Untermaßfeld

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Untermaßfeld
Untermaßfeld
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Untermaßfeld hervorgehoben
50.53305555555610.416666666667295Koordinaten: 50° 32′ N, 10° 25′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Schmalkalden-Meiningen
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Meiningen (erfüllende Gemeinde)
Höhe: 295 m ü. NHN
Fläche: 10,79 km²
Einwohner: 1299 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 120 Einwohner je km²
Postleitzahl: 98617
Vorwahl: 036949
Kfz-Kennzeichen: SM, MGN
Gemeindeschlüssel: 16 0 66 076
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Teichstraße 5a
98617 Untermaßfeld
Bürgermeister: Albrecht Schmidt (WG/FWV/LT)
Lage der Gemeinde Untermaßfeld im Landkreis Schmalkalden-Meiningen
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Über dieses Bild
Kirche in Untermaßfeld
Ansicht mit Wasserschloss
Die Werrabrücke

Untermaßfeld ist eine kreisangehörige Gemeinde im Landkreis Schmalkalden-Meiningen im fränkisch geprägten Süden von Thüringen.

Geografie[Bearbeiten]

Untermaßfeld liegt vier Kilometer südlich der Kreisstadt Meiningen an der Werra. Nördlich des Ortes mündet von links die Sülze in die Werra.

Geschichte[Bearbeiten]

Untermaßfeld wurde im Jahr 837 erstmals urkundlich erwähnt. Die Burg Maßfeld ist erst in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts nachweislich genannt worden. Eine Urkunde von 1350 besagt, dass die Gebrüder Truchsess dem Bischof von Würzburg eine Befestigung eröffneten. Diese gesicherte Erwähnung ist aus dem Jahr 1375. Witwensitz der Henneberger Gräfin Katharina wurde die Veste im 15. Jahrhundert.

Die Verpfändung der halben Burg Henneberg von der Schleusinger an die Römhilder Linie der Grafen von Henneberg im Jahr 1393 hatte wohl die Verlegung der Vogtei Henneberg auf die Burg Maßfeld zur Folge. Bis 1429 vollzog sich hier die Bildung des neuen, umfangreichen Amts Maßfeld.

Nach dem Tode des Grafen Georg Ernst von Henneberg im Jahre 1583 teilten sich die Albertiner und Ernestiner per Vertrag das Erbe (Kahlaer Vertrag). Der Ort kam 1680 an das Herzogtum Sachsen-Meiningen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg Maßfeld 1646 zerstört, später wieder befestigt, aber als Festung aufgegeben. Seither diente sie als Strafanstalt.[2][3]

Untermaßfeld war 1600–1671 von Hexenverfolgungen betroffen: Fünf Frauen gerieten in Hexenprozesse. Gertraud, Hans Storandts Frau, wurde 1631 enthauptet.[4]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat aus Untermaßfeld setzt sich aus 12 Ratsmitgliedern zusammen.

  • WG-FWV-LT (Wählergemeinschaft Feuerwehrverein / Liedertafel Untermaßfeld) 7 Sitze
  • FW Untermaßfeld (Freie Wähler Pro Untermaßfeld) 3 Sitze
  • WB Untermaßfeld (Untermaßfelder Wähler Bund) 1 Sitz
  • Die Linke 1 Sitze

(Stand: Kommunalwahl 7. Juni 2009)[5]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der ehrenamtliche Bürgermeister Albrecht Schmidt wurde am 27. Juni 2004 gewählt.

Verwaltung[Bearbeiten]

Erfüllende Gemeinde für Untermaßfeld ist die Stadt Meiningen.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Geviert, in eins und vier in Schwarz ein silbernes Gitter, in drei in Gold auf grünem Dreiberg eine rotbewehrte schwarze Henne, in vier geteilt, oben in Gold ein wachsender schwarzer Doppeladler, unten von Silber und Rot in drei Reihen zu fünf Plätzen geschacht.“

Bauwerke[Bearbeiten]

Bekannt ist Untermaßfeld vor allem durch sein Wasserschloss. Dieses dient noch heute, seit seiner Einrichtung im Jahr 1813 als Zentralstrafanstalt des Herzogtums Sachsen-Meiningen, als Justizvollzugsanstalt. Die Belegungszahl von bis dahin durchschnittlich 250 Personen erhöhte sich in der Zeit des Nationalsozialismus drastisch: 1935 wurden 551 Gefangene gezählt. 1936 erfolgte eine Aufstockung und der Bau von Nebengebäuden, so dass in den Kriegsjahren über 1500 Personen, unter ihnen eine große Zahl Zwangsarbeiter inhaftiert waren. Ein Gräberfeld auf dem Friedhof erinnert an 51 umgekommene Gefangene.[6] Für 49 politische Häftlinge der sowjetischen Militärjustiz, die 1950 bis 1952 in Untermaßfeld an Hunger und Krankheiten starben, gibt es einen Gedenkstein auf dem Parkfriedhof Meiningen.

Am nördlichen Ortsausgang überquert eine fünfbogige Steinbrücke aus dem Spätmittelalter die Werra.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Im Nordwesten des Ortes befinden sich mehrere große Teiche, in denen Fischzucht betrieben wird. Im Süden liegt ein in den 1990er Jahren angelegtes Gewerbegebiet. Größter Arbeitgeber ist die JVA Untermaßfeld.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Untermaßfeld liegt an der Bundesstraße 89, besitzt einen Haltepunkt an der Werrabahn und hat dort Verbindungen zu den Bahnlinien Meiningen–Sonneberg und Meiningen–Erfurt. Der nächstgelegene Autobahnanschluss ist die fünf Kilometer entfernt gelegene Anschlussstelle Meiningen-Süd der A 71.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Der Schriftsteller und Numismatiker Johann Christoph Rasche (1733–1805), Herausgeber des Lexicon universae rei numariae veterum, war von 1763 bis 1805 Pfarrer in Untermaßfeld.

Hermann Ohland (* 3. Mai 1888 in Untermaßfeld; † 16. Dezember 1953 in Friedelshausen) war ein deutscher Pädagoge, Pfarrer, Liederdichter der Deutschen Christen und NSDAP-Mitglied

Der Schriftsteller Walter Werner lebte bis zu seinem Tod 1995 in Untermaßfeld. Sein Grab befindet sich auf dem dortigen Friedhof.

Geschichtsdenkmale[Bearbeiten]

Zwei Gedenksteine im Ort erinnern an 17 Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion, die beim Kalibergbau in Merkers ums Leben kamen, sowie an 107 Bürger der Vereinten Nationen.

Fossilienfundstätte[Bearbeiten]

Die etwa eine Million Jahre alten Fossilien aus dem Flussbett der Ur-Werra bei Untermaßfeld erlauben tiefe Einblicke in die Tierwelt des Eiszeitalters im Altpleistozän (Abschnitt im Pleistozän). Es handelt sich um eine der bedeutendsten und reichhaltigsten Fossilfundstellen ihrer Zeitstellung in Europa. Die Fossilfunde überliefern eine sehr reichhaltige Großtierfauna zu dieser Zeit. Zu den Großraubtieren der Fundstelle gehören etwa zwei verschiedene Säbelzahnkatzen (Megantereon cultridens und Homotherium crenatidens), der Europäische Jaguar (Panthera onca gombaszoegensis), der Europäische Puma (Puma pardoides), eine ausgestorbene Gepardenart (Acinonyx pardinensis), eine ausgestorbene Luchsart (Lynx issiodorensis), die Riesenhyäne (Pachycrocuta brevirostris), ein Wildhund Xenocyon lycaonoides, Wölfe (Canis lupus mosbachensis) sowie Vorfahren des heutigen Braunbären. Menschliche Überreste wurden nicht gefunden.[7]

Vereine in Untermaßfeld[Bearbeiten]

  • Liedertafel Untermaßfeld 1888 e.V. - Größter Verein im Ort, bestehend aus 3 Vereinsgruppen (MCV - Maßfelder Carnevalsverein; MM - Maßfelder Musikanten; MC - Männerchor)
  • Feuerwehrverein Untermaßfeld 1924 e.V.
  • Burg- und Heimatverein e.V.
  • Sportverein SV Untermaßfeld e.V.
  • Schützenverein "Im Werratal" e.V.
  • Verein der Garten- und Siedlerfreunde "Teichgrund" Untermaßfeld e.V.
  • Landfrauenverein
  • Seniorenclub des DRK

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Thomas Bienert Mittelalterliche Burgen in Thüringen. Wartberg Verlag, 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 272 u. 273.
  3. Untermaßfeld
  4. Kai Lehmann: Unschuldig. Hexenverfolgung südlich des Thüringer Waldes, über 500 recherchierte Fälle aus dem 16. und 17. Jahrhundert, Untermaßfeld 2012, S. 363; Kai Lehmann: Ausstellung „Luther und die Hexen“, Bereich Untermaßfeld, Bibliothek Museum Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden, 2012; Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 240-244.
  5. Wahlergebnisse der Kommunalwahl 2009
  6. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 260f.
  7. H. Hemmer: Out of Asia: A Paleoecological Scenario of Man and his Carnivorous Competitors in the European Lower Pleistocene. In: ERAUL. 92, 2000, S. 99–106.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Untermaßfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien