Spiekeroog

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Spiekeroog (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Spiekeroog
Spiekeroog
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Spiekeroog hervorgehoben
53.7719444444447.69694444444443Koordinaten: 53° 46′ N, 7° 42′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Wittmund
Höhe: 3 m ü. NHN
Fläche: 18,25 km²
Einwohner: 757 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 41 Einwohner je km²
Postleitzahl: 26474
Vorwahl: 04976
Kfz-Kennzeichen: WTM
Gemeindeschlüssel: 03 4 62 014
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Westerloog 2
26474 Spiekeroog
Webpräsenz: www.spiekeroog.de
Bürgermeister: Bernd Fiegenheim
Lage der Gemeinde Spiekeroog im Landkreis Wittmund
Landkreis Aurich Langeoog Spiekeroog Landkreis Friesland Nordsee Landkreis Aurich Landkreis Friesland Landkreis Leer Wilhelmshaven Blomberg (Ostfriesland) Dunum Esens Eversmeer Friedeburg Holtgast Moorweg Nenndorf (Ostfriesland) Neuharlingersiel Neuschoo Ochtersum Schweindorf Stedesdorf Utarp Werdum Westerholt WittmundKarte
Über dieses Bild

Das Nordseeheilbad Spiekeroog ist eine der ostfriesischen Inseln im niedersächsischen Wattenmeer und liegt zwischen Langeoog und Wangerooge. Die Insel hat eine Fläche von 18,25 Quadratkilometern. Die geringste Entfernung zum Festland beträgt 5,7 Kilometer. Spiekeroog gehört als Einheitsgemeinde zum Landkreis Wittmund.

Die Insel ist autofrei und über eine Fährverbindung mit dem Sielhafen Neuharlingersiel verbunden. Spiekeroog hat als einzige der sieben bewohnten Ostfriesischen Inseln heute keinen Flugplatz und kann somit nicht von Sportflugzeugen angeflogen werden. Auch für den Fahrradverkehr gelten Einschränkungen. Auf Spiekeroog leben ständig knapp 800 Einwohner, zentraler Wirtschaftsfaktor ist der Tourismus.

Die Herkunft des Namens Spiekeroog, urkundlich erstmals 1398 als Spickeroch erwähnt, ist umstritten.

Geographie[Bearbeiten]

Luftaufnahme der Insel Spiekeroog von Westen aus
Lage von Spiekeroog innerhalb der Ostfriesischen Inseln

Spiekeroog ist eine der Ostfriesischen Inseln und liegt im 2780 Quadratkilometer großen Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Bei diesen Inseln handelt es sich nicht wie bei den Nordfriesischen Inseln um Reste einer von Sturmfluten abgetragenen Küstenlandschaft. Stattdessen bildeten sich die Ostfriesischen Inseln aus vom Wind angewehten Sandbänken vor etwa 5.000 Jahren. Aufgrund der Gezeitenströmungen sowie der starken vorherrschenden Westwinde wandern die Inseln permanent von Nordwest nach Südost. Dies führte dazu, dass praktisch alle Inseldörfer, einstmals in der Inselmitte angelegt, heute jeweils am Westrand der Inseln zu finden sind. Erst durch die Befestigungen der Inselküsten (Küstenschutz) Anfang des 20. Jahrhunderts wurde diese Wanderung eingedämmt.

Vor etwa 300 Jahren war die Insel Spiekeroog noch deutlich kleiner. Durch die Verschmelzung mit den Inseln Lütjeoog und Oldeoog sowie das Eindeichen und Trockenlegen der Harlebucht erhielt sie die heutige Größe und Form.

Braundünen. Auf den mittlerweile versauerten Böden überzieht die Krähenbeere in großen dunkelgrünen Teppichen die Nordhänge der Dünen.

Flächennutzung[Bearbeiten]

Flächennutzung 2009
Nutzung Hektar
Gebäude- und Freifläche 46
davon Wohnfläche 23
davon Gewerbe- und Industriefläche 1
Betriebsfläche 1
Erholungsfläche 12
davon Grünanlage 3
Verkehrsfläche 20
davon Straße, Weg, Platz 12
Landwirtschaftsfläche 320
Wasserfläche 13
Waldfläche 13
Flächen anderer Nutzung 1400
davon Unland 1400
Gesamtfläche 1825

Für eine Nordseeinsel untypisch besitzt Spiekeroog einen vergleichsweise großen Baumbestand. Diese Wäldchen (unter anderem aus eher krüppelwüchsigen Eichen und Schwarzkiefern Erlen, Zitterpappeln und Ebereschen) stellen eine Besonderheit auf den durch karge Sandböden geprägten Ostfriesischen Inseln dar; sie gaben Spiekeroog auch den Beinamen „Grüne Insel“. Zu diesem trägt aber auch die besonders üppige Ausprägung von dunkelgrünen Krähenbeerheiden auf alten, sogenannten „Braundünen“ im Inneren der Insel bei. Im übertragenen Sinn steht „Grüne Insel“ auch für den Vorrang des Naturschutzes in weiten Teilen Spiekeroogs. Hier ist vor allem die „Ostplate“ mit weiten Sandstränden und Primärdünenbildungen zu nennen. Dieses Sand-Akkumulationsgebiet macht mehr als die Hälfte der gesamten Inselfläche aus und bildet eines der für die Vogelwelt wichtigsten Areale der Ostfriesischen Inseln. Aber auch beispielsweise die Norddünen sind für Vögel von Bedeutung; viele seltene Arten wie Sumpfohreule, Korn- und Rohrweihe brüten hier.

Das Inseldorf Spiekeroog befindet sich auf der dem Festland zugewandten Südseite der Insel. Zwischen dem im Norden und Westen der Insel gelegenen Strand und dem Dorf liegen ausgedehnte Dünenlandschaften.

Geschichte[Bearbeiten]

Karte von Spiker Oge durch Karl Ludwig von Le Coq 1805 mit dem Inseldorf

Die erste urkundliche Erwähnung der Insel erfolgte 1398 unter dem Namen „Spiekeroch“. In dieser Urkunde übertrugen Widzeld tom Brok und Folkmar Allena Herzog Albrecht I. von Bayern ihre Besitzungen als Eigentum, die sich gleichzeitig als Lehen zurückerhielten. Im 15. Jahrhundert tauchte der Name der Insel noch zwei weitere Male in Urkunden auf: in Urkunden des Herzogs Wilhelm von Bayern und in einer Klage des Häuptlings Ulrich Cirksena, dass die ihm feindlich gesinnten Häuptlinge des Jeverlandes auf der Insel eingefallen seien und den Bewohnern 100 Schafe geraubt hätten.[2]

1625 lebten 13 Familien auf der Insel, die ihren Lebensunterhalt durch Landwirtschaft, Fischfang sowie das Herstellen von Muschelkalk (Schill) bestritten. In der Folgezeit gewannen der Walfang sowie die Schifffahrt zunehmend an Bedeutung. Diese kam jedoch während der napoleonischen Besatzung aufgrund der gegen die Engländer verhängten Kontinentalsperre zum Erliegen, was zu einer großen Armut führte. Nur der risikoreiche Schmuggel mit dem englischen Helgoland brachte noch Einkünfte. 1812 kam es zu einem Angriff der Engländer auf die französischen Stellungen („Franzosenschanze“) auf der Insel, der aber abgewehrt wurde.

Aufkommen des Bädertourismus[Bearbeiten]

Ende des 18. Jahrhunderts wurden an der Küste Preußens Seebäder nach englischem Vorbild gegründet. 1797 wurde auf Norderney das erste Seebad an der deutschen Nordseeküste gegründet. Ab 1820 wurde Spiekeroog von Feriengästen aufgesucht.

Die Insel war in Hannoverscher Zeit eine der vier Untervogteien der Vogtei Esens-Kleistrich im Alten Amt Esens.[3]

Beim Untergang der Bark Johanne am 6. November 1854 vor dem Spiekerooger Strand kamen zirka 80 Menschen, zumeist Auswanderer in die USA, ums Leben. Mangels geeigneter Rettungsboote konnten die Insulaner den mehr als 270 Passagieren und Besatzungsmitgliedern in ihrem Kampf gegen den Sturm nicht beistehen. Dieses Unglück sowie dasjenige der englischen Brigg Alliance am 10. September 1860 vor Borkum führten 1861 zur Gründung des „Vereins zur Rettung Schiffbrüchiger an der ostfriesischen Küste“ durch Georg Breusing in Emden, einem Vorläufer der DGzRS. Am 7. September 1864 strandete auf den Nordwester-Gründen vor Spiekeroog das Schiff Gagnerie. Die fünfköpfige französische Besatzung wurde von Insulanern mit einem Rettungsboot gerettet.[4]

Um den Badegästen den mühsamen Weg durch die Dünen zum Strand zu ersparen, wurde 1885 eine 1,7 Kilometer lange Pferdebahn vom Inseldorf zum Weststrand eröffnet. 1892 wurde diese zum 1891 gebauten Alten Anleger im Südwesten der Insel verlängert. Diese Pferdebahn wurde erst am 31. Mai 1949 durch Dieselfahrzeuge ersetzt, zu diesem Zeitpunkt war die Spiekerooger Inselbahn die letzte Pferdebahn Deutschlands.

Während des Ersten Weltkriegs strandete das Vorpostenboot Moltke der Kaiserlichen Marine während eines Wintersturms am 2. Januar 1916 auf der Insel.

Im Jahr 1934 wurde ein Flugplatz eingerichtet, der bis 1945 in Betrieb war.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Am 1. Dezember 1969 erhielt Spiekeroog die Anerkennung als Nordseeheilbad. 1981 wurde der heutige Hafen nahe dem Dorf in Betrieb genommen und die sanierungsbedürftige Inselbahn stillgelegt. Der Alte Anleger wurde seitdem nicht mehr benutzt und versandete zusehends. Die Reste wurden 2009 abgebaut.

Im Juni 2007 wurde mit dem Galerie- und Künstlerhaus Spiekeroog ein Treffpunkt für Kulturschaffende und Kunstliebhaber etabliert. Auf 2500 m² verfügte das kreative Domizil über hochwertig ausgestattete Ateliers, Werkstätten und Seminarräume sowie einen Galeriebereich. Das ganze Jahr hindurch boten Künstler, Professoren und Dozenten hier für Könner und Lernende eine Vielzahl von kreativen Workshops, Seminaren und Veranstaltungen. Geschäftsführer der Betreibergesellschaft war Niels Stolberg. Im Rahmen eines Insolvenzverfahrens[5] schloss das Galerie- und Künstlerhaus Spiekeroog zum 1. Juni 2011.[6]

Herkunft des Gemeindenamens[Bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Spiekeroch 1398, trägt also – etwa im Gegensatz zu Norderney – seinen Namen bereits seit Jahrhunderten. Zur Herkunft des Gemeindenamens gibt es mehrere Hypothesen, von denen noch keine bewiesen ist. Eindeutig ist lediglich der zweite Teil des Namens Spieker-Oog: Bei „Oog“ handelt es sich um ein niederdeutsches Wort für Insel, das jedoch nur in Komposita verwendet wird (im anderen Fall würde von „Eiland“ gesprochen werden). Der erste Namensteil entspricht sowohl dem niederdeutschen Wort für Speicher als auch für Nagel. Arend Remmers weist in seinem Standardwerk über die ostfriesischen Ortsnamen darauf hin, dass der Name ähnlich wie bei der Nachbarinsel Langeoog der Inselform nach gewählt worden sein könnte, was angesichts der länglichen Ausprägung der Insel für den Vergleich mit dem Nagel spräche. Eine ältere Deutung will einen Zusammenhang mit dem altniederdeutschen Wort „specke“ erkannt haben, wobei es sich um Buschwerk handelt. Dies sei dann als Hinweis auf die Befestigung der Insel zu verstehen. Diese Hypothese lehnt Arends jedoch wegen des nicht erklärten Suffixes -er ab.[7]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat von Spiekeroog besteht aus acht Ratsmitgliedern. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl bis zu 1000 Einwohnern.[8] Die acht Ratsfrauen und Ratsherren werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2011. Alle Mitglieder des Gemeinderates wurden als Einzelbewerber auf einer Einheitsliste gewählt. Die klassischen politischen Parteien spielen keine Rolle.[9] Die Wahlbeteiligung lag mit 71,7 % weit über dem niedersächsischen Durchschnitt von 52,5 %.[10]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Als Bürgermeister von Spiekeroog wurde am 24. September 2006 der Sozialpädagoge Bernd Fiegenheim gewählt. Er gehört der Wählergemeinschaft „Auf Spiekeroog!“ an. Die Wahl erfolgte in zwei Wahlgängen.[11][12]

Vertreter in Land- und Bundestag[Bearbeiten]

Spiekeroog ist dem Landtagswahlkreis Wittmund/Inseln (Wahlkreis 87) zugeordnet, der den Landkreis Wittmund sowie im Landkreis Aurich die Städte Norderney und Wiesmoor, die Gemeinde Dornum und die Inselgemeinden Juist und Baltrum umfasst. Das Direktmandat für den Niedersächsischen Landtag (Wahlperiode bis 2018) gewann bei der letzten Wahl Anfang 2013 Holger Heymann von der SPD. Er löste den nicht mehr angetretenen Hermann Dinkla von der CDU ab.

Der Bundestagswahlkreis Friesland – Wilhelmshaven (Wahlkreis 27) umfasst die Stadt Wilhelmshaven sowie die Landkreise Friesland sowie Wittmund und damit auch Spiekeroog.[13] Direkt gewählte Abgeordnete ist Karin Evers-Meyer (SPD), die seit 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages ist. Ihr Gegenkandidat Hans-Werner Kammer von den Christdemokraten zog über die Landesliste Niedersachsen der CDU in den Bundestag ein.[14]

Wappen[Bearbeiten]

Wappen von Spiekeroog
Blasonierung:

„In Blau ein auf silbernen Wellen linkshin segelndes zweimastiges goldenes Schiff mit silbernen Segeln und Flaggen.[15]

Beschreibung:

Das Wappen der Insel Spiekeroog stammt aus dem Jahr 1968. Das Schiff ist eine mittelalterliche Hansekogge und soll ein Symbol für den früheren Handel mit den Niederlanden sein.[16] Das Wappen lehnt sich stark an das Wappen des Landkreises Wittmund an, zu dem Spiekeroog gehört und auf dem ebenfalls eine Kogge abgebildet ist. Die Gemeinde Spiekeroog selbst führt keine Flagge.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Alte Inselkirche
Drinkeldodenkarkhof: Gedenkstätte
Bronzeplastik de Utkieker von Hannes Helmke auf der Aussichtsdüne

Im Gegensatz zu den anderen ostfriesischen Inseldörfern musste der Ort Spiekeroog in den letzten Jahrhunderten weder verlegt noch seitens der Infrastruktur oder Bausubstanz über die Maßen vergrößert und modernisiert werden. Dies begünstigte den Erhalt mehrerer jahrhundertealter Friesenhäuser, die dem historischen Ortskern von Spiekeroog zusammen mit seinen schmalen Wegen und seinem alten Baumbestand ein besonderes idyllisches Ortsbild geben. Das älteste Haus der Insel ist das Alte Inselhaus in der Süderloog 4, das im Jahre 1705 erbaut wurde. Das Haus ist wie auch einige der anderen alten Häuser auf Spiekeroog mit einem so genannten Schwimmdach ausgestattet, das bei Sturmfluten die Funktion einer Rettungsinsel für die Hausbewohner übernahm. Heute ist in dem Alten Inselhaus ein Café und Restaurant untergebracht. Weitere erhaltene Häuser mit einer Schwimmdachkonstruktion sind das Drifthuus, das Huus Puppenstuv und das Doppelhaus Noorderloog 15/17.

Die evangelisch-lutherische Alte Inselkirche wurde 1696 erbaut und ist damit die älteste Kirche aller ostfriesischen Inseln. Die Kirche befindet sich zwischen den Straßen Noorderloog und Süderloog, den beiden ältesten Straßen Spiekeroogs. Sehenswert sind die Renaissance-Kanzel, die Apostelbilder sowie eine Pietà, die angeblich von einem 1588 vor Spiekeroog gestrandeten Schiff der spanischen Armada stammen soll. 1961 wurde eine neue evangelische Kirche erbaut. 1971 folgte für die kleine katholische Gemeinde eine Kirche, die wegen ihrer Architektur als „Das Zelt Gottes in den Dünen“ bezeichnet wird.[17]

Der Drinkeldodenkarkhof im Tranpad, auch Friedhof der Heimatlosen genannt, ist eine Gedenkstätte für die Opfer des Auswandererschiffes Johanne, das am 6. November 1854 vor Spiekeroog strandete. Durch das Unglück verloren 77 Auswanderer ihr Leben, darunter 18 Männer, 34 Frauen, 18 Kinder unter zehn Jahren und sieben Säuglinge. Die geborgenen Toten wurden am 9. November in einem damals noch außerhalb des Dorfes liegenden Dünental beerdigt. 1859 wurde die Stätte mit einem ersten eisernen Kreuz gekennzeichnet.

Das Inselmuseum zeigt Exponate zur Geschichte der Insel, der Entwicklung des Seebades Spiekeroog und zur Inselnatur. In den Räumen des Inselmuseums werden auch standesamtliche Trauungen durchgeführt.

Das Muschelmuseum im Haus des Gastes „Kogge“ zeigt eine humorvolle Ausstellung von etwa 2000 Muscheln aus aller Welt.

In der Zeit von April bis September (je nach Ferienlage) verkehrt zwischen dem Bahnhof und dem Westend die Spiekerooger Museumspferdebahn.

Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer lädt zur Beobachtung der Natur ein. Unter der Führung ausgebildeter Wattführer kann man an Wattwanderungen teilnehmen.

Im März 2006 eröffnete das Nationalpark-Haus Wittbülten an der Hermann Lietz-Schule Spiekeroog im Ostteil der Insel seine Pforten für Besucher. „Wittbülten“ ist die plattdeutsche Bezeichnung für die ersten Sandansammlungen, die zur Bildung einer Düne und somit zur Entstehung einer Insel führen. Das Umweltzentrum zeigt eine Dauerausstellung, in der die Themen Gezeiten, Inselentstehung, Lebensräume der Insel sowie das Leben von Meeressäugetieren anschaulich aufbereitet werden.[18] Ergänzt wird die Ausstellung durch ein Original-Pottwalskelett und eine Aquarienanlage.

Am 10. Juni 2007 erfolgte die Einweihung der Bronzeplastik „De Utkieker“. Die von dem Kölner Künstler Hannes Helmke[19] geschaffene 3,50 Meter hohe nackte Skulptur steht auf einer Aussichtsdüne in der Nähe der Strandhalle und schaut über die Dünen Richtung Meer.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten]

Am Hauptbadestrand

Als Nordseeheilbad verfügt die Insel über Kureinrichtungen, wie ein Kurmittelhaus, ein Mutter-Kind-Kurheim und ein Inselbad. Spiekeroog hat mit allen Hotels, Pensionen, Privatzimmern, Ferienwohnungen, Kur- und Freizeitheimen etwa 3.500 Gästebetten. Laut einer Erhebung aus dem Jahr 2003 besuchen etwa 64.000 Urlauber mit 554.000 Übernachtungen jährlich die Insel, dazu kamen rund 81.000 Tagesgäste. Die Zahl der registrierten Gäste stieg 2006 gegenüber dem Vorjahr um 2,2 % von 78.867 auf 80.614. Die Zahl der Übernachtungen stieg 2006 um 4,1 % auf 565.733. Der Trend zu einer kürzeren Verweildauer hielt weiter an. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer sank im Jahr 2006 auf 5,8 Tage. 2012 betrug die Anzahl der Urlauber 93.578 (597.715 Übernachtungen) bei 6,4 Verweiltagen.

Spiekeroog ist zur touristischen Vermarktung der Insel der Marketingorganisation Die Nordsee GmbH in Schortens beigetreten. Das Unternehmen vertritt die sieben Ostfriesischen Inseln sowie 15 niedersächsische Küstenorte.[20] Es ist verantwortlich für die gemeinsame Pressearbeit, das Marketing, die Durchführung von Messen und Veranstaltungen, die Erstellung von Printmedien sowie die Klassifizierung von privaten Ferienunterkünften.

Spiekeroog war in der Vergangenheit häufiges Urlaubsziel verschiedener Bundespräsidenten. So verbrachten Gustav Heinemann, Richard von Weizsäcker und Johannes Rau ihren Urlaub hier. Insbesondere Johannes Rau verbrachte bereits als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen regelmäßig den Urlaub mit seiner Familie auf Spiekeroog und besaß ein eigenes Ferienhaus auf der Insel. 1982 ließ sich das Ehepaar Rau in der Alten Inselkirche kirchlich trauen. Im Jahre 2000 erhielt Johannes Rau die Ehrenbürgerschaft der Insel.[21]

Neben Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen verfügt die Insel auch über einen Zeltplatz, der sich im Westteil der Insel befindet und von Mai bis September geöffnet ist.

Medien[Bearbeiten]

Der spiekerooger inselbote ist die einzige auf der Insel erscheinende Zeitung. Die 1987 gegründete Zeitung wird durch den einzigen Journalisten der Insel Hartmut Brings herausgegeben[22] und versorgt nicht nur die Inselbewohner, sondern auch eine stetig steigende Anzahl von so genannten Festlandsabonnenten.[23] Die Insel gehört zudem zum Verbreitungsgebiet des Anzeigers für Harlingerland und der Ostfriesen-Zeitung. Das vierteljährlich erscheinende kostenlose Insel-Magazin Watt'n Eiland hat eine Auflage von 6000 Exemplaren und richtet sich mit Geschichten von und über Spiekeroog vor allem an die Inseltouristen.[24] Im Juni 2009 startete eine Onlinezeitung für Spiekeroog mit dem Namen Spiekerooger Inselalldag[25], die jedoch 2011 wieder eingestellt wurde.

Verkehr[Bearbeiten]

Fährschiff Spiekeroog I
Die Museumspferdebahn am Bahnhof

Inselverkehr[Bearbeiten]

Die Insel Spiekeroog ist bis auf die Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge der Inselgemeinde autofrei. Weiterhin sind einige Elektrokarren für den gewerblichen Transport im Einsatz, u.a. für den Gepäcktransport der Feriengäste. Ansonsten ist der Bollerwagen das typische Transportmittel für Gepäck und Kleinkinder auf der Insel.

Im Gegensatz zu den anderen ostfriesischen Inseln, mit Ausnahme von Baltrum, gibt es auf Spiekeroog keinen Fahrradverleih und nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten zum Radwandern. Viele Wege im Dorfzentrum und zum Strand sind wegen ihrer Enge für Fahrräder gesperrt. Den Feriengästen wird von der Kurverwaltung abgeraten, Fahrräder mit auf die Insel zu bringen.[26] Gäste, die ihre Fahrräder mitbringen möchten, bezahlten für die Überfahrt bis vor einiger Zeit einen Euro mehr als für die Tagesrückfahrkarte für eine Person.[27] Inzwischen wurden die Preise für den Fahrradtransport gesenkt.[28] Von den Einheimischen werden vielfach Fahrräder genutzt und teils an Gäste verliehen. Ein Versuch, die Fahrräder ganz von der Insel zu verbannen, verfehlte im Inselrat nur knapp die Mehrheit.[27]

Spiekeroog ist die einzige bewohnte ostfriesische Insel ohne Flugplatz.

Fährverkehr[Bearbeiten]

Der Fährverkehr zum Hafen Spiekeroog erfolgt durch regelmäßige Verbindungen vom Sielhafen Neuharlingersiel aus. Die Inselfähren werden durch die Touristikgesellschaft der Insel Nordseebad Spiekeroog GmbH betrieben. Den Hauptfährverkehr leisten die Schiffe Spiekeroog I und Spiekeroog II. Für Ausflugsfahrten und als Verstärkungsschiff dient die Spiekeroog III. Im April 2010 übernahm die neu erstandene Kombifähre Spiekeroog IV den bisher vom Frachtschiff Tilde durchgeführten Gütertransport. In beschränktem Umfang befördert die Kombifähre auch Passagiere.

Inselbahn[Bearbeiten]

Hauptartikel: Spiekerooger Inselbahn

Bis zur Inbetriebnahme des ortsnahen neuen Hafens im Jahr 1981 verkehrte eine dieselbetriebene Inselbahn zwischen dem alten Hafen und dem Inseldorf. Nach der Einstellung des Betriebes des alten Hafens wurden die sanierungsbedürftigen Gleise bis auf den Abschnitt Bahnhof – Westend abgebaut. Auf dem noch bestehenden Streckenabschnitt nahm eine Museumspferdebahn ihren Betrieb auf. Der von einem Pferd gezogene Wagen verkehrte bis 2013 in der Sommersaison mehrmals täglich zwischen Bahnhof und Westend. Aktuell wird ein neuer Betreiber für die Museumspferdebahn gesucht.

Bildung[Bearbeiten]

Spiekeroog verfügt über eine Inselschule (Grundschule und Hauptschule) sowie die Hermann Lietz-Schule als staatlich anerkanntes Gymnasium mit Internat in freier Trägerschaft. Die Schule gehört zu den fünf Hermann-Lietz-Schulen, ist jedoch seit 1984 rechtlich und wirtschaftlich von diesen unabhängig. Wie die anderen Schulen dieser Gruppe ist sie dem reformpädagogischen Konzept von Hermann Lietz verpflichtet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Hans Leuss (1861—1920), geboren auf Spiekeroog, erst antisemitischer Reichstagsabgeordneter, später SPD-Politiker
  • Johannes Rau (1931—2006), war von 2000 an Ehrenbürger von Spiekeroog
  • Wernher von Braun (1912—1977), machte 1930 sein Abitur auf der Hermann Lietz-Schule

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gemeinde Spiekeroog: Die Zukunft gemeinsam gestalten - Texte zum Zukunftsprozess von Spiekeroog. Geest-Verlag, Vechta-Langförden, 2008 ISBN 978-3-86685-118-4.
  • Gert-Uwe Detlefsen/Robert Geipel: Inselzauber Spiekeroog – Bilder einer Ferieninsel. Edition Walfisch Verlagsgesellschaft mbH, Bremen 2005, ISBN 978-3-938737-00-2.
  • Hans Jürgen Jürgens: Zeugnisse aus unheilvoller Zeit. Ein Kriegstagebuch über die Ereignisse 1939–1945 im Bereich Wangerooge – Spiekeroog – Langeoog sowie die Lage im Reich und an den Fronten. C.L. Mettcker & Söhne, Jever 1989, 6. Auflage 2003, ISBN 3-87542-008-X.
  • Johannes Meyer-Deepen/Meertinus P.D. Meijering: Spiekeroog – Geschichte einer ostfriesischen Insel. Verlag Kurverwaltung Nordseeheilbad Spiekeroog, 3. Auflage 1989.
  • Johannes Meyer-Deepen/Meertinus P.D. Meijering: Spiekeroog – Naturkunde einer ostfriesischen Insel. Verlag Kurverwaltung Nordseeheilbad Spiekeroog, 1979.
  • Arne Petschat, Robert Geipel: Der Zauber von Spiekeroog: Gedichte einer Insel. EDITION Walfisch Verlagsgesellschaft mbH, Bremen 2006, ISBN 3-938737-04-2.
  • Manon Loock-Braun: Unterwegs auf Spiekeroog. Naturkundlicher und kulturhistorischer Inselrundgang. Husum Verlag, Husum 2008, ISBN 978-3-89876-396-7
  • Christof Schramm: Schwere See vor Spiekeroog. Edition Beluga bei mare, mareverlag, Hamburg 2009, ISBN 978-3-86648-118-3.
  • J. Voß: Die Nordseeinsel Spiekeroog u. das dortige Seebad, Prätorius u. Seyde, 1850 - 39 Seiten, Digitalisat

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Spiekeroog – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Spiekeroog – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikivoyage: Spiekeroog – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2. Karl-Heinz de Wall: Landkreis Wittmund. Selbstverlag des Landkreises Friesland, Jever 1977, ohne ISBN, S. 260.
  3. Fridrich Arends: Erdbeschreibung des Fürstenthums Ostfriesland und des Harlingerlandes, Emden 1824. Online in der Google-Buchsuche, S. 460, abgerufen am 10. Oktober 2013.
  4. Vom Ruderboot zum Seenotkreuzer., DGzRS, 1990, S.11f.
  5. Künstlerhaus meldet Insolvenz an, abgerufen am 21. August 2011
  6. Künstlerhaus Spiekeroog, abgerufen am 21. August 2011
  7. Arend Remmers: Von Aaltukerei bis Zwischenmooren. Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade. Verlag Schuster, Leer 2004, ISBN 3-7963-0359-5, S. 207, 271.
  8. Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 17. Dezember 2010; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 6. Dezember 2011
  9. Gemeinderatswahlen 2011: Bekanntmachung des Wahlergebnisses (PDF; 39 kB), abgerufen am 6. Dezember 2011
  10. www.ndr.de: Abwärtstrend bei Wahlbeteiligung gestoppt, abgerufen am 6. Dezember 2011
  11. Ergebnis der Direktwahl des Bürgermeisters in der Gemeinde Spiekeroog, abgerufen am 29. September 2009
  12. Ergebnis der Stichwahl zur Direktwahl des Bürgermeisters in der Gemeinde Spiekeroog, abgerufen am 29. September 2009
  13. Wahlkreiseinteilung beim Bundeswahlleiter
  14. Jeversches Wochenblatt: Karin Evers-Meyer nicht zu schlagen, abgerufen am 23. September 2013
  15. Klemens Stadler: Deutsche Wappen. Die Gemeindewappen der Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Bremen 1970, Band 5, S.74
  16. Die Wappen und Flaggen der deutschen Watteninseln, abgerufen am 1. Oktober 2009
  17. Kirchensite - Wo bleibt der Sommer?
  18. Wittbülten – Das Umweltzentrum an der Hermann Lietz–Schule, abgerufen am 30. September 2009
  19. Hannes Helmke – Bronzeplastiken
  20. Die Nordsee GmbH – Wir über uns, abgerufen am 11. Juli 2011.
  21. Johannes Rau: Ganz entspannt auf Spiekeroog; abgerufen am 21. September 2009
  22. Nachrichten von einer Insel, abgerufen am 30. September 2009
  23. Spiekerooger Inselbote, abgerufen am 29. September 2009
  24. Insel-Magazin „Watt'n Eiland“ – Online, abgerufen am 12. September 2010
  25. Onlinezeitung „Spiekerooger Inselalldag“, abgerufen am 24. September 2010
  26. Spiekeroog 2009 - Ihre Inselgastgeber, Hrsg. Nordseebad Spiekeroog GmbH Kurverwaltung und Schifffahrt, Seite 22
  27. a b Kulturkampf in Spiekeroog, abgerufen am 25. September 2009
  28. Überfahrt: Fahrpreise, abgerufen am 24. September 2010