Tami Oelfken

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Grab von Tami Oelfken

Tami Oelfken, eigentlich Maria Wilhelmine Oelfken, (* 25. Juni 1888 in Blumenthal; † 7. April 1957 in München) war eine deutsche Schriftstellerin und Reformpädagogin.

Biografie[Bearbeiten]

Oelfken war die Tochter eines Kaufmanns der bei der Bremer Wollkämmerei in Blumenthal wirkte. Sie absolvierte die Höhere Mädchenschule in Vegesack und dann das Lehrerinnenseminar von Kippenberg in Bremen. 1908 bestand sie ihr Staatsexamen. Sie arbeitete als Lehrerin in Ohrwege und Grohn. Sie wurde als eigenwillige Lehrerin nach Tarmstedt versetzt. Sie trat einer Arbeitsgemeinschaft für Junglehrer in Gotha bei und kämpfte 1920/21 gegen die Kapp-Putschisten.

In Worpswede lernte sie Heinrich Vogeler kennen und wurde eine radikale Schulreformerin. Sie kündigte den Staatsdienst und arbeitete im Bund Entschiedener Schulreformer mit. 1922 war sie wieder als Lehrerin in Berlin-Spandau im Spandauer Schulkampf engagiert; erneut kündigte sie den Staatsdienst und ging nach Hellerau, wo sie mit Alexander Sutherland Neill in der Versuchsschule tätig war. Gleichzeitig veröffentlichte sie mehrere reformpädagogische Artikel. 1925 unterrichtete sie an der privaten Benario-Schule, dann an der Schule der russischen Handelsvertretung, bis sie 1928 die Tami-Oelfken-Gemeinschaftsschule im Berliner Villenviertel Lichterfelde gründete. Seit 1931 veröffentlichte sie Kinderbücher.

1934 wurde ihre Schule wegen „kommunistischer und judenfreundlicher Tendenzen“ geschlossen, sie ging nach Frankreich, dann nach England, Italien und kehrte 1939 nach Berlin zurück. Nach dem Ausschluss aus der Reichsschrifttumskammer lebte sie zurückgezogen in Überlingen. Bekannt wurde sie durch den 1940 verfassten autobiographischen Roman Tine. Die erste Fassung wurde verboten. 1947 erschien der Roman unter dem Namen Maddo Clüver.

Nach 1947 arbeitete Oelfken für den Südwestfunk. Seit 1950 schrieb sie Erinnerungsbücher und Novellen. Bekannt wurde das Logbuch mit Erinnerungen von 1939 bis 1945. Wegen ihres Eintretens für Zusammenarbeit auch mit linientreuen DDR-Autoren wurde sie in der Zeit der Blockkonfrontation stark kritisiert und in der Folge von einigen bundesdeutschen Verlagen geächtet. Ihr Werk wurde erst nach ihrem Tod zunehmend wiederentdeckt.

Noch heute ist ihre Grabstelle auf dem Friedhof an der Evangelisch-reformierten Kirche in Bremen-Blumenthal zu finden.

Ehrungen[Bearbeiten]

  • Die Tami-Oelfken-Straße in Bremen - Kattenturm wurde 1968 nach ihr benannt.
  • 2004 wurde eine Schule an ihrem Geburtsort nach ihr benannt.

Werke[Bearbeiten]

  • Nickelmann erlebt Berlin, 1931
  • Peter kann zaubern, 1932
  • Tine, Kiepenheuer, Berlin 1940, verboten; 1947 als Maddo Clüver. Die Konturen einer Kinderlandschaft erschienen (Curt Brauns, Wedel).
  • Die Persianermütze, 1942 (kurz nach dem Erscheinen verboten)
  • Die Sonnenuhr, Wulff-Verlag, 1946
  • Fahrt durch das Chaos, 1946, Neuausgabe 2003 (Libelle Verlag)
  • Zauber der Artemis, Alster Verlag, Wedel 1947
  • Maddo Clüver, Alster Verlag, Wedel 1947
  • Logbuch, Alster Verlag, Wedel 1948
  • Die Kukucksspucke, Verlag der Nation, 1954
  • Stine vom Löh - Novelle, Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1953
  • Texte in Bremen einst und jetzt. Eine Chronik, Eilers & Schünemann Verlag, 1955
  • Traum am Morgen, Kiepenheuer, Weimar 1955
  • Die Penaten, 1957

Pädagogische Beiträge[Bearbeiten]

  • Gymnastik als Grundlage der Erziehung. In Die Neue Erziehung, 7. Jahrgang 1925, S. 402-411

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulf Fiedler: Vom roten Plüsch zur Räterepublik: Das abenteuerliche Leben der Tami Oelfken In: Fiedler, Ulf (Hrsg.) Dichter an Strom und Deich, Bremen 1995, S. 41-49.
  • Ursel Habermann: Tami Oelfken. Lebensgeschichte - Zeitgeschichte. In: Schriftreihe der Wissenschaftlichen Einheit. Frauenstudien und Frauenforschung an der Hochschule Bremen, Band 3, Bremen 1991, S. 141-162.
  • Ursel Habermann: "Das Gewohnte und das Feste will ich lassen ..." Annäherung an eine vergessene Dichterin: Tami Oelfken (1888-1957) In: Bausinger, Hermann u.A., Allmende 28/29, S. 166-188.
  • Helga Karrenbrock: Oelfken, Tami. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. 436 f. (Digitalisat).
  • Jens Pollem: Tami Oelfken – Pädagogin und Schriftstellerin. In: Arbeiterbewegung und Sozialgeschichte. Zeitschrift für die Regionalgeschichte Bremens im 19. und 20. Jahrhundert Nr. 20; Bremen 2008, S. 63-69.
  • Brigitte Röttges: Tami Oelfken In: VS - Verband deutscher Schriftsteller (Hrsg.) Verbrannt. Vergessen?, Berlin 2007, S. 42-44.
  • Kurd Schulz: Oelfken, Maria Wilhelmine geb. Tami In: Die Historische Gesellschaft Bremen und das Staatsarchiv Bremen (Hrsg.) Bremische Biographie 1912-1962, Bremen 1969, S. 356 Sp.1 - 357 Sp.1.
  • Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-693-X.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]