Scherbda

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51.08944444444410.248333333333353Koordinaten: 51° 5′ 22″ N, 10° 14′ 54″ O

Scherbda
Stadt Creuzburg
Ortswappen von Scherbda
Höhe: 350–375 m
Fläche: 10,23 km²
Eingemeindung: 8. März 1994
Postleitzahl: 99831
Vorwahl: 036926

Scherbda ist eine ehemalige Gemeinde und seit 1994 ein Stadtteil der Stadt Creuzburg im Wartburgkreis im Freistaat Thüringen.[1]

Lage[Bearbeiten]

Scherbda liegt etwa fünf Kilometer nördlich von Creuzburg auf einer Hochebene. Die geographische Höhe des Ortes beträgt 350 m ü. NN.[2]

Treffurt Falken Probsteizella
Schnellmannshausen Nachbargemeinden Ebenshausen, Frankenroda
Hattengehau, Schrapfendorf, Volteroda Creuzburg Mihla, Buchenau, Freitagszella

Geschichte[Bearbeiten]

Die früheste erhaltene Erwähnung Scherbdas stammt vom 10. Juli 1229. Die Originalurkunde ist erhalten geblieben und liegt im Staatsarchiv Marburg. Um 1249 wird der Ort nochmals als Scerbede erwähnt. Etwa 500 Meter nördlich der Ortslage trifft man auf die Flur Hinterscherbda, der ursprüngliche Siedlungsplatz des Dorfes; er soll wegen seiner ungünstigen Wasserversorgung aufgegeben worden sein. Der Ortsname Scherbda leitet sich von einem Bodenmerkmal ab. Der lehmige, stark kalkhaltige Ackerboden trocknet in der Sonne rasch aus und bildet scherbenartige Plattenstückchen. Ebenso plausibel wäre die Herleitung von dem Adelsgeschlecht Scherf, Vertreter dieser Familiensippe waren Burgmannen in Treffurt und auf der Burg Creuzburg. Daher vermischen sich in Creuzburger Urkunden oft die Orts- und Personennamen Scherf, Scherne, Scirbede. Der Ort Scherbda gehörte zunächst zum Lehen der landgräflichen Burgmannen von Creuzburg, die im Ort auch als Gerichtsherren auftraten (Amt Creuzburg). Ihren Besitz übernahm schon im 16. Jahrhundert ein Zweig der Familie von Wangenheim. Das neben der Scherbdaer Kirche befindliche Gut wird auch als Wangenheimer Schloss bezeichnet. Von der burgartigen Anlage mit Resten eines steinernen Wehrturmes berichten ältere Ortsbeschreibungen.

Scherbda war 1665 von Hexenverfolgung betroffen. Drei Frauen gerieten in Hexenprozesse, zwei wurden hingerichtet.[3]

1871 hatte der Ort, dem auch die Wüstung Hinterscherbda angehörte, 445 Einwohner.

Scherbda besitzt keinen für den Mühlenbetrieb geeigneten Wasserlauf. 1850 versuchte ein Bauer tagelang vergeblich, sein Getreide in umliegenden Orten mahlen zu lassen, denn es herrschte große Trockenheit. Schließlich fand er im hessischen Netra einen Windmüller und überredete diesen mit Hilfe zahlreicher Schnäpse, doch nach Scherbda umzuziehen; so bekam auch Scherbda eine (Wind-)Mühle. In den Jahren 1941 bis 1945 war hier das Kriegsgefangen-Arbeitskommando 118B mit serbischen Kriegsgefangenen stationiert. Die Kriegsgefangenen hatten die Arbeit der an der Front kämpfenden Scherbdaer Männer zu übernehmen. Nach dem Krieg waren es mit den Aussiedlern und Flüchtlingen schon 600 Einwohner. 1994 wurde Scherbda nach Creuzburg eingemeindet. 2006 feierte Scherbda seine 777-Jahr-Feier, die als Anlass genommen wurde, die Dorfchronik neu aufzulegen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Scherbdaer Kirche[Bearbeiten]

Das historische Ortszentrum mit Kirche (Lage→51.08840546194410.2498579025)

Das erste Gotteshaus von Scherbda wurde wahrscheinlich schon im 15. Jahrhundert erbaut.
Als Kirchenpatron legte Gideon von Wangenheim am 22. Mai 1671 den Grundstein für den Neubau der heutigen Kirche. Der ortsbildprägende Baukörper erhielt ein Schieferdach, das in zwei Schritten (1962 und 1971) durch ein Ziegeldach ersetzt wurde. Jetzt besitzt die Kirche nach einer erneuten Restaurierung wieder ihr vertrautes Schieferdach. Der Turm erhebt sich auf der Ostseite des Gebäudes, er ist massiv und trägt eine achtseitige mit Schiefer gedeckte Schweifkuppel.
Das Innere der Kirche wird durch eine hölzerne Tonne überwölbt, die Deckenbemalung zeigt im Hauptbild Christi Himmelfahrt. Seitlich fügte der Maler den Evangelisten Matthäus mit Engel und den Seher Johannes auf Patmos hinzu. Die Ausmalung, die sich auf das ganze Innere der Kirche erstreckt, wurde 1761 vollendet. Da die Farben 1938 bereits stark verblasst waren, wurde auf Veranlassung des damaligen Pfarrers Hans Schmidt eine Restaurierung vorgenommen.
Im Inneren befindet sich ein achteckiger Taufstein mit den Familienwappen der Ortsadeligen und der Jahreszahl 1566. An den Wänden stehen sechs Grabsteine mit den lebensgroßen Porträtfiguren von Angehörigen derer von Wangenheim, von Kutzleben und von Creuzburg.

Auch die Scherbdaer Kirchgemeinde war gezwungen, ihre beiden Kirchenglocken als Notopfer in den Weltkriegen herzugeben. Die älteste Glocke, 1776 vom Glockengießer Kutschbach in Eisenach gegossen, hatte einen Durchmesser von 80 cm. Die zweite, auch „Große Glocke“ genannt, stammt aus dem Jahre 1796, sie hat 82 cm Durchmesser, blieb vor der Zerstörung bewahrt und kehrte im Dezember 1947 nach Scherbda zurück.[4]

Der Dorfanger[Bearbeiten]

In der Ortslage befindet sich der Scherbdaer Dorfanger. Von Südwesten erfolgt der Hauptzugang über eine kleine Treppenanlage zum alten Gerichts- und Versammlungsplatz. Ein weiterer, ebenerdiger Zugang erfolgte von Norden. Je zwei Steinsäulen flankieren diese Zugänge. Die Anlage wird von einer Ringmauer eingerahmt. Drei alte Linden erheben sich im Zentrum des kreisförmigen Platzes und spenden Schatten. Sie umgeben den Gerichtsort, dieser besteht aus einem Steintisch und den dazugehörigen Steinbänke. Eine Prangersäule ist nicht mehr vorhanden. Heute hat der Platz seinen einstigen Schrecken verloren und dient als Versammlungsort und Treffpunkt.

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Am alten Fahrweg nach Creuzburg trifft man auf eine Gruppe von bronzezeitlichen Hügelgräbern.
  • Ein Aussichtsturm auf dem höchsten Punkt der Gemarkung ermöglicht einen Panoramablick.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Mit dem Bockwurstlauf haben Scherbdaer Jugendliche eine sportliche Traditionsveranstaltung begründet.[5]

Impressionen[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Bekanntester Einwohner Scherbdas wurde 2010 der Bobfahrer Alexander Rödiger, er gewann bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver eine Silbermedaille.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Verordnung über die Auflösung der Gemeinde Scherbda und ihre Eingliederung in die Stadt Creuzburg vom 16. Februar 1994 (GVBl S. 256)
  2.  Thüringer Landesvermessungsamt (Hrsg.): Amtliche topographische Karten Thüringen 1:10.000. Wartburgkreis, LK Gotha, Kreisfreie Stadt Eisenach. In: CD-ROM Reihe Top10. CD 2, Erfurt 1999.
  3. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 244
  4.  Gerhard Kühn: Kirchen im Eisenacher Land. Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1989, S. 40, 57.
  5. Bildbericht vom „Scherbdaer Bockwurstlauf 2008“ auf eisenach-Online.de
  6. Max Bendiner: Rasche, Johann Christoph. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 27, Duncker & Humblot, Leipzig 1888, S. 316–318.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Scherbda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien