Talk (Mineral)

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Talk
Talc mutnikSVK01.JPG
Derbe Talkstücke im Lager der Zechengellschaft Genes a.s. bei Hnúšťa-Mútnik, Slowakei (Die Länge des Geologenhammers am unteren Bildrand beträgt 28 cm)
Andere Namen
  • Steatit
  • Speckstein
  • Magnesiumsilikathydrat
  • Talkum
Chemische Formel

Mg3Si4O10(OH)2

Mineralklasse Silikate und Germanate
9.EC.05 (8. Auflage: VIII/H.09) nach Strunz
71.02.01.03 nach Dana
Kristallsystem triklin oder monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin Talk-1A: triklin-pinakoidal 1
Talk-2M: monoklin-prismatisch 2/m[1]
Farbe farblos, weiß, grau, grünlich, gelblich
Strichfarbe weiß
Mohshärte 1
Dichte (g/cm3) 2,58 bis 2,83[2]
Glanz Perlmuttglanz, Fettglanz
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Spaltbarkeit {001} vollkommen
Bruch uneben
Habitus faserige, feinkörnige, massige Aggregate; tafelige, pseudotrigonal-pyramidale Kristalle
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,538 bis 1,550 ; nβ = 1,589 bis 1,594 ; nγ = 1,589 bis 1,600[3]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,051[3]; zweiachsig negativ
Optischer Achsenwinkel 2V = 0 bis 30°[2]
Pleochroismus kein, z. T. farblos – blassgrün
Weitere Eigenschaften
Schmelzpunkt Zerfällt oberhalb 800 °C in Cristobalit und Enstatit
Chemisches Verhalten unlöslich in verdünnten Säuren und Laugen,
unlöslich in Wasser und organischen Lösungsmitteln
Ähnliche Minerale Pyrophyllit

Das Mineral Talk (Steatit, Magnesiumsilikathydrat, in pulverisierter Form Talkum; nicht zu verwechseln mit Talg) ist ein sehr häufig vorkommendes Schichtsilikat mit der chemischen Zusammensetzung Mg3[Si4O10(OH)2].

Es kristallisiert je nach Modifikation als Talk-1A im triklinen oder als Talk-2M im monoklinen Kristallsystem und entwickelt überwiegend blättrige, massige bzw. derbe Mineral-Aggregate, sehr selten auch makroskopisch erkennbare, tafelige oder pseudotrigonal-pyramidale Kristalle von meist mattweißer oder blassgrüner Farbe. Ebenso findet sich Talk in Form von Pseudomorphosen nach Quarz oder Anthophyllit.

Talk gehört zu den gesteinsbildenden Mineralen in der Epizone der kristallinen Schieferreihe[4] und ist Hauptbestandteil des Specksteins.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Reiner Talk ist farblos oder durch Gitterbaufehler bzw. mikrokristalline Ausbildung in massigen Aggregaten weiß. Durch Fremdbeimengungen kann er aber auch von grauer, hell- bis dunkelgrüner oder gelblicher Farbe sein. Als Mineralgemenge im Speckstein sind weitere Farbvarianten möglich.

Talk besitzt die geringstmögliche Mohshärte 1 und ist damit ein Referenzmineral auf der Mohs'schen Härteskala. Aufgrund seiner geringen Härte neigt er häufig zu Stapelfehlern in der Kristallstruktur.

Das Mineral ist wasserabweisend und fühlt sich seifig oder fettig an, daher wird er oft auch synonym als Speckstein bezeichnet.

Gesundheitliche Belange[Bearbeiten]

Talk ist im Allgemeinen weder haut- noch augenreizend, auch Allergien sind bisher nicht bekannt. Dennoch kann das Einatmen von feinem Talkpulver zu Entzündungen in den peripheren Atemwegen führen, die zu sogenannten Fremdkörpergranulomen führen können (siehe auch: Pneumokoniose). Granulombildung erfolgt auch auf der Haut, wenn zu grobkörniges (>100 µm Partikelgröße) Puder angewendet wird. Dies ist besonders bei offenen Wunden problematisch. Gesundheitliche Probleme sind zudem bei faserhaltigem Talkum zu erwarten, das eine ähnliche Wirkung wie Asbest hat. Faserhaltiges Talkum darf daher zu pharmazeutischen Zwecken nicht eingesetzt werden. Zudem konnte auch nachgewiesen werden, dass Talkpartikel Tumore in den Eierstöcken und in der Lunge verursachen können.[5][6] Inwiefern eine sorgsame Kontrolle bei Kosmetikprodukten erfolgt, ist jedoch unklar.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

massiges, grünweißes Talk-Aggregat

Speckstein und damit auch Talk sind bereits seit dem Altertum bekannt. Die Sprachwissenschaftler vermuten, dass die Bezeichnung ursprünglich aus der persischen Sprache stammt und dann über das arabische talq in den gesamten indogermanischen Sprachraum übernommen wurde. Einige oberdeutsche Dialekte verwenden noch heute die Bezeichnungen „talket“ und „talkert“ zur Beschreibung der Eigenschaft weich bzw. unfest.[7]

Klassifikation[Bearbeiten]

In der älteren Version (8. Auflage) der Systematik der Minerale von Hugo Strunz gehört der Talk zur Abteilung der „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“ und bildet dort zusammen mit Ferripyrophyllit, Kegelit, Macaulayit, Minnesotait, Pyrophyllit und Willemseit eine eigene Gruppe.

Seit der Überarbeitung der Strunz'schen Mineralsystematik in der 9. Auflage werden die Schichtsilikate präziser nach der Struktur der Silikatschichten unterteilt, wobei das Mineral entsprechend in der Unterabteilung der „Schichtsilikate (Phyllosilikate) mit Glimmertafeln, zusammengesetzt aus tetraedrischen und oktaedrischen Netzen“ zu finden ist.

Die Systematik der Minerale nach Dana sortiert den Talk ebenfalls in die Abteilung der Schichtsilikate ein, und auch in der Systematik von Dana wird nach der Kristallstruktur weiter präzisiert. Allerdings wird hier die Unterabteilung beschrieben als „Schichtsilikate mit Schichten von sechsgliedrigen Ringen mit 2:1-Lagen“. In dieser Unterabteilung bildet der Talk zusammen mit Pyrophyllit als Leitmineral die nach ihnen benannte „Pyrophyllit-Talk-Gruppe“, in der außer diesen beiden noch Brinrobertsit, Ferripyrophyllit, Minnesotait und Willemseit zu finden sind.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Der seit 1979 nicht mehr als eigenständiges Mineral angesehene Kerolith wird heute als die grüne, nickelhaltige Varietät des Talkes angesehen.[3]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Grüne Vesuvianitkristalle auf weißem, blättrigem Talk aus den Belvidere Mountains im US-Bundesstaat Vermont
Talk, 3,5 x 3,4 cm große Kristallgruppe von Talk-Pseudomorphosen nach Antophyllit

Talk bildet sich meist sekundär durch Umwandlung von Aluminiumoxidfreien bzw. -armen Mineralen wie beispielsweise Olivinen oder Enstatit[4], aber auch metamorph Gesteinen bis etwa 500 °C wie z.B. Marmor, Metaultrabasiten[8] und Dolomit[4] oder hydrothermal in Gängen. Begleitminerale sind unter anderem Aktinolith, Anthophyllit, Calcit, Chlorite, Dolomit, Pyroxene, Serpentine, Tremolit und Vermiculit.

Weltweit sind bisher (Stand: 2011) fast 2300 Fundorte bekannt.[3] Erwähnenswert sind unter anderem die Fundorte Brumado im brasilianischen Bundesstaat Bahia, wo tafelige Kristalle von bis zu zwei Zentimetern Größe gefunden wurden, sowie das Gotthardmassiv in der Schweiz mit Funden von Pseudomorphosen nach Quarz.

In Deutschland tritt das Mineral unter anderem im Schwarzwald in Baden-Württemberg; im Frankenland, Niederbayern und der Oberpfalz in Bayern; im hessischen Odenwald; im niedersächsischen und thüringischen Harz; im Sauerland und Siegerland in Nordrhein-Westfalen; an mehreren Fundpunkten in Rheinland-Pfalz; im Erzgebirge und der Oberlausitz in Sachsen sowie im Thüringer Wald auf.

Weitere ergiebige Fundorte (drei oder mehr Regionen) sind unter anderem Australien, Brasilien, China, Finnland, Frankreich, Indien, Italien, Japan, Kanada, Madagaskar, Mexiko, Namibia, Norwegen, Österreich, Peru, Russland, Sambia, Schweden, Schweiz, Simbabwe, Slowakei, Spanien, Südafrika, Südkorea, Ungarn, den Vereinigten Staaten sowie im Vereinigten Königreich (Großbritannien) liegen.

Auch in Gesteinsproben vom Mittelatlantischen Rücken und vom Roten Meer sowie in der Nähe der japanischen Forschungsstation Shōwa-Station in der Antarktis konnte Talk nachgewiesen werden.[9]

Der weltweit größte Förderer von Talk ist die Talc de Luzenac[10], die zur Imerys-Gruppe gehört.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Kristallstruktur von Talk

Talk-1A kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1 mit den Gitterparametern a = 5,291 Å; b = 9,460 Å; c = 5,290 Å; α = 98,68°; β = 119,90° und γ = 85,27° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[2][1]

Talk-2M kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/c mit den Gitterparametern a = 5,287 Å; b = 9,158 Å; c = 18,95 Å und β = 99,30° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[2][1]

Verwendung[Bearbeiten]

Talkuvit

Talk ist aufgrund seiner besonderen Eigenschaften (weich, wasserabweisend) vielseitig verwendbar und wird bevorzugt in pulverisierter Form als Gleitmittel mit geringer Scheuerwirkung eingesetzt oder Stoffen beigemengt, um ihnen wasserabweisende oder abdichtende Eigenschaften zu verleihen.

