren durch einen nicht näher belegten Büchsenschuss und wurde am 10. März 1524 in Mailand begraben. Das monumentale Denkmal des Leonardo da Vinci auf der Piazza della Scala in Mailand zeigt Caprotti, gemeinsam mit drei weiteren Künstlern aus der Schule des Leonardo (Marco d’Oggiono, Cesare da Sesto und Giovanni Boltraffio).

Statue des Gian Giacomo Caprotti auf der Piazza della Scala in Mailand.

Obwohl Salaj als Person recht gut dokumentiert ist, tut sich die Kunstwissenschaft bis heute schwer, ihm eigenhändige Werke zuzuschreiben. Im Wesentlichen wird ihm eine Gruppe von Bildern aus dem unmittelbaren Umkreis von Leonardo zuerkannt, die überwiegend in den Jahren 1500 bis 1502 datiert werden. Ausgangspunkt dafür waren Motive, die für Salaj durch Dokumente belegt sind oder sich in seinem Besitz befanden. Bereichert wurde diese Auswahl durch weitere Werke, die vermutlich von gleicher Hand gemalt worden sind. Dennoch fehlt bis zur Auffindung eines unbestrittenen Bildes der endgültige Beweis für seine Autorenschaft.

Über die Beziehung zwischen Leonardo und Salaj gingen Gerüchte um. So existiert ein um 1563 entstandener imaginärer Dialog zwischen Phidias und Leonardo des Mailänder Malers Giovanni Paolo Lomazzo, in dem Leonardo eine Verteidigung der körperlichen Liebe zwischen Männern (beziehungsweise zwischen Männern und Knaben) untergeschoben wird, in der er Salaj als seinen Geliebten nennt. Im selben Dialog preist Leonardo Salaj als äußerst hübsch mit schönen, gewellten Haaren und wohl proportionierten Mund und Augen und bezeichnet ihn als seinen geliebten „pincerna“ (lat. Mundschenk in Anspielung auf den Ganymed-Mythos). Die direkteste Anspielung auf ein mögliches sexuelles Verhältnis findet sich im Codex Atlanticus, wo auf der Rückseite der Blätter 132 und 133 zwei erigierte Penisse (auf Beinen und mit Schwänzen) gezeichnet sind, die auf einen mit „Salaj“ überschriebenen Anus zuwandeln. Die beiden Blätter enthalten außerdem die Skizze eines Fahrrads und die Karikatur eines Jünglings, der Salaj darstellen soll. Von Salaj stammt aber nicht die bekannte Fahrradzeichnung, die ursprünglich Leonardo zugeschrieben wurde, sondern sehr wahrscheinlich nur zwei Kreise auf dem Blatt.[1]

Die Zeichnungen stammen vermutlich von der Hand eines auf Salaj eifersüchtigen Gehilfen Leonardos.[2] Andere Quellen sollen belegen, dass Salaj das Modell für das Gemälde Mona Lisa war. Demnach handele es sich bei dem Gemälde um die Darstellung eines Mannes. Der Name „Mona Lisa“ sei ein Anagramm zu „Mon Salai“ (dt.:Mein Salai). Bereits der erste Biograph von da Vinci, Giorgio Vasari (1511–1574), erwähnte diese These zum Anagramm.[3][4]

Einige zugeschriebene Werke[Bearbeiten]

Monna Vanna - Aktversion der Mona Lisa, Louvre, Paris
  • Budapest, Szépművészeti Múzeum
    • Maria mit dem Kinde und dem Johannesknaben'
  • Florenz, Galleria degli Uffizi
    • Maria mit dem Kinde und der heiligen Anna (sog. Heilige Anna Selbdritt)
  • Los Angeles, Armand Hammer Museum
    • Maria mit dem Kinde und der heiligen Anna (sog. Heilige Anna Selbdritt)
  • Mailand, Pinacoteca Ambrosiana
    • Der heilige Johannes der Täufer
  • Mailand, Pinacoteca di Brera
    • Maria mit dem Kinde, den Heiligen Johannes der Täufer, Paulus und einem musizierenden Engel
    • Maria mit dem Kinde und den Heiligen Petrus und Paulus
  • Paris, Louvre, Bildnis einer Frau mit entblößtem Oberkörper (sog. Monna Vanna)
  • Schweiz, Privatsammlung
    • Bildnis einer Frau mit entblößtem Oberkörper (sog. Monna Vanna)
  • St. Petersburg, Eremitage
    • Bildnis einer Frau mit entblößtem Oberkörper (sog. Monna Vanna)

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Suida: Leonardo und sein Kreis. Verlag F. Bruckmann A.-G., München 1929
  • The Legacy of Leonardo. Skira Editore S.p.A., Mailand 1998, ISBN 88-8118-463-X

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fahrradzeichnung Leonardo da Vinci
  2. Giovanni dall'Orto: Leonardo da Vinci In: Robert Aldrich and Gary Wotherspoon: Who's who in gay and lesbian history, London, Routledge, 2002 (2.ed.), S.313f. vgl. [1]
  3. Die Welt: Da Vincis „Mona Lisa“ war wohl ein schwuler Mann, 3. Februar 2011. (Abgerufen am 4. Februar 2011)
  4. Queer.de: War Mona Lisa ein Mann?, 3. Februar 2011. (Abgerufen am 4. Februar 2011)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gian Giacomo Caprotti – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien