Knecht Ruprecht

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Der hl. Nikolaus (Samichlaus, Mitte) und Knecht Ruprecht (links) verteilen Gaben aus dem Handwagen an Kinder

Der Knecht Ruprecht ist der Gehilfe des heiligen Nikolaus, der im Brauchtum des nördlichen und mittleren deutschen Sprachraums am Vorabend des 6. Dezembers zusammen mit dem Nikolaus Kinder zu Hause besucht.

Kulturgeschichte des Knechts Ruprecht und Bräuche[Bearbeiten]

Der Knecht Ruprecht geht auf eine sehr ausgeprägte Bildung des sogenannten Einkehrbrauches des heiligen Nikolaus zurück. Während der Nikolaus im Brauch eine eindeutig positiv besetzte Rolle spielt, sind sämtliche Personen, die ihn begleiten, in allen bisher bekannten Quellen negativ. Genauso wie beispielsweise die Antithetik des Narren zum König David oder der Fastnacht zur Fastenzeit – die große Ähnlichkeiten mit den Nikolausbräuchen aufweisen – verhält es sich daher auch bei der Figurenkonstellation Nikolaus – negativer Genosse. Während der eine als Himmelsbote agiert, steht der andere als Höllenvertreter oder geradezu „gezähmter Teufel“[1], der die drohende und strafende Rolle übernimmt.

Während im ausgehenden Mittelalter der Name Knecht Ruprecht noch lange nicht überall bekannt war, sondern jeweils nach den örtlichen Befindlichkeiten Belznickel, Beelzebub oder einfach nur schlichtweg Teufel genannt wurde, geht die Bezeichnung Knecht Ruprecht auf Figuren aus dem Alpenvorland oder aber aus Thüringen zurück und verbreitete sich so zur mittlerweile bekanntesten Figur.

Jacob Grimm meinte, dass Ruprecht – wie der Name – auf das althochdeutsche hruodperaht ‚Ruhmglänzender‘ und damit in die Nähe des germanischen Gottes Wotan verwies oder dass er Diener (Knecht) der Göttin Holle war. In der heutigen Forschung werden solche etymologische Herleitungen verworfen. Man geht vielmehr davon aus, dass der Name auf Brauchfiguren aus dem Alpenland verweist. Die Herleitung aus rûhperhtrauhe Percht‘ beinhaltet eine Verbindung zu winterlichen Umzugsgestalten, die vorwiegend an Epiphanie auftreten. Eine Verbindung besteht in Gestalt der Frau Perchta. Allerdings lassen sich genauere Herleitungen aufgrund der Quellenlage nicht bestätigen.

Die verschiedenen Gestalten des Knecht Ruprecht haben ihren Ursprung im spätmittelalterlichen Kinderschreck. Seit dem 16. Jahrhundert, verstärkt im 17., kursierten Flugblätter mit Schreckfiguren, die als zusätzliches Mittel der elterlichen Erziehung die Kinder zu Frömmigkeit mahnten. Am häufigsten verbreitet war der Kinderfresser, wie er beispielsweise heute noch als Kindlifresser an einem Brunnen im schweizerischen Bern zu sehen ist. Die Figur geht auf eine im 16. Jahrhundert in Italien entstandene Vorstellung zurück, in der der Teufel die Seelen der Sünder verschlingt. Der Kinderfresser, oftmals auch in Begleitung einer Butzenbercht, drohte den unfrommen Kindern in grausamen Versen, sie mitzunehmen, aufzuschlitzen, bis aufs Blut auszupeitschen oder gar aufzufressen. Wie Knecht Ruprecht trugen beide Figuren, der Kinderfresser und die Butzenbercht, einen großen Sack oder Korb, worin sie die Kinder zu stecken versuchten. Auf Grund dieser Verhältnisse ist der Weg insbesondere der Butzenbercht zum Knecht Ruprecht nicht weit, entstammen beide der Gattung der Perchten.

Während der heilige Nikolaus insbesondere in protestantischen Gegenden im Laufe der Zeit vom Christkind oder Heiligen Christ verdrängt wurde, kam der Knecht Ruprecht meist ungeschoren davon. In einigen Gegenden agierte er sogar als alleinige Zwitterfigur, der beschenkte und strafte. In Sachsen wurde allgemein und wird vereinzelt die Bescherung und auch die Bestrafung der Kinder am Weihnachtstag durch den Ruprecht vorgenommen, der damit dem Weihnachtsmann vergleichbar ist. Im Klavierstück von Robert Schumann wird genau diese Figur beschrieben, die kein Begleiter des Nikolaus ist.[2]

Relativ rasch verwischte speziell in reformierten Gegenden die ursprüngliche Idee des Knecht Ruprecht als negative Figur bzw. als Gegenpart eines Heiligen. Quellen belegen eine Vermischung des Nikolaus mit Ruprecht in Benennungen wie Herre Sente Rupperich, also Herr Sankt Ruprecht. Erstmals wurde im 17. Jahrhundert versucht, die Figur des Knecht Ruprechts von einem legendären Priester namens Ruprecht herzuleiten, der nach der bekannten Sage vom Tanzwunder von Cölbigk 1020 die gottlosen Tänzer von Cölbigk – Bauern, welche nach reichlichem Biergenuss durch lautes Singen und Tanzen vor der Kirche die Feier der Christnacht störten – verflucht haben soll. Ungeachtet der ideengeschichtlichen Tatsache des Gegenparts Ruprechts zum Nikolaus wirbt die Gemeinde Ilberstedt in Sachsen-Anhalt mit dem heutigen Ortsteil Cölbigk noch heute als Heimstatt des Knecht Ruprecht.

Heute stellt sich der Ruprecht als Knecht meist nur mehr als Korbträger des Nikolaus dar.

Erscheinung und Unterscheidung von anderen Begleitern des Hl. Nikolaus[Bearbeiten]

Der Knecht Ruprecht ist in der Regel in eine braune oder schwarze Kutte gekleidet, bärtig, trägt am Gürtel eine Rute oder einen Wanderstock oder Geschenke in einem Korb auf seinem Rücken – meist kleine Säcke, gefüllt mit Mandarinen, Erdnüssen, Schokolade und Lebkuchen. Frühere und heute noch regional verbreitete Darstellungen zeigen ihn aber auch fell-zottelig und teilweise sogar gehörnt.[3]

An Regionalnamen finden sich etwa Ruppknecht, Knecht Nikolas, Nickel, Pelznickel (am Mittelrhein).[4]

Der Knecht Ruprecht und der Krampus entstammen ursprünglich wohl den Traditionen der Perchten, haben aber unterschiedliche Ausformung gefunden. Im alpenländischen Gebiet von Altbayern, Österreich und Südtirol entwickelte sich die Figur des Krampus, Bartls oder auch Klaubauf aus den Figuren der Schierchperchten, die zu einem Rauhnacht- und Winteraustreibe-Brauchtum gehören. Während die Krampusse heute noch teuflische Gestalten sind und in der Horde auftreten, kommt der Ruprecht alleine. Knecht Ruprecht verteilt meistens auch nur die Ruten für unartige Kinder (vergl. „Die Rute ins Fenster stellen“), während der Krampus damit auch selbst zuschlägt. Über den gesamten deutschen Sprachraum gesehen ist die Gestalt des Knecht Ruprecht weiter verbreitet als die des Krampus.

In verschiedenen Gegenden gibt es auch Figuren mit teilweise ähnlicher Funktion, aber anderer Herkunft und Tradition: Vom Schimmelreiter im früheren Ostpreußischen, Bullerklas im Norddeutschen über Beelzebub, Pelzebock oder Hans Muff im Rheinland, Hans Trapp im Elsass, Schmutzli in der Deutschschweiz bis zu den Klausen im Allgäu, die dann schon den Übergang zum Krampusbrauch darstellen. In Luxemburg wird er Houseker genannt, in den Niederlanden und Belgien der Zwarte Piet (Schwarze Peter/Petrus), wobei einige der deutschen Figuren auch mit geschwärzten Gesichtern dargestellt werden können, jedoch anders als im holländischem Brauch eine verstärkt strafende Rolle spielen [5], wie in Teilen NRWs.

Knecht Ruprecht als Motiv der Kunst und Literatur[Bearbeiten]

  • In Theodor Storms wohl volkstümlichstem Gedicht Knecht Ruprecht (verfasst 1862 in Heiligenstadt) beschreibt der Knecht seine Tätigkeit im Dialog mit dem Christkind. Teile des Gedichts werden bis heute in der Adventszeit oft rezitiert, insbesondere die Anfangszeilen: „Von drauß vom Walde komm ich her, ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr.“[6]
  • In dem satirischen Kindergedicht Knecht Ruprecht in Nöten aus Paula Dehmels Sammlung Das liebe Nest von 1919 ereifert sich ein altgewordener Ruprecht über die Wünsche der Kinder seiner Zeit, die alle nur noch das Luftschiff-Fahren auf ihrem Wunschzettel haben.[7]
  • Ein Klavierstück in Robert Schumanns Album für die Jugend (op. 68, Nr. 12) trägt den Titel Knecht Ruprecht.
  • Der französische Komponist Joseph Guy Ropartz identifiziert in seiner Kantate Wunder des heiligen Nikolaus den Begleiter des Heiligen mit dem Fleischer, der drei (dann von Nikolaus wiederbelebte) Kinder getötet und eingepökelt hat und nun dafür Buße tut.
  • In der deutschen Version der Fernsehserie Die Simpsons heißt der Familienhund Knecht Ruprecht (im Original: Santa’s Little Helper).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Mezger: Sankt Nikolaus. Zwischen Kult und Klamauk. Schwabenverlag , Ostfildern 1993, ISBN 3-7966-0723-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Knecht Ruprecht – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Knecht Ruprecht – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manfred Becker-Hubert: Lexikon der Bräuche und Feste. Herder-Verlag Freiburg-Basel-Wien 2000, ISBN 3-451-27317-9, S. 287
  2. So zum Beispiel im Riesengebirge, wo er als Berggeist Züge des Rübezahl annimmt.  Alois Klug: Aus Rübezahls Bergwelt. Aus einer Erzählung über eine Gebirgsbaudenschule. Zeit: Zwischen den beiden Weltkriegen. Riesengebirgsverl. Renner, 1965, Weihnachten im Gebirge (Dort mit einem Kommentar Jirasek: Zur Sagengestalt "Rübezahl".).
  3. vergl. Abb. in: Der Hl. Nikolaus und seine Begleiter. Die Jugend des Heimat- und Brauchtumsvereins Lechler München e.V., 30. Oktober 2006, abgerufen am 12. August 2009.
  4. Karl-Martin Voget: Sankt Nikolaus.Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, 1998/2006
  5. Martina Eberspächer: Der Weihnachtsmann: zur Entstehung einer Bildtradition in Aufklärung und Romantik. Stuttgart, 2002, S.138.
  6. Theodor Storm: Knecht Ruprecht. In: Projekt Gutenberg-DE.
  7. Kindergedicht: Knecht Ruprecht in Nöten. In: Project Gutenberg.