Palästina (Region)

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Satellitenbild: Palästina

Palästina (neugriechisch Παλαιστίνη Palaistínē, arabisch ‏فلسطين‎, DMG Falasṭīn [falas'tˁiːn] oder Filasṭīn [filas'tˁiːn], hebräisch ארץ ישראל, Eretz Jisra'el „Land Israel“), selten auch Cisjordanien, liegt an der südöstlichen Küste des Mittelmeeres und bezeichnet Teile der Gebiete des heutigen Israel und Jordanien, einschließlich des Golan, des Gazastreifens sowie des Westjordanlands. In verschiedenen historischen Kontexten trug und trägt die Region zudem verschiedene andere Namen wie Kanaan, Eretz Israel oder Heiliges Land; in altägyptischen Texten tritt es als Retenu oder Retinu auf. Für das Judentum, das Christentum und den Islam besitzt die Region eine besondere geschichtliche und religiöse Bedeutung.

Herkunft und Gebrauch des Landesnamens[Bearbeiten]

Die erste bekannte Schriftquelle für das Land und den Namen „Palästina“ ist die Septuaginta. Hier wird der Begriff als Ableitung von dem hebräischen Begriff „Pleschet“ verwendet. Als Pleschet wurde ursprünglich nur die Küstenebene südlich von Joppe (dem späteren Jaffa), welche das Volk der Philister bewohnte, bezeichnete.[1] Als Herkunftsregion der Philister wird in der neueren Forschung häufig die Insel Kreta genannt; ein endgültiger Beweis konnte aber bis heute nicht erbracht werden. Ein Teil der Philister wäre demnach von Kreta oder der Ägäis zunächst an die Ostküste des Mittelmeeres gelangt, entweder als Teil der Seevölker oder im Zusammenhang mit deren Landausfällen, die im 12. Jahrhundert v. Chr. Ägypten betrafen, nachdem sie zuvor verschiedene Länder an der asiatischen Küste überfallen hatten. Ramses III. konnte den Angriff auf Ägypten abwehren. Daher ließen sich die Philister in der Küstenebene bei Gaza nieder. Ein anderer Teil der Philister kam angeblich über Land in das spätere Philisterland (vgl. Kanaan). Nach ihnen benannten assyrische Texte des achten Jahrhunderts v. Chr. die Region etwa des heutigen Gazastreifens bis Ashkalon „Palastu“.

Der griechische Historiker Herodot (fünftes Jahrhundert v. Chr.) verwendete die Bezeichnung „Syria palaistinē“ für den gesamten Küstenstreifen zwischen Phönikien (der Levante d. h. vor allem Libanon), dessen Südgrenze er vermutlich am Karmelgebirge zog, und der Gegend von Gaza, in der die Stadt Kadytis lag (Historien II, 5). Das griechische Wort „Palaistinē“ wurde im Lateinischen zu „Palaestina“. Als der makedonische König Alexander der Große im Jahre 332 v. Chr. das Gebiet des heutigen Gazastreifens eroberte, endete die Geschichte des philistäischen Reichs.

Später übertrug Kaiser Augustus das ehemalige Philisterland an König Herodes, der wiederum gab es seiner legendären Schwester Salome, die daraus eine kleine jüdische Küstenprovinz machte. Nach der Niederschlagung des dritten jüdischen Aufstands (Bar-Kochba-Aufstand, 132–135) benannte der römische Kaiser Hadrian die vormals als Judäa benannte römische Provinz in Philistäa um, zerstörte deren Hauptstadt Jerusalem und baute es erneut als Aelia Capitolina auf. Sein Wunsch und Befehl war es, dass Jerusalem und Judäa für immer vergessen sein sollten. Jede Erinnerung daran sollte ausgelöscht werden. In der Spätantike wurden auch einige Gebiete östlich des Jordans geographisch zur Provinz Palaestina gerechnet, die im vierten Jahrhundert in drei Teile aufgegliedert wurde. Militärisch blieb Palaestina jedoch eine Einheit.

Als im Zuge der islamischen Expansion die Region im Jahre 636 dem muslimischen Herrschaftsbereich eingegliedert wurde, teilten die neuen Herrscher das Land in „Dschunde“ auf, die Militärdistrikte darstellten. Das Gebiet, das den wichtigsten Teil der römischen Provinz Judäa (Palästina Prima) bildete, erhielt den arabischen Namen „Dschund Urdunn“ (Jordanien) und „Dschund Dimaschq“ (Damaskus).

Die christlichen Kreuzfahrer errichteten die Kreuzfahrerstaaten und nannten diese Region Heiliges Land. Das Königreich Jerusalem in der Region Palästinas bestand von 1099 bis 1291. In der Sprache des Reformators Martin Luther steht die Bezeichnung „gelobtes Land“ für das Land Kanaan, das Gott nach der Erzählung der Genesis (13,14f) im Alten Testament Abraham für seine Nachkommen auf ewig versprach.[2] Die moderne Übersetzung lautet „Land der Verheißung”.

Palästina mit Cisjordanien (hell) und Transjordanien (dunkel); um 1922

Der Name Palästina wurde im 20. Jahrhundert für das britische Völkerbundsmandat für Palästina verwendet, das seinerseits in das kleinere Cisjordanien (neulateinisch für „Land diesseits des Jordanflusses“) vom Jordanfluss westwärts bis zum Mittelmeer und das größere Transjordanien („Land jenseits des Jordanflusses“) im Osten aufgeteilt war, das bis 1950 die offizielle Staatsbezeichnung Jordaniens war. Vor allem im französischen und englischen Sprachraum ist mit Cisjordanien das ganze Gebiet westlich des Jordanflusses gemeint, und die Verwendung der Bezeichnung Cisjordanien für das Westjordanland allein ist eher selten. Dies hat Gründe im älteren historischen Sprachgebrauch und in der Geschichte des britischen Völkerbundmandats für Palästina. Im deutschen Sprachraum wird Cisjordanien selten als Bezeichnung für Westjordanland allein genommen.

Herkunft des Begriffs Palästinenser[Bearbeiten]

Hauptartikel: Palästinenser

Das Adjektiv palästinisch bezieht sich in der Regel auf das antike Palästina, so zum Beispiel der Begriff „palästinische Juden“. Das Wort palästinensisch hingegen kam erst seit etwa Mitte der 1960er Jahre als Selbstbezeichnung der heutigen arabischen Bevölkerung von Ost-Jerusalem, Gazastreifen und Westjordanland in Gebrauch und verbreitete sich dann weltweit über die Medien. Die Besatzung des Gazastreifens durch das arabische Ägypten und die Besatzung des Westjordanlandes durch das arabische Königreich Jordanien wechselten im Zuge des Sechstagekrieges zu einer Besatzung der beiden palästinensischen Gebiete durch den jüdischen Staat Israel. Erst durch diese politischen Entwicklungen und die Entstehung der PLO begannen die arabischen Bürger beider weiterhin besetzten Gebiete zunehmend Palästina und Palästinenser als Begriffe ihrer erhofften eigenständigen arabischen Nation zu propagieren (z. B. „palästinensischer Aufstand“). Die Mehrheit der christlichen und muslemischen Araber, die in Israel bewohnen, bezeichnen sich heute selbst als „Palästinenser“[3].

Landschaftssphäre[Bearbeiten]

Geologie[Bearbeiten]

Palästina ist in Nord-Süd-Richtung vom Jordangraben, einem Teil des Großen Afrikanischen Grabenbruchs durchzogen, an dem die Afrikanische Platte und die Arabische Platte auseinanderdriften. In der Erdgeschichte wurde das Land der Region Palästina mehrmals vom Meer überflutet (Transgression) und wieder freigegeben (Regression). Der Boden wurde abwechselnd vom Meer und vom Land beeinflusst. Dies und die Abtrennung des Meeres über dem heutigen Jordangraben durch tektonische Anhebung der Region hinterließ verbreitete Salzeinlagerungen. Im Bereich des Jordangrabens entstanden mehrere Seen, zuletzt existierte nur noch der Lisan-See, dessen Reste der See Genezareth und das Tote Meer darstellen. Zwischen dem Jordangraben und der Ebene am Mittelmeer entstanden von Süden betrachtet das judäische und das samaritische Gebirge, die Ebene Jesreel und das galiläische Gebirge. Neben der Gesteinsbildung und Formung durch verschiedene Arten der Sedimentation und tektonische Beanspruchung wurden auch Schichten vulkanisch gebildet.[4]

Hydrologie[Bearbeiten]

Niederschlagswasser an der westlichen Seite dieser Gebirge fließen in westlicher Richtung zum Mittelmeer. Aus den nördlichen Gebirgen Hermon, Galilee und Golan stammen der Jordan und seine Zuflüsse nördlich des See Genezareth. Dort ist sein Wasser noch salzarm. Er durchfließt den See Genezareth. Sein wichtigster Nebenfluss, der Jarmuk nimmt jedoch größere Anteile des Wassers aus dem Golan auf und mündet mehrere Kilometer südlich des Sees Genezareth in den Jordan. Große Wassermengen werden aus dem See Genezareth entnommen um über den National Water Carrier vor allem die Bewässerung der Felder in der Küstenebene zu ermöglichen. Dem Jarmuk wird etwa 10 km oberhalb der Mündung viel Wasser entnommen um über den Ost-Ghor-Kanal das Ostjordanland zu versorgen.

Infolge der tektonischen Beanspruchung der Region sind die Gesteinsschichten nicht durchgängig und gegeneinander abgedichtet, sondern durch zahlreiche Störungen stellenweise in vertikaler Richtung durchlässig, insbesondere die Störungszone des Grabenbruchs selbst. Dies ermöglicht ein Austreten von salzhaltigem Wasser aus den durchlässigen Gesteinsschichten. Es gibt vermutlich mehrere Generationen dieser Solen. Die genauen Abläufe der Entstehung und des Transportes der Solen jetzt und in der Erdgeschichte sind nicht vollständig geklärt. Die geologischen Gegebenheiten und die Wege und Zusammensetzungen der Wässer sind an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Jahreszeiten sehr unterschiedlich und komplex und auch von menschlichen Aktivitäten beeinflusst. Hoher Druck presst die Solen, durch undichte Stellen in den sonst wasserundurchlässigen Schichten, nach oben, soweit sie nicht durch einen ausreichenden Gegendruck des darüberliegenden, leichteren, salzärmeren Grundwassers aufgehalten werden können. An der Störungszone des Grabenbruches jedoch trifft kaltes Grundwasser aus Niederschlägen in tieferen Grundwasserleitern auf heiße Solen, steigt vermischt mit dem Salzwasser durch Konvektion auf und tritt oben aus.

Die Wege des Wassers sind unterschiedlich lang, das salzhaltige Wasser tritt zum Teil Jahre später und weit entfernt wieder zu Tage. Salzhaltiges Wasser fließt oft unterhalb der Wasseroberfläche in einen der beiden Seen oder den Jordan. So gibt es mehrere salzhaltige Quellen am Ufer des See Genezareth und unter seiner Wasseroberfläche. Durch den Bau des „Salt Water Carrier“, der das Wasser der bekannten salzigen Quellen am See Genezareth sammelte und direkt in den unteren Jordan einleitete, wurde der Salzgehalt des Sees herabgesetzt, der Salzgehalt im Jordan unterhalb des Seeauslasses jedoch dramatisch erhöht. Zwischenzeitlich wurde diese Einleitung in den unteren Jordan wieder stark herabgesetzt. Der erhöhte Salzgehalt im See Genezareth im Vergleich zu seinen bekannten Zuflüssen wird jetzt vor allen durch unbekannte Salzwasserzuflüsse unterhalb der Wasseroberfläche verursacht. Weiterer Zufluss salzhaltigen Wassers in Form von Grundwasser, über Wasserläufe und Zuflüsse auch in den unteren Jordan, und die starke Verdunstung lassen den Salzgehalt des Jordan in seinem Lauf nach Süden immer weiter ansteigen. An der Allenby-Bridge in der Nähe von Jericho, etwa dreizehn Kilometer vor der Mündung in das Tote Meer wurden 1995 Salzgehalte für den Sommer von 2 bis 4 g/l genannt. 2004 wurden bis zu stellenweise 11,1 g/l im Frühjahr und Sommer genannt. Der Jordan mündet in das Tote Meer, das keinen Abfluss besitzt, sondern durch Verdunstung Wasser abgibt und seit seiner Entstehung das Salz ansammelt. Der Salzgehalt im Toten Meer liegt deshalb bei etwa 250 g/l.[5]

Topographie und Klima[Bearbeiten]

Der Jordan mit seiner typischen Pflanzengesellschaft

Gemäß den Unterschieden in der Topographie und im Klima unterscheidet man verschiedene Großräume:

  • Die Küstenebene: Direkt am Mittelmeer befindet sich eine sandige Zone mit Wanderdünen und Sumpfgebieten. Weiter östlich ist ein sehr fruchtbarer Landstrich mit sehr dunklem Boden. Das Klima ist mediterran, die vom Meer kommenden Winde bringen ausreichend Feuchtigkeit mit. Die Wasserläufe, die das Gebiet durchziehen, führen im Norden ganzjährig Wasser, im Süden jedoch nur in der Regenzeit.
  • Das Bergland: Westlich des Jordan gehen die Niederschlagsmengen von Norden nach Süden stark zurück, denn die hohen Berge in Judäa halten die vom Meer kommenden Wolken zurück. Galiläa ist deshalb der fruchtbarste Teil des Berglandes. Im mittleren Bergland wurde schon zu biblischer Zeit Terrassenlandwirtschaft betrieben. Der nördliche Teil des Berglandes war zu biblischer Zeit noch von Wäldern bedeckt, die inzwischen durch landwirtschaftliche Bewirtschaftung stark zurückgegangen sind. Im Süden geht das Bergland in die Negev-Wüste über.
  • Der Jordangraben: Der nördliche Teil ist auch hier der fruchtbarste. Nördlich des Sees Genezareth befanden sich in biblischer Zeit eine ausgedehnte Sumpflandschaft und große Waldgebiete. Im unteren Jordantal reichen die Niederschläge für diese Landschaftsformen nicht mehr aus. Da der Salzgehalt des Jordans nach Süden ansteigt, wachsen im südlichen Jordantal auch salztolerante Bäume wie die Euphrat-Pappel und die Tamariske. Diese sind auch an Nebenflüssen verbreitet. Am Toten Meer selbst wachsen nur noch salztolerante Pflanzen. Die höhere Pflanzenarten versorgen sich aus dem Grundwasser und Niederschlagswasser, denn bereits bei deutlich geringeren Salzgehalten als im Toten Meer ist selbst den salztolerantesten höheren Pflanzen kein Bestehen möglich.
  • Die Hochebene: Östlich des Jordan ist das Klima semi-arid bis arid, die dem Jordan zuströmenden Flüsse trocknen im Sommer größtenteils aus. Die Hochebene ist von Sandstein geprägt, der das darunterliegende Vulkangestein überzieht und durch Erosion zur Entstehung der Sandwüsten geführt hat. In den Oasen am Toten Meer und am unteren Jordan findet man hingegen gelegentlich eine tropische Flora.

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Urgeschichte Palästinas
Palästina um 1904, historische Siedlungsgebiete

Anfänge[Bearbeiten]

In der Region sind seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. Stadtstaaten nachweisbar. Hier im fruchtbaren Halbmond trafen die Verkehrswege von drei Kontinenten aufeinander. Dadurch entwickelte sie sich zum Brennpunkt für religiöse und kulturelle Einflüsse aus Ägypten, Syrien, Mesopotamien und Kleinasien.

Ägyptische Vormacht[Bearbeiten]

Durch die Einwanderung von Amoritern, Hethitern und Hurritern im 2. Jahrtausend v. Chr. sahen sich die Ägypter in ihrer Vormachtstellung bedroht und drängten diese Stämme zurück. Diese gingen schließlich im Volk der Kanaaniter auf.

Ab dem 12. Jahrhundert v. Chr. verlor Ägypten immer mehr an Macht. Neue Einwanderer kamen in die Region, darunter nach Pentateuch die Israeliten (die aber aufgrund neuerer Forschungen auch israelischer Archäologen wie Israel Finkelstein eine autochthone und von den Kanaanitern der Ebene abstammungsmäßig nicht unterscheidbare Bevölkerung des galiläischen Berglandes bildeten), andere semitische Nomadenstämme aus Mesopotamien, dem Sinai und aus den umliegenden Wüstenzonen (s. a. Hebräer/Habiru in ägyptischen u. hurritischen Quellen). Dazu kamen mit den Seevölkern die Philister, die hauptsächlich die südliche Küstenzone um Gaza und Askalon besiedelten. Es ist jedoch unklar, ob es sich bei den „Philistern“ um die Ansiedlung einer größeren Bevölkerungsgruppe handelte. Zahlreiche Forscher nehmen inzwischen an, dass sich lediglich einige griechische oder zypriotische Händler niederließen, deren charakteristische Keramik sehr schnell in das einheimische Inventar übernommen wurde.

Die meisten Archäologen gehen heute davon aus, dass es auf Grund der Konstanz der materiellen Kultur keine nennenswerte Einwanderung israelitischer Gruppen in dieser Zeit gegeben habe. Dies schließt jedoch frühere Einwanderungen nicht aus. Dies gilt insbesondere für die aramäischen Stämme (zu denen auch die Israeliten gehörten) aus dem Norden und noch früher aus dem Osten die Amoriter. Als früheste sprachlich identifizierbare Bevölkerungsschicht gelten die Hurriter.

Das vorstaatliche Israel[Bearbeiten]

Die These der Amphiktyonie von Martin Noth[Bearbeiten]

Eine der wichtigsten Thesen zum vorstaatlichen Israel ist diejenige der „Amphiktyonie“ von Martin Noth. Er geht in seinem Buch „Das System der zwölf Stämme Israels“[6] von dem in der Bibel vielfach erwähnten Umstand aus, dass das vorstaatliche Israel als eine aus zwölf Stämmen zusammengesetzte Einheit gesehen wird. Letztlich wird dies darauf zurückgeführt, dass der Erzvater Jakob (oder auch Israel) zwölf Söhne gehabt habe, von denen zehn als Stammväter der zwölf Stämme Israel gelten – die Stammväter der zwei letzten Stämme sind aufgrund der Landlosigkeit des Stammes Levi Kindeskinder Jakobs (Gen. 46, 1–26; 49,1–27 und Num 26,5–51). Dieses in der Bibel bezeugte Phänomen ist von Noth mit der Erscheinung der Amphiktyonie in der griechischen Welt verglichen worden. Analogien sieht Noth in der Zahl zwölf bzw. sechs. Außerdem nimmt die Stellung eines Zentralheiligtums eine große Bedeutung für ihn ein. Dieses Heiligtum sieht er in der Bundeslade. Ferner weist er auf die Liste in Ri 10,1–5, die einen bestimmten Turnus intendiere. Schließlich sieht er im Bericht vom sog. Landtag zu Sichem das entscheidende Ereignis in der Geschichte der altisraelischen Amphiktyonie. Dazu gehört auch die Erweiterung von sechs auf zwölf Stämme mit Übernahme des JHWH-Glaubens.

Kritik an der These[Bearbeiten]

Es hat im Laufe der Forschungsgeschichte immer wieder Kritik an dieser These gegeben. Dabei stellen sich folgende Fragen:

  1. Kann eine geschichtliche Erscheinung eines bestimmten Lebens- und Kulturbereiches als Analogie überhaupt benutzt werden?
  2. Fehlt nicht ein Name für den altisraelischen Stämmeverband?
  3. Kann die mobile Lade als zentrales Kultheiligtum verstanden werden?
  4. War der Stämmeverband die Bezugsgröße für die Richter, oder waren es eher die Städte und deren Einzugsbereich?

Die These von der segmentären Gesellschaft[Bearbeiten]

Als Alternative gilt die These der segmentären Gesellschaft. Sie wurde vor allem von dem Ethnosoziologen Christian Sigrist in seinem Buch „Regulierte Anarchie“ [7] geprägt, der dabei die Theorien des Soziologen Émile Durkheim zu segmentären Gesellschaften erweitert und einer Revision unterzieht. Er vergleicht die Gesellschaft des vorstaatlichen Israel mit der sozialen Struktur afrikanischer Stämme, die während der englischen Kolonialzeit beobachtet wurde. Entscheidend für diese Gesellschaft ist das Fehlen einer zentralen Spitze. Sie sind organisiert nach Stammesverbänden, die gleichrangig nebeneinander stehen und zusammen die Gesellschaft bilden. Hierbei wirkt das Geschichtsbewusstsein entscheidend und konstitutiv. Vor allem die Bedeutung der Verwandtschaftsbeziehungen verbindet die Gesellschaften Afrikas und die des vorstaatlichen Israels auffallend. Allerdings steht die These in der Gefahr, die schriftlichen Quellen außer Acht zu lassen.

Fazit[Bearbeiten]

So scheint eine Synthese aus mehreren Theorien, wie sie Christa Schäfer-Lichtenberger vorschlägt, plausibler. Wichtig erscheint hierbei allerdings, dass das für die vorstaatliche Zeit zu postulierende Einheitsbewusstsein Israels eine bedeutende religiöse Komponente anzunehmen ist, zentral verbunden mit einer Verpflichtung auf ein allgemein verbindliches Recht.

Ob es ein Einheitsbewusstsein, wie es vor allem der Pentateuch schildert, in so früher Zeit tatsächlich gab, muss stark bezweifelt werden. So bezeugt auch das sicherlich als eines der ältesten Teile der Bibel anzusehende in sehr altertümlichem Hebräisch geschriebene Lied der Deborah im Buch Richter zum Teil andere und nicht die 12 Stämme umfassende Stammesnamen. Daneben werden nicht in den späteren 12 Stämmen aufgegangene Völker wie die Keniter, Edomiter und Midianiter bezüglich Verwandtschaft und Glauben als sehr nah verwandt dargestellt. Die Einheitsideologie vor allem des Pentateuch wird von Historikern daher als eine Schöpfung des 7. Jahrhunderts v. Chr. angesehen. Insbesondere nach der Zerstörung des Königreiches Israel durch die Assyrer war das vorerst vor Eroberung verschonte Königreich Judah bemüht, sich als legitimer Nachfolger aller israelitischer Stämme darzustellen. Entsprechend wurde auch eine vor mehreren Jahrhunderten bestehende feste Ordnung aller Stämme im Rahmen eines vereinten Königreiches unter Führung der Vorfahren des Königreiches Judah (David und Salomon) und des gemeinsamen Herausführens aus Ägypten durch Moses konstruiert. Soweit unumgänglich wurden anderslautende Überlieferungen des in der Vergangenheit mächtigeren Königreiches Israel angepasst, erweitert und gekürzt mitaufgenommen und dabei zum Zwecke der eigenen Legitimation neu interpretiert.

Klar kommt dies in der Stellung des Zentralheiligtums in Jerusalem zum Ausdruck, die erst unter König Josiah tatsächlich gefestigt war. Vorher wurde selbst nach Zeugnis der Bibel auch im Königreich Judah dezentral vor allem auf den Höhen geopfert. Dass noch früher Bewohner des vor allem unter den Omriden weitaus mächtigeren Königreiches Israel eine zentrale religiöse Autorität in Jerusalem anerkannten, ist überaus unwahrscheinlich. Vielmehr dürften neben den Stammes-Heiligtümern verschiedene Zentral-Heiligtümer über die Stammesgrenzen hinaus Gläubige angezogen haben, wobei neben Jahwe auch andere Götter wie Baal und Aschera verehrt und ihnen Opfer dargebracht wurden.

Der Bericht von den 12 Stämmen wird demnach als ein ätiologischer Mythos betrachtet, wie er auch im alten Griechenland typisch war. Er diente dazu, sowohl tatsächliche Verwandtschaft wie auch konstruierte und postulierte Zusammengehörigkeit der Bevölkerung als einen gemeinsamen Ursprung der Nation zu erklären. Der Zahl Zwölf wird dabei eine magische Bedeutung zugeschrieben.

Die „Zwölf Könige der Meerländer“[Bearbeiten]

In den Inschriften von Asarhaddon und Assurbanipal wird immer wieder die Bezeichnung „zwölf Könige der Meerländer“ erwähnt. In dieser Sammelbezeichnung werden z. B. die Länder Edom, Moab und Juda genannt. Die „zwölf Könige der Meerländer“ bildeten immer wieder Bündnisse, um unter anderem gegen die Oberherrschaft Assyriens zu kämpfen.

Das Israelitische Reich[Bearbeiten]

Die schriftliche Hauptquelle für die Geschichte Palästinas ist die hebräische Bibel, die in ihren wesentlichen Teilen wohl während des Babylonischen Exils in Babylonien im 6. Jahrhundert v. Chr. entstand. Eine erste bedeutende Sammlung und Redaktion der Schriften erfolgte wohl bereits im 8. Jahrhundert nach der Eroberung des Königreichs Israel durch die Assyrer. Ihre Angaben sind in der historischen Bibelkritik umstritten. Abgesehen von den internen Widersprüchen (z. B. unterschiedlicher Eroberungsgeschichte im Buch Josua und im Buch der Richter) stimmen viele der heutigen umfangreichen archäologischen Erkenntnisse nicht mit den Berichten der Bibel überein. Dies bedeutet nicht, dass die Geschichten um Adam, Noah, Abraham, Moses, David und Salomon vollkommen frei erfunden wurden. Sie stellen vielmehr Interpretationen vorgefundener Verhältnisse zum Zeitpunkt der Aufstellung und Abfassung der Geschichten dar, die sich nach damaliger Ansicht so am plausibelsten ordnen und erklären ließen (und damit auch sinnstiftend wurden). So stellen insbesondere die Stammestafeln nicht wörtlich die tatsächliche Abstammung dar, sondern sie sind Ausdruck, wie stark sich die Israeliten mit anderen Völkern verwandt fühlten und warum sich zwischen einzelnen Völkern so starke Animositäten finden lassen.

Dabei wurden auch nicht mehr völlig verstandene archaische lokale Gebräuche, imposante Ruinen untergegangener Städte (z. B. Jericho, Ai, Hazor), Naturphänomene (Sodom und Gomorra) und andere ursprünglich nicht verbundene Einzelgeschichten miteinander zu einem sinnstiftenden Gesamtwerk verwoben. Entsprechende Mythenbildungen sind auch aus anderen Regionen der Welt (z. B. bei den Griechen und in der römischen Frühgeschichte) bekannt, wo die Historizität von Gestalten wie Herakles und Romulus heute nicht mehr angenommen wird. Dennoch sind diese Mythen zentral für Kultur und Selbstverständnis dieser Völker.

Zunehmend sind auch außerbiblische Zeugnisse (wie die 1868 entdeckte moabitische Mescha-Stele oder die 1896 aufgefundene Merenptah-Stele) verfügbar, die neben ihrer archäologischen und naturwissenschaftlichen Bedeutung die biblischen Berichte erhellen.

Die Israelitenstämme wanderten demnach in das Gebiet teilweise wahrscheinlich schon etwa 1800–1700 v. Chr. (vgl. Geschichte von Abraham, Versklavung in Ägypten und der Befreiung daraus durch Moses) ein. Josua eroberte nach dem gleichnamigen Buch der Bibel etwa um 1200 v. Chr. Teile des damals Kanaan genannten Gebietes, das damals zum Einflussgebiet Ägyptens gehörte – im Sinai und im Süden befand man sich auf ägyptischem Gebiet. Eine Flucht aus Ägypten in ägyptisch dominiertes Gebiet ergibt keinen Sinn, das „ägyptische Joch“ könnte aber eine späte, bereits unklare Erinnerung an eine vormalige Herrschaft der Ägypter in Kanaan reflektieren. Außerdem ist es denkbar, dass kleine Gruppen von Israeliten früher am Nil tätig waren (Josefslegende), zumal in der Hyksoszeit.

Ein Großteil der modernen Forschung geht heute davon aus, dass es eine Wieder-Einwanderung der Israeliten in Kanaan mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gegeben hat. Der biblische Bericht von Exodus und Landnahme ist nach Ansicht einiger Wissenschaftler eine literarische Fiktion. Viele der Städte, deren Einnahme die Erzählungen der Tora schildern, lagen zur fraglichen Zeit längst in Ruinen (z. B. Jericho) oder existierten noch gar nicht. Der archäologische Befund belegt eher, dass die Israeliten einheimische Beduinenstämme waren, die die Schwächeperiode der in der Bronzezeit starken kananitischen Städte in der Ebene und Ägyptens um 1200 ausnutzen und nacheinander die bestehenden Siedlungen übernehmen, soweit diese nicht vorher schon verlassen wurden.

Die Israeliten organisierten sich nach diesen – späten – Berichten als ein lockerer 12-Stämmebund um ein Stammesheiligtum. In Zeiten der Gefahr waren die Stämme unter Führung eines Richters zu gegenseitiger Hilfe verpflichtet (Buch der Richter). Diese Richter waren sporadisch berufene charismatische Führergestalten. Man glaubte, dass Gott in Zeiten der Gefahr einen Menschen mit besonderen Fähigkeiten ausstattet, um dem Volk zu helfen. Ihre Macht war nicht, wie bei Stammesoberhäuptern, durch ihre Herkunft begründet, und auch nicht erblich, sondern beruhte auf ihrer persönlichen Überzeugungskraft.

Der Kampf gegen die Philister erwies sich allerdings als besonders schwierig. Diese hatten an der südlichen Mittelmeerküste einen aus fünf Stadtstaaten bestehenden Bund gegründet und fielen von dort ins Landesinnere ein. Sie waren militärisch besser organisiert und setzten bereits Eisenwaffen ein, so dass die Israeliten um 1050 v. Chr. eine schwere Niederlage erlitten. Die Bedrohung durch die Philister veranlasste nach der Bibel die israelitischen Stämme dazu, sich zu vereinigen unter einer charismatischen Führergestalt als König.

Karte von 1759: „Terra Sancta sive Palæstina“

Der erste namentlich in der Bibel erwähnte König des mythologisierten Vereinten Königreiches war Saul. Er konnte sich zeitweise gegen die Philister behaupten, letztlich aber wurde er von ihnen geschlagen. Sein Nachfolger David besiegte die Philister um 1000 v. Chr. und eroberte den Thron Sauls. Die Erstarkung Israels und die Schwäche der angrenzenden Reiche ermöglichten es David laut Angaben der Bibel, einen großen, unabhängigen Staat zu schaffen, dessen Hauptstadt er nach Jerusalem verlegte. Bei der Eroberung durch die Israeliten war Jerusalem ein altes (bereits in den Amarna-Briefen zur Zeit des Pharao Echnaton erwähntes), aber unbedeutendes Dorf mit wenigen hundert jebusitischen Einwohnern und etwa zwei Hektar Ausdehnung auf einer Kuppe südlich des heutigen Tempelberges an der Nahtstelle zwischen Juda und Israel. Zur Zeit Davids wird Jerusalem nach Aussage der Bibel kultisches Zentrum der Juden und Aufbewahrungsort der Bundeslade. Wie sehr die Größe und Macht dieses Reiches in der späteren Überlieferung übertrieben wurde, ist Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion: Das Reich Davids hatte – glaubt man der Bibel – etwa die vierfache Größe des heutigen Israel. Nach den archäologischen Befunden dürfte es sich stattdessen eher um ein kleines Stammesgebiet mit Zentrum um Jerusalem gehandelt haben. Die wesentlich bedeutenderen Städte und Stadtstaaten des Nordens und an der Küste sind vermutlich niemals unter die Vorherrschaft Jerusalems gekommen.

