Schierke

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51.76388888888910.664722222222617Koordinaten: 51° 45′ 50″ N, 10° 39′ 53″ O

Schierke
Wappen von Schierke
Höhe: 610–1141 m
Fläche: 40,13 km²
Einwohner: 713 (31. Dez. 2007)
Eingemeindung: 1. Juli 2009
Postleitzahl: 38879
Vorwahl: 039455
Blick auf Schierke vom Wurmberg aus

Schierke ist ein Stadtteil der Stadt Wernigerode im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt. Der Wintersport- und Luftkurort ist 40,1 km² groß und hat 713 Einwohner (31. Dezember 2007).

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Karte von Schierke (1912)

Schierke liegt im Harz (Hochharz). Es grenzt etwa im Norden an den Nationalpark Harz und befindet sich im Naturpark Harz/Sachsen-Anhalt südöstlich vom Brocken, südwestlich des Hohnekamms, nördlich des Barenbergs und ostnordöstlich der Berggruppe von Wurmberg, Großem Winterberg und Kleinem Winterberg. Es liegt auf etwa 600 bis 650 m ü. NN im Tal der Kalten Bode, das südlich der Ortschaft Elendstal heißt und als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Das südsüdöstliche Nachbardorf ist Elend.

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm von Schierke[1]

Die durchschnittliche Lufttemperatur in Schierke beträgt 5,3 °C, der jährliche Niederschlag 1275 Millimeter.

Geschichte[Bearbeiten]

Bis ins 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Foto von 1892

Schierke wurde erstmals als Schircke (schier heißt im Harz blankes, reines Holz) in Zusammenhang mit der Errichtung einer Sägemühle an der Kalten Bode im Sterbetal in den Jahren 1588–1591 urkundlich erwähnt. Zuvor gab es schon 1506 unterhalb des späteren Ortes in Elend eine Sägemühle und oberhalb, allerdings auf dem Gebiet des Amtes Elbingerode, ein Hüttenwerk bei den Moorschlacken. Ein Hochwasser beschädigte am 8. Juni 1688 das Hüttenwerk Schierke und den Hohenofen und spülte die Sägemühle weg.

„St. Moritz des Nordens“[Bearbeiten]

Schierke um 1900 als Photochromdruck aus der Sammlung der Library of Congress

Am 20. Juni 1898 bekam Schierke von Wernigerode aus Anschluss durch die Harzquerbahn bzw. die Brockenbahn. Am 4. Oktober 1898 wurde die Fortsetzung zum Brocken abgenommen. Schierke galt von den 1890er bis hinein in die 1940er Jahre als das „St. Moritz des Nordens“[2] .[3] Anfang des 20. Jahrhunderts kamen jährlich rund 225.000 Menschen auf den Brocken, der von Schierke aus über zahlreiche Wanderwege in etwa zwei Stunden gut zu erreichen ist.[3] Von dieser Zeit zeugen zahlreiche prächtige Villen und eindrucksvolle Hotelanlagen, wie das Hotel Fürst zu Stolberg oder das Kurhotel Barenberger Hof[4] In ersterem sollen noch 1936 Königin Juliana (Niederlande) und ihr aus Deutschland stammender Prinzgemahl Bernhard zur Lippe-Biesterfeld zu Gast gewesen sein. Auch Paul von Hindenburg soll in den 1920er Jahren gelegentlich dort übernachtet haben.[5]

„Kurort der Werktätigen“[Bearbeiten]

Bereits schon 1951 wurde Schierke im Neuen Deutschland als „Kurort der Werktätigen“ bezeichnet.[6] Die ehemals prächtigen Hotels wurden in FDGB-Ferienheime umgewandelt und wurden zunehmend baufällig.[5] Das imposante Hotel Fürst zu Stolberg wurde in Hotel-Heinrich-Heine umbenannt und 1968 das letzte mal renoviert.[7] In den 1960er bis 1980er Jahren war Schierke wegen der nahen innerdeutschen Grenze nur mit einem besonderen Passierschein zugänglich. Auf dem heutigen Gelände des Schulungszentrums der Maschinenbau- und Metall-Berufsgenossenschaft befand sich der Standort der DDR-Grenztruppen. Die 7. Grenzkompanie im 20. Grenzregiment bewachte den Grenzabschnitt vom Brockenplateau über den Bahnhof Goetheweg und den Grenzstein Dreieckiger Pfahl bis zum Großen Winterberg. Jeweils ein Zug war für eine Woche auf dem Brocken stationiert und im heutigen Bahnhofsgebäude der Brockenbahn untergebracht. Die Bezirksverwaltung Magdeburg des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR unterhielt in Schierke bis 1990 ein Ferienheim.

