Styrol-Acrylnitril

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Strukturformel
Styrene-acrylonitrile.svg
Allgemeines
Name Styrol-Acrylnitril
Andere Namen
  • Acrylnitril-Styrol-Copolymer
CAS-Nummer 9003-54-7
Monomere/Teilstrukturen Styrol, Acrylnitril
Molmassenabschätzung

(C8H8)n-(C3H3N)m

PubChem 62696
Art des Polymers

Thermoplast

Eigenschaften
Dichte

1,09 g·cm−3(15 Gew.-% Acrylnitril)[1]

Glastemperatur

108 °C[2]

Bruchdehnung

2,5 %[3]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [4]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 302
P: keine P-Sätze [4]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [5][4]
Gesundheitsschädlich
Gesundheits-
schädlich
(Xn)
R- und S-Sätze R: 22
S: keine S-Sätze
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Styrol-Acrylnitril (Kurzzeichen SAN) ist ein transparenter und steifer Kunststoff. Dieser kann durch den Zusatz von Synthesekautschuken zu Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) und Acrylester-Styrol-Acrylnitril (ASA) weiterverarbeitet werden.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Styrol-Acrylnitril ist als Copolymer aus Styrol und Acrylnitril dem Polystyrol in Struktur und Eigenschaften ähnlich. Eine typische Zusammensetzung besteht zu 70 % aus Styrol- und zu 30 % aus Acrylnitrilanteilen. Auf dem europäischen Markt erhältlich sind Produkte mit 19 %-35 % Acrylnitrilgehalt sowie jeweils unterschiedlichen molaren Massen. SAN weist eine höhere Festigkeit, thermische und Kratzbeständigkeit als Polystyrol auf und ist chemisch beständiger, beispielsweise gegenüber Aminen, die wiederum ein häufiger Bestandteil von Weichmachern sind.

Styrol-Acrylnitril kann in der Montage nur geschraubt werden, es ist nicht zum Klipsen geeignet. SAN ist weitgehend spülmaschinengeeignet, aber nur bedingt UV-resistent. Die meisten SAN-Typen haben Lebensmittelzulassung (BfR). Aufgrund der gelblichen Eigenfarbe (nicht qualitätsbeeinträchtigend) sind verschiedene mit blau/grau geschönte Farbtöne verfügbar. Es sind auch opake Einfärbungen erhältlich, bei denen der hohe E-Modul des Produktes und die hohe Kratzfestigkeit besonders zur Geltung kommen. Für besonders hohe Steifigkeit sind auch glasfaserverstärkte Typen erhältlich.

Durch Zugabe von Polyvinylcarbazol (PVK) erreicht man eine höhere Wärmeformbeständigkeit. Kunststoffe mit PVK sind jedoch giftig und deshalb nicht für den Kontakt mit Lebensmitteln zugelassen.

Da Styrol-Acrylnitril spröde ist, wird für Anwendungen, bei denen eine hohe Schlagzähigkeit nötig ist, ein Butadien-Kautschuk in Form fein dispergierter Kugeln dazugegeben. Dieses Material ist Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS)

Anbieter[Bearbeiten]

Der Markt für SAN ist stark diversifiziert. Große Anbieter in Deutschland sind:

Anwendungen[Bearbeiten]

  • Lichtleiter
  • Verglasung für Industrietore, Sektionaltore (z. B. Plustherm-Systemverglasung)
  • Optikkörper, z. B. Lenkwinkelsensoren im Automobilbau
  • Küchenbedarf (Salatschüssel und -besteck, Messbecher, Teile für Küchenmaschinen)
  • Duschkabinenwände
  • Reflektoren
  • Batteriezellengefäße
  • SAN ist ein Rohstoff für die ABS Compoundierung
  • AMSAN, ein aus Alphamethyl-Styrol und Acrylnitril hergestelltes spezielles Copolymer der Styrolution, wird ebenfalls zur Erhöhung der Wärmeformbeständigkeit bei ABS-Compounds eingesetzt

Normen[Bearbeiten]

  • DIN EN ISO 4894-1 Kunststoffe - Styrol/Acrylnitril (SAN)-Formmassen - Teil 1: Bezeichnungssystem und Basis für Spezifikationen (ISO 4894-1:1997); Deutsche Fassung EN ISO 4894-1:1999
  • DIN EN ISO 4894-2 Kunststoffe - Styrol/Acrylnitril (SAN)-Formmassen - Teil 2: Herstellung von Probekörpern und Bestimmung von Eigenschaften (ISO 4894-2:1995); Deutsche Fassung EN ISO 4894-2:1999

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marcos Perez-Blanco, Jeffrey R. Hammons, Ronald P. Danner: Measurement of the solubility and diffusivity of blowing agents in polystyrene. In: Journal of Applied Polymer Science. 116, Nr. 4, 15 May 2010, S. 2359–2365. doi:10.1002/app.31740.
  2. Mohamed Abo El Wafaa Abdelkarim, Shuji Okadab, Hachiro Nakanishib: Poling and its relaxation studies of polycarbonate and poly(styrene-co-acrylonitrile) doped by a nonlinear optical chromophore. In: Dyes and Pigments. 69, Nr. 3, 2006, S. 239–244. doi:10.1016/j.dyepig.2005.03.014.
  3. V. Realinho, M. Antunes, D. Arencón, A. I. Fernández, J. I. Velasco: Effect of a dodecylsulfate-modified magnesium–aluminum layered double hydroxide on the morphology and fracture of polystyrene and poly(styrene-co-acrylonitrile) composites. In: Journal of Applied Polymer Science. 111, Nr. 5, März 2009, S. 2574–2583. doi:10.1002/app.29288.
  4. a b c Datenblatt Poly(styrene-co-acrylonitrile), average M bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 8. Oktober 2013 (PDF).
  5. Seit dem 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Zubereitungen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.