Salaspils

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Salaspils (dt.: Kirchholm)
Wappen von Salaspils
Salaspils (Lettland)
Red pog.svg
Basisdaten
Staat: Lettland
Landschaft: Livland (lettisch: Vidzeme)
Verwaltungsbezirk: Salaspils novads
Koordinaten: 56° 52′ N, 24° 21′ O56.85861111111124.34972222222220Koordinaten: 56° 51′ 31″ N, 24° 20′ 59″ O
Einwohner: 18.159 (1. Jan. 2010)
Fläche: 12 km²
Bevölkerungsdichte: 1.513,25 Einwohner je km²
Höhe: 20 m
Stadtrecht: seit 1993
Webseite: www.salaspils.lv
Postleitzahl: LV-2121, LV-2169
ISO-Code:
Salaspils-station.jpg
Bahnhof Salaspils

Salaspils (deutsch: Kirchholm) ist eine 18 Kilometer südöstlich von Riga gelegene Stadt in Lettland. Den jetzigen Namen trägt die Stadt erst seit 1917 nach der früheren auf einer Insel (lett. sala) gelegenen Festung (lett. pils)

Geschichte[Bearbeiten]

Der heutige Ort liegt neben dem historischen Kirchholm. Ausgrabungen zwischen 1964 und 1975 haben in der Gegend Funde von vor über 11.000 Jahren zutage gebracht, wonach hier Rentierjäger ihre Lager aufgeschlagen hatten. Wikinger, welche die Düna befuhren, gaben der Insel den Namen Holme. Im 10. Jahrhundert siedelten sich Stämme von in Holzhäusern lebenden Liven an.

Im Jahre 1186 wurde vom späteren ersten Rigaer Bischof Meinhard auf der Insel eine Festung errichtet. Von hier aus begann die Christianisierung und Unterwerfung der umliegenden Livischen Stämme. Nach der Errichtung einer Kirche wurde die Insel dann Kirchholm genannt. 1206 wurde der Aufstand des Aufständischen Ako in einer Schlacht nahe Kirchholm niedergeschlagen. 1298 kam der Besitz an den Livländischen Orden. 1380 wird eine neue Burg dieses Ordens am Düna-Ufer erwähnt. 1452 wurde hier ein Vertrag zwischen dem Orden und dem Rigaer Erzbischof Silvester Stodewescher unterzeichnet.

Schlacht von Kirchholm 1605 (19. Jh., anonym)

Mit der Aufteilung des Ordenstaates 1561 kam Kirchholm zum Herzogtum Livland unter polnisch-litauischer Herrschaft. 1577 wurden die Befestigungen gesprengt, damit die Truppen des herannahenden Zar Iwan IV. (des Schrecklichen) keinen Stützpunkt aufbauen konnten. Seither sind diese Befestigungen nicht mehr aufgebaut worden.

1603 schenkte König Sigismund II. August den Rigensern die Martinsinsel wie Kirchholm jetzt genannt wurde. Im Jahre 1605 fand im Zuge des Polnisch-Schwedischen Kriegs bei Salaspils die Schlacht bei Kirchholm statt, bei der die polnisch-litauischen Streitkräfte die zahlenmäßig überlegenen Schweden besiegten. 25 Jahre später wurde Riga schwedisch und durch umfangreiche Befestigungen, auch im Bereich Salaspils, nach Osten gesichert.

Unter Russischer Herrschaft entstand 1753 eine Gemeindeschule. 1771 wurde das Gebiet durch eine Flut von der Düna überschwemmt. 1861 wurde die Eisenbahnlinie Riga - Dünaburg eröffnet. 1898 wurde ein botanischer Garten in der Nähe des Bahnhofs eröffnet.

Im Ersten Weltkrieg befand sich Salaspils zwei Jahre lang in der Frontlinie, was zu starken Zerstörungen führte. Danach war Salaspils nur noch ein ländlicher Flecken.

1974 versank das historische Kirchholm (= Martinsala) in der Düna, weil der große Damm des Rigaer Wasserkraftwerkes erbaut wurde. Als Vorort Rigas wuchs der Ort und hatte 1979 bereits 14.000 Einwohner. 1993 erhielt Salaspils Stadtrecht. In Salaspils befinden sich heute diverse Institute der Lettischen Akademie der Wissenschaften sowie Universitätseinrichtungen.

Lager Salaspils[Bearbeiten]

Gedenkstätte KZ Salaspils

Während des Zweiten Weltkriegs befand sich in Salaspils das Polizeigefängnis und Arbeitsumerziehungslager Salaspils.

SS-Sturmbannführer Rudolf Lange, zunächst der Einsatzgruppe A beigeordnet und ab Dezember 1941 Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD, plante im Oktober 1941, in Salaspils eine Polizeihaftstätte und Lager für Juden einzurichten. Der Ort war durch die Eisenbahnverbindung Riga – Daugavpils gut erreichbar; die Häftlinge sollten beim Torfabbau eingesetzt werden. Sämtliche „in Riga und Lettland übriggebliebene Juden“ sollten hier konzentriert werden, wobei Männer und Frauen getrennt werden sollten, um „eine weitere Vermehrung zu verhindern“.[1] Auch lettische „Arbeitsvertragsbrüchige“ und „Arbeitsbummellanten“ sollten im Lager „umerzogen“ werden.

Erste Transporte mit deutschen Juden, die im Oktober 1941 nach Riga umgeleitet worden waren, konnten noch nicht in Salaspils aufgenommen werden und wurden notdürftig im KZ Jungfernhof untergebracht. Das Lager wurde bis zum Frühjahr 1942 von sowjetischen Kriegsgefangenen und deportierten tschechischen und einigen deutschen Juden des KZ Jungfernhof ausgebaut. Die Pläne änderten sich mehrfach. Anstelle der Juden wurden „Schutzhäftlinge“ und Deportierte aus „Bandengebieten“ untergebracht.

Zur Erinnerung an die im Lager Umgekommenen wurde 1967 eine Gedenkstätte errichtet; ein Ausstellungsraum, mehrere Skulpturen und ein Marmorblock, in welchem ein Metronom an den Herzschlag der Toten erinnert und eingemeißelte Striche die Tage des Leidens zählen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Salaspils novads[Bearbeiten]

Die Stadt nimmt ein Territorium von 12 km² ein, das Gebiet der Landgemeinde beträgt 115 km². 15,8 % des gesamten Territoriums nimmt das Staubecken des Rigaer Wasserkraftwerks ein, 30 % werden durch Wald und 32,5 % durch landwirtschaftliche Nutzfläche gebildet. Seit 2004 bilden Stadt und Landgemeinde den Bezirk Salaspils (Salaspils novads) mit 23.219 Einwohnern (1. Juli 2010)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Andrej Angrick, Peter Klein: Riga 1941–1944. In: Gerd R. Ueberschär: Orte des Grauens. Verbrechen im Zweiten Weltkrieg. Darmstadt 2003, ISBN 3-89678-232-0, S. 197.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrej Angrick, Peter Klein: Riga 1941–1944. In: Gerd R. Ueberschär: Orte des Grauens. Verbrechen im Zweiten Weltkrieg. Darmstadt 2003, ISBN 3-89678-232-0, S. 197.
  • Andrej Angrick, Peter Klein: „Endlösung“ in Riga. Ausbeutung und Vernichtung 1941–1944. Darmstadt 2006, ISBN 3-534-19149-8.
  • Латвия под игом нацизма. (dt.: Lettland unter dem Joch des Naziregimes. engl.: Latvia Under the Nazi Yoke.) Verlag Europa, Moskau 2006. (Sammlung historischer Dokumente)
  • Hans Feldmann, Heinz von zur Mühlen (Hrsg.): Baltisches historisches Ortslexikon, Teil 2: Lettland (Südlivland und Kurland). Böhlau, Köln 1990, ISBN 3-412-06889-6, S. #.
  • Astrīda Iltnere (Red.): Latvijas Pagasti, Enciklopēdija. Preses Nams, Riga 2002, ISBN 9984-00-436-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Salaspils – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien