Schiller (Schiff, 1906)

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Schiller
Die Schiller 2004

Die Schiller 2004

p1
Schiffsdaten
Flagge SchweizSchweiz (Schweizerflagge zur See) Schweiz
Schiffstyp Raddampfer
Heimathafen Luzern
Reederei Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees
Bauwerft Gebrüder Sulzer, Winterthur
Stapellauf 17. Februar 1906
Indienststellung 17. Mai 1906
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
63,0 m (Lüa)
Breite 7,2
über Radkästen: 14,3 m
Seitenhöhe 2,65 m
Tiefgang max. 1,42 m
Verdrängung 319 t
 
Besatzung 8 Mann (vor Umbau 1977)
Maschine
Maschine schrägliegende 2-Zyl.-Verbundmaschine
Maschinen-
leistung
700 PS (515 kW)
Geschwindigkeit max. 15,1 kn (28 km/h)
Propeller 2 Schaufelräder
Transportkapazitäten
Zugelassene Passagierzahl 900 (urspr. 1000)

Die Schiller ist ein Schaufelraddampfer mit denkmalgeschütztem Jugendstil-Salon auf dem Vierwaldstättersee in der Schweiz. Sie wird von der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) betrieben.

Geschichte[Bearbeiten]

Maschine der Schiller

Die damalige Dampfschiffgesellschaft des Vierwaldstättersees (DGV) bestellte das Salon-Dampfschiff 1904 bei Sulzer in Winterthur. Es sollte sich im Typ an die wenige Jahre zuvor gebauten Salondampfer Uri und Unterwalden anlehnen, aber etwas grösser und leistungsfähiger sein. Hintergrund der Bestellung war, dass die Flotte der DGV besonders im Hochsommer sehr stark ausgelastet war und es ermöglicht werden sollte, weitere Kurse zu führen. Der Stapellauf der Schiller fand am 17. Februar 1906 statt, am 17. Mai wurde dem Schiff vom damaligen schweizerischen Post- und Eisenbahndepartement die definitive Betriebsbewilligung erteilt und am 21. Mai nahm es den Kursdienst auf.[1][2]

Als Maschine verfügt die Schiller über eine schrägliegende Sulzer-Zweizylinder-Heissdampf-Verbunddampfmaschine mit Kondensation. Sie weist eine Leistung von 700 PS auf.[3]

Um 1920 erhielt die Schiller, die wie die anderen Dampfschiffe ihrer Generation ursprünglich einen offenen Steuerstand aufwies, ein Steuerhaus. Eine erste Hauptrevision erfolgte 1930. 1946 erhielt die Rauchkabine auf dem Oberdeck ein Schutzdach. Anfang 1952 wurde die Feuerung der Dampfkessel von Kohle auf Schweröl umgestellt[4] und 1953 eine weitere Hauptrevision durchgeführt.[1] Da die Schiller im Gegensatz zur Uri und zur Unterwalden beim Bau der niedrigen Acheregg-Brücke 1961 nicht mit versenkbarem Kamin und Steuerhaus ausgerüstet wurde, kann sie seither den Alpnachersee nicht mehr befahren.[4]

Im Vergleich zu den anderen Vierwaldstättersee-Dampfschiffen aus der Zeit des Fin de siècle wurde das äussere Erscheinungsbild der Schiller im Laufe der Zeit nur geringfügig verändert.[5] 1976/77 war sie der erste SGV-Dampfer, der mit finanzieller Hilfe des Vereins der Dampferfreunde renoviert wurde.[6] 1998/99 wurde die Schiller mit Kosten von 6 Millionen Schweizer Franken umfassend saniert, wobei sie einen neuen Dampfkessel erhielt, und im Jahr 2000 konnte sie wieder in Betrieb genommen werden.[5][7]

Zu Ehren ihres Namenspatrons Friedrich Schiller führt die Schiller seit 1995 eine Flagge mit dem Wappen von Weimar am Bug.[5]

Wie auch die anderen vier aktiven Vierwaldstättersee-Dampfer Uri, Unterwalden, Gallia und Stadt Luzern wurde die Schiller als Kulturgut von nationaler Bedeutung (Kategorie A) eingestuft.[8]

Ausstattung[Bearbeiten]

Der Salon 1. Klasse der Schiller wurde von Robert Rittmeyer und Walter Furrer im geometrischen Jugendstil gestaltet.[9] Er stellt ein seltenes Beispiel dieser Stilrichtung dar und wurde vom Kanton Luzern unter Denkmalschutz gestellt.[10][11] Der konstruktive Aufbau wird erstmals bewusst betont, statt ihn zu kaschieren. Die Architektin C. Kunz schrieb 1986 in einem Aufsatz über die Raddampfer auf Schweizer Seen: «Es wird erstmals dem Fahrgast das Gefühl vermittelt, dass er sich weder in einer Gartenhalle oder in einem Restaurant, sondern sich auf einem Schiff befindet.»[12] Das Mobiliar ist im Ursprungszustand erhalten.[9] Für die Ausstattung wurden kostbare Materialien verwendet, darunter Zitronenholz mit Intarsien in Ebenholz und Perlmutt. Zu den Ausstattungsdetails gehören eine Ebenholz-Silhouette von Friedrich Schiller sowie Vignetten mit Tieren, Meerjungfrauen und nautischen Motiven.[7][12] Bugzier ist das Schweizerkreuz.

2001 wurde die Renovation der Schiller, insbesondere die Restaurierung des Salons 1. Klasse, mit einer Sonderauszeichnung von ICOMOS Suisse prämiiert.[13]

Einsatz[Bearbeiten]

Die Schiller wird sowohl für Linien- als auch für Charterfahrten eingesetzt. Mit Stand Ende Saison 2010 hatte sie 1'359'105 km geleistet.[14] Prominente Fahrgäste auf der Schiller waren 1917 Albrecht Herzog von Württemberg zusammen mit internierten Soldaten anlässlich einer Inspektionsreise, am Bundesfeiertag 1991 der gesamte Schweizer Bundesrat und am 22. September 2009 anlässlich eines Staatsbesuchs der russische Präsident Dmitri Medwedew.[9] Am 27. September 1986 war die Schiller in der Fernsehsendung Wetten, dass..? zu sehen, als sie von Mitgliedern eines Ruderclubs 30 Meter weit gezogen wurde.[9]

Zwischenfälle[Bearbeiten]

Am 7. September 1969 lief das Schiff bei Buochs auf eine Sandbank auf. Für die Bergung der Fahrgäste wurden Nauen eingesetzt. Anderntags konnte die Schiller vom Raddampfer Wilhelm Tell erfolgreich abgeschleppt werden. Sie erlitt bei dem Vorfall keine Schäden.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Erich Liechti et al.: Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Geschichte und Schiffsregister. Verlag Eisenbahn, Villigen 1974, ISBN 3-85649-021-3.
  •  Josef Gwerder: Dampfschiff «Schiller». Bordbuch. Maihof, Luzern 2000, ISBN 3-9520756-9-8.
  •  Kurt Hunziker et al., Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (Hrsg.): Mit Volldampf voraus. Die fünf Dampfschiffe auf dem Vierwaldstättersee. Dampferzeitung, Luzern 2011, ISBN 978-3-033-02891-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schiller – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fussnoten[Bearbeiten]

  1. a b c  Erich Liechti et al.: Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Geschichte und Schiffsregister. Verlag Eisenbahn, Villigen 1974, ISBN 3-85649-021-3, S. 52-53.
  2.  Kurt Hunziker et al., Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (Hrsg.): Mit Volldampf voraus. Die fünf Dampfschiffe auf dem Vierwaldstättersee. Dampferzeitung, Luzern 2011, ISBN 978-3-033-02891-3, S. 43-44.
  3. Schiller - technische Daten. Dampferfreunde Vierwaldstättersee. Abgerufen am 15. Mai 2011.
  4. a b  Kurt Hunziker et al., Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (Hrsg.): Mit Volldampf voraus. Die fünf Dampfschiffe auf dem Vierwaldstättersee. Dampferzeitung, Luzern 2011, ISBN 978-3-033-02891-3, S. 48.
  5. a b c  Kurt Hunziker et al., Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (Hrsg.): Mit Volldampf voraus. Die fünf Dampfschiffe auf dem Vierwaldstättersee. Dampferzeitung, Luzern 2011, ISBN 978-3-033-02891-3, S. 50.
  6.  Heinz Amstad et al.: Vierwaldstättersee - unsere Flotte. Dampferzeitung, Luzern 1987, S. [34].
  7. a b  Kurt Hunziker, Heinz Amstad, Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (Hrsg.): Vierwaldstättersee - unsere Flotte. Dampferzeitung, Luzern 2001, ISBN 3-9522296-0-1, S. 36-37.
  8. Schweizerisches Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung: Liste der A-Objekte im Kanton Luzern (PDF; 253 kB) Bundesamt für Bevölkerungsschutz. 1. April 2011. Abgerufen am 15. Mai 2011.
  9. a b c d Dampfschiffe - Schiller. Dampferfreunde Vierwaldstättersee. Abgerufen am 14. Mai 2011.
  10.  Kurt Hunziker et al., Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (Hrsg.): Mit Volldampf voraus. Die fünf Dampfschiffe auf dem Vierwaldstättersee. Dampferzeitung, Luzern 2011, ISBN 978-3-033-02891-3, S. 51.
  11. Kantonales Denkmalverzeichnis (PDF) Denkmalpflege des Kantons Luzern. 27. Januar 2011. Abgerufen am 14. Mai 2011.
  12. a b  Charlotte Kunz: Raddampfer auf Schweizer Seen. Erhaltenswerte Aussage von Kunst und Technik. In: Schweizer Ingenieur und Architekt. 104, Nr. 25, 1986, S. 619-625, doi:10.5169/seals-76179 (Hier besonders S. 624-625, Raddampfer auf Schweizer Seen: erhaltenswerte Aussage von Kunst und Technik).
  13. Historische Hotels und Restaurants ICOMOS - Zentralschweiz. Schweiz Tourismus. Abgerufen am 14. Mai 2011.
  14.  Kurt Hunziker et al., Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (Hrsg.): Mit Volldampf voraus. Die fünf Dampfschiffe auf dem Vierwaldstättersee. Dampferzeitung, Luzern 2011, ISBN 978-3-033-02891-3, S. 52.