Entwicklung nach der Wende[Bearbeiten]

Nach der Wende wurde die Gastronomie in Schierke den gewachsenen Ansprüchen nicht mehr gerecht. Ein damaliger Hoteldirektor beklagte etwa, dass die Gäste nun „zum Beispiel das Vorherrschen von Spülkästen mit Strippe auf den Zimmern und das Fehlen von modernen Mischbatterien“ bemängelten.[7] Andererseits ist der Brocken, der bis 1990 militärisches Sperrgebiet war, inzwischen wieder ein Touristenmagnet. Schierke ist Haltepunkt der Brockenbahn. Zahlreiche der prächtigen Villen wurden nach der Wende liebevoll renoviert. Am 13. Januar 2009 unterzeichneten der Bürgermeister von Schierke, Hans-Jochen Ermisch, und der von Wernigerode, Peter Gaffert, den Vertrag zur Eingemeindung nach Wernigerode.[8] Die Eingemeindung wurde am 1. Juli 2009 vollzogen.[9]

2011 wurde durch die Stadt Wernigerode ein umfangreiches Investitionsprogramm für Schierke aufgelegt. Bis 2015 werden 40 Millionen Euro in die Ortsentwicklung fließen, vor allem in Straßen, Brücken, Parkplätze, Hotels und Sportangebote. Das Konzept des Berliner Architekten Wolf-Rüdiger Eisentraut sieht vor, zunächst die Infrastruktur zu erneuern. „Es geht einerseits um die Wiedergewinnung einstiger Attraktivität und anderseits und viel mehr um die Erfüllung neuer Anforderungen der Gegenwart“, schreibt der Architekt in seinem Konzept. Eisentraut will den Ortskern am Kurpark für den Verkehr sperren und die Straße durch eine Flaniermeile nach dem Vorbild bekannter Ostseebäder ersetzen. Brachliegende Flächen sollen genutzt, das Hotelangebot bis in die Luxusklasse angehoben und ein Kurzentrum gebaut werden. In einem zweiten Schritt soll eine Seilbahn von Schierke auf den Wurmberg fahren, eine Bobbahn gebaut und das alte Eisstadion modernisiert werden. Kernstück der Maßnahmen ist ein in den Hang gebauter Parkplatz, der im Juli 2014 Richtfest feierte[10]. Mehrere Parkdecks bieten Platz für 1.253 Autos. Auch ein Shuttle-Verkehr für Touristen ist vorgesehen. Ziel ist es, die Zahl der Übernachtungen zu steigern, die Arbeitsplätze zu verdoppeln und Schierkes Einwohnerzahl zu erhöhen.[11]

Politik[Bearbeiten]

Wappen von Schierke

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 5. Mai 1939 durch den Oberpräsidenten der Provinz Sachsen verliehen.

Blasonierung: „In Gold ein schwarzer Hirsch-Schädel mit Geweih im Visier.“

Das Hirschgeweih versinnbildlicht den „König des Harzwaldes“, die in den Bergwäldern Schierkes vorherrschende Wildart. Wie das Geweih die Krone des Hirsches ist, stellt Schierke am Brocken durch seine Naturschönheit und sein Heilklima gleichsam eine Krönung der Harzlandschaft dar.

Das Wappen wurde von dem Magdeburger Staatsarchivrat Otto Korn gestaltet.

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sport und Wandern[Bearbeiten]

Die Umgebung von Schierke ist von vielen Wanderwegen durchzogen, von denen mehrere zum Brocken oder zum Wurmberg (Wurmbergstieg) führen. Vom Bahnhof Schierke aus führt ein Weg direkt zur Feuersteinklippe. Für Wintersportler verfügt Schierke über ein umfangreiches Loipennetz und eine Natureisbahn.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Schierke für seine Bobbahn bekannt, auf der zweimal – 1914 und 1934 – Deutsche Meisterschaften ausgetragen wurden. 1950 fanden hier die ersten Wintersportmeisterschaften der DDR statt, wozu ein aus zwei Werten bestehender Sonderbriefmarkensatz der DDR-Post erschien.

Im Schierke gibt es die Sommerrodelbahn „Brockencoaster“ mit einer Sonnenterrasse.

Ab 1923 wurde am Eckerloch eine Skisprungschanze errichtet, die 1949 umgebaut wurde und 1950 den DDR-Meisterschaften im Skispringen diente. Bei diesen Meisterschaften erhielt sie den Namen „Schanze der Einheit“. Wegen ihrer Lage im Grenzsperrbezirk konnte sie später immer weniger genutzt werden, verfiel und wurde in den 1970er Jahren demontiert. Der von Werner Lesser gehaltene Schanzenrekord beträgt 77,0 m. Die Schanze am Eckerloch wurde errichtet, um die Schanze am Südhang des Erdbeerkopfes zu ersetzen.[12]

Schierker Feuerstein[Bearbeiten]

Grab von Apotheker Willy Drube mit Grabspruch

Im Harz werden verschiedene Kräuterliköre hergestellt, von denen der Schierker Feuerstein als der bekannteste gilt. Er wurde vom Apotheker Willy Drube in der „Apotheke zum roten Fingerhut“ entwickelt und 1924 zum Patent angemeldet. Der Likör sollte Kurgäste in Schierke von Magenbeschwerden befreien. Er ist nach den bei Schierke gelegenen Feuersteinklippen benannt. Willy Drube hat in den 1930er Jahren mit einem Zeitungswettbewerb folgenden Grabspruch für sich finden lassen:

In dieser Erdengrube
ruht Apotheker Drube.
Oh' Wandrer, eile fort von hier,
sonst kommt er raus und trinkt mit Dir!

Der Satz ist auf einem aufgeschlagenem Buch an seinem Grab zu lesen.

Verkehr[Bearbeiten]

Schierke hat Bahnhöfe am Netz der Harzer Schmalspurbahnen im Zentralort Schierke (Bahnhof Schierke) und in Drei Annen Hohne (Bahnhof Drei Annen Hohne).

Mehrere Regionalbuslinien der Harzer Verkehrsbetriebe verbinden Schierke mit Wernigerode, Elbingerode und Braunlage.

Schierke ist über Kreis-, Landes- und Bundesstraßen mit Braunlage und über Kreis- und Landesstraßen mit Wernigerode verbunden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Maximilian Schumann (1827–1889), preußischer Ingenieuroffizier, starb hier
  • Johann Veit (1852–1917), Gynäkologe und Geburtshelfer, starb auf dem Weg zum Brocken
  • Ernst von Stubenrauch (1853–1909), Jurist, Kommunalpolitiker und Landrat, starb im Ort
  • Wilhelm Obendiek (1885–1955), Bürgermeister
  • Rudolf Agsten (1926–2008), Politiker (LDPD), leitete von 1947 bis 1948 die Landesparteischule in Schierke
  • Lutz Meier (1948–1972), Leutnant der Grenztruppen, verlor an der innerdeutschen Grenze sein Leben
  • Jens Baxmann (* 1985), Eishockeyspieler, begann seine Karriere im Ort

Sonstiges[Bearbeiten]

Johann Wolfgang von Goethe besuchte Schierke 1784 im Rahmen einer geologischen Exkursion und verlegte eine Szene im Faust in die Gegend. Die Szene „Walpurgisnacht“ trägt den Untertitel: „Harzgebirg, Gegend von Schierke und Elend“.

In Schierke unterhält die Berufsgenossenschaft Holz und Metall ein großes Schulungszentrum.

Literatur[Bearbeiten]

  • Eduard Jacobs: Schierke. Geschichte des früheren Hütten- jetzt Kurorts, Wernigerode 1896.
  • Harzklub Zweigverein Schierke, Führer durch Schierke und Umgebung. Höhenluftkurort nächst dem Brocken, Wernigerode 1901.
  • Erich Wziontek: Schierke. Geschichte, Natur und Leben, Schierke 1911.
  • Ingrid Hintze: Schierke am Brocken, eine Zeitreise, ein Ort im Wandel, ein Kurort. Selbstverlag 2009.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schierke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutscher Wetterdienst, Normalperiode 1961-1990
  2. Sabine Gorsemann, Christian Kaiser: Dumont-Reisetaschebuch Harz; S. 146
  3. a b Schierke am Brocken: Der Ostharz erlebt sein Comeback Der Spiegel vom 3. Februar 2004
  4. Bilder des während der DDR in FDGB Erholungsheim Hermann Duncker umbenannten Hotels auf einer privaten Website
  5. a b Proleten in den Keller, Der Spiegel vom 15. Juni 1950
  6. Meisterschaften in Schierke eröffnet Neues Deutschland vom 13. Januar 1951
  7. a b „Ein feudales Luxushotel“, Neue Nordhäuser Zeitung vom 13. November 2012
  8. Schierke und Wernigerode freuen sich. MDR Info, 13. Januar 2009
  9. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2009, 2. Liste
  10. Richtfest für Parkhaus in Schierke MDR Sachsen-Anhalt vom 2. Juli 2014
  11. „St. Moritz des Nordens“ - Millionen sollen aus Schierke wieder eine „Perle“ machen, Lausitzer Rundschau vom 4. April 2011
  12. Geschichte der „Schanze der Einheit“ bei www.schisprungschanzen.com, zuletzt abgerufen am 1. März 2013