Technik[Bearbeiten]

Fein gemahlen wird Talk zum einen als Füllstoff in der Papier- und Zellstoffindustrie, Farben- und Lackindustrie sowie der Gummi-, Kunststoff- und Keramikindustrie verwendet und zum anderen als Trennmittel in Kabeln und zwischen Reifen und Schlauch.

In der Kunststoffindustrie finden Verstärkungsstoffe auf Basis von Talkum beispielsweise bei der Verstärkung von Polyolefinen, wie HDPE oder PP, einen vielseitigen Einsatz in der Auto- oder Bauindustrie. Ende der 1960er-Jahre wurden erstmals talkum- (TV) und glasfaserverstärkte (GFV) Produkte auf Basis PP angeboten. Mit Talkum verstärkte Polypropylencompounds finden seit etwa 1975 in einem breiten Einsatzgebiet Verwendung.

Talk bzw. gemahlener Speckstein ist Rohstoff und Hauptbestandteil der technischen Keramik Steatit[11], die ein in der Elektrotechnik häufig verwendetes Isoliermaterial ist, z. B. für Sicherungs-Schmelzeinsätze und Isolatoren.

Medizin[Bearbeiten]

In der Medizin wird es zur Pleurodese (gewollte, permanente Verklebung des Rippenfells mit der Lungenoberfläche) verwendet (Talkumpleurodese). Es wird speziell für medizinische Zwecke hergestellt, ist steril und garantiert asbestfrei. Eine weitere Besonderheit besteht in einer definierten Körnchengröße. Dadurch wird die Migration (Wanderung) des Talkumpulvers in andere Gewebe vermieden.

Außerdem wird Talkum bzw. Talcum in der Pharmaindustrie sowohl als Pudergrundlage als auch als Gleitmittel bei der Tablettenherstellung verwendet. Des Weiteren wird es in der Zahnmedizin als Füllstoff für starre Abformmaterialien wie beispielsweise thermoplastische Kompositionsmassen verwendet.

Kunst[Bearbeiten]

In der Bildenden Kunst ist Talk als Hauptbestandteil des Werkstoffs Speckstein bekannt.

Lebensmittel[Bearbeiten]

In der Lebensmitteltechnologie findet Talk als Trennmittel und Trägersubstanz (für Farbstoffe) Verwendung. Es ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff der Nummer E 553b zugelassen.

Weitere Verwendungen[Bearbeiten]

  • Talk eignet sich hervorragend zum Glätten von stumpfen Tanzflächen und zur Behandlung von klebenden Spielkarten.
  • Talkumpuder hilft auch bei quietschenden Schuhen (Reibung der Wechselsohle mit der Brandsohle).
  • Beim Geräteturnen ist Talkumpuder ein Hilfsmittel zur Trocknung der Hände. Auch beim Sportklettern findet Talkumpuder Anwendung, allerdings wird das als Magnesia bzw. Chalk bekannte Magnesiumcarbonat bevorzugt, da es im Gegensatz zum Talk zusätzlich die Reibung erhöht.
  • Aufgrund seiner nur geringen Scheuerwirkung dient Talkum als Grundlage besonders schonender Scheuermittel.
  • Bei der Ameisenhaltung im Formicarium wird Talkum als Ausbruchsicherung eingesetzt.
  • Talk wird zur Verhinderung der Verklebung von Pneu mit dem Schlauch verwendet, was die Pannengefahr reduziert.


Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 663.
  2. a b c d Handbook of Mineralogy – Talc (englisch, PDF 75,4 kB)
  3. a b c d Mindat – Talc (englisch)
  4. a b c  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 744.
  5. Jelovsek, Frederick R., MD: Perineal Powder and Pads May Cause Problems
  6. Cancer Prevention Coalition: Risks of Talcum Powder
  7. Talcus – der lebende Stein
  8.  Gregor Markl: Minerale und Gesteine. 2. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-1804-3, S. 66.
  9. Mindat – Localities for Talc
  10. Luzenac Unternehmensseite
  11. Informationszentrum Technische Keramik: Steatit
  12. Deutscher Hanfverband (DHV) – Warnung vor Talkum in Marihuana

Literatur[Bearbeiten]

  • W. A. Deer, R. A. Howie, J. Zussman: An Introduction to the Rock Forming Minerals. Prentice Hall, Harlow 1992, ISBN 0-582-30094-0 (englisch)
  • Silke Luplow (Dissertation), Talkum-Pleurodese, perioperative Erkenntnisse und Konsequenzen–(eine kritische Analyse), Fachkrankenhaus für Lungenheilkunde und Thoraxchirurgie Berlin Buch (FLT), Datum der Promotion: 31. Januar 2006
  • Fachinformation zu Steritalc(R), Bess Medizintechnik, 14167 Berlin

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Talk (Talc) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Talk – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen