Berlin-Spandau

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Dieser Artikel beschreibt den mit der Bezirksreform neu gebildeten Berliner Ortsteil Berlin-Spandau, für den gleichnamigen Berliner Bezirk siehe Bezirk Spandau
Spandau
Ortsteil von Berlin
Berlin Brandenburg Kladow Gatow Staaken Falkenhagener Feld Wilhelmstadt Spandau Haselhorst Siemensstadt HakenfeldeSpandau auf der Karte von Spandau
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 32′ 10″ N, 13° 12′ 12″ O52.53611111111113.20333333333335Koordinaten: 52° 32′ 10″ N, 13° 12′ 12″ O
Höhe 35 m ü. NN
Fläche 8,029 km²
Einwohner 36.168 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 4505 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahl 13581, 13583, 13585 13587, 13597, 14052
Ortsteilnummer 0501
Gliederung
Verwaltungsbezirk Spandau
Ortslagen

Spandau ist der namensgebende Ortsteil im Berliner Bezirk Spandau.

Der Ortsteil Spandau repräsentiert den Ortskern des ehemaligen Stadtkreises Spandau, der 1920 nach Groß-Berlin eingemeindet wurde. Im Sprachgebrauch können Ortsangaben in Spandau auch in den direkt angrenzenden Bebauungen der Ortsteile Wilhelmstadt (Spandau-Wilhelmstadt), Haselhorst (Spandau-Haselhorst) und Falkenhagener Feld (Spandau-Falkenhagener Feld) liegen.

Geschichte[Bearbeiten]

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Situation im Brandenburger Raum um 1150

Etwa seit dem 7. Jahrhundert war das Havelland von den Hevellern (slawische Stämme) besiedelt.

Die Ursprünge Spandaus sind auf eine slawische Siedlung zurückzuführen, die am Zusammenfluss von Havel und Spree angelegt war. Aus dieser unbefestigten Anlage entstand bis zum Ende des 10. Jahrhunderts eine befestigte Burganlage, deren slawischer Name nicht überliefert ist und die in der Forschung deshalb als „Spandauer Burgwall“ bezeichnet wird. Bei Grabungen wurde neben den Resten einer auf etwa 980 datierten vermutlichen Kirche aus Holz die Gussform des Spandauer Kreuzes gefunden. Dies lässt auf einen christlichen Bezug dieser Anlage schließen. 1157 geriet der Burgwall im Zuge der Deutschen Ostsiedlung in den Besitz Albrechts des Bären, der sie zu seinen Bedürfnissen umbauen ließ (Aufgabe des Suburbiums, neues Westtor und neue Havelbrücke). Dieser Burgwall bildete den östlichsten Pfeiler der neu geschaffnen Mark Brandenburg an der Havel-Nuthe-Linie.

Die Burg Spandau wird im Jahr 1197 zum ersten Mal urkundlich erwähnt („Everardus advocatus in Spandowe“ in einer Urkunde des Markgrafen Otto II.). Offenbar handelt es sich dabei schon um die nördlich von Alt-Spandau gelegene neue askanische Burg. Die Urkunde befindet sich heute im Dommuseum der Stadt Brandenburg an der Havel.

Neben der Burg entwickelte sich auch eine Siedlung, die der Burg angeschlossen war. Als die Burg den an sie gestellten Anforderungen nicht mehr gerecht werden konnte, wurde sie ausgebaut. Im Zuge dieses Ausbaus wurden wohl die Bewohner in den heutigen Teil der Altstadt Spandau umgesiedelt.

Entgegen allgemein verbreiteter Ansicht wird in der am 7. März 1232 von den Markgrafen Johann I. und Otto III. ausgestellten Urkunde Spandau nicht das Stadtrecht erteilt. Der Text der Urkunde – sofern die erhaltene deutsche Übersetzung authentisch ist, was teilweise angezweifelt wird – macht vielmehr deutlich, dass Spandau bereits Stadtrechte besitzt und hier noch zusätzliche Rechte – vor allem der Bau einer Flutrinne, der Vorgängerin der Schleuse – gewährt werden. Wann die Verleihung der Stadtrechte erfolgte, geht daraus nicht hervor. Da allerdings für das Alter von Städten die förmliche Verbriefung durch eine Urkunde mit der Verleihung von städtischen Rechten gilt und in der genannten Urkunde Spandau zum ersten Mal als Stadt erwähnt wird, ist es erst ab 1232 nachweislich als Stadt anzusehen. Bis um 1560 wuchs Spandau als normale Stadt weiter, bis Kurfürst Joachim II. anordnete, die Burg durch eine Landesfestung zu ersetzen. Der gerufene Baumeister Rochus zu Lynar baute die Zitadelle und sich selbst ein Schloss in der Stadt. Auf den Kurfürsten ist auch der Knüppelkrieg im Jahr 1567 zwischen Spandau und Berlin zurückzuführen.1632 wurde im Lynar-Schloss der Leichnam des Schwedenkönig Gustav II. Adolf eine Nacht beherbergt. Seine letzte Reise von Lützen nach Stockholm.

Stadt und Zitadelle Spandau im Jahr 1633
Katasterplan der Stadt Spandau von 1728 (Intra Moenia)
Ansicht um 1850
Industriekomplex Spandau-Stresow 1869 mit Gewehrfabrik, Geschützgießerei, Pulverfabrik, Munitionsfabrik, Artillerie-Werkstatt
Gotisches Haus (Palas) und Juliusturm der Zitadelle Spandau
Rest der Befestigungsanlagen der Festung Spandau: Batardeau zur Regulierung des Wasserstandes im Festungsgraben

Die heute zum Ortsteil Haselhorst gehörende Zitadelle Spandau wurde im Jahr 1594 fertiggestellt. Ab 1626, während des Dreißigjährigen Krieges, wurde in Spandau eine Garnison stationiert und die Stadtmauer ausgebaut. 1686 wurde aus dem Lynar-Schloss ein Zuchthaus.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts änderte sich an dem Status als Militärstadt nichts. Verstärkt wurde dieses durch den Bau einer Gewehrfabrik im Jahr 1722 auf Befehl von König Friedrich Wilhelm I.

Vom 24. zum 25. Oktober 1806 wurde die Zitadelle von den Franzosen belagert, was die Preußen zur Kapitulation bewegte. In den Befreiungskriegen wurde im März 1813 das von Franzosen besetzte Spandau von russischen Truppen belagert. Preußische Truppen lösten die Russen ab und begannen mit dem Beschuss von Spandau und der Zitadelle Spandau. Am 23. April gaben die Franzosen ihre Kapitulation bekannt und verließen Spandau. Am 7. November 1850 befreite der spätere US-amerikanische Politiker Carl Schurz den Demokraten Gottfried Kinkel aus dem Zuchthaus. 1859 eröffnete die jüdische Gemeinde in Spandau wieder einen eigenen Begräbnisplatz an der Schülerbergen. 1913 wurde eine Leichenhalle nach Plänen des Architekten Steil errichtet. Am 15. September 1895 wurde in Anwesenheit des Oberbürgermeisters Friedrich Koeltze die Synagoge am Lindenufer eingeweiht. Die 1859 wiedergegründete Johannisloge zum goldenen Hammer der Freimaurer baute sich 1866 ein Logenhaus. 1878 wurde der Name der Stadt von „Spandow“ in „Spandau“ geändert. 1877–1879 wurde in der Neuendorfer Straße die Standort-Arrestanstalt (Hilfsgefängnis) erbaut. Das ehemalige Lynar-Schloss in der Altstadt wurde hingegen seit 1861 als Kaserne des 3. Garde-Grenadier-Regimentes „Königin Elisabeth“ genutzt, bevor es 1898 komplett abgerissen wurde.

Um Spandau vor Hochwasser zu schützen, wurde 1832 der Elsgraben angelegt, der das Wasser bereits vor der Stadt zur Havel leitete. Der bis 1886 schiffbare Wassergraben verband die (alte) Spree gegenüber der damaligen Otternbucht (ungefähr in Höhe des heutigen Heizkraftwerks Reuter) vorbei an der Fließwiese Ruhleben und dem Schanzenwald mit dem Faulen See in Tiefwerder, der wiederum über mehrere Havelaltarme und den Stößensee – noch heute – mit der Havel verbunden ist. Mit der Kanalisierung der Unterspree in den 1880er Jahren verlor der Elsgraben seine Bedeutung und wurde bis etwa 1930 nach und nach zugeschüttet. Seinem Verlauf folgen heute in etwa der Hempelsteig und der Elsgrabenweg.[1]

Mit dem Reichsfestungsgesetz vom 30. Mai 1873 wurde Spandau zur Festungsstadt. Eine Folge dieser Entscheidung war der Bau des Fort Hahneberg zwischen 1882 und 1888 westlich der Stadt, die zum Zeitpunkt der Fertigstellung aufgrund der fortgeschrittenen Militärtechnik jedoch bereits veraltet war. Am 27. Januar 1903 wurde die Entfestigung angeordnet.[2] Jetzt konnte sich die Stadt ausdehnen. Viele öffentliche Gebäude wurden an dem als Ringstraße konzipierten Hohenzollernring /Askanierring erbaut. 1908 wurde die St. Marien-Kirche, 1911 das Stadtbad Spandau sowie die Königliche Landesturnanstalt und das Lehrerseminar errichtet. Die Einwohnerzahl Spandaus stieg von rund 70.000 im Jahr 1905 bis auf 110.000 im Kriegsjahr 1917.

Im 19. Jahrhundert wurde in Spandau die Rüstungsindustrie massiv ausgebaut. Das hier gefertigte Maschinengewehr MG 08/15 wurde zum Synonym für die gleichnamige Redewendung. Im Ersten Weltkrieg wurde diese Industrie noch mehr erweitert, sodass zum Ende des Krieges Spandau ein bedeutendes Rüstungszentrum des Deutschen Reichs geworden war.

Die ersten Eisenbahnanschlüsse erhielt Spandau 1846 durch die Berlin-Hamburger Bahn und 1871 durch die Berlin-Lehrter Eisenbahn zwischen Berlin und Hannover.

Ab 1897 siedelte die Firma Siemens & Halske wichtige Industrieanlagen im Nordosten Spandaus an. Später wuchs daraus ein eigener Ortsteil: Siemensstadt.

Am 1. Oktober 1920 verlor Spandau die kommunale Selbstständigkeit und wurde Teil des achten Bezirks von Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte der Bezirk Spandau zum britischen Sektor Berlins und verlor einen Teil des Ortsteils Staaken (West-Staaken) an die Sowjetische Besatzungszone. Erst 1990 wurde das abgetrennte West-Staaken mit dem Bezirk Spandau wiedervereinigt.

Gegenwart[Bearbeiten]

Der Bezirk Spandau ist mit seinen Versorgungseinrichtungen ein bedeutender Wirtschaftsstandort Berlins und besitzt auf der anderen Seite auch große Wald- und Wasserflächen, die als Ausflugsgebiet genutzt werden. Der Ortsteil Spandau mit den angrenzenden Wohngebieten kann so auf eine nahezu eigenständige städtische Infrastruktur zurückgreifen. Das kulturelle Zentrum Spandaus ist die Altstadt, von deren alter Bausubstanz allerdings aufgrund der Kriegsereignisse des Zweiten Weltkriegs sowie einer radikalen Sanierung in den 1950er Jahren wenig erhalten geblieben ist.

Die 1978 eingeleitete Umgestaltung der Altstadt zu einer Fußgängerzone wurde nach mehr als zehn Jahren 1989 abgeschlossen. Der Handel in der Altstadt steht seit 2001 unter großem Konkurrenzdruck durch das benachbarte Einkaufszentrum Spandau Arcaden mit seinen 125 Geschäften. Hierbei besuchen auch viele Besucher der Arcaden nunmehr auch verstärkt die Altstadt.

Das bedeutendste Bauwerk der Altstadt ist die St.-Nikolai-Kirche, eine dreischiffige gotische Hallenkirche (15. Jahrhundert), deren Turm seit 1989 wieder eine rekonstruierte Barockhaube mit Schmuckwerk nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel aus dem Jahr 1839 hat. Das älteste Gebäude Spandaus ist das Gotische Haus. In ihm ist eine Kunstgalerie untergebracht, außerdem kann man sich hier über kulturelle Veranstaltungen in Spandau informieren. Das Stadtgeschichtliche Museum befindet sich im neuen Zeughaus, einem Gebäude auf der Zitadelle Spandau. Im ältesten Stadtteil Spandaus, dem Kolk, steht ein aus Backsteinen gemauerter Rest der Stadtmauer mit folgender Erklärungstafel: „Stadtmauer. Rest der alten Stadtbefestigung aus der ersten Hälfte d. 14 Jahrhunderts“.[3] Unweit der Altstadt befindet sich heute im Nachbarortsteil Haselhorst die Zitadelle mit dem Juliusturm, eine Renaissancefestung, die verschiedene Kultureinrichtungen beherbergt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter Spandaus (bis 1920)[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Kuntzemüller: Urkundliche Geschichte der Stadt und Festung Spandau von Entstehung der Stadt bis zur Gegenwart. Erstauflage: Magistrat der Stadt Spandau 1881.(Digitalisat)
  • Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Slawenburg – Landesfestung – Industriezentrum. Untersuchungen zur Geschichte von Stadt und Bezirk Spandau. Colloquium, Berlin 1983, ISBN 3-7678-0593-6.
  • Andrea Theissen, Arnold Wirtgen (Hrsg.): Militärstadt Spandau. Zentrum der preußischen Waffenproduktion 1723 bis 1918. Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 1998, ISBN 3-89488-129-1.
  • Vermessungsamt Spandau (Hrsg.): 777 Jahre Spandau im Kartenbild der Jahrhunderte. Berlin 2009.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Spandau – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Elsgrabenweg. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  2. zitadelle-spandau.de
  3. Vom Foto an der Stadtmauer