Samson et Dalila

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Werkdaten
Titel: Samson und Dalila
Originaltitel: Samson et Dalila
Originalsprache: Französisch
Musik: Camille Saint-Saëns
Libretto: Ferdinand Lemaire
Uraufführung: 2. Dezember 1877
Ort der Uraufführung: Hoftheater Weimar
Spieldauer: ca. 120 bis 135 Minuten
Ort und Zeit der Handlung: Gaza in Palästina, um 1150 v. Chr.
Personen
  • Dalila – Alt
  • Samson – Tenor
  • Oberpriester des Dagon – Bariton
  • Abimélech, Satrap von Gaza – Bass
  • Ein alter Hebräer – Bass
  • Ein Bote der Philister – Tenor
  • Zwei Philister – Tenor und Bass
  • Hebräer, Philister – Chor und Ballett

Samson et Dalila ist eine zwischen 1868 und 1877 entstandene Oper in drei Akten von Camille Saint-Saëns auf ein Libretto von Ferdinand Lemaire. Die Handlung basiert auf dem biblischen Buch der Richter und ist zwischen 1100 und 1000 v. Chr. anzusetzen. Samson et Dalila ist die einzige der 13 Opern von Saint-Saëns, die sich auf der Bühne durchsetzen konnte. Trotz der erfolgreichen Uraufführung in deutscher Sprache unter der Leitung von Eduard Lassen und dem künstlerischen Direktor Franz Liszt im Weimarer Hoftheater im Dezember 1877 dauerte es bis 1890, bevor die Oper in Frankreich aufgeführt wurde. Saint-Saëns bearbeitete das Werk auch noch nach der Uraufführung und fügte ihm weitere Teile hinzu.

Entstehung und Stil[Bearbeiten]

Saint-Saëns hatte sich schon länger mit dem Samson-Thema beschäftigt und plante zunächst ein Oratorium, wurde aber 1868 von seinem Librettisten Lemaire überredet, den Stoff als durchkomponierte Oper auszuarbeiten. Die oft eher statischen Chorszenen lassen die ursprüngliche Konzeption des Werkes noch erkennen. In der Tradition der Wiederentdeckung der Bachschen Oratorien in der musikalischen Romantik verwendete Saint-Saëns im 1. und 3. Akt auch Fugen, was für Opern seiner Zeit ungewöhnlich war. Dagegen sind die Auseinandersetzung zwischen Dalila und dem Oberpriester des Dagon im 2. Akt, die Verführungsszene, sowie das auf orientalischen Melodien beruhende Bacchanal mit Ballett im 3. Akt operntypisch. Saint-Saëns arbeitete auch mit Leitmotiven: so charakterisierte er Dalila durch einen flirrenden Orchesterklang.

Die Komposition erfolgte in mehreren Phasen, wobei Saint-Saëns auch frühere Werke verwendete. So stammte der Eröffnungschor Dieu d’Israël aus dem Jahre 1859, und ein Türkischer Marsch wurde in das Bacchanal integriert. Auch der Tanz der Priesterinnen Dagons aus dem 1. Akt kam aus einer früheren Schaffensphase.

Camille Saint-Saëns

Mit der eigentlichen Komposition der Oper begann Saint-Saëns im Jahre 1868. Er hatte bei der Anlage der Partie der Dalila an die Mezzosopranistin Pauline Viardot gedacht, die er sehr schätzte und der er auch das Werk gewidmet hat.

In der ersten Kompositionsphase entstand das Duett zwischen Samson und Dalila im 2. Akt, das Saint-Saëns 1868 in einer Soirée vorstellte, das Werk stieß jedoch auf Ablehnung. Daraufhin stellte er zunächst die Arbeit an der Oper ein. Franz Liszt konnte ihn jedoch bei einem Besuch in Weimar überreden, die Komposition zu vollenden und stellte ihm in Aussicht, das Werk in Weimar uraufzuführen. Dieser Plan zerschlug sich jedoch durch den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, und Saint-Saëns legte die Komposition erneut beiseite. Bei einem Aufenthalt in Algier im Jahre 1874 ließ er sich durch die orientalische Musik inspirieren und begann erneut mit der Arbeit. Am 20. August 1874 führte er den vollständigen 2. Akt in Croissy auf, wobei er die Sänger am Klavier begleitete. Vor allem der Direktor der Pariser Oper äußerte sich negativ, nicht zuletzt, weil es sich um einen biblischen Stoff handelte. Auch die konzertante Aufführung des 1. Aktes am 26. März 1875 war ein Misserfolg. Trotzdem gab Saint-Saëns nicht auf und vollendete das Werk im Januar 1876. Da die Oper in Frankreich auf Ablehnung gestoßen war, ließ er sie tatsächlich in einer deutschen Übersetzung von Richard Pohl unter dem Kapellmeister Eduard Lassen in Weimar uraufführen. Die Oper wurde in Deutschland ein großer Erfolg, während es noch bis 1890 dauern sollte, bis eine französische Bühne (Rouen) Samson et Dalila herausbrachte. Erst danach setzte sich das Werk auch in Frankreich durch.

