Sigismondo Malatesta

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Sigismondo Malatesta, Herr von Rimini, von Piero della Francesca
Harnischteile Malatestas um 1460-65, Neue Burg in Wien

Sigismondo Pandolfo Malatesta, genannt der Wolf von Rimini (* 19. Juni 1417 in Brescia; † 9. Oktober 1468 in Rimini) war ein italienischer Condottiere und Adliger aus der Familie Malatesta. Die Malatesta hatten um 1300 die Herrschaft in Rimini an sich gerissen und Pesaro (1320), Fossombrone (1333), Fano (1334) und zeitweise Ascoli und Ancona (1348) an sich gebracht. Sie regierten diese Städte als Vikare des Papstes.

Leben[Bearbeiten]

Sigismondo, ein illegitimer Sohn des Pandolfo Malatesta († 1427) konnte sich in den Kämpfen um die Nachfolge seines Vorgängers, Galeotto Roberto Malatesta (1429–1432), durchsetzen und war seit 1432 Herr von Rimini, Fano und Cesena. Er war ein herausragender Condottiere, aber unzuverlässig, wodurch er den Papst und den König von Neapel gegen sich aufbrachte. Federico da Montefeltro, Herr von Urbino, als Condottiere und Nachbar sein Rivale, war ein erbitterter Gegner des Malatesta und führte einen zermürbenden Krieg gegen ihn, der schließlich mit der Niederlage Malatestas in der Schlacht von Cesano 1463 endete. 1464 kommandierte Sigismondo die venetianische Armee gegen die Osmanen in Morea (Peloponnes) in einer erfolglosen Kampagne.

Schließlich verlor er, vom Papst exkommuniziert, fast alle seine Besitzungen und konnte nur Rimini mittels der Unterstützung der Venetianer halten. Auch der Nachfolger Pius' II., Paul II. änderte seine Haltung anfangs nicht, nahm ihn aber 1468 in seine Dienste und sicherte ihm die Herrschaft über Rimini zu. Sigismondo starb 51-jährig 1468 an einer Krankheit, die er sich während eines Feldzuges in Auftrag des Papstes gegen Norcia zugezogen hatte. Er wurde in einer Kapelle seines unvollendeten Tempio Malatestiano beigesetzt.

Nachfolge[Bearbeiten]

Sigismondo hatte 13 fast ausschließlich illegitime Kinder hinterlassen. Als Erben hatte er seine Gattin Isotta degli Atti († 1470) und seinen Sohn Sallustio eingesetzt. Sein unehelicher Sohn (oder Neffe) Roberto († 11. September 1482), den Papst Nikolaus V. legitimierte, ergriff durch Intrigen die Herrschaft und ließ die Söhne der Isotta töten. Ihm gelang während seiner Herrschaft die teilweise Rückeroberung des alten Malatestagebietes. Robertos Sohn Pandolfo IV. (1475–1534) war der letzte Herrscher aus dem Hause Malatesta. Nachdem dieser von Cesare Borgia vertrieben worden war, verkaufte er nach dessen Sturz 1503 Rimini an Venedig. Rimini blieb aber nur bis 1509 im Besitz Venedigs und fiel unter dem Papst Julius II. an den Kirchenstaat. Bis 1527 gab es noch einige mehr oder weniger erfolgreiche Versuche der Malatestas, sich in den Besitz der Stadt zu setzen.

Ansehen[Bearbeiten]

Wappen Sigismondos

Durch die Propaganda seiner Gegner, insbesondere durch Papst Pius II. wurde Sigismondo Malatesta zum Inbegriff des gottlosen und verderbten Renaissancefürsten. Ihm wurde sowohl die Ermordung seiner zwei ersten Gattinen, Ginevra d'Este und Polissena Sforza, wie auch die seines Bruders nachgesagt. Durch die Geschichtswissenschaft wurden die meisten Gerüchte als Propaganda entlarvt. Sicherlich hatte Sigismondo einen schwierigen und gewaltsamen Charakter, aber seine Missetaten waren wohl nicht schlimmer als die seiner Zeitgenossen. Es war eher sein – politisch ungeschickter – streitsüchtiger und unbeherrschter Regierungsstil, der ihn am Ende von allen Mächten isolierte, die nach dem Frieden von Lodi um Ausgleich bemüht waren und deren Friedensbemühungen Sigismondo gefährdete.

Trotz aller Relativierungen jenes übertrieben furchtbaren Bildes vom Massenmörder "Ezzelino" (ital. "kleiner Attila") forderte seine Gewaltherrschaft zahllose Opfer.

Kunst und Kultur[Bearbeiten]

Sigismondo Malatesta war ein kultivierter und gebildeter Herrscher. Es setzte alle Mittel ein, um seinen Ruhm zu verbreiten und sich verherrlichen zu lassen: Tafelbilder, Fresken, Medaillen und Lebensbeschreibungen kündigten von seinem Ruhm.

Piero della Francesca:
Sigismondo Malatesta kniet vor St. Sigismund,
Fresko im Tempio Malatestiano, 1451

Seine bedeutendste Tat als Mäzen war der Umbau der Kirche San Francesco in Rimini. 1446 beschloss er, die Kirche in ein Mausoleum für sich und seine damalige Geliebte und spätere Frau Isotta degli Atti umzugestalten. Nach einigen Umbauten durch Agostino di Duccio beauftragte er Leon Battista Alberti mit der Neugestaltung der Kirche. Dieser gab der Kirche ein neues Äußeres, wobei die Fassade, die sich an den Typus des römischen Triumphbogens anlehnt, von größter Bedeutung für die Architektur der Renaissance ist. Ursprünglich sollten die Sarkophage in Nischen der Fassade des nunmehr Tempio Malatestiano genannten Baus ihre Aufstellung finden. An den äußeren Seitenwänden der Kirche fanden Sarkophage verschiedener Gelehrter und Humanisten ihren Platz, deren Gebeine Sigismondo von verschiedenen Orten nach Rimini bringen ließ, darunter der des byzantinischen Philosophen Georgios Gemistos Plethon, der den Platonismus in Italien bekannt gemacht hatte und dessen Grab Sigismondo auf seinem Feldzug für die Venetianer in Morea gefunden hatte. Sigismondo wollte sich auf diese Weise als Mäzen der Humanisten präsentieren und sich in einem Gelehrtenpantheon bestatten lassen. Der heidnische Charakter der Kirche stieß jedoch auf Ablehnung und wurde von Papst Pius II. angeprangert.

Piero della Francesca schuf ein Porträt des Sigismondo, das sich heute im Louvre befindet, und im Tempio Malatestiano ein Fresko, das, wenn auch beschädigt, noch heute zu bewundern ist: Sigismondo Malatesta kniet vor seinem Namenspatron, der die Züge des Kaisers Sigismund trägt. Auch Pisanello schuf mindestens zwei Medaillen mit dem Konterfei Sigismondos.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sigismondo Malatesta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien