Stanislas de Guaita

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Stanislas de Guaita

Marquis Stanislas de Guaita (oft auch: Guaïta) (* 6. April 1861 im Château d'Alteville bei Tarquimpol (Lothringen); † ebenda, 19. Dezember 1897) war ein französischer Dichter, Okkultist, Kabbalist und Magier.

Wirken[Bearbeiten]

De Guaita trat zunächst als Dichter vom Typus des Poète maudit („verfluchter Dichter“) in Erscheinung, so mit seinem 1882 erschienenen Gedichtsband La Muse noire (Die schwarze Muse).[1] Nach der Lektüre von Joséphin Péladans Le vice suprême (1884, deutsch: Das höchste Laster, 1923), das ihn tief beeindruckte, trat er in Kontakt mit dem Autor, und dieser führte ihn in den Okkultismus ein. De Guaitas Interesse am Okkultismus wurzelte (wie auch bei Péladan) in einer entschiedenen Ablehnung des zeitgenössischen Rationalismus, und er neigte besonders dem Satanismus und der Schwarzen Magie zu.[2] In La Clef de la Magie Noire (Der Schlüssel zur Schwarzen Magie) schrieb er: „man zieht sich vor der Menschheit nur zurück, um mit Gott zu leben – oder mit Satan …“.[3] Einen Mittelweg gebe es nicht.

De Guaitas Appartement in der Rue Trudaine in Paris mit seiner umfangreichen Bibliothek entwickelte sich zu einem Treffpunkt der esoterischen Szene.[4] 1887 gründete er mit Papus und Péladan die erste Loge des Ordre Martiniste, und er gehörte auch dem 1891 von Papus ins Leben gerufenen Hohen Rat des Martinistenordens an.[5] Außerdem gründete er 1888 mit Péladan den Ordre Kabbalistique de la Rose Croix.[6]

In den 1880er Jahren veröffentlichte er seine Schriften La Muse Noire: heures de Soleil und Rosa Mystica, die ihn in eingeweihten Kreisen bekannt machte. Sein Hauptwerk kündigte er 1886 mit seinem 32-seitigen Essay Essais de Sciences Maudites an. Der 1. Teil seines Hauptwerks erschien 1890 unter dem Titel Essais de Sciences Maudites. Au seuil du Mystère.. Der 2. Teil erschien 1891 unter dem Titel Essais de Sciences Maudites II. Le Serpent de la Genèse.[7]

Zusammen mit seinem Sekretär Oswald Wirth schuf de Guaita den später als Oswald-Wirth-Tarot bekannten Tarot.

De Guaita konsumierte Morphium und Kokain und experimentierte auch mit Haschisch; sein Tod im Alter von nur 36 Jahren wird einer Drogenvergiftung zugeschrieben.[8]

Werke[Bearbeiten]

  • Oiseaux de passage: rimes fantastiques, rimes d’ébène, 1881
  • La Muse noire, 1882
  • Rosa Mystica, 1885
  • Au seuil du Mystère, 1886
  • Essais de Sciences Maudites, 1886
  • Essais de Sciences Maudites. Au seuil du Mystère. 1890
  • Essais de Sciences Maudites II. Le Serpent de la Genèse. 1891
  • Le Temple de Satan, 1891
  • La Clef de la Magie Noire, 1897

Literatur[Bearbeiten]

  • Maurice Barrès: Stanislas de Guaita (1861-1898): un renovateur de l’occultisme: souvenirs, Chamuel, Paris 1898
  • André Billy: Stanislas de Guaita, Mercure de France, 1971
  • Arnaud de l'Estoile: Guaita, collection „Qui suis-je ?“, Éditions Pardès, 2005
  • René Philipon: Stanislas de Guaita et sa bibliothèque occulte, Dorbon, Paris 1899
  • Oswald Wirth: Stanislas de Guaita, souvenirs de son secrétaire, Éd. du symbolisme, Paris 1935

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. James Webb: Die Flucht vor der Vernunft, Marixverlag, Wiesbaden 2009, S. 267
  2. Webb, S. 261-280
  3. La Clef de la Magie Noire, S. 180, zitiert nach Webb, S. 280
  4. Jean-Pierre Laurant: Guaita, Stanislas, Marquis de, in: Wouter J. Hanegraaff (Hrsg.): Dictionary of Gnosis and Western Esotericism, Brill, Leiden 2006, S. 441f
  5. L'Initiation – Historique
  6. Webb, S. 272
  7. Karl R. H. Frick: Satan und die Satanisten I-III. Satanismus und Freimaurerei - Ihre Geschichte bis zur Gegenwart. Marixverlag Wiesbaden 2006. Teil II Seite 175-176. ISBN 978-3865390691
  8. Webb, S. 277f