Sattelstütze

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seltene Bauform einer Sattelstütze, Fahrrad: Laurin&Klement (1890), ausgestellt im Škoda Muzeum

Die Sattelstütze ist beim Fahrrad oder Mofa ein Rohr aus Stahl, Aluminium oder kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff, das den Sattel mit einem Klemmmechanismus hält und zu dessen Höhenverstellung dient. Moderne Carbon-Stattelstützen wiegen teils unter 100 g, Aluminium-Stützen zwischen 200-300 g, Stahlsattelstützen meist über 500 g.

Fixierung[Bearbeiten]

Sattelklemme mit Schnellspanner

Die Sattelstütze wird in das Sitzrohr gesteckt und fixiert. Dabei müssen Durchmesser von Sattelstütze und Sitzrohr zueinander passen. Verbreitet sind 27,2 mm für Rennräder und 31,6 mm für Mountainbikes. Es gibt aber zahlreiche weitere Maße.

Zur Fixierung im Sitzrohr ist bei preisgünstigen Rädern eine Klemme am oberen Ende des Sitzrohrs integriert. Bei hochwertigen Fahrrädern wird eine separate Klemme verwendet. Solche Klemmen gibt es mit Schraube und mit Schnellspanner, der eine schnelle Höhenverstellung des Sattels ermöglicht. Das ist vor allem bei Mieträdern praktisch. Bei Mountainbikes wird fast immer eine Klemme mit Schnellspanner verwendet, um bei starkem Gefälle den Sattel absenken und den Körper damit weiter nach hinten verlagern zu können, was wiederum Stürze nach vorn vermeiden soll. Es gibt auch Sattelstützen, die sich per Knopfdruck absenken und wieder anheben lassen. Der größte Nachteil des Schnellspanners ist, dass die Sattelstütze samt Sattel leicht gestohlen werden kann. Es gibt auch Klemmen mit einer Schraube mit speziell geformtem Kopf zur Diebstahlsicherung.

Sattelkerze[Bearbeiten]

Sattelkerze

Eine Sattelkerze ist ein Stück Rohr aus Stahl oder Aluminium mit einer oberen Standardverjüngung von 22 mm zur Aufnahme des Sattelklobens. Diese Verjüngung kann mit fatalen Folgen abbrechen, wenn die Blechkante des Klobens sich durch wiederholte Drehbewegung in das Material schneidet. Sattelkerzen waren bis in die 1990er Jahre die Standard-Sattelbefestigung. Der Rohrdurchmesser betrug meist 25,4 mm.

Patentsattelstützen[Bearbeiten]

Patentsattelstütze

Das Besondere an Patentsattelstützen ist die Integration des Sattelklemmmechanismus in den Kopf der Sattelstütze, wodurch meist eine robustere Verbindung vom Sattel zur Stütze erreicht wird, als bei den früher üblichen, mehrteiligen Verbindungselementen aus Blech, welche die Sattelkerze mit dem Rahmen des Sattels verbanden.

Zur Befestigung des Sattels an der Sattelstütze existieren zahlreiche unterschiedliche Bauformen. Bei vielen wird der Sattel nur mit einer einzelnen (Inbus-)Schraube fixiert. Unterschiede bestehen insbesondere bei der Art der Winkelverstellung des Sattels. Zum Teil sind nur grobe Raststufen vorhanden, andere Sattelstützen ermöglichen eine stufenlose Einstellung. Idealerweise ist die Klemmung des Sattels unabhängig von der Winkelverstellung ausgeführt, sodass die Neigung des Sattels verändert werden kann, ohne ihn dabei versehentlich zu verschieben und umgekehrt. Befinden sich am Kopf der Sattelstütze neben der größeren Klemmschraube zwei weitere, kleinere Inbusschrauben, so kann die Neigung des Sattels üblicherweise eingestellt werden, indem man eine dieser Schrauben heraus- und die andere gleich weit hineindreht.

Anfang der 1990er Jahre wurden ovale oder tropfenförmige Patentsattelstützen mit der Begründung des geringeren Luftwiderstandes eingeführt. Der Sinn ist umstritten, da diese Sattelstützen meist ein höheres Gewicht aufweisen.

Gefederte Sattelstützen[Bearbeiten]

gefederte Sattelstütze mit Kernledersattel

Gefederte Sattelstützen können als Alternative zur Hinterradfederung dienen. Gegenüber einem gefederten Rahmen haben sie den Nachteil, dass sich der Abstand vom Pedal zum Sattel verändert. Zudem ist die ungefederte Masse größer, was zu einem schlechteren Ansprechverhalten führt. Dies spielt aber bei den üblichen, relativ kurzen Federwegen von 40 bis 50 mm keine große Rolle. Bei richtiger Einstellung der Federkraft senkt sich der Sattel beim Aufsitzen des Fahrers bereits annähernd um die Hälfte des Federwegs ab, so dass sich während der Fahrt nur noch eine Veränderung der Sitzhöhe um 20 mm bis 30 mm ergibt. Jede Art von Federung vermindert die Spannungsspitzen, die auf das Fahrrad wirken und verlängert so in gewissem Maß die Lebensdauer des Materials. Durch eine Federung erhöht sich andererseits die Zahl bewegter Teile am Fahrrad, welche gewartet und bei Verschleiß oder Bruch ausgetauscht werden müssen.

Neben dem Komfortgewinn verbessern Federgabeln und gefederte Hinterbauten die Bodenhaftung der Laufräder, erhöhen dadurch die Sicherheit und ermöglichen höhere Geschwindigkeiten in unebenem Gelände. Dies kann jedoch eine gefederte Sattelstütze im Allgemeinen nicht leisten. Ihr Sinn besteht vielmehr darin, die Bequemlichkeit zu erhöhen, was besonders auf längeren Fahrten ein deutlich entspannteres, schmerzfreies und ausdauerndes Pedalieren ermöglicht. Schon eine einfache gefederte Sattelstütze mit kurzem Federweg macht Fahrten auf unebenem Untergrund spürbar angenehmer.

Der Sattel eines gefederten Fahrrads sollte einige Zentimeter höher eingestellt werden, um das Einfedern des Rades beim Aufsitzen des Fahrers auszugleichen. Dies kann bei ungeübten Radfahrern beim Aufsteigen vorübergehend zu Unsicherheit führen.

Bei einfachen gefederten Sattelstützen taucht ein dünneres Rohr beim Einfedern in die eigentliche Sattelstütze ein. Durch den verringerten Querschnitt können Sattelstützen, die aus zu weichem Material gefertigt wurden, im oberen Bereich brechen. Technisch aufwändigere Sattelstützen führen den Sattel beim Einfedern nicht nur nach unten, sondern über eine Parallelogrammkonstruktion auch nach hinten, damit sich die Sitzhöhe während der Fahrt nicht allzu sehr verändert.

Eine Federung kann durch Reibung und Dämpfung bis zu 20 Prozent der vom Fahrer auf das Pedal gebrachten Energie schlucken. Dafür sinkt der Anteil der Energie, welche bei unebenem Untergrund zur Verformung der sonstigen Bauteile des Rades aufgebracht werden muss. Durch die gleichmäßigere und entspanntere Fahrweise kann eine Federung insgesamt zu einem verbesserten Energieeinsatz führen.

Eine Alternative zu gefederten Sattelstützen stellt die Verwendung von breiten Reifen dar (z. B. in den Größen 2" bis 2,5", was einer Breite von 50 bis 65 mm entspricht), die mit einem relativ geringen Luftdruck von 1,8 bis 2,5 bar gefahren werden können. Dies ist trotz des dadurch erhöhten Rollwiderstands beispielsweise bei Mountainbikes üblich, die im Gelände bewegt werden, da sich bei niedrigem Luftdruck auch die Haftung auf unebenem, glatten, unbefestigtem und schlammigem Untergrund erhöht. Die zu Beginn des Jahrtausends eingeführte schlauchlose Montage von Fahrradreifen ermöglicht sogar einen noch niedrigeren Luftdruck.

Vario-Sattelstützen[Bearbeiten]

Vario-Sattelstützen lassen sich während der Fahrt in der Höhe verstellen. Dazu betätigt der Fahrer einen Hebel unter dem Sattel oder einen Knopf am Lenker. Das Gewicht auf dem Sattel drückt ihn nach unten, ohne Gewicht bewegt sich der Sattel nach oben (ähnlich der Höhenverstellung eines Bürostuhls). Es gibt Ausführungen mit stufenloser Verstellung und mit zwei oder mehr Stufen.

Sonderformen[Bearbeiten]

Radballrad

Radballräder haben eine spezielle, horizontale Sattelstütze.

Probleme mit der Sattelstütze[Bearbeiten]

Stahlrahmen mit Schraubenösen[Bearbeiten]

Bei preiswerten Rädern wird die Sattelstütze mit einer normalen Stahlschraube gesichert, die sich in einer Nut festhält. Ist die Nut abgenutzt oder wurde die Schraube zu stark angezogen, wird sie krumm und hält nicht mehr, man kann die Stütze nicht mehr richtig fixieren. Abhilfe schafft eventuell eine neue Schraube, meist muss eine Doppel-Inbusschraube (teuer) herhalten, um die Sattelstütze sicher befestigen zu können. Auch ein vorsichtiges Aufreiben mit einer verstellbaren Reibahle kann Abhilfe schaffen – diese ist sehr genau und vorsichtig anzusetzen. Einschiebbare Klemmhülsen stellen eine weitere Notlösung dar.

Patentstützen in Tropfenform[Bearbeiten]

Diese können ohne Vorwarnung im Kopf brechen. Bei schweren Fahrern, Bahnrädern oder Reiserädern kann man einen von Segelbooten bekannten Wantenspanner in umgekehrter Funktionsweise unter die Nase des Sattels montieren. Das andere Ende des Wantenspanners fasst das Oberrohr des Rahmens und verhindert einen Bruch der Sattelstütze.

Sicherheitsrisiko bei Fehlmontage[Bearbeiten]

Sattelstützen haben zumeist eine konstruktionsbedingte, auf dem Rohr markierte Mindestlänge, mit der sie ins Sitzrohr eingeschoben werden müssen. Diese Markierung darf bei eingebauter Sattelstütze nicht zu sehen sein, sonst ist die Stütze zu kurz eingeklemmt. Schon bei Fahrern mit „Normalgewicht“ werden dann die Hebelkräfte (Biegung) zu groß; das Material des Rohres wird überlastet, wird ermüden und kann direkt über der Sattelklemme abbrechen – mit dem Risiko eines Sturzes.

Fehlt die Markierung auf einer Sattelstütze, so kann man überschlägig davon ausgehen, dass wenigstens 65 mm der Sattelstütze im Sitzrohr eingeklemmt sein müssen.

Soll der Sattel eingestellt werden (wenn Kinder für das Kinderrad zu groß werden oder erwachsene Menschen mit großer Körperlänge und entsprechend langen Beinen „normale“ Fahrräder fahren wollen), ist dringend angeraten, nicht einfach nur durch Herausziehen der Sattelstütze „höher zu stellen“. Abhilfe schaffen kann man in diesen Fällen nur durch eine andere, entsprechend länger und stärker ausgeführte Sattelstütze – oder besser noch durch ein anderes Fahrrad mit größerem Rahmenmaß (längeres Sitzrohr).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]