Biblischer Hintergrund[Bearbeiten]

Die Handlung der Oper lehnt sich an das Buch der Richter, Kapitel 13-16 an.

Das Volk Israel war nach dem Exodus in der Zeit des Josua in Palästina eingewandert. Unter Missachtung des Ersten Gebotes fiel es in den Polytheismus zurück und verehrte neben Jahwe die kanaanäischen Götter. Zur Strafe dafür geriet es in die Knechtschaft der Philister.

Eine Wende kam erst mit dem Auftreten des legendenhaften Samson. Dieser war seiner unfruchtbaren Mutter durch einen Engel als Befreier des Volkes verheißen worden und ein Gottgeweihter, der sein Haupthaar nicht scheren lassen durfte. Samson stand als Einzelkämpfer in der Tradition der Heroen und verfügte wie Herakles über gigantische Kräfte. Charakterlich galt er als aufbrausend und gewalttätig. Seine Widersacherin und Verführerin Dalila, die ihm sein Geheimnis entriss und ihn dadurch zu Fall brachte, war nach dem Buch der Richter eine habgierige Frau, die im Auftrag der Fürsten der Philister handelte.

Auch nach der Zeit des Samson befand sich das Volk Israel weiterhin in kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Philistern, die nach biblischen Angaben erst zur Zeit Davids besiegt wurden.

Handlung der Oper[Bearbeiten]

Thema der Oper ist der Beginn des Freiheitskampfes der in Sklaverei gefallenen Hebräer, eine Auseinandersetzung mit dem Polytheismus der Philister, sowie die legendenhafte Gestalt des Samson. Im Gegensatz zur biblischen Überlieferung ist Dalila in der Oper eine Hierodule und Priesterin des Dagon.

Erster Akt[Bearbeiten]

Der Sänger Hector Dufranne als Oberpriester des Dagon in einer Aufführung von 1924

Platz vor dem Dagon-Tempel in Gaza.

Die Oper beginnt direkt mit einer durch ein kurzes Vorspiel eingeleiteten Chorszene. Gefangene Hebräer klagen über die Knechtschaft unter den Philistern. In ihrer Verzweiflung rechten sie mit Jéhovah, der sie aus der Knechtschaft Ägyptens befreit habe, nun aber im Stich lasse. Da tritt Samson unter ihnen auf und lässt sie neue Hoffnung schöpfen. Während die Hebräer bereit sind, zusammen mit Samson für ihre Freiheit zu kämpfen, kommt der Statthalter Abimélech mit Soldaten hinzu, verhöhnt Jéhovah und preist Dagon als höchsten Gott. Samson tritt ihm entgegen und ruft zum Kampf auf. Als Abimélech sein Schwert zückt, ergreift es Samson und streckt ihn nieder. Die Philister, die Abimélech zu Hilfe eilen wollen, werden von Samson zurückgedrängt, und er kann mit den Hebräern entkommen. Der Oberpriester Dagons findet die Leiche und lässt sich von zwei Philistern und einem Boten berichten, dass die hebräischen Sklaven unter ihrem Anführer Samson rebellieren und die Felder verbrennen. Er schwört Rache und verflucht Samson und das Volk Israel im Namen seiner Götter. Nachdem die Philister die Leiche mitgenommen haben, treten wieder die Hebräer auf. Auch Samson kommt mit seinem siegreichen Heer hinzu. Da öffnen sich die Tore des Tempels, und Dalila tritt mit einigen Priesterinnen des Dagon heraus, angeblich, um die siegreichen Helden zu feiern, tatsächlich aber, um sie erotisch zu umgarnen, wobei sie auch einen Tanz aufführen. Samson kann sich Dalilas Lockungen nicht entziehen und starrt sie gebannt an. Ein alter Hebräer warnt Samson vergeblich vor der neuen Kriegslist.

Zweiter Akt[Bearbeiten]

Die Sängerin Jane Margyl als Dalila 1905

Schauplatz des 2. Aktes ist der Garten vor Dalilas Haus im Tal Sorek

Samson hat weitere Siege errungen. Dalila erwartet Samson, um an ihm die Götter zu rächen. Sie ist voller Hass und will ihn als Sklaven zu ihren Füßen sehen. Der Oberpriester des Dagon redet ihr noch einmal zu, Samson in der Nacht so zu schwächen, dass er in die Hände der Philister fällt. Dalila klagt ihm, dass sie Samsons Geheimnis trotz dreimaligen Fragens nicht ergründen konnte. Samson habe sich immer wieder von ihr losgerissen, um in den Kampf zu ziehen. Nun sei Samson von neuer Liebesglut erfasst, und sie hoffe, ihm das Geheimnis zu entreißen. Beide schwören Rache.

Samson ist Dalilas Zauber verfallen und kommt wider Willen zu Dalilas Haus. In einer großen Liebesszene versucht Dalila, Samson erneut zu umgarnen. Er verweigert sich zunächst, spricht von seinem Auftrag und nennt sich einen Sklaven seines Gottes. Er sei gekommen, um trotz seiner Liebe von ihr Abschied zu nehmen. Zwischendurch zucken Blitze als Zeichen des Himmels, um Samson an seine Pflicht zu gemahnen. Dalila versucht es erneut. Mit Mon coeur s’ouvre à ta voix (Sieh, mein Herz erschließet sich) kann sie ihn endgültig umgarnen, und sie fragt erneut nach seinem Geheimnis. Schließlich folgt ihr Samson ins Haus, begleitet von einem heftigen Donnerschlag. In einem Zwischenspiel, von weiteren Donnerschlägen begleitet, wird angedeutet, dass ihm Dalila sein Geheimnis entrissen und die Haare geschoren hat. Der Akt endet damit, dass Dalila vom Fenster aus die Soldaten der Philister herbeiruft. Samson klagt Trahison! (Betrug, Verrat!)

Dritter Akt[Bearbeiten]

Im dritten Akt wird als bekannt vorausgesetzt, dass Samson seine gigantischen Kräfte durch das Scheren seiner Haare verloren hat. Anschließend konnten ihn die Philister in Dalilas Haus überwältigen und brannten ihm die Augen aus. Samson muss von nun an Sklavenarbeit verrichten.

Das 1. Bild spielt im Gefängnis von Gaza. Samson dreht einen Mühlstein und beklagt dabei sein Schicksal. Hinter der Bühne ertönt ein anklagender Gesang der Hebräer, dass sie Samson wegen einer Frau verraten hat. Samson fleht währenddessen zu Gott, dass er trotz seiner Verfehlung das Volk retten möge. Gott soll sein Leben als Opfer annehmen. Einige Philister führen Samson aus dem Kerker ab.

Szenario einer Aufführung am Gran Teatre del Liceu in Barcelona 1897

Schauplatz des 2. Bildes ist das Innere des Dagon-Tempels, wo zwei Säulen das Dach tragen. Der Oberpriester, Dalila, Philisterinnen und Philister feiern ein orgiastisches Fest, das im Bacchanal (Ballett) seinen Höhepunkt findet. Samson wird von einem Kind hereingeführt. Der Oberpriester und die Philister verhöhnen Samson. Dalila nähert sich ihm mit einem Pokal und erinnert ihn höhnisch an seinen Fall. Dabei ertönt, ins Parodistische verzerrt, Dalilas Mon coeur s’ouvre à ta voix aus dem 2. Akt. Der Chor der Philister kommentiert die anschließenden Verhöhnungen des Oberpriesters mit Ah! Ah! Ah! Ah! (Hahaha!) Beim anschließenden Opfergesang an Dagon verlangt der Oberpriester, dass Samson die Knie vor Dagon beugt. Das ist zu viel. Samson fleht noch einmal zu Gott und bittet das Kind, ihn zwischen die beiden Säulen zu führen. Während eines weiteren Opfergesanges umfasst er die Säulen, und Gott gibt ihm die einstige Stärke zurück. Die Säulen wanken, und der Tempel stürzt unter dem Wehgeschrei der Versammelten ein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hugh Macdonald und Sabina Teller Ratner: Analyse der Inszenierung im Beiheft zu: Colin Davis (Dirigent): Samson et Dalila. Philipps, Frankfurt/M. 1990 (2 CDs).
  • Peter Czerny: Opernbuch. 17. Aufl. Henschelverlag, Berlin 1982.
  • Peter Larsen, im Programmheft der Antikenfestspiele Trier 2007.

Weblinks[Bearbeiten]