Schloss Germolles

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Schloss Germolles Blick von der Gartenseite

Das Schloss Germolles (französisch Château de Germolles) steht in der französischen Gemeinde Mellecey im burgundischen Département Saône-et-Loire.

Mitten im Herzen von Burgund, in der Nähe von Beaune und Chalon-sur-Saône, ist Schloss Germolles die am besten erhaltene Residenz der Herzöge von Burgund. Erbaut in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, spiegelt diese Anlage eine wichtige Seite in der regionalen Geschichte. Das Schloss ist auch eines der wenigen erhaltenen Beispiele für die Gestaltung der Wohnräume im Frankreich des vierzehnten und der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts, da die meisten der fürstlichen Paläste aus dieser Zeit verschwunden sind.

Die Schlossanlage sowie wesentliche Bestandteile des Schlosses wie Hof, Keller, Turm, Kapelle, Eingangsbereich, Treppenhaus usw. stehen als Monument Historique seit dem 12.Juni 1989 unter Denkmalschutz.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Namensgeber[Bearbeiten]

Eingang Schloss Germolles – Überreste der Burg aus dem 13.Jh.

Der Name des Schlosses geht auf die Herren von Germolles zurück. Guigon von Germolles wird 1257 namentlich erwähnt wegen eines Verfahrens gegen seinen Nachbarn Guillaume von Montaigu vor dem Kirchengericht von Chalon-sur-Saône. Unter den Nachkommen Geoffroys errangen die lokalen Feudalherren in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Herrschaft über die umliegenden Gemeinden Saint-Martin-sous-Montaigu, Mellecey, Dracy-le-Fort, Corcelles und Chastenoy.[2] Germolles war seit dem 13. Jahrhunderts eine gut ausgebaute Burganlage und Jean Guillaume II. Sohn konnte dank der Heirat 1363 mit Philiberte von Montaigu einen alten Nachbarschaftsstreit beilegen und an Macht hinzugewinnen. Nach 1375 wendet sich jedoch das Blatt gegen die Herren von Germolles, die mit 1800 Gulden verschuldet waren. Innerhalb von zwei Jahren verlor Guillaume das Landwesen der Germolles an den Herzog von Burgund und am 11. Dezember 1380 konfiszierte Philipp der Kühne den Besitz. Am 7. Juni 1381 erscheint Guillaume von Germolles mit dem herzoglichen Verwalter Philibert Paillart vor dem Vogt von Chalon um den Besitzübergang auf den Herzog zu bestätigen. Über das Aussehen der Burg der Herren von Germolles ist wenig bekannt.[3] Gewiss war es ein massiver Bau mit Türmen und wenigen, kleinen Fenstern. Vom ursprünglichen Gebäude bleibt heute einzig die untere Kapelle und der Weinkeller.

Landsitz von Philipp dem Kühnen und Margarethe von Flandern[Bearbeiten]

Garderobenzimmer von Margarete von Bayern - Wandmalerei des 14.Jh.

Im Jahre 1380 wird Philipp der Kühne, der erste Herzog von Burgund aus der königlichen Dynastie der Valois-Dynastie, neuer Besitzer von Germolles. Nach einem Jahr schenkt er diesen Besitz an seine Frau, die Herzogin Margarete von Flandern, Erbin mehrerer Ländereien. Wichtige und teure bauliche Veränderungen wurden sofort durchgeführt. Sie dauerten ein Jahrzehnt von 1382-1402. [4]

Das Ziel der Herzogin war, die strenge und archaische Festung des 13. Jahrhunderts in ein Landgut zu verwandeln. Um dies zu erreichen, traten mehrere Künstler in den Dienst des herzoglichen Paares: der Architekt Drouet de Dammartin, die Bildhauer Jean de Marville und Claus Sluter und der Maler Jean de Beaumetz. Diese Künstler arbeiteten zur gleichen Zeit an einem anderen wichtigen Projekt des Herzogs: der Chartreuse de Champmol. Die Residenz wurde langsam in einen prächtigen Landsitz verwandelt. Die großen rechteckigen Gebäude, umgeben von einem Wassergraben, umschlossen einen Hof. Die Wohnungen wurden in den südlichen und östlichen Flügel gelegt, während der Westflügel Zimmer für Empfänge enthielt und der Nordflügel für Wachen und Sicherheitspersonal bestimmt war.

Die Herzogin von Burgund, energisch und eine Liebhaberin des Landlebens, entschied sich bei Germolles einige Aktivitäten zu entfalten, die eine angenehme Umgebung um die von ihr bevorzugte Residenz zu schaffen, ebenso die Entwicklung der lokalen Landwirtschaft zu fördern und durch deren Bereitstellung ein gewisses Einkommen für den Unterhalt der Domäne zu erwirtschaften. Also pflanzte sie einen großen Rosengarten und die Blütenblätter wurden nach Flandern geschickt, um für Rosenwasser Verwendung zu finden. Ebenso wurde ein Schafstall gebaut. Dieser spiegelt nicht nur das Interesse der Herzogin an Schafen wider, sondern dieses Tier war nicht nur wegen der Wolle ein Sinnbild für das Glück von Flandern. Mit 250 Franc pro Jahr erwirtschaftete Germolles viermal soviel wie die Nachbargemeinde.[5]

Am 12. Februar 1389 war König Karl VI. von Frankreich zu Gast auf Germolles auf Einladung seiner Tante und seines Onkels.

Nachfolge auf Germolles[Bearbeiten]

Nach dem Tode Philipps des Kühnen und Margarethes von Flandern gehörte das Schloss nacheinander drei Herzögen von Burgund: Johann ohne Furcht, Philipp dem Guten und Karl dem Kühnen.


Nach dem Tode Karls des Kühnen in Nancy im Jahre 1477 fiel das Schloss in den Besitz der Könige von Frankreich. Mit der Genehmigung des Königs wurde das Schloss von verschiedenen Familien bis zum Ende des 18. Jahrhunderts genutzt.

Verschiedene Arten von Zerstörung, freiwillig oder zufällig, insbesondere mangelnde Wartung, führten zum Verlust des südlichen Flügels.

Mit der Französischen Revolution fiel das Schloss an die französische Nation. Ein Feuer zerstörte 1873 weitere Teile des Schlosses. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist das Schloss im Privatbesitz ein und derselben Familie. Heute ist das Schloss, während des größten Teils des Jahres, für Besucher geöffnet.

Historische Daten[Bearbeiten]

  • 1380: Der Herzog von Burgund, Philipp der Kühne, konfisziert das Anwesen von Germolles für seine Frau, Margarete von Flandern;
  • 1382: Beginn der Renovierung und Neubau der Residenz. Die Arbeiten dauerten 10 Jahre, in denen die Befestigung Germolles zu einem luxuriösen Landsitz umgewandelt wurde;
  • 1389: Besuch des Königs Karl VI.;
  • 1393: Claus Sluter schnitzt Philipp der Kühne und Margarete von Flandern, der Herzog und die Herzogin unter einer Ulme sitzend, umgeben von Schafen;
  • 1425: Katharina von Österreich, Tante von Philip dem Guten, bekommt Germolles als Residenz
  • 1477: Schloss Germolles fällt an die französische Krone;
  • 1722: Das Schloss ist fast gänzlich verfallen;
  • 1873: Feuer zerstört Teile des Schlosses.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schlossanlage insgesamt in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  2. Patrice Beck (Hrsg.): Vie de cour en Bourgogne à la fin du Moyen Age, Saint-Cyr-sur-Loire, Editions Alan Sutton, 2002, 128 Seiten. , ISBN 2-84253-743-2 , S. 11.
  3. Patrice Beck (Hrsg.): Vie de cour en Bourgogne à la fin du Moyen Age, Saint-Cyr-sur-Loire, Editions Alan Sutton, 2002, 128 Seiten. , ISBN 2-84253-743-2 , S. 13.
  4. Patrice Beck (Hrsg.): Vie de cour en Bourgogne à la fin du Moyen Age, Saint-Cyr-sur-Loire, Editions Alan Sutton, 2002, 128 Seiten. , ISBN 2-84253-743-2 , S. 23-33.
  5. Patrice Beck (Hrsg.): Vie de cour en Bourgogne à la fin du Moyen Age, Saint-Cyr-sur-Loire, Editions Alan Sutton, 2002, 128 Seiten. , ISBN 2-84253-743-2 , S. 18.

Weblinks[Bearbeiten]

46.8069444444444.7522222222222Koordinaten: 46° 48′ 25″ N, 4° 45′ 8″ O