Sozialdemokratische Partei Europas

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Sozialdemokratische Partei Europas
Logo der PES
Sergei Stanischew (2009)
Partei­vorsitzender Sergei Stanischew
General­sekretär Achim Post
Gründung 10. November 1992
Gründungs­ort Den Haag
Haupt­sitz rue du Trône, 98
1050 Brussels
Belgium
Farbe(n) rot
Parlamentsmandate
185/751
Staatliche Zuschüsse 4.323.313 € (2012, vorläufig)
EP-Fraktion S&D
Website www.pes.eu

Die Sozialdemokratische Partei Europas (SPE; englisch Party of European Socialists, PES; französisch Parti socialiste européen, PSE) ist eine europäische politische Partei. Sie umfasst 32 sozialdemokratische und sozialistische Parteien sowie Arbeiterparteien aus der gesamten Europäischen Union und aus Norwegen sowie weitere assoziierte Parteien aus mehreren anderen europäischen Ländern und der Türkei. Im Europäischen Parlament gehören ihr (Stand 20. März 2014) 190 der 766 Europaabgeordneten an. Die Fraktion der SPE, der noch weitere Parteien angehören, trägt den Namen Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament (S&D) und umfasst insgesamt 194 Mitglieder (Stand 20. März 2014).[1]

Mitgliedsparteien[Bearbeiten]

Vollmitglieder[Bearbeiten]

Staat Partei Abkürzung MdEP
BelgienBelgien Belgien Parti Socialiste PS 3
Socialistische Partij Anders SPa 1
BulgarienBulgarien Bulgarien Bălgarska Socialističeska Partija BSP 4
DanemarkDänemark Dänemark Socialdemokraterne S 3
DeutschlandDeutschland Deutschland Sozialdemokratische Partei Deutschlands SPD 27
EstlandEstland Estland Sotsiaaldemokraatlik Erakond SDE 1
FinnlandFinnland Finnland Suomen sosialidemokraattinen puolue SDP 2
FrankreichFrankreich Frankreich Parti socialiste PS 13
GriechenlandGriechenland Griechenland Panellinio Sosialistiko Kinima PASOK 2
IrlandIrland Irland Irish Labour Party LP -
ItalienItalien Italien Partito Socialista Italiano PS
Partito Democratico PD 31
KroatienKroatien Kroatien Socijaldemokratska Partija Hrvatske SDP 3
LitauenLitauen Litauen Lietuvos socialdemokratų partija LSDP 2
LuxemburgLuxemburg Luxemburg Lëtzebuerger Sozialistesch Arbechterpartei LSAP 1
MaltaMalta Malta Partit Laburista PL 3
NiederlandeNiederlande Niederlande Partij van de Arbeid PvdA 3
NordirlandNordirland Nordirland Social Democratic and Labour Party SDLP
NorwegenNorwegen Norwegen Arbeiderpartiet DnA *
OsterreichÖsterreich Österreich Sozialdemokratische Partei Österreichs SPÖ 5
PolenPolen Polen Sojusz Lewicy Demokratycznej SLD 5
Unia Pracy UP -
PortugalPortugal Portugal Partido Socialista PS 8
RumänienRumänien Rumänien Partidul Social Democrat PSD 16
SchwedenSchweden Schweden Sveriges socialdemokratiska arbetareparti SAP 6
SlowakeiSlowakei Slowakei SMER – sociálna demokracia [2] SMER 4
SlowenienSlowenien Slowenien Socialni demokrati SD 1
SpanienSpanien Spanien Partido Socialista Obrero Español PSOE 14
TschechienTschechien Tschechien Česká strana sociálně demokratická ČSSD 4
UngarnUngarn Ungarn Magyar Szocialista Párt MSZP 2
Magyarországi Szociáldemokrata Párt MSZDP
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Labour Party Labour 20
Zypern RepublikRepublik Zypern Zypern Kinima Sosialdimokraton EDEK 1

* Kein EU-Mitgliedsland

Assoziierte Parteien[Bearbeiten]

Staat Partei Abkürzung
AlbanienAlbanien Albanien Partia Socialiste e Shqipërisë PSS
Bosnien und HerzegowinaBosnien und Herzegowina Bosnien und Herzegowina Socijaldemokratska partija Bosne i Hercegovine SDP
BulgarienBulgarien Bulgarien Partei bulgarischer Sozialdemokraten PBS
IslandIsland Island Samfylkingin Samfylking
MazedonienMazedonien Mazedonien Socijaldemokratski Sojuz na Makedonija SDSM
MontenegroMontenegro Montenegro Demokratska Partija Socijalista Crne Gore DPS
Socijaldemokratska Partija Crne Gore SDP
SchweizSchweiz Schweiz Sozialdemokratische Partei der Schweiz SP
SerbienSerbien Serbien Demokratska Stranka DS
TurkeiTürkei Türkei Cumhuriyet Halk Partisi CHP
Barış ve Demokrasi Partisi BDP

Parteien mit Beobachterstatus[Bearbeiten]

Staat Partei Abkürzung
AgyptenÄgypten Ägypten Ägyptische Sozialdemokratische Partei ESDP
AndorraAndorra Andorra Partit Socialdemòcrata PS
IsraelIsrael Israel Awoda
Meretz-Jachad
LettlandLettland Lettland Latvijas Sociāldemokrātiskā Strādnieku partija LSDSP
Sociāldemokrātiskā Partija „Saskaņa“ SDPS
NordzypernTürkische Republik Nordzypern Türkische Republik Nordzypern Cumhuriyetçi Türk Partisi CTP
Palastina AutonomiegebietePalästinensische Autonomiegebiete Palästinensische Autonomiegebiete Fatah
San MarinoSan Marino San Marino Partito dei Socialisti e dei Democratici PSD
TunesienTunesien Tunesien Demokratisches Forum für Arbeit und Freiheit Ettakatol

Darüber hinaus gehören der S&D-Fraktion im Europäischen Parlament Abgeordnete der italienischen Partito Democratico, der lettischen Saskaņas Centrs sowie der zyprischen Dimokratiko Komma an (Stand: Mai 2010).

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge der internationalen Kooperation zwischen sozialdemokratischen und sozialistischen Parteien gehen auf die Arbeiterbewegung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Die gemeinsame Mitgliedschaft in der Sozialistischen Internationale bildete für die sozialdemokratischen und sozialistischen Parteien in West-Europa die Grundlage für ihre Zusammenarbeit im Rahmen der sich abzeichnenden europäischen Integration.

Im Januar 1957 führten sozialdemokratische Parteien der Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) erstmals einen Kongress in Luxemburg durch und verständigten sich auf die Schaffung eines Verbindungsbüros (Liaison Bureau of the Socialist Parties of the European Community). Auf dem 8. Kongress Ende Juni 1971 in Brüssel wurde das Verbindungsbüro in Office of the Social Democratic Parties of the European Community umbenannt.

Auf der Sitzung des Verbindungsbüros am 5. April 1974 in Luxemburg wurde der in Deutschland bezeichnete Bund der Sozialdemokratischen Parteien der Europäischen Gemeinschaft als europäischer Parteienzusammenschluss gegründet. Die Parteien konnten sich allerdings nicht auf einen einheitlichen Namen einigen, was zu einer unterschiedlichen Definition des Parteizusammenschlusses führte: federatie in den Niederlanden, union in Frankreich, Bund in Deutschland, confederation in Großbritannien, confederazione in Italien und samenslutingen in Dänemark. Der Sitz des Parteibüros wurde kurze Zeit später von Luxemburg nach Brüssel verlegt. Der erste Präsident des Bundes wurde der Deutsche Wilhelm Dröscher (SPD), ihm zur Seite standen die zwei Stellvertreter Sicco Mansholt (ehemaliger Präsident der EG-Kommission) und Robert Pontillon (Internationaler Sekretär der französischen Sozialisten).

Nach den ersten unmittelbaren Wahlen zum Europäischen Parlament im Juni 1979 stellten die Mitgliedsparteien des Bundes die meisten Abgeordneten und konnten mit 113 gegenüber den 107 Parlamentariern der EVP die stärkste Fraktion bilden.

Die zweiten Wahlen zum Europäischen Parlament im Juni 1984 konnten die im Bund zusammenschlossenen Parteien deutlicher als gegenüber 1979 gewinnen und bildeten in der zweiten Legislaturperiode mit 130 Fraktionsmitgliedern gegenüber 110 der EVP erneut die stärkste Gruppierung im Parlament.

Aufgrund des Maastricht-Vertrages zur Gründung der Europäischen Union und des revidierten EG-Vertrag mit Artikel 138a der eine Norm zu europäischen Parteien beinhaltet, wurde auf dem Kongress in Den Haag am 9. und 10. November 1992 die Sozialdemokratische Partei Europas (SPE) gegründet (in den Landessprachen einiger Mitgliedsparteien unter dem Namen Sozialistische Partei Europas). Ebenfalls 1992 schlossen sich die sozialistischen und sozialdemokratischen Jugendorganisationen als Europäische Jungsozialisten (ECOSY) zusammen.

Die europäische Parteienvereinigung besteht aus 32 Parteien aus allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sowie der norwegischen Arbeiderpartiet. In Kroatien, Mazedonien, der Schweiz und der Türkei ist die SPE mit assoziierten Parteien vertreten.

Von April 2004 bis zum 24. November 2011 war der ehemalige dänische Ministerpräsident und Europaabgeordnete Poul Nyrup Rasmussen Vorsitzender der SPE. Sein Nachfolger ist der Vorsitzende der Bulgarischen Sozialistischen Partei Sergei Stanischew, welcher das Amt zunächst als Interimspräsident ausübte[3] und auf dem Parteikongress im September 2012 formell im Amt bestätigt wurde.

Im Europäischen Parlament bildet die SPE eine eigene Fraktion, der jedoch auch einige nationale Parteien angehören, die nicht Mitglied der SPE sind. Die Progressive Allianz der Sozialisten und Demokraten (S&D) ist seit der Europawahl 2009 mit 184 Sitzen die zweitstärkste Fraktion des Parlaments und die einzige, die Mitglieder aus allen 27 EU-Staaten hat. Fraktionsvorsitzender ist der österreichische Sozialdemokrat Hannes Swoboda.

Parteivorsitzende[Bearbeiten]

Sergei Stanishev Poul Nyrup Rasmussen Robin Cook (Politiker) Rudolf Scharping Willy Claes Guy Spitaels Vítor Constâncio Joop den Uyl Robert Pontillon Wilhelm Dröscher

Die folgende Liste führt die Präsidenten der SPE (bzw. bis November 1992 des Bundes der Sozialdemokratischen Parteien der EG) auf.

Präsident Staat Nationale Partei Amtszeit
1. Wilhelm Dröscher DeutschlandDeutschland Deutschland Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) April 1974 Januar 1979
2. Robert Pontillon FrankreichFrankreich Frankreich Parti Socialiste (PS) Januar 1979 März 1980
3. Joop den Uyl NiederlandeNiederlande Niederlande Partij van de Arbeid (PvdA) März 1980 Mai 1987
4. Vítor Constâncio PortugalPortugal Portugal Partido Socialista (PS) Mai 1987 Januar 1989
5. Guy Spitaels BelgienBelgien Belgien Parti Socialiste (PS) Februar 1989 Mai 1992
6. Willy Claes BelgienBelgien Belgien Socialistische Partij Anders (sp.a) November 1992 Oktober 1994
7. Rudolf Scharping DeutschlandDeutschland Deutschland Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) März 1995 Mai 2001
8. Robin Cook Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Labour Party Mai 2001 24. April 2004
9. Poul Nyrup Rasmussen DanemarkDänemark Dänemark Socialdemokraterne (S) 24. April 2004 24. November 2011
10. Sergei Stanischew BulgarienBulgarien Bulgarien Bulgarische Sozialistische Partei (BSP) 24. November 2011

Generalsekretäre[Bearbeiten]

Generalsekretär Staat Nationale Partei Amtszeit
1. Manfred Michel DeutschlandDeutschland Deutschland Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) April 1974 Juli 1977
2. Dick Toornstra NiederlandeNiederlande Niederlande Partij van de Arbeid (PvdA) Juli 1977 November 1982
3. Mauro Giallombardo ItalienItalien Italien Partito Socialista Italiano (PSI) November 1982 Oktober 1989
4. Axel Hanisch DeutschlandDeutschland Deutschland Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) Oktober 1989 November 1992
5. Jean-François Vallin FrankreichFrankreich Frankreich Parti Socialiste (PS) November 1992 September 1999
6. Antony Beumer NiederlandeNiederlande Niederlande Partij van de Arbeid (PvdA) September 1999 Juni 2004
7. Philip Cordery FrankreichFrankreich Frankreich Parti Socialiste (PS) Juni 2004 September 2012
8. Achim Post DeutschlandDeutschland Deutschland Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) September 2012 -

Parteikongress[Bearbeiten]

Die SPE organisiert alle zweieinhalb Jahre einen europaweiten Kongress[4], einmal im Jahr der Wahlen zum Europäischen Parlament, und einmal zur Halbzeit. Der letzte dieser Kongresse fand am 28./29. September 2012 in Brüssel statt, nachdem der ursprünglich vorgesehene Veranstaltungsort Bukarest aufgrund der Staatskrise in Rumänien 2012 in Kritik geraten war.[5] Auf dem Kongress sollte unter anderem ein Verfahren verabschiedet werden, nach dem die Partei einen Spitzenkandidaten für die Europawahl 2014 auswählen wird.[6] Dieser soll bei einem Wahlsieg der SPE neuer Kommissionspräsident werden und damit die Nachfolge von José Manuel Barroso (EVP) antreten.

SPE-Mitglieder in europäischen Institutionen[Bearbeiten]

Europäischer Rat[Bearbeiten]

Länder mit SPE-Regierungschef sind rot markiert

Die SPE stellt derzeit (Stand: Oktober 2014) zehn der 28 Mitglieder (Staats- und/oder Regierungschefs) des Europäischen Rats:

Europäische Kommission[Bearbeiten]

Der seit 2009 amtierenden Kommission Barroso II gehören sechs von Mitgliedsparteien der SPE nominierte Kommissare an:

Europäisches Parlament[Bearbeiten]

Nach einer Vereinbarung mit der EVP hat der SPE-Abgeordnete Martin Schulz nach der Hälfte der Legislaturperiode von 2009 - 2014 Jerzy Buzek als Präsidenten des Europäischen Parlamentes abgelöst. Am 1. Juli 2014 wurde Schulz mit 66,8 % erneut zum Präsidenten des Parlaments gewählt.[7]

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Die SPE ist Mitglied in der Europäischen Bewegung International und der Sozialistischen Internationalen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pressemitteilung der neuen Fraktion vom 24. Juni 2009
  2. Infolge der Koalition der SMER mit der rechtsextremen SNS wurde die Mitgliedschaft im Oktober 2006 vorübergehend ausgesetzt. 2009 wurde sie wieder als Vollmitglied aufgenommen, vgl. EurActiv, 9. Dezember 2009: Slowakische Regierungspartei tritt europäischen Sozialdemokraten bei.
  3. New PES leader opposes a Europe of different speeds
  4. SPE-Satzung, December 2009, Verabschiedet vom 8. SPE - Parteitag (PDF; 464 kB), Abgerufen am 8. August 2012
  5. Mediapart. 4 August 2012. Bucharest, a test for the Party of European Socialists (PES) (PDF; 151 kB)www.mediapart.fr/. Abgerufen am 8. August 2012
  6. Verabschiedet vom SPE-Ratstagung am 24. November 2011, Wie wählen wir unseren gemeinsamen Kandidaten oder Kandidatin für die Europawahl 2014 aus (PDF; 89 kB) Abgerufen am 8. August 2012
  7. Martin Schulz ist erneut Präsident des EU-Parlaments. Die Welt. 1. Juli 2014. Abgerufen am 1. Juli 2014.