Tagesgeldkonto

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Ein Tagesgeldkonto ist ein verzinstes Konto ohne festgelegte Laufzeit, der Kontoinhaber kann täglich in beliebiger Höhe über sein Guthaben verfügen. Es unterliegt in der EU der Einlagensicherung des jeweiligen Landes (siehe Abschnitt Sicherheit).

Zinsen werden in bestimmten Abständen gutgeschrieben, die Höhe des Zinssatzes ist – im Gegensatz zu einer Festgeldanlage – nicht für einen bestimmten Zeitraum festgeschrieben.[1] Das Konto wird als reines Guthabenkonto geführt und kann nicht überzogen werden. Auch ist es meist nicht für den allgemeinen Zahlungsverkehr vorgesehen.

Zinsen[Bearbeiten]

Siehe auch: Zins

Die bei einem Tagesgeldkonto angegebenen Zinssätze beziehen sich üblicherweise auf ein Jahr (lateinisch pro anno, per annum, abgekürzt p. a.). Je nach Anbieter werden die Zinsen in unterschiedlichen Intervallen gutgeschrieben: monatlich, quartalsweise oder jährlich. Je kürzer diese Intervalle sind, umso mehr macht sich der Zinseszins-Effekt bemerkbar.

Naturgemäß hängt die Höhe der Tagesgeldzinsen vom Leitzins (genauer: dem Hauptrefinanzierungssatz) der europäischen Zentralbank ab.

Die Verzinsung eines Tagesgeldkontos ist in der Regel deutlich höher als bspw. die eines klassischen Sparbuchs. Dies liegt zum einen daran, dass viele Tagesgeldkonten ausschließlich als Online-Konto angeboten werden und dadurch die Verwaltungskosten sinken, die dann in Form von höheren Zinsen an den Kunden weitergegeben werden können. Zum anderen kann als Ursache das offensive Marketing vieler Kreditinstitute benannt werden, die versuchen, mit (zumindest zeitweise) günstigen Tagesgeldkonditionen neue Kunden zu gewinnen. Mitunter kann ein Tagesgeldkonto auch nur zusammen mit einem Girokonto und/oder Depot eröffnet werden.

Zinsänderung[Bearbeiten]

Die Höhe des Zinssatzes darf die Bank täglich ändern. Dadurch unterscheidet sich ein Tagesgeldkonto von bspw. einer Festgeldanlage, die den Zins für einen bestimmten Zeitraum festschreibt. Die Möglichkeit, täglich über sein Geld verfügen zu können, erkauft sich der Kunde durch den Verzicht auf einen garantierten Zinssatz.

Vereinzelt garantieren Banken Neukunden einen festgelegten Zinssatz für eine gewisse Zeit (meist drei bis zwölf Monate). Nach Ablauf der Garantiezusage wird das Guthaben zu dem dann üblichen Zinssatz verzinst.

Berechnung[Bearbeiten]

Der angegebene Zinssatz beschreibt üblicherweise den Nominalzins, d. h. er bezieht sich auf das anfängliche Kapital. Die Zinsen werden in bestimmten Abständen auf Basis des durchschnittlichen Guthabens berechnet und gutgeschrieben.

Für Tagesgeldkonten existieren im Allgemeinen nur die drei Spezialfälle:

  • jährliche Gutschrift:
G' = G \cdot (1 + Z)^n
  • quartalsweise Gutschrift:
G' = G \cdot \left(1 + \frac{Z}{4} \right)^{4n}
  • monatliche Gutschrift:
G' = G \cdot \left(1 + \frac{Z}{12} \right)^{12n}

Hierbei steht

  • G’ für den Betrag inklusive Zinsen am Ende des Anlagezeitraums,
  • G für den durchschnittlich angelegten Betrag (im Zeitraum),
  • n für die Anzahl der Jahre und
  • Z für den Tagesgeldzinssatz p. a.

Beispiel[Bearbeiten]

Ein Anleger möchte 10.000 € für 1 Jahr mit einem Zinssatz von 2,0 % p. a. anlegen.

Er erhält

  • bei jährlicher Gutschrift:
G' = 10000  \; \euro \cdot (1 + 0{,}02)^1 = 10000  \; \euro \cdot 1{,}02^1 = 10200,00 \; \euro
  • bei quartalsweiser Gutschrift:
G' = 10000  \; \euro \cdot \left(1 + \frac{0{,}02}{4} \right)^4 = 10000 \; \euro \cdot 1{,}005^4 = 10201{,}51 \; \euro
  • bei monatlicher Gutschrift:
G' = 10000  \; \euro \cdot \left(1 + \frac{0{,}02}{12} \right)^{12} = 10000  \; \euro \cdot 1{,}00167^{12} = 10201{,}84 \; \euro

Verfügbarkeit[Bearbeiten]

Über das Guthaben auf einem Tagesgeldkonto kann täglich verfügt werden. Das bedeutet, dass ein Teil oder auch das gesamte Guthaben an jedem Bankarbeitstag überwiesen werden kann.

Oft ist eine Überweisung nur auf ein zuvor angegebenes Referenzkonto (meist das Girokonto) möglich. Daher ist noch eine Verzögerung durch die Laufzeit der Überweisung mit einzukalkulieren. Die Laufzeiten für elektronisch eingereichte Überweisungen sind gesetzlich festgelegt und müssen den Empfänger innerhalb eines Geschäftstages erreichen. Erst danach kann das Geld z. B. abgehoben oder überwiesen werden.

Vereinzelt sind auch Angebote von Instituten anzutreffen, die ein Tagesgeldkonto mit einer Bankkarte ausstatten: Mit dieser kann dann an einem Geldautomaten über das Guthaben verfügt werden. Eine Bezahl-Funktion ähnlich wie bei einer EC-Karte wird aber auch hier ausgeschlossen.

Kündigungsfristen[Bearbeiten]

Kündigungsfristen existieren bei Tagesgeldkonten definitionsgemäß nicht.

Vereinzelt benutzen Institute den Begriff „Tagesgeld“ in Verbindung mit Produkten, die eigentlich gar keine Tagesgeldkonten sind, sondern vielmehr moderne Sparbücher darstellen: Vor allem Direktbanken bieten Sparbücher an, die ähnlich wie Tagesgeldkonten hohe Zinsen bieten, über deren Guthaben allerdings wie bei einem klassischen Sparbuch nur in einem definierten Rahmen täglich verfügt werden kann. Wird dieser überschritten, fallen dann Vorschusszinsen an.

Steuerfreibetrag[Bearbeiten]

Kapitalerträge, so auch die Zinsen eines Tagesgeldkontos, müssen versteuert werden. Die Abgeltungssteuer beträgt 25 %, zusätzlich dazu fällt noch der Solidaritätszuschlag und ggf. auch die Kirchensteuer an. Durch einen sog. Freistellungsauftrag kann man die Bank für Erträge bis zu einer gewissen Höhe von der, sonst automatisch erfolgenden, Zahlung der Abgeltungssteuer freistellen. Dadurch können leicht höhere Erträge erwirtschaftet werden, da nicht ein Teil der Zinsen für eine zeitlang beim Finanzamt „ruht“, sondern sofort weiter verzinst wird.

Sicherheit[Bearbeiten]

Einlagen auf Tagesgeldkonten unterliegen der Einlagensicherung und sind daher mündelsicher gemäß § 1807 BGB. In der EU beträgt die gesetzlich vorgeschriebene Einlagensicherungsgrenze seit dem 30. Juni 2009 100 % der Einlagensumme, maximal jedoch 100.000 €.[2]

Über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus bieten Banken in vielen Ländern weitere Sicherungen an. In Deutschland sind dies die Einlagensicherungsfonds der jeweiligen Bankenverbände, die weit über die gesetzlichen Anforderungen hinaus die Einlagen der Kunden schützen. Einen Rechtsanspruch auf Entschädigung haben Bankkunden allerdings nicht, wodurch die Sicherung günstiger und einfacher gestaltet werden kann (ansonsten wäre es eine Versicherung mit strengeren und kostenintensiveren Regelungen).[3]

Es muss jedoch beachtet werden, dass Banken diese Einlagensicherung umgehen können, wenn sich der Hauptsitz der Bank außerhalb der EU befindet und lediglich Niederlassungen der Bank in den jeweiligen Ländern vorhanden sind.[4]

Auswirkungen auf die Geldmenge[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geldmenge

Tagesgeldkonten besitzen keine Laufzeit und sind täglich fällig, sie gehören damit zu den Sichteinlagen, der Geldmenge M1, die eine Teilmenge der Geldmenge M2 ist. Im Gegensatz dazu sind Sparbücher sogenannte Spareinlagen; das heißt, sie besitzen eine Kündigungsfrist von üblicherweise drei Monaten und zählen damit zur Geldmenge M2, aber nicht zur Geldmenge M1. Das Umschichten von Geldern von Sparbüchern auf Tagesgeldkonten bewirkt nur eine Veränderung der Geldmenge M1, die anderen Geldmengen M2 und M3 bleiben unbeeinflusst. Ein solcher Umschichtungsprozess hat damit keine Auswirkungen auf die Geldpolitik der Zentralbanken.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ARD-Börsenlexikon: Tagesgeldkonto, abgerufen am 28. September 2012
  2. http://www.tagesschau.de/wirtschaft/spareinlagen104.html (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung
  3. Bankenverband: FAQ Einlagensicherung (abgerufen am 14. Mai 2013)
  4. Tagesgeld Einlagensicherung (abgerufen am 6. Mai 2012)