Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees

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Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1870
Sitz Luzern

Leitung

Mitarbeiter 638
Umsatz 62,9 Mio CHF
Branche Schifffahrtsunternehmen
Website www.lakelucerne.ch
Stand: 2013 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2013

Die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) ist ein schweizerisch konzessioniertes Unternehmen, das Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee betreibt. Die SGV ist die grösste Binnenreederei der Schweiz und verfügt über einen eigenen Schiffbaubetrieb.[1] Sitz der Aktiengesellschaft ist Luzern. Ihr Ursprung lässt sich auf das Jahr 1836 zurückführen, als die erste Dampfschiffgesellschaft des Vierwaldstättersees gegründet wurde. 1870 fusionierte diese Gesellschaft mit später gegründeten Konkurrenzgesellschaften zum heutigen Unternehmen. Während der Transitverkehr von Personen und Waren zum Gotthardpass ursprünglicher Anlass der Gründung einer Dampfschiffgesellschaft war, gewann der touristische Verkehr auf dem See in den folgenden Jahrzehnten immer stärker an Bedeutung und stellt seit Eröffnung der Gotthardbahn 1882 den ganz überwiegenden Anteil. Die SGV betreibt heute eine Flotte von fünf historischen Raddampfern und 15 Motorschiffen und ist in das Tarifsystem des öffentlichen Personenverkehrs in der Schweiz eingebunden.

Geschichte[Bearbeiten]

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Erste Statuten der Gesellschaft, 1836

Seit dem Spätmittelalter bestand in Luzern und Flüelen ein Transportwesen mit mehreren Schifffahrtsgesellschaften. Zu diesen zunftmässig organisierten Gesellschaften gehörten in Luzern seit 1357 die noch heute bestehende St.-Niklausen-Schiffgesellschaft sowie weitere Gesellschaften in Flüelen und Brunnen, denen später Konkurrenz durch die Urner Urinauengesellschaft und die Luzerner Pfisternauengesellschaft erwuchs.[2] Der Verkehr auf der Route zum Gotthardpass erfolgte zwischen Luzern und Flüelen über den See.[3]

Bereits seit 1829 hatten die Kantone Basel und Tessin gegenüber den Kantonen Luzern und Uri darauf gedrängt, auf dem Vierwaldstättersee ein Dampfschiff in Betrieb zu nehmen, um den Gotthardverkehr zu erleichtern. Am 17. Dezember 1835 bewilligte der Grosse Rat des Kantons Luzern die Gründung einer Aktiengesellschaft behufs Errichtung eines Dampfschiffes auf dem Vierwaldstättersee. Am 1. Januar 1836 legten Kasimir Friedrich Knörr (1808–1882) und Joseph Martin Ronca (1781–1871) einen Zeichnungsprospekt für ihre Gesellschaft auf. Das erste Dampfschiff, die Stadt Luzern, wurde bei Escher Wyss in Zürich bestellt und am 29. Juli 1837 in Luzern vom Stapel gelassen. Die Eröffnungsfahrt fand am 24. September 1837 statt. Der Verkehr entwickelte sich gut, trotz anfänglicher Widerstände durch den Kanton Uri, der seine Schifffahrtsgesellschaften vor der Konkurrenz durch das Dampfschiff schützen wollte. So erliess die Urner Regierung im Oktober 1837 ein Verbot, dem Dampfschiff in Flüelen Kaufmannswaren mitzugeben, wodurch sich ein langwieriger Konflikt entspann.[4] 1843 beschaffte die Gesellschaft mit der St. Gotthard ein zweites Schiff, das für eine tägliche Postverbindung über den Gotthard benötigt wurde.[5] Seit 1842 hatte die Gotthardpost mit der Einführung zehnplätziger Fünfspännerwagen für die Beförderung von Postsendungen und Reisenden, die ab Flüelen den Anschluss über den Gotthard nach Chiasso herstellten, einen bedeutenden Aufschwung genommen.[6]

Im November 1846 gründete der Urner Landammann Karl Emanuel Müller eine konkurrierende Postdampfschiffgesellschaft (P.D.G.). Dies war im Sinne der Regierungen von Luzern und der Urkantone, die mit der Gesellschaft von Knörr unzufrieden waren, der seine Schiffe 1845 (Zeit des Sonderbunds) für eidgenössische Truppen- und Munitionstransporte zur Verfügung gestellt hatte. Auch wollte die neue Gesellschaft die Post zu günstigeren Bedingungen transportieren.[7] Die beiden Dampfschiffe für diese Gesellschaft wurden bei Ditchburn & Mare in London bestellt, da Escher Wyss sich vertraglich verpflichtet hatte, keine Schiffe an Konkurrenzunternehmen der Knörrschen Gesellschaft zu liefern. Es handelte sich um die Waldstätter (1847) und die Rigi (1848), wobei letztere als Ausstellungsstück im Verkehrshaus der Schweiz erhalten geblieben ist.[8][9]

Die beiden Gesellschaften traten in einen erbitterten Konkurrenzkampf, auch dauerte der bereits früher bestehende Streit um die Transportrechte auf dem See zwischen den Uferkantonen an. Der Kanton Uri war nicht gewillt, die Freiheit der Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee anzuerkennen.[10] Anton Räber schreibt in Die Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee (1962), dass «wahre Jagden nach Passagieren und Wettrennen zwischen den Schiffen» stattfanden.[11] Der Transportrechtestreit wurde 1849 beigelegt, als der Bund ein Gesetz erliess, das den freien Verkehr auf dem See garantierte.[8][12] Die Konkurrenz setzte sich anfänglich fort, indem sich die beiden Gesellschaften preislich zu unterbieten suchten, jedoch konnten sie sich im Juli 1849 auf gemeinsame Tarife mit gemeinsamem Fahrplan einigen.[8]

Eines der Schwesterschiffe Victoria und Schweiz um 1890 in Flüelen

Die Knörrsche Gesellschaft und die Postdampfschiffgesellschaft fusionierten auf den 1. Januar 1870 zur Vereinigten Dampfschifffahrtsgesellschaft auf dem Vierwaldstättersee (VDGV), zur Stärkung ihrer Position gegenüber weiteren Gesellschaften, die inzwischen gegründet worden waren.[13] Durch einen Vertrag vom 6. Juli 1870 fusionierte diese Gesellschaft schliesslich mit der erst 1869 gegründeten Dampfschiffgesellschaft Luzern, welche ihrerseits zuvor bereits mit der Dampfschiffgesellschaft des Küssnachtersees zusammengelegt worden war. Die Dampfschiffgesellschaft Luzern brachte unter anderem zwei grosse Raddampfer, die Schweiz (1870) (später Schwyz) und die Victoria (1870), in die VDGV ein.[13][14] Dadurch war nun die gesamte Dampfschifffahrt des Vierwaldstättersees in einem Unternehmen vereinigt.[14]

Kasimir Friedrich Knörr jedoch, obwohl immer noch im Verwaltungsrat der VDGV, gründete 1871 mit der Salondampfschiffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees eine neue Konkurrenzgesellschaft mit Sitz in Gersau. Er bestellte bei Escher Wyss die ersten Salondampfer der Schweiz, die Germania (1872) und die Italia (Schiff, 1872). Schliesslich gelang es der VDGV jedoch, diese beiden Schiffe zu erwerben. Die neue Gesellschaft wurde aufgelöst und Knörr verpflichtete sich, keine Dampfschiffgesellschaft auf dem Vierwaldstättersee mehr zu gründen.[15][16]

Ab 1870 diente die Personenschifffahrt auf dem Vierwaldstättersee neben touristischen Zwecken und dem Lokalverkehr weiterhin den Transitreisenden über den Gotthard und dem Gepäcktransport, wobei der Tourismus im Gebiet des Vierwaldstättersees bereits die grössere Bedeutung hatte. Während der Bauzeit der Gotthardbahn bildeten der Materialtransport und der Arbeiterverkehr eine weitere Stütze der Schifffahrt. Im Lokalverkehr war besonders der Viehtransport von Bedeutung.[17]

Passagierzahlen VDGV / DGV 1870–1914

Nachdem die Gotthardbahn 1882 eröffnet worden war, konzentrierte sich die Schifffahrt hauptsächlich auf den touristischen Saisonverkehr in den Sommermonaten. Durch den entfallenen Transitverkehr gingen die Passagierzahlen anfänglich zurück (von 832'064 Personen im Jahr 1881 auf 748'825 im Jahr 1882), um erst 1888 mit 859'139[18] beförderten Personen die Zahl von 1881 zu übertreffen und schliesslich 1894 erstmals mehr als eine Million zu erreichen. Dies geschah infolge des zunehmenden Ausbaus der Eisenbahnlinien um den Vierwaldstättersee und der Eröffnung touristischer Bergbahnen wie der Bürgenstock-Bahn (1888) und der Pilatusbahn (1889). Für diese Bahnen dienten die Schiffe der VDGV als Zubringer.[19] Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs stieg die Zahl der beförderten Passagiere meist stetig an, mit nur wenigen leichten Rückgängen in einzelnen Jahren. 1913 verfügte die Gesellschaft über 13 Salondampfer, vier Halbsalondampfer, vier Glattdeckdampfer und sechs Motorboote.[20] 1885 war der Name in «Dampfschiffgesellschaft des Vierwaldstättersees» (DGV) abgeändert worden. Von 1891 bis 1920 betrieb die DGV zudem einen Trajektverkehr mit den als Schraubendampfern konstruierten Eisenbahnfährschiffen DGV 1 und DGV 2.[21][22]

20. und 21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Mit dem Kriegsausbruch 1914 blieben die Touristen aus. Nur etwa 20 % der touristischen Passagiere in der Vorkriegszeit kamen aus der Schweiz; genauere Angaben zu den Nationalitäten der Reisenden sind den Statistiken dieser Zeit nicht zu entnehmen.[23] Der Fahrplan musste stark reduziert werden und es folgte eine Periode der Betriebsdefizite, die bis 1920 währte.[24] Ab 1921, nach einer Sanierungsaktion, konnte das Unternehmen wieder Betriebsüberschüsse vorweisen und den Fahrplan Jahr für Jahr ausbauen. Die Attraktivität der Angebote wurde unter anderem durch billigere Gruppentarife und Ermässigungen für die Früh- und Mittagsschiffe an Sonn- und Feiertagen erhöht.[25]

Schiffe der SGV in Luzern, rechts vorne die Mythen von 1931

1931 baute die DGV mit dem Motorschiff Mythen (1931) erstmals ein Schiff in ihrer eigenen Werft.[26] Es handelt sich dabei um das erste Schiff der Welt mit Leichtmetallaufbauten.[27] In der Werft der DGV, der späteren SGV, wurden seither neun weitere Motorschiffe gebaut, vier von anderen Werften vorgefertigte Schiffe fertiggestellt und die fünf Schaufelraddampfer restauriert.[28] Seit Ende 2008 tritt die Werft unter dem Namen Shiptec Lucerne auf.[29]

Auch der Zweite Weltkrieg brachte einen Rückgang der Passagierzahlen, wenn auch weniger drastisch als während des Ersten Weltkriegs. Wurden 1938 noch 2'100'000 Passagiere befördert, waren es 1944 noch 1'900'000.[30] Die Passagierzahlen entwickelten sich in der Folge erneut positiv, wobei sie nach einem Maximum von 2'700'000 Passagieren im Jahre 1962 durch die Eröffnung der durchgehenden Luzern-Stans-Engelberg-Bahn am 19. Dezember 1964[31] wieder etwas zurückgingen.[30] Bahnreisende nach Engelberg müssen seitdem zwischen Luzern und Stansstad nicht mehr das Schiff benutzen.

1960 wurde das Unternehmen in «Schiffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees» (SGV) umbenannt. Diese Umbenennung stand im Zeichen einer Abkehr von den Dampfschiffen, die nach und nach durch Dieselmotorschiffe ersetzt werden sollten. Gemäss der Festschrift der SGV zu ihrem hundertjährigen Bestehen 1970 sollten nach Abschluss ihrer Flottenerneuerung von den damals noch sechs Dampfern nur das Flaggschiff Stadt Luzern von 1928 und die Gallia von 1913 «als Zeugen vergangener Dampfschiff-Romantik auch künftigen Generationen erhalten bleiben».[32] Als jedoch 1970 der Raddampfer Wilhelm Tell, der heute als ortsfestes Restaurant in Luzern dient, ausser Dienst gestellt wurde, setzte ein öffentlicher Druck für die Erhaltung der Dampfer ein. Dieser verstärkte sich, als Mitte der 1970er Jahre auch die Unterwalden durch ein Motorschiff ersetzt werden sollte. 1972 wurde die Vereinigung Dampferfreunde Vierwaldstättersee gegründet, die sich seither erfolgreich für die Vierwaldstätterseedampfer einsetzt. Mit ihrer finanziellen Unterstützung konnten alle fünf verbleibenden Raddampfer restauriert werden.[33] Die Dampfer stehen im planmässigen Kurseinsatz. 1991, als anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten 700 Jahre Eidgenossenschaft besonders viele Personen das Gebiet des Vierwaldstättersees bereisten, beförderte die SGV 3'328'249 Passagiere.[34] Im Jahr 2012 waren es 2'489'625 Passagiere.[35]

Heute ist die SGV neben der Autofähre Beckenried-Gersau das einzige Unternehmen im öffentlichen Verkehr auf dem Vierwaldstättersee. Im Geschäft mit Rund- und Gesellschaftsfahrten stehen kleinere Gesellschaften mit ihr in Konkurrenz, so in Luzern besonders die St.-Niklausen-Schiffgesellschaft (SNG) mit vier Schiffen und einem Wassertaxi[36] sowie die Charles Bucher Seefahrten AG mit fünf Schiffen.[37] In ihrer Shiptec-Werft führt die SGV neben dem Bau eigener Schiffe und der Wartung ihrer Flotte auch Aufträge für Dritte aus. Dazu gehörten 2005/06 der Neubau eines Passagierschiffs für den Greifensee sowie 2006 die Restaurierung der St. Urs, des ältesten fahrtüchtigen Dampfboots der Schweiz. Zudem führt die Werft seit 2011 die Generalrevision des seit 1969 stillgelegten Raddampfers Neuchâtel durch, der ab 2014 wieder im Drei-Seen-Land eingesetzt werden soll.[38] Auf den 1. Januar 2013 wurde die Werft als Tochtergesellschaft Shiptec AG verselbstständigt.[39]

Flotte[Bearbeiten]

Aktuelle Flotte[Bearbeiten]

Die aktuelle Flotte besteht aus insgesamt 20 Schiffen: 5 Seitenraddampfer, 14 Salon-Motorschiffe und ein umgebauter Nauen mit einer Kapazität von 11'835 Passagieren, die 32 Schiffstationen am ganzen See bedienen. 2012 wurde ein neues, von der Shiptec-Werft der SGV erbautes Motorschiff mit einer Kapazität von 300 Personen in Betrieb genommen. Die im Design an eine Motoryacht angelehnte Saphir[40] hat die Reuss von 1926 ersetzt.[41] Die Reuss wurde am 7. Oktober 2012 zum letzten Mal für Kursfahrten eingesetzt.[42] Sie wurde Anfang 2014 an den ägyptischen Unternehmer Samih Sawiris verkauft, der sie von der Shiptec-Werft renovieren und für seinen Privatgebrauch auf dem Vierwaldstättersee umrüsten lässt.[43] Es ist geplant, das 1955 gebaute Motorschiff Rigi 2017Vorlage:Zukunft/In 3 Jahren durch einen Neubau mit einer Kapazität von 1000 Passagieren zu ersetzen, der ab 2014 in der Luzerner Werft entstehen soll.[44]

Die meisten Schiffe sind nach Ortschaften, Bergen oder anderen geographischen Objekten um den Vierwaldstättersee benannt, beispielsweise nach dem Fluss Reuss oder der Bergwiese Rütli.

Historische Entwicklung[Bearbeiten]

Die Wilhelm Tell als Restaurantschiff

Neben den fünf noch aktiven Raddampfern verfügte die SGV bzw. ihre Vorgängergesellschaften im Laufe der Zeit über 22 weitere Dampfer, die inzwischen ausgemustert wurden.[45] Die Dampfschiffe der ersten Jahrzehnte waren als sogenannte Glattdeck- oder Eindeck-Dampfer gebaut, zuletzt die Helvetia (1870). Diese Schiffe verfügten ausser den Radkästen über keine Aufbauten.[46] Ab den 1870er Jahren kamen Salondampfer auf, die sich durch Aufbauten auszeichnen, die über einen grossen Teil der Schiffslänge gehen. Zugleich wurden mehrere Glattdecker zu sogenannten Halbsalondampfern umgebaut, bei denen auf dem Achterdeck ein Salon für die erste Klasse errichtet wurde.[47]

Die Schale des allerersten Dampfschiffs, der Stadt Luzern der Knörrschen Gesellschaft, blieb bis 2005 als Dienstboot erhalten, zuerst als Kohletransportschiff, dann als Bilgenwasser-Entleerungsboot mit dem Kurznamen Biebo.[45][48] Die Schale des zweiten Schiffs, der St. Gotthard, ist noch in einem Rammschiff für das Setzen von Stationspfählen erhalten.[45][48] Die Rigi der Postdampfschiffgesellschaft befindet sich im Verkehrshaus der Schweiz, ist dort als ältestes erhaltenes motorisiertes Verkehrsmittel der Schweiz ausgestellt und wird seit 2007 umfassend restauriert.[9] Auch das Dampfschiff Rhein, welches ursprünglich unter dem Namen Ben Johnson auf der Themse verkehrte, fand weitere Verwendung, indem seine Schale für den Bau des Motorschiffs Waldstätter benutzt wurde.[49] Dieses schied erst 1995 aus dem Dienst aus und wurde im Jahr 2001 verschrottet.[50] Erhalten ist ausserdem die Wilhelm Tell, die heute als Restaurant in Luzern dient. Die anderen Dampfer wurden verschrottet, wobei gewisse Teile erhalten geblieben sind, so die Dampfmaschine der Pilatus im Verkehrshaus. [45] Nichts erhalten geblieben ist hingegen von der luxuriösen zweiten Stadt Luzern, die aufgrund ihres unwirtschaftlichen Betriebs nur wenig eingesetzt wurde.[51] Der Trajekt-Schraubendampfer DGV 1 wurde einige Jahre nach Einstellung des Trajektverkehrs 1920 nach Deutschland verkauft. Das andere Trajektschiff DGV 2 blieb zunächst im Besitz der DGV, wurde gelegentlich für Schwertransporte verwendet und schliesslich an die Seekag Seeverlad + Kieshandels AG verkauft, wo das Schiff nach einem Umbau zum Kiestransportschiff 1963/64 den Namen Luzern erhielt.[22]

Von den Motorschiff-Eigenkonstruktionen der SGV wurde neben der Waldstätter von 1949 bis jetzt die Pilatus (1966) ausgemustert, die bis 2010 in Dienst stand und 2011 an einen privaten Käufer verkauft werden sollte, der sie nach Venedig überführen und zu einem Wohnboot umbauen wollte.[52] Im Juli 2011 wurde jedoch bekanntgegeben, dass der Verkauf gescheitert ist.[53] Anschliessend wurde beschlossen, dass die Pilatus verschrottet werden soll[54] und das Schiff am 2. September 2011 nach Rotzloch zur Verschrottung überführt.[55]

Nachstehende Tabelle zeigt Flottenstände zwischen 1870 und 2012 anhand von Jahren, die Wendepunkte für die Entwicklung der Flotte darstellen:

Jahr Ereignis Glattdeckdampfer Halbsalondampfer Salondampfer Motorschiffe
1870 Vereinigung der Vierwaldstättersee-Dampfschifffahrt 131 - - -
1881 letztes Jahr vor Eröffnung der Gotthardbahn 92 3 2 -
1913 vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges 42 4 13 63
1970 100. Jubiläum der SGV
Ausmusterung der Wilhelm Tell
(1)4 - 6 11 (+1)5
2012 - - 5 16 (+1)4
1 Davon zwei Schraubendampfer
2 Davon drei Schraubendampfer
3 Fünf Benzin-Motorboote für 50 bis 80 Personen und ein Diesel-Motorschiff für 180 Personen
4 Rammschiff, ehemaliges DS St. Gotthard, seit 1898 Schraubendampfer, 1973/74 Umbau auf Dieselantrieb
5 Bilgenwasser-Entleerungsboot, ehemaliges DS Stadt Luzern (I) von 1837, 2009 ausgemustert

Stationen und Fahrplan[Bearbeiten]

Vierwaldstättersee mit den Schiffslinien

Die SGV fährt fahrplanmässig 32 Schiffsstationen am Ufer des Sees an. Die Kurse sind zwar nicht getaktet, aber an einigen Stationen so miteinander verknüpft, dass sich viele Destinationen durch Umsteigen erreichen lassen. Hertenstein bzw. Weggis verknüpfen die Kurse im nördlichen Teil des Sees. Daneben können mit kleineren Schiffen bei Extrafahrten auch andere Orte am See bedient werden. Die Kurse sind mit anderen Angeboten des öffentlichen Verkehrs verknüpft. Die Schiffsstationen in Luzern und Flüelen befinden sich direkt beim jeweiligen Bahnhof. Mehrere Schiffsstationen vermitteln Anschlüsse auf Bergbahnen, so auf die Vitznau-Rigi-Bahn in Vitznau, die Pilatusbahn in Alpnachstad oder auf die Standseilbahn von Treib nach Seelisberg. An einigen Stationen bestehen Anschlüsse mit Postautos (so in Beckenried) oder lokalen Busunternehmen.

Folgende Linien verkehren:

  • Luzern-Brunnen-Flüelen
  • Luzern-Stansstad-Alpnachstad
  • Luzern-Küssnacht
  • Luzerner Seebucht (bis Meggenhorn)
Winterbetrieb: MS Gotthard im Februar 2012

Während in den Sommermonaten zahlreiche Kurse auf allen Linien angeboten und die Dampfschiffe stark eingesetzt werden, ist der Fahrplan im Frühling und Herbst reduziert und im Winter noch stärker eingeschränkt. Auf der Hauptlinie Luzern-Brunnen-Flüelen werden ganzjährig Verbindungen angeboten. So finden sich im Winterfahrplan 2012/2013[veraltet] zwei tägliche Verbindungen Luzern-Flüelen-Luzern, eine zusätzliche an Sonn- und Feiertagen sowie verschiedene weitere Verbindungen auf Teilstrecken.[56] Die anderen Linien werden zwischen Ende Oktober und Anfang April seit längerer Zeit nicht mehr bedient. Während die Linie von Luzern nach Stansstad und Alpnachstad bis zur Eröffnung der durchgehenden Luzern-Stans-Engelberg-Bahn noch ganzjährig erhebliche Bedeutung für Reisende nach Stans oder Engelberg hatte, wurden die Winterkurse auf dieser Linie seither stetig reduziert und letztlich ganz eingestellt. Im Winterfahrplan 1981/1982 finden sich noch zwei Kurspaare Luzern-Stansstad-Luzern, die von November bis Februar nur noch an Samstagen und Sonntagen verkehrten,[57] im Winterfahrplan 1982/1983 sind dann auch diese Kurse weggefallen.[58]

Seit Weihnachten 1999 setzte die SGV jeweils das Dampfschiff Uri für Winterfahrten im normalen Fahrplan von der Adventszeit bis Neujahr ein.[59] 2011 wurde statt der Uri für die Dampfschiff-Winterfahrten erstmals die neu restaurierte Unterwalden eingesetzt, wobei jedoch nur noch Rundfahrten mit Konsumationspflicht angeboten wurden. Im normalen Fahrplan verkehrten stattdessen Motorschiffe. Dies hat zu Verärgerung beim Verein der Dampferfreunde geführt.[60] Da viele Schiffe Restaurationsbetrieb bieten, werden ganzjährig auch andere Sonderfahrten mit speziellen Büffets angeboten.

Die offiziellen Schifffahrtsstationen im Uhrzeigersinn rund um den See sind:

Zudem gibt es noch die Station Brunnen Föhnhafen, sie wird jedoch im regulären SGV-Verkehr nur einmal pro Werktag angefahren und dient hauptsächlich bei Föhnstürmen als Ersatzhalt für Brunnen, da der Föhnhafen – wie der Name sagt – vor dem Südwind geschützt ist und somit das An- und Abfahren einfacher ist. Die jeweils von Frühling bis Herbst zwischen Beckenried (Niederdorf) und Gersau (Forst) verkehrende Autofähre «Tellsprung» gehört nicht zur SGV.[61]

Güterverkehr[Bearbeiten]

Bis über die Mitte des 20. Jahrhunderts hinaus besass auch der Güterverkehr eine gewisse Bedeutung für die Schifffahrtsgesellschaft. Die beförderte Gütermenge halbierte sich nach der Eröffnung der Gotthardbahn von 54'815 Tonnen im Jahre 1881[62] auf 21'835 im Jahre 1882.[63] Sie nahm jedoch ab 1887 noch einmal bis zu einem Maximum von 92'347 Tonnen 1895 zu, was hauptsächlich auf Materialtransporte zurückzuführen ist, die für den Bau der Pilatusbahn, der Brünigbahn und des 1896 eröffneten neuen Bahnhofs Luzern benötigt wurden.[63] Danach stabilisierte sich der Güterverkehr für längere Zeit in einem Bereich von noch etwa 25'000 bis 30'000 Tonnen pro Jahr. Für den Transport von Gütern und Vieh wurden von den Schiffen der SGV häufig Nauen in Schlepp genommen.[64] In den 1920er Jahren machte sich ein sehr deutlicher Rückgang bemerkbar (zwischen 1921 und 1928 durchschnittlich noch 12'312 Tonnen jährlich), dessen Ursache Fritz Hofer in seiner Arbeit über die Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee von 1930 «in der sich steigernden Konkurrenz im Automobil- und Motorschiffverkehr» sieht.[65] 1969 waren es noch 5'426 Tonnen.[64] Trotzdem war noch bei den in den 1960er und frühen 1970er Jahren gebauten grossen Motorschiffen wie der Gotthard (1970) das Mitteldeck als Güterraum z.B. für Postsäcke, Güterkarren und auch Kleinvieh konzipiert.[66] Ab 1978 gab es keine Tiertransporte mehr.[67] Erst ab Ende der 1980er Jahre ist der Güterverkehr praktisch vollständig auf die Strasse verlagert worden.[68] Die SGV übernimmt noch Transporte von Reisegepäck im «Direkten Verkehr».[69]

Tarife[Bearbeiten]

Edmondson-Fahrkarte 1. Klasse von 1985, gültig wahlweise für Schiff, Bus oder Bahn und Bus.

Die SGV ist in das Tarifsystem des öffentlichen Personenverkehrs in der Schweiz eingebunden. Angebote wie das Halbtax-Abo, das Generalabonnement oder die Jugendkarte Gleis 7, die ab 19 Uhr unbeschränkte Fahrten erlaubt, sind auf den fahrplanmässigen Schiffskursen gültig.[70] Auch der Swiss Pass und Eurail-Pässe für ausländische Fahrgäste werden anerkannt. Mit InterRail-Fahrkarten wird 50 % Rabatt auf die Fahrpreise gewährt (Stand 2012).[71] Billette des Tarifverbunds Luzern/Obwalden/Nidwalden «Passepartout» sind auf den Schiffen jedoch nicht gültig,[70] mit Ausnahme von Monats- und Jahresabos zwischen den Anlegestellen Luzern, Hertenstein, Weggis und Vitznau.[72] Ebenfalls nicht anerkannt werden Velo-Billette und Velo-Abonnemente der SBB, wobei Velos jedoch – ohne Transportgarantie – kostenpflichtig befördert werden.[71] Für einzelne Angebote, wie Rundfahrten mit einem Panoramaschiff, wird für Generalabonnement, Swiss Pass etc. nur eine Ermässigung geboten, nicht jedoch die sonst auf den fahrplanmässigen Kursen geltende freie Fahrt.[71]

Die meisten grösseren Schiffe sind in Bereiche 1. und 2. Klasse aufgeteilt. Nach dem Tarif von 2012 bewegen sich die Fahrpreise für Einzelfahrten ohne Ermässigung zwischen 5,60 Schweizer Franken (2. Klasse, bis 4 Tarifkilometer, z.B. Luzern–Verkehrshaus) und 65 Franken (1. Klasse, bis 45 Tarifkilometer, z.B. Luzern–Flüelen). Für Retour- und Gruppenbillette werden Ermässigungen gewährt.[71]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Fritz Hofer: Die Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Buchdruckerei Keller, Luzern 1930 (Diss. rer. pol. Bern).
  •  Anton Räber: Die Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Komm. Eugen Haag, Luzern 1962 (Luzern im Wandel der Zeiten; 25).
  •  Erich Liechti et al.: Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Geschichte und Schiffsregister. Verlag Eisenbahn, Villigen 1974, ISBN 3-85649-021-3.
  •  Kurt Hunziker, Heinz Amstad, Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (Hrsg.): Vierwaldstättersee – unsere Flotte. Dampferzeitung, Luzern 2001, ISBN 3-9522296-0-1.
  •  Josef Gwerder: Die Schiffstationen am Vierwaldstättersee. Verlag Die Region, Emmenbrücke 2007, ISBN 978-3-906365-39-8.
  •  Kurt Hunziker et al., Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (Hrsg.): Mit Volldampf voraus. Die fünf Dampfschiffe auf dem Vierwaldstättersee. Dampferzeitung, Luzern 2011, ISBN 978-3-033-02891-3.
  •  Josef Gwerder: Schiffbau- und Werftgeschichte der Schifffahrt Vierwaldstättersee seit 1837. Verlag Beagdruck, Emmenbrücke 2011, ISBN 978-3-906365-57-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Passagierschiffe auf dem Vierwaldstättersee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Kurt Hunziker et al., Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (Hrsg.): Mit Volldampf voraus. Die fünf Dampfschiffe auf dem Vierwaldstättersee. Dampferzeitung, Luzern 2011, ISBN 978-3-033-02891-3, S. 12–13.
  2.  Anton Räber: Die Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Komm. Eugen Haag, Luzern 1962, S. 3–4 (Luzern im Wandel der Zeiten; 25).
  3. Hans Stadler: Vierwaldstättersee im Historischen Lexikon der Schweiz
  4.  Anton Räber: Die Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Komm. Eugen Haag, Luzern 1962, S. 10 (Luzern im Wandel der Zeiten; 25).
  5.  Anton Räber: Die Geschichte der Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. In: Erich Liechti et al. (Hrsg.): Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Geschichte und Schiffsregister. Verlag Eisenbahn, Villigen 1974, ISBN 3-85649-021-3, S. 5–6.
  6.  Arthur Wyss: Die Post in der Schweiz. Ihre Geschichte durch 2000 Jahre. Hallwag, Bern 1987, ISBN 3-444-10335-2, S. 141–142.
  7.  Fritz Hofer: Die Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Buchdruckerei Keller, Luzern 1930, S. 26 (Diss. rer. pol. Bern).
  8. a b c  Anton Räber: Die Geschichte der Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. In: Erich Liechti et al. (Hrsg.): Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Geschichte und Schiffsregister. Verlag Eisenbahn, Villigen 1974, ISBN 3-85649-021-3, S. 7.
  9. a b DS Rigi. Verkehrshaus der Schweiz. Abgerufen am 16. Mai 2011.
  10.  Fritz Hofer: Die Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Buchdruckerei Keller, Luzern 1930, S. 21–22 (Diss. rer. pol. Bern).
  11.  Anton Räber: Die Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Komm. Eugen Haag, Luzern 1962, S. 13 (Luzern im Wandel der Zeiten; 25).
  12. Urs Kälin: Müller, Karl Emanuel im Historischen Lexikon der Schweiz
  13. a b  Anton Räber: Die Geschichte der Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. In: Erich Liechti et al. (Hrsg.): Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Geschichte und Schiffsregister. Verlag Eisenbahn, Villigen 1974, ISBN 3-85649-021-3, S. 8.
  14. a b  Fritz Hofer: Die Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Buchdruckerei Keller, Luzern 1930, S. 30–31 (Diss. rer. pol. Bern).
  15.  Anton Räber: Die Geschichte der Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. In: Erich Liechti et al. (Hrsg.): Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Geschichte und Schiffsregister. Verlag Eisenbahn, Villigen 1974, ISBN 3-85649-021-3, S. 8–9.
  16.  Anton Räber: Die Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Komm. Eugen Haag, Luzern 1962, S. 14–15 (Luzern im Wandel der Zeiten; 25).
  17.  Fritz Hofer: Die Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Buchdruckerei Keller, Luzern 1930, S. 32–34, 37 (Diss. rer. pol. Bern).
  18.  Schiffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees. Festschrift zum Hundertjahr-Jubiläum 1870–1970. SGV, Luzern 1970, S. 42. – die Angabe 959'139 in Hofer, S. 49 ist ein Druckfehler, wie auch aus anderen Tabellen bei Hofer hervorgeht.
  19.  Fritz Hofer: Die Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Buchdruckerei Keller, Luzern 1930, S. 45–49 und Tabelle davor (Diss. rer. pol. Bern).
  20.  Fritz Hofer: Die Schiffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Buchdruckerei Keller, Luzern 1930, S. 47 (Diss. rer. pol. Bern).
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Dieser Artikel wurde am 12. Oktober 2012 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.