Loriot

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Dieser Artikel behandelt den Humoristen Loriot. Zur Fernsehserie siehe Loriot (Fernsehserie); zum Politiker siehe Fernand Loriot.
Vicco von Bülow ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zu anderen Personen siehe Vicco von Bülow (Begriffsklärung).
Loriot (2011)
Signatur von Loriot
Loriot (2005)

Loriot, bürgerlich Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow, kurz Vicco von Bülow (* 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel; † 22. August 2011 in Ammerland am Starnberger See)[1] etablierte sich von den 1950er Jahren an bis zu seinem Tod in Literatur, Fernsehen, Theater und Film als einer der vielseitigsten deutschen Humoristen. Loriot betätigte sich auch als Karikaturist, Regisseur, Schauspieler, Bühnen- und Kostümbildner und wurde 2003 von der Universität der Künste Berlin zum Professor für Theaterkunst ernannt.

Der Künstlername Loriot ist die französische Bezeichnung des Pirols, des Wappentieres der Familie von Bülow. In der mecklenburgischen Heimat des Adelsgeschlechtes ist Vogel Bülow eine gängige Bezeichnung für den Pirol.

Familie[Bearbeiten]

Das Familienwappen mit dem Pirol (frz. loriot) als Wappentier auf dem Helm

Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow wurde am 12. November 1923 als Sohn des Polizeileutnants Johann-Albrecht Wilhelm von Bülow (1899–1972) und dessen erster Ehefrau Charlotte Mathilde Luise, geborene von Roeder (1899–1929), Tochter Otto von Roeders (1876–1943), in Brandenburg geboren. Seine Eltern ließen sich 1928 in Gleiwitz scheiden.

Bei der Familie von Bülow handelt es sich um ein altes mecklenburgisches Adelsgeschlecht mit gleichnamigem Stammhaus im Dorf Bülow bei Rehna. Der Name Bülow wurde erstmals 1154 bei der Grundsteinlegung des Ratzeburger Doms urkundlich erwähnt. Die Stammreihe beginnt mit Godofridus de Bulowe (1229).[2][3] Viele Mitglieder der Familie brachten es im Staatswesen, beim Militär und in der Kirche zu hohen Ämtern oder machten sich um das Kulturleben verdient.[4] Zu Vicco von Bülows Verwandten zählt Bernhard von Bülow, Reichskanzler im Deutschen Kaiserreich.

Von Bülow war ab 1951 mit der Hamburger Kaufmannstochter und damaligen Modeschülerin Rose-Marie, geborene Schlumbom, genannt Romi (* 1929), verheiratet und war Vater zweier Töchter – Bettina und Susanne – sowie Großvater zweier Enkelkinder;[5] er lebte von 1963 bis zu seinem Tod in Ammerland am Starnberger See.[6]

Leben[Bearbeiten]

Kindheit, Krieg, Ausbildung[Bearbeiten]

Von Bülow wuchs mit seinem ein Jahr jüngeren Bruder seit 1927 bei Großmutter und Urgroßmutter in Berlin auf. 1933 zogen die Geschwister wieder zu ihrem Vater, der im Jahr 1932 erneut geheiratet hatte. Von Bülow besuchte von 1934 bis 1938 das Schadow-Gymnasium in Berlin-Zehlendorf[7]. Mit dem Vater zog die Familie 1938 nach Stuttgart. Von Bülow besuchte dort das humanistische Eberhard-Ludwigs-Gymnasium, das er 1941 siebzehnjährig mit Notabitur verließ. In Stuttgart sammelte er auch erste Erfahrungen als Statist in der Oper und im Schauspiel.

Er begann entsprechend der Familientradition eine Offizierslaufbahn, war drei Jahre mit der 3. Panzer-Division an der Ostfront im Einsatz und wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter und erster Klasse ausgezeichnet; er erreichte den Dienstgrad Oberleutnant. Sein jüngerer Bruder, der am 27. November 1924 ebenfalls in Brandenburg geborene Johann-Albrecht Sigismund von Bülow, fiel am 21. März 1945 als Leutnant bei Gorgast im Oderbruch.[8] Vicco von Bülows militärische Personalakte enthielt keinen Hinweis auf nationalsozialistische Gesinnung.[9][10]

Auf die Frage, ob er im Zweiten Weltkrieg ein guter Offizier gewesen sei, antwortete er in einem Interview: „Nicht gut genug, sonst hätte ich am 20. Juli 1944 zum Widerstand gehört. Aber für den schauerlichen deutschen Beitrag zur Weltgeschichte werde ich mich schämen bis an mein Lebensende.“[11]

Nach dem Krieg arbeitete er nach eigener Schilderung für etwa ein Jahr als Holzfäller im Solling, um sich Lebensmittelkarten zu verdienen.[12] 1946 vervollständigte er in Northeim am Gymnasium Corvinianum das Notabitur.[13] Auf Anraten seines Vaters studierte er von 1947 bis 1949 Malerei und Grafik an der Kunstakademie (Landeskunstschule) in Hamburg.

Frühe Arbeiten[Bearbeiten]

Nach dem Abschluss legte Bülow erste Arbeiten als Werbegrafiker vor und entwarf das charakteristische Knollennasenmännchen. Von 1950 an war Bülow als Cartoonist zunächst für das Hamburger Magazin Die Straße, danach für die Zeitschrift Stern tätig. Seit dieser Zeit verwendete er den Künstlernamen Loriot.

Seine erste regelmäßige Serie im Stern sollte Auf den Hund gekommen werden. Einige der ersten Cartoons lösten bei den Lesern große Proteste aus:

  • In einem Strandkorb sitzt eine Hundedame – aufrecht, im Bikini und mit Badekappe. Vor ihr im Sand spielt ein kleiner Mensch, daneben steht ein Hund auf seinen Hinterbeinen. „Kurverwaltung“ steht auf seiner Armbinde, streng schaut er unter seiner Schirmmütze hervor. „Wenn nun jeder seinen Menschen an den Strand mitbrächte!“ blafft der Hund.
  • Zwei Hunde lehnen am Fenster und schauen hinaus; es regnet stark. Auf dem Fußboden liegt ein Mensch, zusammengerollt und schlafend. Sagt der eine Hund zum anderen: „Bei dem Wetter möchte man keinen Menschen vor die Tür jagen!“

Viele Leser drohten damit, den Stern nicht mehr zu kaufen bzw. ihre Abonnements zu kündigen. Henri Nannen, der damalige Chefredakteur, stellte die Serie nach sieben Folgen ein und beendete die Zusammenarbeit: „Ich will den Kerl nie wieder im ‚Stern‘ sehen!“[14] Nach der Einstellung im „Stern“ zeigte sich kein einziger Verleger in Deutschland interessiert, die Serie als kleines Buch zu drucken. Unter anderem lehnte Ernst Rowohlt ab.

Loriot sandte auf Anraten einer Bekannten dem Schweizer Daniel Keel die Zeichnungen; 1954 präsentierten die beiden auf der Frankfurter Buchmesse das Buch Auf den Hund gekommen: 44 lieblose Zeichnungen. So begann eine lebenslange Zusammenarbeit: Loriot publizierte fortan fast ausschließlich bei Keel. Für Keel – er hatte 1952 den Diogenes Verlag gegründet – war es das zweite Buch; für Loriot das erste.

1953 startete der „Stern“ eine Kinderbeilage, das „Sternchen“. Loriot schlug die Serie „Reinhold das Nashorn“ vor und bekam den Auftrag, aus zunächst geplanten zwei Monaten wurden schließlich 17 Jahre.[15] Es folgten weitere Arbeiten für Weltbild und Quick.

Er hatte 1959 eine kleinere Rolle als Schauspieler in Bernhard Wickis Film Die Brücke, sowie 1961 in Bernhard Wickis Film Das Wunder des Malachias. 1962 hatte er eine Mini-Rolle in Andrew Martons Kriegsfilm Der längste Tag. Im selben Jahr gestaltete er das Titelblatt der ersten Ausgabe der Satirezeitschrift pardon. 1963 zog Vicco von Bülow nach Münsing-Ammerland in die Nähe des Starnberger Sees. Dort wurde er als angesehenes Mitglied der Dorfgemeinschaft 1993 zum Ehrenbürger erhoben.

Fernsehmoderationen, Serien, „Wum“[Bearbeiten]

Loriot (1971)

Loriot moderierte von 1967 bis 1972 die Fernsehsendung Cartoon für den Süddeutschen Rundfunk der ARD, die er auch als Autor und Co-Regisseur verantwortete. Es handelte sich ursprünglich um eine Sendereihe internationaler Zeichentrickfilme, in die er auch eigene Arbeiten einbrachte und damit künstlerisch die engen Rahmenbedingungen, die das Medium Zeitschrift seinen Zeichnungen auferlegt hatte, verließ. Loriots anfänglich reine Moderation von einem roten Sofa aus wurde zunehmend zu einem eigenständigen humoristischen Element der Sendung. Später baute Loriot auch Sketche, in denen er selbst die Hauptrolle übernahm, in die Folgen ein.

1971 schuf Loriot mit dem Zeichentrick-Hund Wum ein Maskottchen für die Aktion Sorgenkind in der ZDF-Quizshow Drei mal Neun, dem er selbst auch die Stimme lieh. Zu Anfang war Wum noch der treue Freund eines Männchens, des eigentlichen Maskottchens, dem er jedoch mehr und mehr die Show stahl und das er schließlich völlig verdrängte. Zu Weihnachten 1972 wurde Wum dann zum Gesangsstar: Mit dem Titel Ich wünsch' mir 'ne kleine Miezekatze war er so erfolgreich, dass er für neun Wochen die Spitze der deutschen Hitparade belegte. Dabei handelte es sich bei Wums Gesang um von Bülows Sprechgesang. Wum blieb auch in der Nachfolgesendung Der Große Preis bis in die 1990er Jahre hinein als Pausenfüller erhalten, bald schon als Duo zusammen mit dem Elefanten Wendelin und später mit dem Blauen Klaus, einem Außerirdischen, der mit seiner fliegenden Untertasse einschwebte. Loriot schrieb und zeichnete die Trickfilmgeschichten, die jedes Mal mit einer Aufforderung an die Zuschauer schlossen, sich an der Fernseh-Lotterie zu beteiligen, und lieh allen Figuren seine Stimme. Mit der letzten Folge von Der große Preis endeten auch die Abenteuer von Wum und Wendelin. Heute ist das Paar auf der letzten Seite der Fernsehzeitschrift Gong zu sehen.

Das grüne Sofa aus der Fernsehserie Loriot; Ausstellung im Haus der Geschichte in Bonn (2009). Seit 2011 steht es im Foyer von Radio Bremen.
Bronze-Replik des Sofas mit Mops vor dem Funkhaus von Radio Bremen (seit 10. November 2013)

Nach Ende der Serie Cartoon produzierte der Süddeutsche Rundfunk eine Sondersendung anlässlich des Besuchs der britischen Queen 1974 (Loriots Telecabinet), die bereits einiges von dem vorwegnahm, was im Laufe des Jahrzehnts noch kommen sollte. 1976 entstand mit Loriots sauberer Bildschirm die erste Folge der sechsteiligen Fernsehserie Loriot bei Radio Bremen, in der er sowohl Zeichentrickfilme als auch gespielte Sketche (letztere oft zusammen mit Evelyn Hamann) präsentierte. Diese Sketche und Trickfilme wurden in Deutschland sehr populär, werden noch immer regelmäßig im Fernsehen wiederholt und sind inzwischen komplett auf DVD erhältlich. Die Anmoderationen und humoristischen Einlagen von Loriot und Evelyn Hamann zwischen den Filmbeiträgen fanden auf einem grünen Sofa statt. 1983 produzierte Radio Bremen zu seinem 60. Geburtstag für die ARD die Sendung Loriots 60. Geburtstag.

Klassische Musik und Oper[Bearbeiten]

Eine besondere Liebe verband Loriot zur klassischen Musik und zur Oper. Das Interesse hatten die Großmutter, die ihm als Kind Mozart, Puccini und Bach auf dem Klavier vorspielte, und die Plattensammlung seines Vaters mit Aufnahmen von Tenören und Opern-Soli, geweckt. In seiner Stuttgarter Zeit wohnte Loriot in Laufweite zur Oper Stuttgart und wirkte als Komparse auf der Opernbühne mit.[16]

1982 dirigierte er das „humoristische Festkonzert“ zum 100. Geburtstag der Berliner Philharmoniker, mit deren Geschichte er durch familiäre Beziehungen verbunden war (Hans von Bülow, der erste Chefdirigent der Philharmoniker, war ein entfernter Verwandter von Loriot). Seine Erzählfassung des Karnevals der Tiere führte Loriot wiederholt mit dem Scharoun Ensemble auf, einem Kammermusikensemble von Musikern der Berliner Philharmoniker. Als Regisseur inszenierte Loriot die Opern Martha (Stuttgart, 1986) und Der Freischütz (Ludwigsburg, 1988). Seit 1992 wird seine Erzählfassung von Wagners „Ring des Nibelungen“ aufgeführt: „Der Ring an 1 Abend“, uraufgeführt im Nationaltheater Mannheim. Für Leonard Bernsteins Operette Candide verfasste Loriot neue Texte für eine konzertante Aufführung, welche die Handlung besser verständlich machte und dem Stück in Deutschland zu neuer Popularität verhalf.[17] Die Neufassung der konzertanten Candide wurde 1997 im Prinzregententheater München uraufgeführt. [18]

Loriots „Ring“ bildete auch den einzigen Programmpunkt der 1995 erstmals in Berlin veranstalteten Operngala zugunsten der Deutschen AIDS-Stiftung.[19] Loriot war bis 2006 Moderator dieser jährlich in der Deutschen Oper Berlin ausgerichteten Veranstaltung. Seine Moderationstexte bildeten später den Grundstock für Loriots kleinen Opernführer. Sein Nachfolger als Moderator der AIDS-Gala war ab 2007 Max Raabe.

Kinofilme[Bearbeiten]

1988 drehte Loriot als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller den Film Ödipussi, 1991 folgte dann Pappa ante Portas. Dabei spielte Evelyn Hamann jeweils die weibliche Hauptrolle. Produziert wurden alle seine Filme von Horst Wendlandt, der auch die meisten Filme von Otto Waalkes und Hape Kerkeling produzierte.

Späte Aktivitäten, Ehrungen[Bearbeiten]

  • Loriot gründete in Brandenburg an der Havel die Vicco-von-Bülow-Stiftung. Sie fördert den Erhalt von Denkmälern und Kunstschätzen; des Weiteren werden bedürftige Einwohner der Stadt unterstützt.[20]
  • Loriot gehörte dem im August 2004 in München aus Protest gegen die Rechtschreibreform gegründeten Rat für deutsche Rechtschreibung e. V. als Ehrenmitglied an.[21]
  • Im April 2006 gab Loriot bekannt, sich als Fernsehschaffender zurückzuziehen, da seiner Meinung nach in diesem Medium wegen der entstandenen Schnelllebigkeit keine humoristische Qualität mehr zu erzielen sei.[22]
  • Anlässlich seines 85. Geburtstages fand von November 2008 bis März 2009 im Filmmuseum Berlin die bislang größte Ausstellung zu seinem Werk statt.[23]
  • Als Loriot am 26. August 2009 der Bremer Stadtmusikantenpreis verliehen wurde und er diesen aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich annehmen konnte, schenkte er Radio Bremen zum Dank eine Zeichnung der Bremer Stadtmusikanten aus seiner Feder. Die Darstellung der Märchenfiguren trägt typische Merkmale seiner künstlerischen Handschrift, einschließlich Knollennasenmännchen und Mops. Seitdem erhalten alle Preisträger einen Abdruck dieser Zeichnung.[24]
  • Am 19. September 2009 fand in Brandenburg an der Havel, Loriots Geburtsort, in seinem Beisein die feierliche Übergabe der restaurierten Nordkapelle (seiner Taufkapelle) in der St.-Gotthardt-Kirche statt. Die Stadt Brandenburg hatte zu einer Spendenaktion aufgerufen, um ihm dieses Geschenk zu seinem 85. Geburtstag machen zu können.[25][26]
  • Im November 2010 erschien die DVD-Box LORIOT und die Musik, die neben den aufgezeichneten Inszenierungen von Martha und Freischütz auch Leonard Bernsteins Candide enthält, eine Live-Aufnahme mit dem Ensemble des Gärtnerplatztheaters am 12. November 2003, seinem 80. Geburtstag, im Münchener Prinzregententheater, Moderationen der AIDS-Galas in der Deutschen Oper Berlin sowie andere musikbezogene Aufnahmen.
  • Die Stadtverordnetenversammlung von Brandenburg an der Havel beschloss am 27. Juni 2012, der städtischen Musikschule den Namen „Vicco von Bülow“ zu verleihen.[27]

Wohlfahrtsmarken[Bearbeiten]

Am 3. Januar 2011 erschienen vier Wohlfahrtsmarken mit Motiven aus bekannten Zeichentrickfilmen von Loriot: Das Frühstücksei, Herren im Bad, Auf der Rennbahn und Der sprechende Hund.[28] Die Zeichnungen hat Vicco von Bülow alias Loriot selbst ausgewählt und als Motive für die Wohlfahrtsmarken zur Verfügung gestellt.[29] Die Marken wurden am 10. Januar 2011 von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble als Herausgeber[30] und Bundespräsident Christian Wulff als Schirmherr des Sozialwerkes Wohlfahrtsmarken der Öffentlichkeit vorgestellt:[31] „Für mich ist Vicco von Bülow einer der ganz großen lebenden Deutschen im Kulturbereich, einer der ganz großen Kulturschaffenden unseres Landes“, sagte der Bundespräsident.[32]

Im März 2012 entschied das Landgericht Berlin[33] zu Gunsten der Erben von Vicco von Bülow, wonach die Wikipedia die Briefmarken nicht zeigen darf. Die Abbildungen waren bereits im Herbst 2011 nach einer einstweiligen Verfügung entfernt worden.[34]

Tod[Bearbeiten]

Grabstätte von Vicco von Bülow auf dem Berliner Waldfriedhof Heerstraße
von Fans mitgebrachte Gummienten auf Loriots Grabstein

Vicco von Bülow starb am 22. August 2011 im Alter von 87 Jahren in Ammerland am Starnberger See.[1] Er wurde am 30. August 2011[35] im engsten Familienkreis auf dem Waldfriedhof Heerstraße im Berliner Stadtteil Westend beigesetzt.[36] In der evangelisch-lutherischen St. Gotthardtkirche in Brandenburg/Havel, wo von Bülow am 30. Dezember 1923 getauft worden war, wurde ebenfalls ein Trauergottesdienst für ihn gehalten. Loriot hatte 1986 öffentlich zu Spenden für die Sanierung der Kirche aufgerufen.

Der Art Directors Club trauerte um sein Ehrenmitglied in einer Zeitungsanzeige mit den Worten: „Lieber Gott, viel Spaß!“[37]

Erinnerungsstätten[Bearbeiten]

Neben dem Grab auf dem Berliner Waldfriedhof an der Heerstraße erinnern in seinem Geburtsort Brandenburg „Loriots Weg“ mit mehreren Stationen, darunter einige seiner Lebens- und Wirkungsstätten, ein sitzendes Knollennasen-Männchen und die Figur Müller-Lüdenscheid an Loriot. Auf dem Eugensplatz in Stuttgart weist seit November 2013 eine Säule darauf hin, dass Loriot dort in Jugendjahren wohnte. Nachdem eine bei einer humoristischen Aktion auf das Denkmal gestellte Mopsfigur für Aufsehen gesorgt hatte und wenig später auf ungeklärte Weise wieder verschwunden war, ziert seit Mai 2014 die Bronzestatue eines Mopses ganz offiziell die Säule.[38] In Bremen wurde 2013 eine Bronzereplik des berühmten Loriot-Sofas – ebenfalls mit Mopsskulptur – vor dem Funkhaus von Radio Bremen postiert. Im selben Jahr fand in den Wallanlagen der Innenstadt die Einweihung des Loriot-Platzes[39] statt.

Biografie als Buch[Bearbeiten]

Die im Riva-Verlag München kurz nach Loriots Tod erschienene Biografie musste Mitte Januar 2013 aufgrund von Urheberrechtsverstößen vom Markt genommen werden. Loriots Tochter Susanne von Bülow hatte vor dem Landgericht Braunschweig dagegen geklagt, dass das Buch zu viele Zitate Loriots enthalte. Die Klägerin erzielte einen Teilerfolg. Der Verlag erklärte, das Buch nun in veränderter Form auflegen zu wollen.[40]

Künstlerische Handschrift[Bearbeiten]

Loriots Werke beschäftigen sich hauptsächlich mit zwischenmenschlichen Kommunikationsstörungen. „Kommunikationsgestörte interessieren mich am allermeisten. Alles, was ich als komisch empfinde, entsteht aus der zerbröselten Kommunikation, aus dem Aneinander-vorbei-Reden.“ (Loriot)

Seine Cartoons leben vom Kontrast zwischen der dargestellten Situation, der dabei zur Schau getragenen Würde seiner Knollennasenmännchen und den Legendentexten. Eines dieser Elemente fällt immer aus dem Rahmen, etwa der Legendentext „Wir fordern die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, auch wenn der Säugling dabei vorübergehend an Gewicht verlieren sollte“ unter der Darstellung eines sich distinguiert ein Kleinkind an die Brust legenden knollennasigen Herrn. Ein anderer Cartoon zeigt, wie einem Anstreicher, der am oberen Rand eines hohen Schornsteins arbeitet, der Pinsel herunterfällt, wozu der Legendentext trocken anmerkt: „Reine Dachshaarpinsel sind zwar empfindlich, aber bei feinen Arbeiten sauberer im Strich.“

Themen der Cartoons sind insbesondere das Alltagsleben, Szenen aus der Familie und der bürgerlichen Gesellschaft und oft die sprichwörtliche „Tücke des Objekts“. Loriot machte das Absurde sichtbar, das in normalen Alltagssituationen steckt, und verspottete etwa in seinen „Ratgebern“ die insbesondere in der deutschen Nachkriegsgesellschaft verbreitete Sehnsucht nach festen, erlernbaren Regeln im gesellschaftlichen Umgang, deren Beachtung vor Peinlichkeiten bewahren sollte. Die Komik entsteht bei Loriot nun gerade in den Sketchen oft dadurch, dass die Figuren sich auch in unpassenden und grotesken Situationen (etwa wenn zwei einander unbekannte Herren versehentlich in derselben Badewanne gelandet sind) darum bemühen, sich an diese gesellschaftlichen Regeln und Normen zu halten, wodurch ein oft absurder Humor erzeugt wird. In seinen Filmen und Sketchen zeigte Loriot gewissermaßen die ‚Tapferkeit‘ von Menschen, die in den verschiedensten Situationen durch ihre bürgerlichen Umgangsformen eine Katastrophe (oder zumindest den destruktiven Ausbruch von Aggressionen) zu verhindern und so ihre Würde zu wahren versuchen. Auffallend sind daneben gekonnt eingesetzte schlüpfrige Akzente. Loriots Humor zeichnete sich durch einen meisterhaften Gebrauch der deutschen Sprache aus.

Einige Erfindungen und Formulierungen Loriots wurden im deutschen Sprachraum Allgemeingut. Dazu gehören das Jodeldiplom, die Steinlaus (die sogar mit einem Eintrag im Pschyrembel vertreten ist) und der Kosakenzipfel mit den den Konflikthöhepunkt des zugehörigen Sketches markierenden Beschimpfungen „Jodelschnepfe“ und „Winselstute“, aber auch Sätze wie „Da hab’ ich was Eigenes, [da] hab’ ich mein Jodeldiplom“[41], „Und Reiter werden ja immer gebraucht!“[42], „Bitte sagen Sie jetzt nichts …“[43], „Das ist fein beobachtet“[44], „Früher war mehr Lametta!“[45], „Ein Klavier, ein Klavier!“[46], „Das Bild hängt schief!“[47], „Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann“ (sowie die Variante „wo Mutti sonst nur blasen kann“)[48], „Männer und Frauen passen (einfach) nicht zusammen!“, „Frauen haben auch ihr Gutes“[49] oder das lakonische „Ach (was)!

Werke[Bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten]

Loriot während einer Autogrammstunde (1971)
Loriot und Evelyn Hamann bei einer Lesung aus Loriots dramatische Werke (frühe 1980er)

Die ISBN und der Verlag beziehen sich auf die aktuelle Ausgabe.

Kino/Fernsehen[Bearbeiten]

DVD[Bearbeiten]

  • Loriot – Sein großes Sketch-Archiv. 4 DVDs. Warner Home Entertainment, 2001.
  • Loriot – Vollständige Fernseh-Edition. 6 DVDs. Warner Home Video, 2007.
  • Loriot – Loriot und die Musik. 5 DVDs. Warner Home Entertainment, 2010.

Theater/Oper/Musik[Bearbeiten]

Klassische Sketche und Zeichentrickfilme[Bearbeiten]

Eine Auswahl der klassischen Sketche und Zeichentrickfilme:[53]

Auszeichnungen und Ehrungen (Auszug)[Bearbeiten]

Stern für Loriot auf dem Boulevard der Stars in Berlin, daneben Blumen von Klaus Wowereit in Gedenken an den verstorbenen Künstler (2011)
Straßenschild des Loriotplatzes in Bremen (Ecke Contrescarpe/Herdentorsteinweg), eingeweiht am 26. Juni 2013

Ausstellungen[Bearbeiten]

Weitere Ausstellungen hatte es in Brandenburg bereits 1985 und 1996 gegeben. Im Panoptikum Mannheim befindet sich eine ihm zu Ehren geschaffene Wachsfigur.

Literatur[Bearbeiten]

Zum Leben und Werk
Interviews und Gespräche
Würdigungen

Filmdokumentation[Bearbeiten]