Unter der Herrschaft von Davids Sohn und Nachfolger König Salomo genoss das Land wohl eine Zeit des Friedens und des Wohlstandes, wobei der erste Tempel in Jerusalem am Standort eines früheren jebusitischen Heiligtums errichtet wurde. Nach Salomos Tod im Jahr 922 v. Chr. weigerten sich die nördlichen Stämme, den Sohn Salomos als neuen König anzuerkennen. So soll das Reich wieder zerfallen sein. Das Königreich Israel im Norden mit dem Hauptheiligtum Sichem, das eine wesentlich glaubwürdigere Stellung als Zentralheiligtum der Israeliten als Jerusalem einnahm, nahm in der Folge auf Grund der politischen Schwäche der Großreiche Ägyptens und Assyriens unter der Omridendynastie einen starken Aufschwung. Juda im Süden blieb hingegen so unbedeutend, dass Assyrien es später nicht einmal in der Siegesstele erwähnte und vorderhand unbehelligt ließ.

Die umliegenden Reiche erstarkten und fingen an, sich erneut auszudehnen. Vor allem Assyrien begann im ausgehenden 8. Jahrhundert, die wohlhabenden Städte des Nordens anzugreifen, und besiegte das Nordreich Israel nach 200 Jahren Blüte zwischen 722 und 721 v. Chr. Große Teile der Bevölkerung wurden an den Euphrat deportiert und stattdessen Assyrer angesiedelt, wie dies von Assyrien auch in anderen eroberten Gebieten praktiziert wurde. Die Bevölkerung nannte man von nun an nach der Hauptstadt Samaria Samariter .

Jerusalem im Königreich Judah konnte so in der Folgezeit erstmals stark wachsen. Als die Macht der Assyrer schwand, war die Chance gekommen, von Jerusalem aus unter der ideologischen Führung der Jahwepriesterschaft und dem König Josia das Land wieder zu einigen. Es gab starke Bemühungen, die heterogenen Bevölkerungsgruppen und Stämme über die alten Traditionen zu einen und auf die israelitische Vergangenheit einzuschwören, was aber nur teilweise gelang. In dieser Zeit erfuhr die Biblische Schrift ihre erste umfassende Redaktion. Die alten Geschichten und Bücher wurden zusammengetragen und unter einer nationalen Ideologie redaktionell bearbeitet mit dem Ziel, ein einiges Königreich Israel zu schaffen. Das gelang nur zum Teil. Nach über 100 Jahren erstarkte Babylon zur Großmacht und versuchte, die Macht Jerusalems zu brechen.

Das Südreich Juda wurde 586 v. Chr. durch die Babylonier unter Nebukadnezar II. besiegt und die Bevölkerung nach Babylon umgesiedelt. Jerusalem wurde zerstört und viele der dort lebenden Juden (insbesondere aus der Oberschicht) verbannt. Die Juden im babylonischen Exil konnten allerdings ihre nationale und religiöse Identität bewahren. Hier liegen die Wurzeln des Judentums mit der anstelle des verlorengegangenen Tempels neu geschaffenen Synagoge des pharisäischen Judentums im Gegensatz zum nun an den Tempel gebundenen sadduzäischen Amt des Hohen Priesters der Oberschicht. Als Kyros der Große von Persien Babylon 539 v. Chr. erobert hatte, erlaubte er den Juden, nach Judäa zurückkehren, und gab ihnen eine relative Selbständigkeit. Die Juden als Nachfahren des Königreiches Judah bauten die Stadtmauern der Davidsstadt wieder auf. Dabei distanzierten sie sich scharf gegen die als vermischt mit Neuankömmlingen im Lande geltenden Samaritaner im Gebiet des früheren Nordreiches. Diese können sich allerdings am ehesten als Nachfahren der Israeliten bezeichnen – wenn auch in heute sehr geringer überlebender Anzahl, aber mit ihrer eigenen Überlieferung der Bibel, dem Samaritanischen Pentateuch. Die anderen kanonischen Schriften der jüdischen Bibel mit ihrer zum Teil stark jerusalemzentrierten heftigen Polemik gegen das Nordreich Israel (wie etwa die Chronik) und zum Teil auch gegen die Samaritaner selbst (insbesondere Bücher Esra und Nehemia) werden dagegen nicht als göttlich inspiriert anerkannt.

Hellenistische Herrschaft[Bearbeiten]

Im Jahr 332 v. Chr. nahm Alexander der Große die Region in Besitz, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen. Er ließ die Eroberung von Generälen zu Ende bringen, die auch die Grundlage für die hellenistische Herrschaft schufen. Nach dem Tode Alexanders (323 v. Chr.) wurde das Land Schauplatz von Auseinandersetzungen der Diadochenkriege und wechselte mehrfach den Besitzer. 301 fiel es Ptolemaios I. von Ägypten zu und blieb bis 200 v. Chr. unter ptolemäischer Herrschaft, allerdings nicht unangefochten. Die Seleukiden, eine andere makedonische Dynastie, erhob ebenfalls Ansprüche.

Eine Auswirkung der hellenistischen Herrschaft war die Veränderung der ethnischen Zusammensetzung der Bevölkerung. Bis zur Eroberung des Landes lebten in der Region Judäer, Phönizier, Samariter, Edomiter und Nabatäer in ihren angestammten Gebieten. Das Landesinnere war vorwiegend von den Judäern und Samaritanern bewohnt, die nördliche Küstenebene von Phöniziern, der Süden von Nabatäern, die die Edomiter etwas nach Norden abgedrängt hatten. Dazu kamen nun (vor allem makedonische) Griechen, die sich hier ansiedelten.

Die hellenistische Kultur beeinflusste besonders das Leben in den Städten, die sich strukturell der griechischen Polis anglichen. Am stärksten passten sich die Phönizier an. Die Orte im Landesinneren behielten dagegen weitestgehend ihren semitischen Charakter. Obwohl die ptolemäische Besatzungsmacht hohe Steuern erhob, fand eine zügellose Ausbeutung oder Versklavung der Einheimischen nicht statt.

Die Region profitierte in dieser Zeit von der wirtschaftlichen Blüte, die das Ptolemäerreich gerade erlebte. Die Handelsbeziehungen dehnten sich aus und in die Landwirtschaft wurden neue Methoden eingeführt.

Im 2. Jahrhundert v. Chr. revoltierten die Juden jedoch unter Führung der Makkabäer gegen die Seleukiden. Sie errichteten zwischen 141 und 63 v. Chr. einen unabhängigen jüdischen Staat, bis das Land von Pompeius für Rom erobert wurde und zu einer römischen Provinz wurde, die von jüdischen Königen regiert wurde.

Römische Herrschaft[Bearbeiten]

Hauptartikel: Römisches Palästina

Der jüdische Aufstand wurde in den Jahren 66 bis 73 n. Chr. unter dem Befehl des späteren Kaisers Titus niedergeschlagen. Dabei wurde der Jerusalemer Tempel im Jahre 70 n. Chr. zerstört, und für den Großteil der Juden begann die Jüdische Diaspora. Zehntausende Juden wurden entlang der Straßen von Jerusalem gekreuzigt und die Wälder der Stadtumgebung abgeholzt. Auch nach dem gescheiterten Bar-Kochba-Aufstand von 132 bis 135 n. Chr. wurden viele Juden getötet oder von den siegreichen Römern als Sklaven verkauft. Judäa wurde von den Römern in Syria Palaestina umbenannt, um die Erinnerung an Palästina als jüdisches Königreich und Heimat der Juden auch im Namen der Region zu tilgen.

Dioecesis Orientis um 400

Palästina erlangte neue Bedeutung, als der römische Kaiser Konstantin I. das Christentum 313 zur religio licita (= gleichberechtigten Religion) erklärte. Seine Mutter Helena besuchte Jerusalem und Palästina, das Heilige Land der Christen, wurde gefördert, je stärker die Christianisierung des Römischen Reiches voranschritt. Da Palästina seit der Reichsteilung von 395 zum Oströmischen Reich gehörte, war es vom Untergang des Weströmischen Reiches im 5. Jahrhundert nicht betroffen. Die Spätantike war für Palästina insgesamt eine Art „Goldenes Zeitalter“, geprägt durch Wohlstand, Sicherheit und eine kulturelle Blüte. Allerdings kam es 529 zu einem großen Aufstand in Samaria, den Kaiser Justinian I. blutig niederschlagen ließ. Der größte Teil der Bevölkerung war um diese Zeit bereits christianisiert. Die oströmische Herrschaft wurde durch die Besetzung der persischen Sassaniden (614–629) unterbrochen und endete endgültig, als muslimische Araber in Palästina einfielen und 638 Jerusalem eroberten.

Islamisierung[Bearbeiten]

Im Jahr 638 wurde Jerusalem von der Armee des zweiten Kalifen Umar ibn al-Chattab erobert. 691 errichteten die Muslime auf dem Tempelberg den Felsendom. Von diesem Zeitpunkt an gab es neben einer jüdischen und einer christlichen auch eine muslimische Präsenz in Palästina.

Die Islamisierung wurde durch die Behandlung der Nichtmuslime als Dhimma begünstigt. Es dauerte mehr als 100 Jahre, bis die Mehrheit der Bevölkerung zum Islam konvertiert war.

Die Region profitierte nun vom Handel des Reiches und von seiner religiösen Bedeutung während der ersten Kalifendynastie der Umayyaden von Damaskus, unter denen die arabischen Eroberungen ihren Höhepunkt erreichten. Nachdem die Abbasiden im Jahr 762 Bagdad zum politischen Zentrum gewählt hatten, nahm die Bedeutung Palästinas ab. Das Gebiet war wiederholt Schauplatz von Kämpfen und wurde von Seldschuken, Fatimiden (siehe Kalifat) und europäischen Kreuzfahrern beherrscht. Palästina profitierte jedoch auch von den Errungenschaften der muslimischen Welt, als diese ihr goldenes Zeitalter der Wissenschaft, Kunst, Philosophie und Literatur erlebte.

Mit dem Beginn der Kreuzzüge am Ende des 11. Jahrhunderts wurden in Palästina vier christliche Kreuzfahrerstaaten (Outremer) errichtet, darunter im Jahr 1099 das Königreich Jerusalem unter Balduin von Flandern, der den Felsendom in ein christliches Heiligtum umwidmete und in der Al-Aksa-Moschee residierte. Der Sunnit Sultan Saladin besiegte im Jahr 1187 in der Schlacht bei Hattin ein Heer der Kreuzfahrer, besetzte Palästina und eroberte Jerusalem. Kirchen und Tempel wurden zum großen Teil in Moscheen umgewandelt, zu denen Christen und Juden allerdings Zutritt hatten.

Die Kreuzritter zogen sich in das nördliche Palästina um Akko zurück, das nach der Belagerung von Akkon (1291) als letzter christlicher Stützpunkt in Palästina verloren ging. In der Folgezeit beherrschten mamlukische Dynastien Palästina.[8]

Osmanische Herrschaft[Bearbeiten]

Familie in Ramallah um 1900

Die Mamluken zerstörten die von den Kreuzrittern in Syrien und Palästina gegründeten Staaten endgültig. Die osmanischen Türken besiegten die Mamluken 1516, Ägypten, Syrien und Palästina wurden für 400 Jahre in das Osmanische Reich eingegliedert. 1517 fiel auch das Kalifat an die Osmanen; sie stellten damit auch das religiöse Oberhaupt. Das Land war in verschiedene Bezirke unterteilt. Den christlichen und jüdischen Gemeinden wurde ein großes Maß an Autonomie zugebilligt. Während des 16. Jahrhunderts erlebte Palästina eine erneute Blüte bis zum Abstieg des Osmanischen Reiches im 17. Jahrhundert. Während dieser Zeit der osmanischen Herrschaft war Palästina nur dünn bevölkert und stagnierte wirtschaftlich. Joseph Nasi, ein Berater des osmanischen Sultan Suleiman des Prächtigen setzte sich dafür ein, die Gegend um Tiberias ab 1561 mit europäischen Juden neu zu besiedeln; doch das Projekt gestaltete sich aus ökonomischen Gründen schwierig und scheiterte im Zuge der Türkenkriege vollständig. Am Anfang des 19. Jahrhunderts lebten zwischen 275.000 und 300.000 Menschen im Land. 90 % von ihnen waren muslimische Araber, 7.000 bis 10.000 Juden und 20.000 bis 30.000 christliche Araber. Zwischen 1831 und 1840 dehnte Muhammad Ali Pascha (türkisch Mehmed Ali), Vizekönig und Begründer des modernen Ägypten, seine Herrschaft über Syrien aus.

1881, zu Beginn der jüdischen Einwanderung lebten 457.000 Menschen in Palästina. 400.000 waren Muslime, 13.000–20.000 Juden und 42.000 – meist griechisch-orthodoxe – Christen. Hinzu kamen einige tausend Juden, die zwar dauerhaft in Palästina lebten, aber keine osmanischen Bürger waren. Die im Lande wohnenden Juden (der alte Jischuw), sowohl Sephardim als auch Aschkenasim, waren meist orthodox und recht arm; sie wurden von Glaubensgenossen aus dem Ausland unterstützt. Siedlungszentren waren die vier Städte Jerusalem, Hebron, Safed und Tiberias. Etwa ein Drittel der Bevölkerung lebte um diese Zeit in Städten. Jerusalem zählte 30.000 Seelen (davon waren die Hälfte Juden), Gaza 19.000, Jaffa 10.000 und Haifa 6.000.

In den 1880er Jahren begann der französische Baron Edmond Rothschild sich für den aufkommenden Zionismus zu engagieren. 1882 erwarb er Grundstücke in Palästina und förderte die Gründung von Zichron Ja'akow und Rischon leTzion. 1889 übergab er 25.000 Hektar palästinensischen Agrarlandes samt den sich darauf befindenden Ansiedlungen an die Jewish Colonization Association. Zudem ermöglichte er russischen Juden, infolge des dortigen Antisemitismus und der auf die Ermordung des Zaren Alexander II. folgenden Pogrome nach Palästina umzusiedeln. Er legte dort Weinanbaugebiete an, scheiterte aber beim Versuch dort eine Parfümindustrie aufzubauen.

Im Jahre 1897 berief Theodor Herzl den ersten Zionistenkongress in Basel ein und legte damit einen wichtigen Grundstein für die spätere Gründung eines jüdischen Staates. Seit der zweiten Alija erhielt die Idee des Zionismus vermehrt politische Bedeutung. Im religiösen und historischen Bewusstsein der Juden (und abgeschwächter Weise im Bewusstsein des Okzidents) war Israel immer das „Heilige Land“ geblieben, das mit der Bibel und der Geschichte des jüdischen Volkes verbunden ist. Die Bedürfnisse der arabischen Bevölkerung spielten in dieser Tradition kaum eine Rolle. Führende Zionisten waren sich der Problematik allerdings bewusst und strebten neben einer internationalen Legitimation auch eine Einigung mit den Arabern an. Die Region stand schon zu dieser Zeit, in der noch kolonialistische Denkweisen herrschten, im geopolitischen und strategischen Interesse der Großmächte. Im 19. Jahrhundert engagierten sich europäische Staaten auf der Suche nach Rohstoffen und neuen Absatzmärkten im Nahen Osten.

Nach Angaben der Jewish Colonization Association für das Jahr 1903 lebten im Jahre 1898, 5200 Juden in Palästina in landwirtschaftlichen Mustersiedlungen (siehe auch „Altneuland“, 1904, Heft 11, Seite 339).

Altneuland (1904, Heft 11, Seite 339), jüdische Einwohnerzahl landwirtschaftlicher Siedlungen im Jahre 1898

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts besaßen viele Landbewohner nicht mehr ihren eigenen Grund, sondern bestellten ihn als Pächter. Beinahe alle Großgrundbesitzer (Effendis) waren Stadtpatrizier, einige lebten außerhalb des Landes, viele in Beirut, Damaskus und Paris. Zwischen 1904 und 1914 erfolgte die zweite Alijah. Bereits im Jahre 1909 wird mit Tel Aviv die erste moderne jüdische Stadt gegründet.

Anfang des 20. Jahrhunderts[Bearbeiten]

Wegen des Anfang November 1914 erfolgten Eintrittes des Osmanischen Reichs in den Ersten Weltkrieg auf Seiten der Mittelmächte ging Großbritannien von der Politik ab, den Bestand des Osmanischen Reichs gegen die Expansionsversuche Russlands zu stützen. In der Hussein-McMahon-Korrespondenz, einem Briefwechsel 1915/1916 zwischen Hussein ibn Ali (Hedschas) und dem britischen Hochkommissar in Ägypten Henry McMahon, hatte die politische Zukunft der arabischen Länder des Nahen Ostens sowie das Bestreben Großbritanniens, eine arabische Revolte gegen die osmanische Herrschaft anzufachen zum Inhalt. McMahons Aussagen wurden von den Arabern als Zusage für eine arabische Unabhängigkeit gewertet. [9]

1916 wurde im geheimen britisch-französischen Sykes-Picot-Abkommen eine Vereinbarung über die Aufteilung des Osmanischen Reichs in Interessensphären getroffen, welche 1918 von den siegreichen Bolschewiki publiziert wurde.[10]

In der Balfour-Deklaration vom 2. November 1917 wurde das Wohlwollen der britischen Regierung für eine jüdische Heimstatt in Palästina erklärt, die als Quasi-Rechtsgrundlage des zionistischen Plans nach einer jüdischen Staatsgründung galt. Dabei sollten die Rechte bestehender nicht-jüdischer Gemeinschaften gewahrt bleiben.[10] Palästina war zu diesem Zeitpunkt noch ein Teil des Osmanischen Reiches.

Der Sieg der Briten im Ersten Weltkrieg beendete 1917 die osmanische Herrschaft. Von Ägypten her eroberte General Allenby Südpalästina. Nach dem Waffenstillstand von Mudros vom 30. Oktober 1918 besetzten Großbritannien und Frankreich die von ihnen im Sykes-Picot-Abkommen ausgehandelten Gebiete: Frankreich den Libanon und Syrien; Großbritannien Palästina und den Irak. Der amerikanische Präsident Thomas Woodrow Wilson vertrat die Auffassung, Gebietsgewinne durch den Weltkrieg sollten möglichst verhindert werden. Allerdings war man der Ansicht, man könne die vorher von den unterlegenen Mächten kontrollierten Länder nicht sich selbst regieren lassen. Der damalige südafrikanischen Premier Jan Christiaan Smuts schlug vor, in diesen Gebieten ein Mandat einzurichten. Palästina gehörte wie Syrien in die Kategorie A, das heißt: Die Völker wurden als relativ entwickelt eingestuft, müssten aber von fortgeschrittenen Nationen geführt werden. Unabhängigkeit war mittelfristiges Ziel. Da die Araber in dieses Aufteilungsverfahren nicht mit einbezogen wurden, fühlten sie sich verraten.[11]

Britisches Mandat[Bearbeiten]

Britisches Mandat Palästina, 1920

Am 25. April 1920 erhielt Großbritannien auf der Konferenz von San Remo das Palästina-Mandat übertragen. Zu den Mandatsbedingungen gehörte, dass die Briten die Verwirklichung der Balfour-Deklaration ermöglichen sollten, in der sie am 2. November 1917 die „Gründung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk“ versprochen hatten, deren Grenzen jedoch nicht bestimmt waren. Hierzu wurde die Mandatsmacht aufgefordert, die jüdische Einwanderung zu ermöglichen, die jüdischen Einwanderer geschlossen anzusiedeln und hierfür auch das ehemalige osmanische Staatsland zu verwenden. Es sollte dabei ausdrücklich dafür Sorge getragen werden, dass „nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und die religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und die politische Stellung, deren sich die Juden in irgendeinem anderen Lande erfreuen, präjudizieren könnte“. Im Gegensatz zu diesen Zusicherungen an die jüdische Bevölkerung enthielt es jedoch keine Schutzbestimmungen für die Rechte der ansässigen Araber.

Arabischer Nationalismus[Bearbeiten]

Das nicht eingehaltene Versprechen der arabischen Unabhängigkeit richtete den bisher anti-osmanischen arabischen Nationalismus gegen die Mandatsmächte. Im Zusammenhang mit der Balfour-Deklaration nahm die Anzahl jüdischer Einwanderer zu. Diese wurden von den Arabern als Helfer der neuen Kolonisatoren aufgefasst.

Das Ziel der arabischen Bevölkerungsmehrheit war ein arabischer Staat im gesamten Gebiet mit eingeschränkter (oder unterbundener) jüdischer Einwanderung. In diesem Staat sollten Juden allenfalls eingeschränkte Rechte (siehe Dhimma) genießen. Der Landkauf durch Juden sollte unterbunden werden. Diese Position wird im Wesentlichen noch heute von der palästinensischen, islamistischen Hamas vertreten, die PLO gab sie 1993 auf.

Unruhen 1920 und 1921[Bearbeiten]

Im April 1920 und Mai 1921 kam es zu ersten arabischen Pogromen gegen jüdische Einwanderer in Palästina und zu Unruhen, die von britischen Truppen blutig niedergeschlagen wurden. Am 1. Mai 1919 verkündete Generalleutnant Sir Louis Bols in Nablus die Übergabe der Militärverwaltung an eine zivile Verwaltung. Dies klang nicht nach der den Arabern versprochenen Unabhängigkeit. Auch Gerüchte einer internationalen Konferenz, bei der über eine Aufteilung der von den Alliierten besetzten Gebiete geredet werden sollte, schürten bei den Arabern die Angst, getäuscht zu werden. Am 27. Februar und am 8. März 1920 kam es zu antibritischen und antijüdischen Demonstrationen. Einige Polizisten warnten vor einem arabischen Aufstand. Während des Nebi-Musa-Festes im April des Jahres 1920 demonstrierten jüdische Immigranten in Jerusalem für die Erlaubnis, aufgrund der angespannten Situation die jüdischen Siedlungen selbst verteidigen zu dürfen. Unter Führung des später als „Großmufti von Jerusalem“ bekannten Haddsch Muhammad Amīn al-Husainī rotteten sich Mengen der Pilger des Nebi-Musa-Festes zusammen. Es kam zu antijüdischen Unruhen, in deren Verlauf vier Araber und fünf Juden getötet und 22 schwer verletzt wurden. Al-Husseini wurde in diesem Zusammenhang zu zehn Jahren Haft verurteilt. Ein Jahr später jedoch wurde er durch den britischen Hohen Kommissar, Lord Herbert Louis Samuel, freigelassen und mit Billigung der neu eingerichteten britischen Zivilregierung zum „Großmufti“ von Palästina ernannt. Al-Husainī wurde nicht offiziell ernannt, der britische Gouverneur bedeutete ihm lediglich, dass die Briten nichts dagegen unternähmen, wenn er sich an den Schreibtisch seines kürzlich verstorbenen Halbbruders setzen werde; jener war der Einzige, der jemals den Titel des Großmufti erhalten hatte.

Teilung Palästinas 1922–1923[Bearbeiten]

Im Juni 1922, noch vor Inkrafttreten des Mandats, teilte die britische Regierung das Mandatsgebiet in Palästina westlich des Jordan, wo die jüdische Heimstätte errichtet werden sollte, sowie das Emirat Transjordanien östlich des Jordan. Die offizielle Verabschiedung des Mandats durch den Völkerbund geschah am 24. Juli 1922. Die genaue Ausgestaltung der Grenzen wurde dabei der Mandatsmacht Großbritannien überlassen. Im April 1923 erkannte Großbritannien den Emir Abdallah ibn al-Hussain offiziell als legitimen Herrscher des Emirats Transjordanien an. 1923 wurden in einem Abkommen zwischen England und Frankreich die Golanhöhen vom britischen Mandatsgebiet Palästina abgetrennt und dem französischen Mandatsgebiet Syrien und Libanon angeschlossen, in dem es keine Förderung zionistischer Interessen gab. Das Völkerbundsmandat sah im Unterschied zu den Mandaten für den Irak und Syrien, welche die Bildung eigenständiger Regierungen ermöglichten, für Palästina die direkte britische Herrschaft vor. Bis zur vollständigen Selbständigkeit Jordaniens im Jahre 1946 gab es in den Gebieten von Palästina und Transjordanien einheitliche Mandatsgesetze, Währung und Pässe für die palästinensische Staatsbürgerschaft. Das Mandatsdokument sah die Förderung jüdischer Einwanderung und geschlossener Ansiedlung im Lande vor, auch die Anerkennung von Hebräisch neben Englisch und Arabisch als Amtssprache.

Das zionistische Lager, das ursprünglich auch Teile des Ostjordanlands für seine Heimstätte vorgesehen hatte, war gespalten über die Abtrennung Transjordaniens vom Mandatsgebiet. Der Zionistische Weltkongress war bereit, sich auf das Gebiet westlich des Jordans zu beschränken, falls dafür im Gegenzug Emir Abdallah die Gründung des jüdischen Staates auf diesem Gebiet anerkannte. Eine andere Gruppe, die von Wladimir Jabotinsky repräsentiert wurde, lehnte diese Einschränkung ab und forderte weiterhin die verstärkte Besiedlung auch der Gebiete östlich des Jordan.

Die Ziele der jüdischen Bevölkerungsminderheit waren eine Forcierung der Einwanderung, ein möglichst großer jüdischer Staat und – zu diesem frühen Zeitpunkt – eine Beibehaltung des britischen Mandats. Diese positive Einstellung zur britischen Mandatsmacht änderte sich in den 1930er- und 1940er-Jahren. Zwischen 1924 und 1932 kam es zur vierten Immigrationswelle, von 1933 bis 1939 kam die fünfte, wodurch die jüdische Bevölkerung in Palästina stark wuchs.

Siedlungspolitik[Bearbeiten]

Im Jahr 1929 wurde die zionistische Jewish Agency gegründet mit dem Zweck, das jüdische Nationalheim auf der Grundlage der Mandatsverfassung zu errichten. Wie im Mandatstext vorgegeben, wollte London die jüdische Einwanderung fördern, ohne die Rechte der arabischen Bewohner zu schmälern. In erster Linie sollte dieses Ziel durch die Errichtung gut geordneter Siedlungen erreicht werden. Jüdische Siedlungen und Städte wie Tel Aviv entstanden neben den historischen Siedlungen der Araber. Hierbei war auch von Bedeutung, dass der Direktor des britischen Programmes zur landwirtschaftlichen Entwicklung unabhängig von der Mandatsverwaltung arbeitete und nur dem britischen Hochkommissar unterstand. Durch das fortdauernde Misstrauen zwischen den jüdischen Einwanderern und der arabischen Bevölkerung sowie dem mangelnden Einvernehmen blieb die Siedlungsfrage problematisch. Der wehrhafte Charakter der jüdischen Siedlungsbewegung, der Kibbuzim und Moshavim zu Wehrdörfern machte, fand hierin seinen Ursprung.

Arabischer Aufstand[Bearbeiten]

In den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Unruhen, die die britische Mandatsmacht stellenweise unter großen Druck setzten und Zugeständnisse an die Araber erzwang. Als es 1921 zu ersten Aufständen kam, wurde die jüdische Einwanderung erstmals minimal eingeschränkt. Als sich in den Jahren 1936–1939 ein bewaffneter arabischer Aufstand gegen die britische Mandatsherrschaft und die zionistische Landnahme richtete, wurde er blutig niedergeschlagen. Die britische Regierung beschränkte die jüdische Einwanderung und den zionistischen Bodenerwerb. Die Problematik der eingeschränkten Einwanderung kritisierte Chaim Weizmann, Präsident des Zionistenkongresses, vor der Peel-Kommission folgendermaßen: „In diesem Teil der Welt (Europa) gibt es 6.000.000 Menschen […] für die die Welt geteilt ist in Orte, an denen sie nicht leben können, und Orte, die sie nicht betreten können.“

Peel- und Woodhead-Kommissionen[Bearbeiten]

Im Jahre 1937 legte die britische Peel-Kommission erstmals einen Teilungsplan vor, der, gemäß der prozentualen Bevölkerungsverteilung, Galiläa und einen Küstenstreifen als jüdischen und den größeren, auch die Wüstenregionen umfassenden Rest als arabischen Teil vorsah. Dieser Vorschlag wurde von den Arabern abgelehnt. Die jüdische Seite war gespalten. Die Mehrheit, zu der auch Golda Meir gehörte, lehnte den Vorschlag ab, aber eine starke Minderheit um David Ben Gurion sah in diesem Kleinststaat die Basis für eine spätere Expansion. Zitat: „[…] nachdem wir eine große Macht aufgebaut haben, werden wir die Teilung des Landes beseitigen und über ganz Erez Israel expandieren“ (Brief an seinen Sohn); „das Ja zur Teilung verpflichtet uns nicht zum Verzicht auf Transjordanien“ (Ben Gurion, Memoiren Bd. 4, S. 151). Die Teilung des Landes wurde von der Woodhead-Kommission, die 1939 das MacDonald-Weißbuch veröffentlichte, wieder verworfen. Mit dieser Wendung versuchte das Vereinigte Königreich die Araber als Bündnispartner gegen die „Achsenmächte“ zu gewinnen. Das Weißbuch wurde von den im Lande lebenden Juden abgelehnt, da es die Auflösung der Kampfeinheiten, wie etwa der Hagana, verlangte.

Biltmore-Programm[Bearbeiten]

Auf dem außerordentlichen Zionistischen Kongress in Biltmore am 8. Mai 1942 in New York (so benannt nach dem Biltmore Hotel) kündigte die Zionistische Weltorganisation das Bündnis mit Großbritannien auf, erklärte offen die Absicht, einen jüdischen Staat in Palästina zu gründen und berief sich dabei auf eine Zusage des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson. Sie äußerte die Hoffnung auf Befreiung der Juden in den Konzentrationslagern und Ghettos, forderte die Aufstellung jüdischer Streitkräfte unter eigener Flagge und bestritt die moralische und juristische Berechtigung des britischen Weißbuches von 1939, das den vor den Nationalsozialisten flüchtenden Juden eine Zufluchtsmöglichkeit wegnahm. Das Biltmore-Programm enthielt den Alleinanspruch der zionistischen Bewegung auf Palästina.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg kämpften schließlich 27.500 jüdische Soldaten aus Palästina in der britischen Armee. Diese bildeten später einen wichtigen Teil der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte. Männer wie Mosche Dajan oder Jitzchak Rabin kämpften z. B. gegen das vom Vichy-Regime verwaltete Syrien. Zu Kampfeinsätzen in Deutschland kam es jedoch kaum. Ben Gurion vertrat das Konzept des Palästina-Zentrismus, das davon ausging, in Europa nicht handlungsfähig zu sein. Gleichzeitig versuchten die Juden deshalb, die illegale Einwanderung zu verstärken und somit den europäischen Juden einen Fluchtort zu geben, denn zwischen 1939 und 1944 konnten nur 15.000 legal einwandern.

Der Großmufti von Jerusalem Hadsch Mohammed Amin al-Husseini, der enge Kontakte zum Deutschen Reich pflegte und nach seiner Flucht aus Palästina (1937) im Jahre 1941 an einem pro-deutschen Putschversuch im Irak beteiligt war, hoffte während des Krieges auf einen Sieg Deutschlands. Ab 1941 lebte er als persönlicher Gast Hitlers in Deutschland und war als SS-Mann am Aufbau von moslemischen Truppen der Waffen-SS in Bosnien beteiligt. Auch in Ägypten gab es pro-deutsche Bestrebungen, die etwa von Anwar as-Sadat unterstützt wurden.

In den letzten Kriegsjahren versuchte Ben Gurion die Kontakte in die USA zu verbessern, die er als neue Macht im Nahen Osten aufsteigen sah, während bei Chaim Weizmann der Fokus weiterhin auf dem Vereinigten Königreich lag.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stellte sich die Frage nach dem zukünftigen Status Palästinas und der jüdischen Einwanderung erneut. Earl G. Harrison sollte im Auftrag Harry S. Trumans Großbritannien davon überzeugen, die Lage der Juden zu verbessern. Die Briten lehnten jedoch ab und wollten den USA das Mandat übertragen. In der Folge wurde das Anglo-American Committee of Inquiry gegründet, das vorschlug, zumindest 100.000 Juden die Einreise zu ermöglichen, das Mandat zehn weitere Jahre fortzusetzen und Verhandlungen zwischen Arabern und Juden zu beginnen. Das Komitee tagte an mehreren Orten und hörte viele Zeugen, zu denen auch Albert Einstein gehörte. Abermals machten die Briten die Entwaffnung der jüdischen Milizen, unter ihnen der Hagana, zur Voraussetzung, was abermals abgelehnt wurde. Die Folge dieser Politik war ein bewaffneter Aufstand der drei größten Gruppen Hagana, Irgun und Lechi gegen militärische Ziele der Briten. Zwischen September 1945 und Juli 1946 wurden Landebahnen, Kasernen und Eisenbahnlinien angegriffen. Die Leitung der Operationsabteilung unterstand Golda Meir. Die Hagana versuchte mit allen Mitteln die illegale Einwanderung zu verstärken, attackierte britische Radaranlagen, die den Schiffsverkehr überwachten und befreite Flüchtlinge aus den Internierungslagern. Die Briten internierten zeitweise mehrere 10.000 Holocaust-Flüchtlinge auf Zypern. Leon Uris verarbeitete dies in seinem Roman Exodus, dessen Hauptperson Ari Ben Canaan zumindest teilweise auf Jitzchak Rabin basiert.

In den Jahren 1945 und 1946 häuften sich die Terroranschläge jüdischer Untergrundbewegungen auf britische Einrichtungen in Palästina. Polizeistationen und Militärcamps waren bevorzugte Objekte dieser Angriffe. Aber auch die Dörfer der Templer in Palästina waren immer wieder Ziele für Übergriffe. Die britische Verwaltung konnte diesen Zustand nicht länger dulden. Die Palestine Police plante darum zusammen mit dem britischen Militär eine Operation, die die jüdischen Gruppen schwächen sollte. Darum begann die britische Armee mit massiven Schlägen gegen die jüdischen Untergrundbewegungen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich 100.000 Mann der britischen Armee in Palästina. Es gab Ausgangssperren in den größeren Städten; das Gebäude der Jewish Agency wurde durchsucht und Akten beschlagnahmt. 4000 Juden, unter ihnen etwa Mosche Scharet und Jitzchak Rabin, wurden verhaftet. Golda Meir wurde als Frau verschont. Ben Gurion hielt sich gerade in Frankreich auf. Als Antwort darauf planten die drei großen Untergrundorganisationen einen Terroranschlag auf den Südflügel des King David Hotel in Jerusalem, in dem sich das Hauptquartier des Vereinigten Königreichs befand, auch um die beschlagnahmten Akten zu vernichten. Im letzten Moment zog sich die Hagana zurück und der Irgun unter Führung des späteren Premierministers Menachem Begin führte den Anschlag alleine aus. Es kamen bei dem Anschlag 91 Menschen ums Leben.

Seit Mai 1946 verfolgte David Ben Gurion eine neue Strategie, um Druck auf die USA auszuüben. Er förderte nach Pogromen etwa in Polen die Einwanderung von osteuropäischen Juden nach Deutschland, Österreich und Italien, damit diese in den Einflussbereich der Amerikaner kämen und diese damit zum Handeln zwängen. Dies wurde als die Bricha-Bewegung bekannt. Die Hagana begann, osteuropäische Juden schon in Deutschland im Hebräischen zu unterrichten. Im Lande wurden jüdische Siedlungen an strategisch wichtigen Orten eingerichtet. Beispielsweise wurden an Jom Kippur 1946 zehn Siedlungen im nördlichen Negev gegründet. Gleichzeitig begannen die Vorbereitungen für den Krieg. Man begann militärisch nicht mehr in kleinen Einheiten wie im Widerstand gegen die Mandatsmacht zu denken. Wichtige Organisatoren der Hagana zu dieser Zeit waren Mosche Sneh, Jisrael Galili und Jaakow Dori; Chef der Operationsabteilung der Hagana war Jigael Jadin.

Es ist unter Historikern immer noch umstritten, wer oder was den Rückzug der Briten letztlich bewirkte. Es gab unbestreitbar wichtige britische Interessen in der Region. Die Interessen der Briten in diesem Gebiet lagen insbesondere in der Mittellage zu Indien begründet. Und tatsächlich, als Indien 1947 geteilt und unabhängig wurde, versuchte das Vereinigte Königreich das Mandat erst an die USA dann an den Völkerbund zurückzugeben. Ein wichtiger Punkt waren die Ölreserven der Region – eine Pipeline verlief etwa vom Irak zum wichtigen Hafen Haifas. Die Lage des Landes am Mittelmeer und in relativer Nähe zum Suez-Kanal war ebenfalls von strategischer Bedeutung. Der britische Generalstab sah die Region deshalb für den Fall eines Dritten Weltkrieges als unverzichtbar an. Allerdings waren sich die Briten der Tatsache bewusst, dass sie weder von Juden noch von Arabern im Land gewünscht waren. Das militärische Engagement war zudem sehr kostspielig, auch kam es zu nicht unerheblichen Verlusten an Menschenleben. Die öffentliche Meinung im Königreich stand dem Mandat, besonders aufgrund der Meldungen über den jüdischen Widerstand, zunehmend ablehnend gegenüber. Hinzu kam der Druck der USA. Die Abhängigkeit des Königreiches von amerikanischer Wiederaufbauhilfe in Milliardenhöhe gerade nach dem harten Winter wird deshalb sicherlich eine Rolle gespielt haben.

UNSCOP[Bearbeiten]

Die UNSCOP (United Nations Special Committee on Palestine) unter dem schwedischen Juristen Emil Sandström verfolgte die Ereignisse des Exodus-Zwischenfalls und sprach sich in überwältigender Mehrheit für eine Teilung des Landes aus. Nur Jugoslawien, Indien und der Iran sprachen sich für einen föderalistischen Staat aus. Im April 1947 schließlich schlug die UNO in einem Teilungsplan die Gründung eines jüdischen und eines arabischen Staats vor. Dem gingen intensivste diplomatische Bemühungen der jüdischen Palästinenser, angeführt von Abba Eban voraus. Während Westeuropa und der sowjetische Block der Teilung zustimmten, musste die dritte Welt und der südamerikanische Block überzeugt werden. Die südamerikanischen Staaten, unter Einfluss des Vatikans, wollten schließlich nur einem Plan zustimmen, der Jerusalem unter internationale Verwaltung stellte. Dies wurde von den Juden schweren Herzens akzeptiert. Die Zustimmung Trumans war wegen intensiven Drucks aus dem amerikanischen Außen- und Verteidigungsministerium nicht sicher, obwohl er die amerikanische Bevölkerung hinter sich wusste. Truman setzte sich nach Lobbyarbeit Weizmanns jedoch immerhin dafür ein, die Negev-Wüste dem jüdischen Staat zuzuschlagen. Das britische Commonwealth enthielt sich der Stimme.

UN-Teilungsplan[Bearbeiten]

Die Palästinafrage wurde von dem damaligen Generalsekretär Trygve Lie als bedeutender Testfall für die Zukunft der Organisation angesehen. Am 29. November 1947 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit Zweidrittelmehrheit (31 pro, 13 contra, 10 Enthaltungen, 1 abwesend) die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat. Jerusalem sollte unter internationale Verwaltung kommen und die beiden Staaten sollten in einer Wirtschaftsunion zusammengefasst werden. Mit dem Ziel, tatsächlich einen unabhängigen jüdischen Staat zu gründen und den Überlebenden der Shoa eine Heimat zu schaffen, akzeptiert die jüdische Bevölkerung den Plan. Die Araber lehnten den Plan dagegen ab. Es kam wieder zu Kämpfen zwischen zionistischen Juden und palästinensischen Arabern, die seit 1939 unterbrochen gewesen waren. Wichtige Ziele für die Juden waren dabei, die Straßen, besonders jene zwischen Jerusalem und Tel Aviv, offen zu halten, sowie für den Schutz jeder einzelnen Gemeinde zu sorgen, damit diese nicht aufgegeben werden mussten. Die Hagana musste allerdings immer noch illegal operieren und die Amerikaner und Briten verhängten ein Waffenembargo. Die Briten zeigten sich auch sonst wenig kooperationsbereit, indem sie sich weigerten Urkunden und andere legale Papiere zu übergeben und Vertreter der UN nicht ins Land ließen.

Die Strategie der Hagana war zu dieser Zeit nur defensiv, Vergeltungsschläge sollten aus Angst, die internationale Unterstützung kurz vor der Staatsgründung zu verlieren, nach dem Willen der Führer um Ben Gurion nur mit Begrenzung ausgeführt werden.

Am 9. April 1948 kam es zu einem Massaker in dem arabischen Dorf Deir Jassin. Der Ort wurde von rechtszionistischen Truppen des Irgun Menachem Begins zerstört, also nicht der Hagana, die der politischen Mitte zuzurechnen war. Zwischen 107 und 120 Palästinenser, darunter Kinder, Frauen und Greise, wurden getötet bzw. ermordet. Die Aktion erfüllte ihren Zweck, Panik unter der arabischen Bevölkerung auszulösen. Seit diesem Massaker bis zum Beginn des Palästinakrieges flohen zwischen 250.000 und 300.000 Palästinenser oder wurden vertrieben.

Waffen konnten nur von der Tschechoslowakei bezogen werden. Der Verkauf begann noch zu vorkommunistischen Zeiten und in der Folge wurden auch von der Tschechoslowakei produzierte deutsche Waffen geliefert, unter anderem auch Messerschmitt-Flugzeuge. Die finanziellen Mittel hierfür wurden nach Spendenkampagnen der Jewish Agency (besonders Golda Meir tat sich hier hervor) vornehmlich von amerikanischen Juden bereitgestellt.

Kurz vor dem Ende des Mandats erlitt die jüdische Diplomatie eine herbe Niederlage, als das Außenministerium der USA eine Sondersitzung der UNO einberief, um den Teilungsbeschluss zurückzunehmen bzw. die Teilung zu verschieben. Zuvor gab es bereits massiven Druck auf den Präsidenten. George F. Kennan etwa bezeichnete die Teilung als Katastrophe und auch der republikanische Präsidentschaftskandidat Thomas E. Dewey lehnte sie ab.

Der erste israelisch-arabische Krieg und die Aufteilung Palästinas[Bearbeiten]

Der Israelische Unabhängigkeitskrieg wurde durch den Angriff der arabischen Staaten auf den neu gegründeten Staat Israel ausgelöst, in dessen Verlauf die israelische Armee die Oberhand über die militärisch schlecht vorbereiteten und unkoordiniert agierenden arabischen Truppen gewann. Bis zum Ende des Krieges verloren bis zu 750.000 Palästinenser ihre Heimat – das war zu diesem Zeitpunkt ein Drittel des gesamten Volkes. Der israelische Historiker Benny Morris hat 1987 nachgewiesen, dass es sich zum Teil um direkte, fast immer um indirekte Vertreibung gehandelt hat. Die verlassenen Städte und fast 400 Dörfer wurden sofort von jüdischen Einwanderern besiedelt. Dörfer, die man nicht benötigte, wurden zerstört, um eine Rückkehr der Araber unmöglich zu machen. Die Waffenstillstandslinie deckte sich ziemlich genau mit den Grenzen, welche die Jewish Agency 1946 der UNO vorgeschlagen hatte.

Am 14. Mai 1948 kam es zur Staatsgründung des heutigen Israel, weil der 15. ein Schabbath war und die Fahrt zum Versammlungsort die Ruhe verletzt hätte. Von vielen Palästinensern wird dies auch als (unerfüllter) Unabhängigkeitstag Palästinas angesehen. Der umgehende Angriff mehrerer arabischer Staaten auf Israel führte zum Palästinakrieg, in dem Israel sein Territorium über die Grenzen des UNO-Teilungsplans hinaus ausdehnen konnte. Jordanien besetzte, in Absprache mit der israelischen Regierung (Golda Meïr), das Westjordanland, Ägypten den Gazastreifen. Mit der formellen Annexion des Westjordanlandes durch das Königreich Jordanien im Jahre 1950[12] wurde die Aufteilung Palästinas besiegelt.

Der Kampf für den Staat Palästina[Bearbeiten]

Schon 1952 gründete der islamische Rechtsgelehrte Taqī ad-Dīn an-Nabhānī im jordanisch kontrollierten Ostjerusalem die Islamische Befreiungspartei. Bis zu ihrem Verbot im Jahre 1957 kämpfte sie von Jordanien aus mit politischen Mitteln für die Befreiung der unter israelischer Herrschaft stehenden Gebiete Palästinas.[13] 1964 wurde die PLO gegründet mit dem Ziel, den Traum der Palästinenser von einem eigenen Staat zu verwirklichen und den jüdischen Staat Israel zu zerstören. Im Sechstagekrieg 1967 eroberte und besetzte Israel das zu Jordanien gehörende Westjordanland und den zu Ägypten gehörenden Teil Palästinas. Nach israelischer Lesart war das Westjordanland „jordanisch besetztes Gebiet“. Bis 1967 gehörte die Westbank aber nach allgemeiner Sichtweise zur international anerkannten Grenze Jordaniens (Westjordanien genannt), wie auch zahlreiche Zeitungsausschnitte deutscher Zeitungen aus dem Jahr 1967 belegen (z. B. „Berliner Allgemeine Zeitung“ vom 21. Juli 1967; „Darmstädter Echo“ vom 29. Juli 1967; „Münchener Abendzeitung“ vom 31. Juli 1967 uvm.). Die UNO-Resolution 242 von 1967 lässt außerdem auch keinen Zweifel daran, dass die Staatengemeinschaft damals von Israel den Rückzug aus diesen von ihm besetzten Gebieten forderte und bis heute fordert. Von nun an war es das Ziel der PLO, die 1967 den Arabern verloren gegangenen Gebiete zurückzuerhalten und in diesen einen unabhängigen Staat „Palästina“ zu gründen. In mehreren Erklärungen ab 1988 hat die PLO ihr ursprüngliches Ziel, die Zerstörung des Staates Israel und die Errichtung eines Staates „Palästina“ auf dem gesamten Territorium des historischen Palästina, aufgegeben. Die PLO-Charta betrachtet jedoch noch immer Palästina in den Grenzen der britischen Mandatszeit als untrennbare Einheit[14]. Der Verwirklichung eines lebensfähigen Staates im Westjordanland und Gaza steht nach Ansicht der Palästinenser die Siedlungspolitik entgegen, die Israel ohne Rücksicht auf vielfachen Protest der UNO und anderer Organisationen durchführt.

Im Jahre 1974 wurde die PLO von der UNO als einzig legitime Vertreterin des palästinensischen Volkes anerkannt. Im Oslo-Abkommen von 1994 wurde den Palästinensern ein Autonomiestatus gewährt. Die international ausgearbeitete Roadmap for Peace sieht als wichtigstes Ziel die Errichtung Palästinas im Westjordanland sowie im Gazastreifen vor.

Palästina aus der Sicht des Koran[Bearbeiten]

In dem, aus islamischer Sicht unfehlbaren, Koran steht unter anderem:

Übersetzung=Und Wir gaben dem Volk (Moses) das für schwach galt, die östlichen Teile des Landes (Palästina) zum Erbe und die westlichen Teile dazu, die Wir gesegnet hatten. Und das gnadenvolle Wort deines Herrn war erfüllt an den Kindern Israels, weil sie standhaft waren; und Wir zerstörten alles, was Pharao und sein Volk geschaffen und was an hohen Bauten sie erbaut hatten

sowie:

« وَقُلْنَا مِن بَعْدِهِ لِبَنِي إِسْرَائِيلَ اسْكُنُواْ الأَرْضَ فَإِذَا جَاء وَعْدُ الآخِرَةِ جِئْنَا بِكُمْ لَفِيفًا »

„Und nach ihm sprachen wir zu den Kindern Israels: Wohnet in dem Lande (Palästina); und wenn die Zeit der zweiten Verheißung kommt, dann werden Wir euch hinzubringen als eine Schar, gesammelt (aus den verschiedenen Völkern.)“

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Palästina (Region) – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Remigius Bunia, Till Dembeck, Georg Stanitzek: Philister: Problemgeschichte einer Sozialfigur der neueren deutschen Literatur. Oldenbourg Akademieverlag, 2011, ISBN 978-3-050-05266-3, S. 175.
  2.  Martin Luther, Friedrich Gustav Lisco: Das Neue Testament nach der deutschen Übersetzung Martin Luthers. 1834, S. 287 (Google Books).
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatIDI researcher Karin Tamar Shafferman: Arab Identity in a Jewish and Democratic State. May 4, 2008, abgerufen am 26. Juli 2014.
  4. Christian Siebert: Saisonale chemische Variationen des See Genezareth, seiner Zuflüsse und deren Ursachen. Freien Universität Berlin, 5. Januar 2006, abgerufen am 3. Dezember 2012.
  5. Masahiro Murakami: Managing Water for Peace in the Middle East: Alternative Strategies. United Nations University, 1995, abgerufen am 3. Dezember 2012.
  6. Martin Noth: Das System der zwölf Stämme Israels. Stuttgart 1930, Nachdruck Darmstadt 1978, ISBN 3-534-03396-5
  7. Christian Sigrist: Regulierte Anarchie. Untersuchungen zum Fehlen und zur Entstehung politischer Herrschaft in segmentären Gesellschaften Afrikas Freiburg i. Br. 1967. 4., erw. Aufl. Lit, Münster 2005, ISBN 3-8258-3513-8
  8. Albert Hourani: Die Geschichte der arabischen Völker. Von den Anfängen des Islam bis zum Nahostkonflikt unserer Tage, Frankfurt 2006, ISBN 3-596-15085-X, S.115ff.
  9.  Gudrun Krämer: Geschichte Palästinas. 5. Auflage. C.H.Beck, 2006, ISBN 978-3-406-47601-3, S. 172ff.
  10. a b Heinz Halm: Wie der Vordere Orient zur Krisenregion wurde: Hans Bräkers Bilanz westlicher Nahostpolitik - Explosiver Unruheherd. DIE ZEIT Archiv, 18. September 1992, abgerufen am 2. Dezember 2012.
  11. Peer Summek: Kolonialzeit: Der syrische Traum. DIE ZEIT, 16. August 2012, abgerufen am 2. Dezember 2012.
  12. Vgl. dazu Ali Shneiwer: Palästina und die Palästinenser: Der lange Weg zum Staat. Lit, Münster, 2001. S. 53.
  13. Vgl. Meir Hatina: Islam and Salvation in Palestine. The Islamic Jihad Movement. The Moshe Dayan Center for Middle Eastern and African studies, Tel Aviv, 2001. S. 20.
  14. Charta der PLO (PDF; 51 kB)Charta der PLO von der Vertretung in Bonn