Sattelstütze
Die Sattelstütze ist beim Fahrrad oder Mofa ein Rohr aus Stahl, Aluminium oder kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff, das den Sattel mit einem Klemmmechanismus hält und zu dessen Höhenverstellung dient.
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[Bearbeiten] Fixierung
Die Sattelstütze wird in das Sitzrohr gesteckt und fixiert. Dabei müssen Durchmesser von Sattelstütze und Sitzrohr zueinander passen. Verbreitet sind 27,2 mm für Rennräder und 31,6 mm für Mountainbikes. Es gibt aber zahlreiche weitere Maße.
Zur Fixierung im Sitzrohr ist bei preisgünstigen Rädern eine Klemme am oberen Ende des Sitzrohrs integriert. Bei hochwertigen Fahrrädern wird eine separate Klemme verwendet. Solche Klemmen gibt es mit Schraube und mit Schnellspanner, der eine schnelle Höhenverstellung des Sattels ermöglicht. Das ist vor allem bei Mieträdern praktisch. Bei Mountainbikes wird fast immer eine Klemme mit Schnellspanner verwendet, um bei starkem Gefälle der Sattel abgesenkt, um den Körper nach hinten zu verlagern zu können, was wiederum Stürze nach vorne vermeiden soll. Es gibt auch Sattelstützen, die sich per Knopfdruck absenken und wieder anheben lassen. Der größte Nachteil des Schnellspanners ist, dass die Sattelstütze samt Sattel leicht gestohlen werden kann. Es gibt auch Klemmen, die zur Diebstahlsicherung eine Schraube mit speziell geformtem Kopf verwenden.
[Bearbeiten] Sattelkerze
Eine Sattelkerze ist ein Stück Rohr aus Stahl oder Aluminium mit einer oberen Standardverjüngung von 22 mm zur Aufnahme des Sattelklobens. Diese Verjüngung kann mit fatalen Folgen abbrechen, wenn die Blechkante des Klobens sich durch wiederholte Drehbewegung in das Material schneidet. Sattelkerzen waren bis in die 1990er Jahre die Standard-Sattelbefestigung. Der Rohrdurchmesser betrug meist 25,4 mm.
[Bearbeiten] Patentsattelstützen
Die Patentsattelstütze hat gelegentlich eine ovale oder Tropfenform. Sie wurde Anfang der 1990er Jahre mit der Begründung des geringeren Luftwiderstandes eingeführt. Der Sinn ist umstritten, da der Vorteil des geringeren Luftwiderstands mit einem höheren Gewicht erkauft wird. Das Besondere an Patentsattelstützen ist die Integration des Sattelklemmmechanismus in die Sattelstütze, was meist besser funktioniert als bei Sattelkerzen.
Zur Befestigung des Sattels an der Sattelstütze existieren zahlreiche unterschiedliche Bauformen. Bei vielen ist der Sattel nur mit einer Schraube fixiert, sodass ein Sturz droht, wenn die Schraube bricht. Unterschiede gibt es zudem bei der Art der Winkelverstellung des Sattels. Zum Teil sind nur grobe Raststufen vorhanden, andere Sattelstützen ermöglichen eine stufenlose Einstellung. Häufig sind die Befestigung des Sattels und die Winkelverstellung voneinander getrennt, sodass man den Sattel neigen kann, ohne dass man ihn versehentlich verschiebt (und umgekehrt).
[Bearbeiten] Gefederte Sattelstützen
Gefederte Sattelstützen können als Alternative zur Hinterradfederung dienen. Gegenüber einem gefederten Rahmen haben sie den Nachteil, dass sich der Abstand vom Pedal zum Sattel verändert. Zudem ist die ungefederte Masse größer, was zu einem schlechteren Ansprechverhalten führt. Gefederte Sattelstützen sind (zumindest im Bereich der wirklich wirkungsvollen Konstruktionen) technisch aufwändig, da die Krafteinwirkung nicht in Federrichtung erfolgt und so eine hohe Präzision in der Fertigung sowie anhaltende gute Schmierung erforderlich ist. Vergleichsweise billige gefederte Stützen sind nur an Rädern sinnvoll, auf denen der Fahrer mit nahezu senkrechtem Oberkörper fährt. Nachteil bei allen Federungen ist neben der hohen Bruchgefahr der zusätzliche Energieeintrag in die Federung selbst, der bis zu 20 Prozent der vom Fahrer auf das Pedal gebrachten Kraft betragen kann. Das massive Stützenoberteil kann mit fatalen Folgen brechen, weil die Tretbewegung eine Drehbewegung erzeugt und das natürliche Lagerspiel dabei einen Anschlag hervorruft, der Materialermüdung bewirkt.
[Bearbeiten] Sonderformen
Radballräder haben eine spezielle, horizontale Sattelstütze.
[Bearbeiten] Probleme mit der Sattelstütze
[Bearbeiten] Stahlrahmen mit Schraubenösen
Bei preiswerten Rädern wird die Sattelstütze mit einer normalen Stahlschraube gesichert, die sich in einer Nut festhält. Ist die Nut abgenutzt oder wurde die Schraube zu stark angezogen, wird sie krumm und hält nicht mehr, man kann die Stütze nicht mehr richtig fixieren. Abhilfe schafft eventuell eine neue Schraube, meist muss eine Doppel-Inbusschraube (teuer) herhalten, um die Sattelstütze sicher befestigen zu können. Auch ein vorsichtiges Aufreiben mit einer verstellbaren Reibahle kann Abhilfe schaffen – diese ist sehr genau und vorsichtig anzusetzen. Einschiebbare Klemmhülsen stellen eine weitere Notlösung dar.
[Bearbeiten] Patentstützen in Tropfenform
Diese können ohne Vorwarnung im Kopf brechen. Bei schweren Fahrern, Bahnrädern oder Reiserädern kann man einen von Segelbooten bekannten Wantenspanner in umgekehrter Funktionsweise unter die Nase des Sattels montieren. Das andere Ende des Wantenspanners fasst das Oberrohr des Rahmens und verhindert einen Bruch der Sattelstütze.
[Bearbeiten] Sicherheitsrisiko bei Fehlmontage
Sattelstützen haben zumeist eine konstruktionsbedingte, auf dem Rohr markierte Mindestlänge, mit der sie ins Sitzrohr eingeschoben werden müssen. Diese Markierung darf bei eingebauter Sattelstütze nicht zu sehen sein, sonst ist die Stütze zu kurz eingeklemmt. Schon bei Fahrern mit „Normalgewicht“ werden dann die Hebelkräfte (Biegung) zu groß; das Material des Rohres wird überlastet, wird ermüden und kann direkt über der Sattelklemme abbrechen – mit dem Risiko eines Sturzes.
Fehlt die Markierung auf einer Sattelstütze, so kann man überschlägig davon ausgehen, dass wenigstens 65 mm der Sattelstütze im Sitzrohr eingeklemmt sein müssen.
Soll der Sattel eingestellt werden (wenn Kinder für das Kinderrad zu groß werden oder erwachsene Menschen mit großer Körperlänge und entsprechend langen Beinen „normale“ Fahrräder fahren wollen), ist dringend angeraten, nicht einfach nur durch Herausziehen der Sattelstütze „höher zu stellen“. Abhilfe schaffen kann man in diesen Fällen nur durch eine andere, entsprechend länger und stärker ausgeführte Sattelstütze – oder besser noch durch ein anderes Fahrrad mit größerem Rahmenmaß (längeres Sitzrohr).
[Bearbeiten] Literatur
- Hans-Christian Smolik, Stefan Etzel: Das große Fahrradlexikon, ISBN 3-87073-127-3