Chalon-sur-Saône

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Dieser Artikel beschreibt die französische Stadt Chalon-sur-Saône. Für die frühere Stadt Châlons-sur-Marne siehe Châlons-en-Champagne.
Chalon-sur-Saône
Wappen von Chalon-sur-Saône
Chalon-sur-Saône (Frankreich)
Chalon-sur-Saône
Region Burgund
Département Saône-et-Loire
Arrondissement Chalon-sur-Saône (Unterpräfektur)
Kanton Chef-lieu von 4 Kantonen
Gemeindeverband Le Grand Chalon.
Koordinaten 46° 48′ N, 4° 51′ O46.7936111111114.8475188Koordinaten: 46° 48′ N, 4° 51′ O
Höhe 172–192 m
Fläche 15,22 km²
Einwohner 44.847 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 2.947 Einw./km²
Postleitzahl 71100
INSEE-Code
Website http://www.chalon.fr
Die Saône in Chalon-sur-Saône im Winter

Chalon-sur-Saône [ʃa.lɔ̃.syʁ.soːn] ist eine französische Stadt im Département Saône-et-Loire in der Region Burgund. Sie ist mit 44.847 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011)[1] zwar die größte Stadt des Départements, aber nicht deren Verwaltungssitz, sondern lediglich Sitz einer Unterpräfektur. Nach Dijon ist Chalon die zweitgrößte Stadt der Region Burgund.

Die Stadt liegt am Ufer der Saône und am Endpunkt des Canal du Centre und ist der Markt und mit seinem Flusshafen auch die Verladestation der westlichen Bresse für das Getreide und die regionalen Weine, die den Fluss hinunter transportiert werden sollen.

Geschichte[Bearbeiten]

Chalon-sur-Saône hieß in der Antike Cabillonum, war einer der Hauptorte der Äduer in Gallia Lugdunensis und wird zuerst von Caesar (De bello Gallico 7, 42 und 7, 90) erwähnt. Dieser legte in die Stadt eine Garnison, die 52 v. Chr. zunächst unter dem Kommando des Militärtribunen Marcus Aristius stand, den die Einwohnern vertrieben, danach unter dem Befehl von Quintus Tullius Cicero, dem Bruder des berühmten Redners. Hier hatte später ein römischer Marinepräfekt seinen Sitz, da die Kaiser auf der Saône eine Flottille unterhielten. Der Ort, der an der Via Agrippa lag, hatte auch Kornmagazine für die Armee und lebhaften Handel. Der heilige Marcellus soll hier das Christentum verbreitet haben und 178 n. Chr. den Märtyrertod gestorben sein. Seit dem 4. oder 5. Jahrhundert war Chalon Sitz eines Bischofs. Der Ort erlitt 406 durch die Vandalen und 451 durch die Hunnen Attilas Zerstörungen.

Im Jahr 471 wurde Chalon burgundisch und 534 fränkisch. Um 555 verwüstete Chram, der aufständische Sohn Chlothars I., Chalon, das König Guntram I. später zur Residenz des Teilreichs Burgund machte und damit zu einer der wichtigsten und attraktivsten Städte Galliens und in der Folge zum Ort wichtiger Synoden. 732 wurde die Stadt von den Sarazenen und 761 von Herzog Waifar von Aquitanien verheert sowie 834 von Kaiser Lothar belagert. In der Teilung unter die Söhne Ludwigs des Frommen kam es an Karl den Kahlen.

Im 10. Jahrhundert bildete Chalon mit seinem Gebiet die burgundische Lehnsgrafschaft Châlonnais. Diese kam 1097 durch Kauf zur Hälfte an den Bischof von Chalon. Die andere Hälfte war vom Grafen von Donzy geerbt worden und kam 1237 durch Tausch gegen die Herrschaft Salins an das Herzogtum Burgund und 1477 mit Burgund zur französischen Krondomäne, der Domaine royal.

1256 verlieh Herzog Hugo IV. von Burgund, der die Grafschaft Châlonnais 1237 erworben hatte, der Stadt Chalon Kommunalrechte. Philipp der Kühne ließ sie 1368 wieder befestigen. Weil ihre Einwohner nach dem Tod Karls des Kühnen (1477) für dessen Tochter Maria Partei ergriffen hatten, wurden sie von Georges II de La Trémoille, Herrn von Craon, im Auftrag König Ludwigs XI. belagert und mussten sich nach langem Widerstand ergeben, woraufhin die angesehensten Bürger an Händen und Füßen gefesselt in die Saône geworfen wurden. Franz I. ließ die Festungswerke wieder instandsetzen, wobei die Vorstädte mit einbezogen wurden.

1562 eroberten die Hugenotten unter Montbrun die Stadt, wurden aber von Tavannes geschlagen. 1563 wurde die Zitadelle mit fünf Bastionen erbaut. Die Katholische Liga bemächtigte sich 1589 unter dem Befehl von Mayenne der Stadt, in die dann 1591 der Marschall von Aumont mit seinen Truppen kam. Die Unruhen dauerten bis 1595. Nach der Französischen Revolution wurde das Bistum Chalon 1801 aufgelöst und sein Gebiet in das Bistum Autun eingegliedert.

Fotografie[Bearbeiten]

Chalon ist bekannt als Geburtsort der Fotografie (Heliografie). Der berühmteste Bürger der Stadt ist Joseph Nicéphore Nièpce, für dessen Erfindung es am Quai des Messageries ein Museum gibt, das mehr als 2 Millionen Fotografien und viele Artefakte, Kameras und andere Ausrüstungsgegenstände aus der gesamten Geschichte der Fotografie enthält.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Altstadt

Die Kathedrale St. Vincent an der Place Saint-Vincent, deren Hauptteil aus dem 12. bis 15. Jahrhundert stammt, weist – neben der neoklassizistischen Fassade aus dem 19. Jahrhundert – architektonische Elemente auf, die ins 8. Jahrhundert zurückreichen.

Die Altstadt rund um die Kathedrale ist teilweise gut erhalten. Gegenüber der Kirche St. Pierre aus dem 18. und 19. Jahrhundert liegt das Musée Vivant-Denon, in dem neben einer Gemäldesammlung römische und merowinginsche Funde ausgestellt sind. Auf einer Insel in der Saône steht die Tour du Doyenné aus dem 15. Jahrhundert sowie das im 16. Jahrhundert gegründete Hôpital einschließlich einer Kapelle mit ihren ursprünglichen Glasfenstern und einer Apotheke.

Chalons dans la rue[Bearbeiten]

In Frankreich ist Chalon-sur-Saône für sein Theaterfestival Chalons dans la rue bekannt. Dieses Straßenfest findet seit 1986 jedes Jahr Mitte Juli[2] in der gesamten historischen Innenstadt statt. Auf Plätzen, in Höfen und auf der Straße treten Straßenkünstler aus Frankreich und mittlerweile auch vielen anderen Ländern auf. Das Festival unterteilt sich Vorstellungen aus dem Off- und dem In-Bereich. Die Off-Veranstaltungen können ohne Eintritt besucht werden, wohingegen die In-Aufführungen Eintritt kosten[3].

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chalon-sur-Saône – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Chalon-sur-Saône – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Französisches Statistikinstitut (www.insee.fr)
  2. Offizielle Webseite Chalons dans la rue
  3. Bildergalerie Chalons dans la rue 2012