Steffen Möller

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Steffen Möller (2011)

Steffen Möller (* 22. Januar 1969[1] in Wolfhagen) ist ein deutscher Schauspieler, Kabarettist und Autor, der in Polen zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine große Popularität erlangt hat.

Leben[Bearbeiten]

Steffen Möller ist Sohn von Christian Möller, einem mittlerweile emeritierten Professor für Evangelische Theologie an der Universität Heidelberg, und seiner Ehefrau Sigrun, einer Religionslehrerin. Er hat zwei jüngere Brüder.

Steffen Möller wuchs in Wuppertal auf, machte dort sein Abitur am humanistischen Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium und war dort im Schulkabarett aktiv. Nach dem Abitur leistete er seinen Zivildienst ab. Anschließend ging er an die Freie Universität Berlin zum Studium der Theologie und Philosophie und belegte auch Italienisch. Für einen Polnisch-Sprachkurs ging er nach Krakau. Nach dem Abschluss an der FU Berlin zog er 1994 dauerhaft nach Polen um.[2] Dort wurde er zunächst Deutschlehrer am Warschauer Gymnasium Królowa Jadwiga (Königin Hedwig) und später Dozent für Deutsch an der Warschauer Universität.

In den ersten Jahren in Polen nahm er unter anderem mehrere Kassetten für Deutsch-Lehrbücher auf. 2002 erreichte er in Krakau beim nationalen Kabarettwettbewerb Paka den zweiten Platz, was der Beginn seiner weiteren Laufbahn in Polen sein sollte.

Steffen Möller spielte von 2002 bis 2007 in der beliebten Fernsehserie M jak miłość („L wie Liebe“) einen deutschen Kartoffelbauern namens Stefan Müller, moderierte 2005 die erste Staffel von Załóż się, der polnischen Version von Wetten, dass..? und war ständiger Gast der 2008 abgesetzten Show Europa da się lubić („Europa lässt sich mögen“).

Seitdem ist Möller nur noch sporadisch im polnischen Fernsehen aufgetreten. Seit 2009 ist sein Lebensmittelpunkt Berlin, nach eigenem Bekunden pendelt er seitdem zwischen beiden Hauptstädten.[3]

Steffen Möller (2012)

Für seine Verdienste um das deutsch-polnische Verhältnis wurde er am 3. Juni 2005 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Im Oktober 2006 erschien in Polen sein erstes Buch unter dem Titel Polska da się lubić („Polen lässt sich mögen“), 2008 gefolgt von der deutschen Adaption unter dem Titel Viva Polonia – Als deutscher Gastarbeiter in Polen. 2009 erschien Vita Classica - Bekenntnisse eines Andershörenden, in dem sich Möller als Fan der klassischen Musik outet.

Viva Polonia[Bearbeiten]

Möllers im Februar 2008 erschienenes Buch Viva Polonia – Als deutscher Gastarbeiter in Polen handelt selbstironisch von seinen Erfahrungen im Land und mit der Mentalität der Polen, seit er vor vierzehn Jahren dort seine Wahlheimat fand. Das Buch ist die stark überarbeitete und erweiterte Version von Polska da się lubić.[4] Eine deutsche Version des Buches war ursprünglich nicht geplant, da Möller kein Interesse der Deutschen vermutete.[5] Zu den 50 Schlagworten, die er in dem Buch beschreibt, gehören etwa Aberglaube, Verschwörungstheorien, Radio Maryja und Tabus. Im Kapitel Aberglaube erhält der Leser eine Liste von 17 Dingen, die bei einer Hochzeit zu beachten sind. In PKP (Polskie Koleje Państwowe) schreibt Möller über seine guten Erfahrungen mit der polnischen Bahn, welche ganz im Widerspruch zu den Ansichten der Polen stünden. Zu Beginn des Buches beschreibt Möller seine erste Begegnung mit der polnischen Grammatik in Krakau. So vermutete er hinter „Ludwiga van Beethovena“[6] das Pseudonym einer Feministin und unter der Denkmalaufschrift „Adamowi Mickiewiczowi Naród“ einen Cousin des Dichters oder einen Bürgermeister Krakaus.[6]

Trotz der unterschiedlichen Rezensionen in Deutschland hielt sich das Buch fast ein Jahr lang in der Spiegel-Bestsellerliste und wurde bislang über 300.000 Mal verkauft. Während die meisten Rezensenten vor allem den Unterhaltungswert und den Beitrag zur Völkerverständigung hervorheben,[7][8][9] kritisieren die anderen die oberflächliche Faktendarstellung und das Bedienen von Klischees.[10][11] Möller wehrte sich gegen den Klischee-Vorwurf, indem er seinen Kritikern vorwarf, „Klischees“ mit „Verallgemeinerungen“ in einen Topf zu werfen. Warum dürfe man nach fast zwanzig Jahren Polenaufenthalt seine Erfahrungen nicht verallgemeinern? „Klischees bedienen“ würde er nur dann, wenn er gewisse Floskeln kritiklos übernähme.[12] Mit dem Bühnenprogramm Viva Polonia – Als deutscher Gastarbeiter in Polen ist Steffen Möller seit März 2008 über 300mal in Deutschland und Österreich aufgetreten.

Ehrungen[Bearbeiten]

Filmografie[Bearbeiten]

  • 2000–2007 M jak miłość („L wie Liebe“)
  • 2000 Słoneczna włócznia („Der Sonnenspeer“)
  • 2002 Kasia i Tomek („Kasia und Tomek“)
  • 2003 Koniec wojny („Kriegsende“)
  • 2003-2008 Europa da się lubić („Europa lässt sich mögen")
  • 2005 Załóż się („Wetten das“)
  • 2010 Polen für Anfänger (Roadmovie, Regie: Katrin Rothe; mit Kurt Krömer)
  • 2012 Expedition zu den Polen (Liveshow + Bonusmaterial)

Werke[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Steffen Möller – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Siehe Diskussionsseite und eigene Altersangabe in Presseberichten auf seiner Website; die Angaben des Managements scheinen gezielte Falschinformationen zu sein. Je später ein Artikel desto jünger ist Möller. Daten von 1968 bis 1973 sind vorhanden.
  2. Polen liegt zusammen mit Österreich, mit 10.000 deutschen Auswanderern jährlich, auf dem dritten Platz der Zielländer deutscher Auswanderer. dieauswanderer.net
  3. Steffen Möller: Polen ist mein Hobby. In: CUE. Magazyn mniejszości niemieckiej (Raciborz), März 2012, S. 11; s. auch: icue.pl
  4. Über das Buch „VIVA POLONIA – als deutscher Gastarbeiter in Polen“. steffen.pl, abgerufen am 19. Juli 2008
  5. Als deutscher Gastarbeiter in Polen. 3sat.de, 20. Mai 2008
  6. a b „Ludwiga van Beethovena“ ist polnisch der Genitiv von Ludwig van Beethoven, Adamowi Mickiewiczowi ist der Dativ von Adam Mickiewicz und naród bedeutet Das Volk. In der polnischen Sprache gibt es insgesamt 7 Fälle.
  7. polish-online.com
  8. Zwei Männer und drei Salzstangen. In: FAZ, 12. März 2008
  9. Wuppertaler in Polen. schekker.de, abgerufen am 19. Juli 2008
  10. Ruhm an der Weichsel. In: Süddeutsche Zeitung, 30. April 2008
  11. Weichgespülte Klischees. In: Berliner Zeitung, 10. April 2008
  12. sueddeutsche.de
  13. Kabarettist für deutsch-polnischen Dialog geehrt. In: Mitteldeutsche Zeitung, 8. November 2008
  14. Ich habe den Orden „Bene Merito“ bekommen. steffen.pl
  15. Internationaler Brückepreis geht an Steffen Möller. In: Görlitzer Anzeiger, 3. September 2013