  • Bernhard Victor Christoph Carl von Bülow genannt Loriot. Portraitcollage, 2008, 90 Min., Buch: Klaus Michael Heinz, Produktion: WDR, RB, Erstsendung: 13. November 2008.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vicco von Bülow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Loriot – Zitate
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Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Meldung des Diogenes Verlages: Loriot alias Vicco von Bülow gestorben
  2. P. von Bülow: Familienbuch der von Bülows, Berlin 1858/59 (2 Teile), Ergänzungsband 1873.
  3. Meyers Enzyklopädisches Lexikon, Biographisches Institut, Mannheim/Wien/Zürich 1972, Band 5, S. 59.
  4. Neue Deutsche Biographie, Berlin 1955, 2. Band, S. 727 ff.
  5. Anna v. Münchhausen: Romi von Bülow: Seit 58 Jahren Frau Loriot. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. Mai 2009, abgerufen: 25. August 2011
  6. Focus: In Loriots Welt
  7. Leo Morsch: „Vicco von Bülow, genannt Loriot, Nachruf auf einen ehemaligen Schüler“
  8. Genealogisches Handbuch des Adels. v. Bülow, Band 92 der Gesamtreihe. C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1987, S. 175.
  9. „Er ist ein hervorragender Unterhalter.“ Die militärische Personalakte von Loriot. Digitalisat und Kommentar auf Bundesarchiv.de (Version vom 29. September 2011 im Internet Archive)
  10. „Die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des Bundesarchivs merkt zusätzlich an, dass in der Akte eine standardmäßige Floskel fehlt, die Offizierspersonalakten aus dieser Zeit in der Regel enthalten, unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt. Es fehlt eine Floskel nach Art von ‚steht auf dem Boden des Nationalsozialismus‘. Solche Formulierungen seien, so das Bundesarchiv, sehr häufig „Gefälligkeitseinschätzungen der beurteilenden Vorgesetzten, die vergeben wurden, sofern dem nichts entgegenstand“. Aus dem Fehlen in dieser Akte sei zu schließen, dass der junge Leutnant in der Wahrnehmung seiner Vorgesetzten so deutlich kein Nazi war, dass er ihnen nicht einmal die Standardfloskel wert war“ laut Tagesspiegel.de 8. September 2011: Wehrmachtsakte: Der unterhaltsame Herr v. B. auf: tagesspiegel.de 8. September 2011.
  11. SZ-Magazin: Ein Interview vom 21. Juni 2002 mit Vicco von Bülow über das Altern, sein Lebenswerk und vorgeschriebene Nachrufe., 23. August 2011.
  12. Loriot drückte die Schulbank auf dem Northeimer Gymnasium Corvinianum
  13. Eigene Schilderung in: Satirische Palette (1964, an anderer Stelle 1968); erschienen als Extra auf der Disc 1 der DVD-Box Die vollständige Fernseh-Edition (2007)
  14. „Mein Arzt sagt: Sie haben gar nichts – Sie sind alt“
  15. spiegel.de: Als Loriot auf die Hunde kam (Kai Posmik)
  16. Lachen ohne Anlass ist pure Dämlichkeit. Interview mit Gero von Boehm im Südwestrundfunk, 17. Januar 1986. In: Loriot (2011), Bitte sagen Sie jetzt nichts. Gespräche, ausgewählt von Daniel Keel und Daniel Kampa. Diogenes, Zürich, S. 25–54, hier: S. 39–41.
  17. Stefan Lukschy: Der Glückliche schlägt keine Hunde. Ein Loriot-Portrait. Aufbau-Verlag, Berlin 2013, S. 212f.
  18. a b c Pressemappe zur Ausstellung im Filmmuseum Berlin 2008 (PDF-Datei), abgerufen am 5. Januar 2014.
  19. Stefan Lukschy: Der Glückliche schlägt keine Hunde. Ein Loriot-Portrait. Aufbau-Verlag, Berlin 2013, S. 210.
  20. Informationen zur Vicco-von-Bülow-Stiftung auf der Website der Stadt Brandenburg (PDF; 122 kB)
  21. Handelsblatt: Treffen von Spitzenbeamten: Vorbereitungen für künftigen Rat für Rechtschreibung angelaufen
  22. Der Spiegel: Loriot – „Fernsehen ist zu schnell für meine Komik!“
  23. Frankfurter Allgemeine Zeitung (online-Ausgabe faz.net): Fundstücke des Fernsehens (9): Loriot – Der erfahrene Mensch ist komisch eingesehen am 1. November 2009
  24. Die Preisträger 2009. Loriot, Armin Mueller-Stahl, der Kirchentag und Werder Bremen. In: radiobremen.de. Abgerufen am 30. Januar 2012.
  25. Loriots Taufkapelle in Brandenburg/Havel saniert auf derwesten.de vom 3. März 2009
  26. http://www.stadt-brandenburg.de/?id=3346
  27. Namensverleihung an städtische Musikschule
  28. Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e.V.: Motive der Wohlfahrtsmarken 2011 sind Original-Phasenzeichnungen aus Loriots Fernseharbeiten
  29. Wohlfahrtsmarken 2011 lassen schmunzeln
  30. Serie Für die „Wohlfahrtspflege“ zur Unterstützung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e. V. Mitteilung des Bundesministeriums der Finanzen vom 1. Dezember 2010 (abgerufen am 30. Dezember 2010)
  31. Überreichung der Erstdrucke an den Gestalter der Wohlfahrtsmarken, Herrn Prof. Hans Günter Schmitz aus Wuppertal, und an Frau Bettina von Bülow
  32. Übergabe an Bundespräsident Wulff als Schirmherrn des Sozialwerkes Wohlfahrtsmarken
  33. Urteil des Landgerichtes Berlin im Volltext
  34. Meldung zum Rechtsstreit Wikipedia gegen Erben zur Briefmarke sowie Signatur von Vicco von Bülow
  35. Loriot hat jetzt seine Ruhe. In: Berliner Zeitung, 31. August 2011, S. 17.
  36. der Tagesspiegel: Loriot auf dem Waldfriedhof an der Heerstraße beigesetzt, 30. August 2011
  37. Loriot zum 90. Geburtstag – WDR 5. Abgerufen am 2. November 2013.
  38. Loriot-Denkmal in Stuttgart: Der Mops ist weg!. stuttgarter-zeitung.de. S. Loriot-Denkmal in Stuttgart. 10. Dezember 2013. Abgerufen am 7. März 2014. – Mops-Madame wacht über Eugensplatz. In: stuttgarter-nachrichten.de. 6. Mai 2014, abgerufen am 7. Mai 2014.
  39. Bremen hat jetzt einen Loriotplatz - Straßenschild offiziell enthüllt. radiobremen.de. 26. Juni 2013. Abgerufen am 7. März 2014.
  40. Verlag muss Loriot-Biografie zurückziehen. ZEIT online, 16. Januar 2013, abgerufen am 18. Januar 2013.
  41. Loriot: Die Jodelschule. In: Loriot VI, 1978.
  42. Loriot: Kosakenzipfel. In: Loriot VI, 1978.
  43. Loriot: Die Nudel. In: Loriot III, 1977.
  44. Loriot: Literaturkritik. In: Cartoon 21, 1972.
  45. Loriot: Weihnachten bei Hoppenstedts: In: Loriot VI, 1978.
  46. Loriot: Mutters Klavier (Heim-TV). In: Loriot V, 1978.
  47. Loriot: Zimmerverwüstung. In: Loriot II, 1976.
  48. Loriot: Vertreterbesuch. In: Loriot VI, 1978.
  49. Loriot: Pappa ante portas, 1991.
  50. Klassik-Rezensionen: Candide, abgerufen am 6. Januar 2014.
  51. Auf DVD publiziert in: Loriot – Loriot und die Musik. 5 DVDs. Warner Home Entertainment, 2010.
  52. Rezension auf www.dasorchester.de, abgerufen am 6. Januar 2014.
  53. Titel der Sketche und Zeichentrickfilme entsprechend Inhaltsverzeichnis zu: Loriot [Drehbuch, Regie]: Loriot. Die vollständige Fernseh-Edition. Hamburg: Warner Home Video 2007, 6 DVDs. – Unterteilte Werke werden dabei jeweils unter ihrem übergeordneten, zusammenfassenden Titel ohne die Nummerierung (also Teil 1, 2, usw.) gelistet. Die Sketche und Zeichentrickfilme werden teilweise auch unter abweichenden Namen geführt, siehe z. B Fernsehen. In: loriot.de. Abgerufen am 2. Mai 2012 (offizielle Loriot-Website, Angaben zur Erstausstrahlung der Werke im Fernsehen).
  54. Presse-Archiv Uni-Wuppertal: Ehrendoktorwürde für Loriot
  55. Dankesrede anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde, Universität Wuppertal, 22. Juni 2001
  56. Helmut Glück, Walter Krämer, Eberhard Schöck (Hrsg.): Kulturpreis Deutsche Sprache. Reden und Ansprachen 4 (2004). IFB Verlag im Institut für Betriebslinguistik, Paderborn 2004, ISBN 3-931263-50-9 (Online als PDF, 534 KB), S. 26–40, 42.
  57. 26. Juni 2013, Straßenschild offiziell enthüllt – Bremen hat jetzt einen Loriotplatz
  58. STZ: Loriot-Denkmal in Stuttgart Säule am Eugensplatz feierlich enthüllt, abgerufen am 12. November 2013
  59. http://www.neues-deutschland.de/artikel/815145.moooment-die-ente-bleibt-draussen.html?sstr=Loriot