Kontrafagott

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Kontrafagott
engl.: contrabassoon, ital.: contrafagotto, frz.: contrebasson
Contrabassoon2.jpg
Klassifikation
Aerophon
Holzblasinstrument
mit Doppelrohrblatt
Tonumfang
Range contrabassoon.png

eine Oktave höher notiert

Verwandte Instrumente
Fagott

Das Kontrafagott ist ein Musikinstrument mit Doppelrohrblatt, der tiefste Vertreter der Holzblasinstrumente im Orchester. Der Name kommt von der Kontra-Oktave, deren profunde Töne es erzeugen kann, baulich ist es im Prinzip ein auf das Doppelte verlängertes Fagott (im Englischen gibt es auch die Bezeichnung double bassoon). Im Orchester wird es als Nebeninstrument von Fagottisten gespielt, die das Instrument auch abgekürzt „Kontra“ nennen.

Aufbau und Funktion[Bearbeiten]

Die Tonerzeugung und der grundsätzliche Aufbau des Kontrafagotts sind identisch mit dem Fagott. Auch die Griffe sind weitgehend gleich, der Klang ist aber um eine Oktave tiefer.

Die Röhre ist drei bis vier Mal geknickt, und die schwingende Luftsäule 5,93 m lang. Anders als sein kleiner Bruder kann das Kontrafagott, abgesehen von S-Bogen und Doppelrohrblatt, nicht in mehrere Teile zerlegt werden, da sich die Mechanik der Klappen aufgrund der enormen Größe des Instruments auf den ganzen Korpus erstreckt.

Frühe Kontrafagotte hatten als tiefsten Ton das Kontra-C, heute gehen die meisten Instrumente bis zum Subkontra-B oder A, seltener zum As. In dieser tiefen Lage bedeutet ein Halbton allerdings eine Verlängerung der Luftsäule um bis zu 40 cm, oft gibt es daher austauschbare Schallstücke, die man je nach benötigtem tiefsten Ton einsetzen kann, um keinen unnötigen Ballast am Instrument zu haben. In der Höhe ist ungefähr beim klingenden c’ (notiertem c’’) das Maximum erreicht, die meisten Komponisten gehen aber nicht über das a hinaus, da der Klang im obersten Register nur dünn und gequält wirkt.

Geschichte[Bearbeiten]

Im zweiten Band des Syntagma musicum (Wolfenbüttel 1619) beschreibt Michael Praetorius erste Versuche, der damals großen Gruppe von Fagotten in verschiedenen Stimmungen ein Fagotcontra hinzuzufügen, das nach unten oktaviert. Diese frühen Instrumente waren allerdings, wie die gewöhnlichen Fagotte, in der Röhre nur einmal geknickt und dementsprechend unhandlich zu spielen (Eine Abbildung findet sich bei den Weblinks). Ein entsprechendes Instrument, in Frankreich als „Cromorne français“ oder „Contrebasse de basson“ bezeichnet, war etwa von 1670 bis 1740 im königlichen Blasorchester, der „Grande Écurie et les Gardes Suisses“ in Gebrauch [1].

Parallel zur Heckelschen Reform des Fagott-Klappensystems wurde auch die Mechanik des Kontrafagotts neu durchdacht, sowie die Röhre mehrfach geknickt.

Verwendung in der Musik[Bearbeiten]

Solistisch[Bearbeiten]

Die Verwendung des Kontrafagotts als Soloinstrument ist vor allem aufgrund der extrem tiefen Lage nur bedingt möglich, ein Werk aus der Feder eines bekannteren Komponisten existiert aber doch: die Bass-Nachtigall von Erwin Schulhoff, in der sogar eine zweistimmige Fuge (mit rhythmisch versetzten Einsätzen) vorkommt. Konzerte für Kontrafagott und Orchester haben u. a. Gunther Schuller, Donald Erb und Kalevi Aho komponiert.

Kammermusik[Bearbeiten]

In der Kammermusik wirkt das Kontrafagott hauptsächlich als Bass für große Bläserbesetzungen mit, wie in Mozarts "Gran Partita" oder Antonín Dvořáks Bläserserenade Op. 44.

Orchester[Bearbeiten]

Im Barockorchester wurde das Kontrafagott in seltenen Fällen zur Verstärkung der Generalbassgruppe eingesetzt. Belegt ist seine Verwendung bei einer monumentalen Aufführung des HändelschenMessiah“ und in J. S. Bachs Johannespassion. Aber schon in Haydns Schöpfung ist das Instrument an zwei lautmalerischen Stellen gut hörbar: beim „Brüllen des Löwen“ und bei der Textstelle „Den Boden drückt der Tiere Last“. Ab dieser Zeit, also gegen Ende des 18. Jahrhunderts, wird das Kontrafagott häufiger im Orchester verwendet und zeitweise auch für solistische Aufgaben eingesetzt. Beethoven z. B. verwendet das Kontrafagott sehr charakteristisch im Grabduett seiner Oper Fidelio und in der 9. Sinfonie.

Bemerkenswert ist, dass Rimski-Korsakow in seiner Instrumentationslehre behauptet, das Kontrafagott sei (ebenso wie die Piccoloflöte) generell nicht zu ausdrucksvollem Klang fähig. Vielleicht aus diesem Grund haben die meisten Komponisten das Instrument solistisch für düstere, unheimliche Effekte eingesetzt: in Verdis Don Carlos begleitet es den Großinquisitor, Richard Strauss lässt seine Salome nach dem Fluch des Jochanaan mit einem Kontra-Solo allein, Maurice Ravel verwendet es in seinem Zyklus Ma mère l'oye im Märchen von der Schönen (Klarinette) und dem Biest (Kontrafagott). Ebenso wird die Anfangsmelodie von Ravels Klavierkonzert für linke Hand vom Kontrafagott gespielt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gunther Joppig: Oboe und Fagott. Ihre Geschichte, ihre Nebeninstrumente und ihre Musik. 1981, ISBN 3795723450.
  • Raimondo Inconis: Il controfagotto, storia e tecnica. ed. Ricordi, Milano (1984–2004) - ER 3008 / ISMN 979-0-041-83008-7.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Forschungsprojekt an der Schola Cantorum (in französischer Sprache)