Telepathie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Artikel Telepathie und Fernwahrnehmung überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zusammenzuführen (→ Anleitung). Beteilige dich dazu an der betreffenden Redundanzdiskussion. Bitte entferne diesen Baustein erst nach vollständiger Abarbeitung der Redundanz und vergiss nicht, den betreffenden Eintrag auf der Redundanzdiskussionsseite mit {{Erledigt|1=~~~~}} zu markieren. Ökologix (Diskussion) 15:01, 6. Apr. 2015 (CEST)

Telepathie (altgr. τῆλε tēle „fern“, „weit“ und πάθος páthos „Erfahrung“, „Einwirkung“) ist eine von Frederic W. H. Myers geprägte Bezeichnung für eine Form der außersinnlichen Wahrnehmung, bei der Informationen (Gedanken, Gefühle, etc.) von einer Person auf eine andere übertragen werden. Diese Wahrnehmungen werden unter anderem auch Gedankenlesen oder Gedankenübertragung genannt.

Die sogenannte Parapsychologie versucht unter anderem Nachweise für telepathische Wahrnehmungen zu finden. Für die reale Existenz solcher Wahrnehmungen gibt es keine anerkannten wissenschaftlichen Belege.

Wortherkunft[Bearbeiten]

Telepathie ist eine Wortschöpfung des britischen Autors, Dichters, Kritikers und Essayisten Frederic W. H. Myers, die von ihm erstmals im Dezember 1882 vor der Society for Psychical Research (SPR) in London veröffentlicht wurde.[1] Die bis dahin gebräuchliche Bezeichnung thought transference (deutsch: „Gedankenübertragung“) für das Phänomen wurde durch Myers' Wortschöpfung abgelöst.[2]

Wissenschaftliche Untersuchungen[Bearbeiten]

Zenerkarten

Zenerkarten[Bearbeiten]

Bei Untersuchungen bezüglich der vermuteten Existenz von Telepathie wurden unter anderem sogenannte „Zenerkarten“ verwendet. Die Bezeichnung stammt angeblich von Joseph Banks Rhine, der die Karten nach seinem Kollegen Karl Zener benannt haben soll. Auf den Karten sind fünf verschiedene Symbole abgebildet: Ein Kreis, ein Kreuz, drei Wellenlinien, ein Quadrat und ein fünfzackiger Stern. Ein gebräuchlicher Satz besteht aus 25 Karten (je fünf Karten von jedem Symbol).

Forschungsprojekte an Universitäten[Bearbeiten]

An einigen Universitäten wird an Telepathie im Rahmen der Parapsychologie als Teilgebiet der Psychologie geforscht. Von 1954 bis 1998 existierte an der Universität Freiburg die von Hans Bender geleitete Abteilung Grenzgebiete der Psychologie, deren Forschungsarbeit durch das von Bender 1950 gegründete Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg weitergeführt wird.

Fehleinschätzungen von Wahrnehmungen[Bearbeiten]

Angeblich telepathische Phänomene werden vielfach auf Fehleinschätzungen von Wahrnehmungen zurückgeführt. Es gibt Studien, die zu dem Ergebnis kamen, dass Personen, die paranormale Phänomene für möglich halten, auch für wissenschaftlich beschreibbare Phänomene eher paranormale Erklärungen befürworten und dass der Glaube an paranormale Phänomene einhergeht mit einer erhöhten Fähigkeit zum Phantasieren, einem geringeren Maß an kritischem Denkvermögen und einer verringerten Fähigkeit zur Abschätzung von Wahrscheinlichkeiten. Bei einigen dieser Personen wurde eine erhöhte Aktivität der rechten Gehirnhälfte festgestellt, die angeblich Rückschlüsse auf Stärken im gefühlsmäßigen, kreativen Bereich und Schwächen beim Lösen von logischen Aufgaben zulässt.[3]

Cold Reading ist eine Methode, die suggerieren kann, dass eine angeblich hellsehende Person Informationen besitze, die sie nur auf übernatürlichem Wege erhalten haben kann.[4][5]

Seit 1922 werden von verschiedenen Organisationen Preisgelder für den Nachweis von parapsychologischen Fähigkeiten ausgeschrieben. Aktuell existieren weltweit mehr als 20 verschiedene Organisationen,[6] die eine Gesamtsumme von über 2,4 Millionen US-Dollar ausgeschrieben haben. Das höchste Preisgeld für den Nachweis von übersinnlichen Fähigkeiten wie Telepathie wird aktuell mit einer Million US-Dollar von der James Randi Educational Foundation ausgeschrieben. Seit 1922 war kein einziger durch diese Organisationen durchgeführter Test auf paranormale Fähigkeiten erfolgreich.

Fürsprecher[Bearbeiten]

Autoren, die telepathische Fähigkeiten trotz der fehlenden allgemein anerkannten Beweise und der Skepsis der Wissenschaftsgemeinde aufgrund ihrer eigenen Forschungen, Eindrücke und Indizienfunde für existent halten, sind zum Beispiel der Biologe Rupert Sheldrake, der Sozialpsychologe Daryl J. Bem, der Systemtheoretiker Ervin László, der Ethnologe Adolphus Peter Elkin oder die Psychologin Hanna Rheinz.

Sheldrake machte eigene Experimente mit Tieren und Menschen und behauptet, dass sie dank „morphischer Felder“ über jegliche Entfernungen hinweg in Verbindung treten können. Sheldrakes Theorien sind sicherlich spekulativ. Allerdings akzeptiert er im Gegensatz zur Esoterik-Szene (denen er von Kritikern zugerechnet wird) grundsätzlich die wissenschaftliche Methodik: Hypothesen müssen in kontrollierten Experimenten überprüft werden können. Er versucht die Aussöhnung von Spiritualität und Naturwissenschaft und kritisiert gleichzeitig den Materialismus und Reduktionismus der Wissenschaft, der verhindere, solche Phänomene wie Telepathie anzuerkennen.[7]

Daryl Bem veröffentlichte 1994 gemeinsam mit dem Parapsychologen Charles Honorton im renommierten "Psychological Bulletin" einen Artikel mit dem Titel „Existiert Psi? Replizierbare Belege für einen anomalen Prozess der Informationsübertragung“ (Bd 115, S. 4). Dieser stellte einen Überblick von Studien vor, die belegen sollen, dass Telepathie funktioniert. Die Studien, die Bem und Honorton zusammenfassten, benutzten alle die gleiche Methode: Im sogenannten Ganzfeld-Verfahren wird überprüft, ob Gedanken von einem Raum in den nächsten übertragen werden können. Den Versuchspersonen werden dabei durch spezielles Licht, Brillen, Rauschgeräusche usw. alle üblichen Sinneseindrücke auf ein Minimum reduziert, damit sie sich ganz auf die Telepathie konzentrieren können. Eine zweite Person in einem anderen Raum sieht sich üblicherweise Bilder oder Videos an, und versucht dann durch schiere Konzentration, das Gesehene allein durch Gedankenübertragung an den „Empfänger“ zu senden. Anschließend lässt man die "Empfänger" raten, welches von vier angebotenen Bildern der "Sender" gesehen hat. Bem und Honorton zufolge lagen die Ergebnisse bei 30 bis 40 Prozent und damit deutlich über der Zufallswahrscheinlichkeit. Dennoch muss Bem einräumen, dass diese Resultate nicht jederzeit wiederholbar sind; dies ist jedoch eine Grundvoraussetzung klassischer Forschung. Kritiker erklären die Ergebnisse mit Schlampigkeit, Zufall oder anderen „normalen“, lediglich subtilen Informationsübertragungen.[8]

Ervin László schreibt: „[…] es kann wenig Zweifel darüber geben, dass so etwas wie eine außersinnliche Übertragung von Gedanken und Bildern tatsächlich vorkommt.“ Schamanen würden beispielsweise über telepathische Fähigkeiten zur Kommunikation verfügen, die es ihnen ermöglichen, weit entfernte Ereignisse zu „sehen“.[9] Der Lakota-Schamane Black Elk (1863 - 1950) beispielsweise erzählte von einer „Geistreise“, als er in Paris weilte, bei der er Entwicklungen seines Volkes „sah“, die ihn veranlassten, die Rückreise anzutreten.[10]

Der Ethnologe Elkin hielt Telepathie bei sogenannten Naturvölkern sogar für ziemlich alltäglich. Bis zum heutigen Tage scheinen australische Aborigines gelegentlich über das Schicksal von Familien und Freunden informiert zu sein, selbst wenn jede direkte sinnliche Wahrnehmung ausgeschlossen werden kann. Er stellte etwa fest, dass ein australischer Ureinwohner, weit entfernt von seinem Heimatgebiet, „eines Tages plötzlich mitteilt, dass sein Vater tot sei, dass seine Frau ein Kind geboren hat, oder dass es Schwierigkeiten in seiner Heimat gibt. Er war seiner Sache dabei so sicher, dass er sofort zurückkehren würde, wenn er könnte.“[9] Von mehreren Autoren wird angenommen, dass solche mentalen Verbindungen durch „seelische Verbundenheit“ deutlich verstärkt würden.

Hanna Rheinz berichtet in ihrem Buch „Die manipulierte Seele“ über die Telepathie-Experimente an Menschen im Schlaflabor am New Yorker Maimonides Medical Center: „Ziel war, den Träumern in der REM-Phase bestimmte Traum-Motive zu suggerieren. Und in der Tat gelang 29 der 95 Versuchspersonen in 5 Serien eine Trefferquote, die statistisch signifikant war, das heißt, die Versuchsperson träumte den Traum, in dem das suggerierte Motiv auftauchte.“ An anderer Stelle schreibt sie: „In einem Fall konnte sogar ein außergewöhnliches Sinnesereignis elektrophysiologisch nachgewiesen werden: Die telepatische Kommunikation eineiiger Zwillinge.“[11]

Teilbeweis einer „quasi-telepathischen“ Übertragung[Bearbeiten]

Bei einem Experiment aus Barcelona ist es 2014 gelungen, Gehirnströme binär aufzuzeichnen, sie per Mail 1000 km weit zu verschicken und mit Hilfe einer Magnetstimulation in das Gehirn eines Versuchsteilnehmers zu transferieren. Ein Proband in Indien sollte dazu an einfache Worte wie „Hallo“ und „Tschüss“ denken. Seine Gehirnströme wurden dabei mit einer Elektroenzephalographie (EEG) gemessen, aufgezeichnet und in einen Binärcode umgewandelt. Die Empfänger der Mail in Frankreich übertrugen die Botschaft über eine sogenannte transkranielle Magnetstimulation direkt in das Gehirn eines Versuchsteilnehmers. Dazu werden die Daten durch Lichtblitze dargestellt, die der Proband am Rande seines Blickfelds wahrnimmt. Die Probanden hatten die in Indien gedachten Worte also weder gehört noch irgendwie gesehen – sie konnten aber anhand der Lichtblitze die Botschaft verstehen.[12]

Mediale Umsetzung[Bearbeiten]

Innerhalb der Science-Fiction-Literatur gibt es zahlreiche Erzählungen und Romane, die sich mit dem Thema Telepathie befassen. In seinem Roman Psi-Patt beschrieb der US-amerikanische Science Fiction-Autor Lester del Rey mit der Gabe der Telepathie verbundene psychische Gefahren und Qualen für die Betroffenen. Die Schriftstellerin Marion Zimmer Bradley (Die Nebel von Avalon) schuf in ihren Darkover-Romanen eine Welt, deren Geschichte, Kultur und Technologie weitgehend auf den vererbbaren telepathischen Fähigkeiten aristokratischer Familien basiert.

Neben literarischen Verarbeitungen gibt es eine Reihe von filmischen Umsetzungen des Themas. Eine der ältesten ist Das Dorf der Verdammten (1960, Originaltitel Village of the Damned) von Wolf Rilla. Der Film basiert auf dem Roman Kuckuckskinder (Originaltitel The Midwich Cuckoos) von John Wyndham und beschreibt am Beispiel von zwölf aus unerklärlichen Gründen geborenen Kindern, wie eine außerirdische Macht mittels telepathischer Beeinflussung versucht, Menschen zu beherrschen. Der gleichnamige Horrorfilm Das Dorf der Verdammten (1995) von John Carpenter ist eine Neuverfilmung des Films von Wolf Rilla. In dem Film Ghostbusters – Die Geisterjäger (1984) wird zu Beginn ein Experiment mit Zenerkarten durchgeführt. In dem Film Scanners - Ihre Gedanken können töten (1981) von David Cronenberg sowie den beiden Fortsetzungen ist Telepathie das zentrale Thema.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Telepathie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mark Pilkington: Telepathy. In: The Guardian. 18. September 2003
  2. „This word, coined by F. W. H. Myers, has come into general use in place of the former term thought transference.Hereward Carrington: Story of Psychic Science. Kessinger, Whitefish 1997, ISBN 1-56459-259-6 (Nachdruck der Ausgabe von 1930), S. 250.
  3. Richard Wiseman, Caroline Watt: Belief in psychic ability and the misattribution hypothesis: A qualitative review. (PDF; 151 kB) In: British Journal of Psychology. 97, 2006, S.–323–338, PMID 16848946.
  4. Eberhard Bauer: Criticism and Controversy in Parapsychology - An Overview. (PDF; 56 kB) In: European Journal of Parapsychology. 5, 1984, S. 141–166.
  5. Ciarán O'Keeffe, Richard Wiseman: Testing alleged mediumship: Methods and results. (PDF; 174 kB) In: British Journal of Psychology. 96, 2005, S. 165–179.
  6. List of prizes for evidence of the paranormal
  7. Rupert Sheldrake: Der mit dem siebten Sinn. In: ZEIT Wissen Nr. 03/2012.
  8. Christian Stöcker: Grenzforschung: Telepathie-Test mit Hightech. In: spiegel.de vom 21. Juli 2006.
  9. a b Ervin László: Kosmische Kreativität. 1. Auflage, Insel, Frankfurt/M. 1995, ISBN 3-458-33808-X. S. 145–146.
  10. Schwarzer Hirsch: Ich rufe mein Volk. Leben, Visionen und Vermächtnis des letzten großen Sehers der Ogalalla-Sioux. Übersetzung der Urausgabe Black Elk Speaks von Siegfried Lang, Weltbild, Augsburg 1996, ISBN 3-89604-063-4. S. 211–214.
  11. Hanna Rheinz: Die manipulierte Seele. (TRIAS) Thieme, Stuttgart 1995, ISBN 978-3-89373-303-3. S. 85, 113.
  12. Hirnforschung: Forschern gelingt „Telepathie“-Experiment. In: faz.net vom 05. September 2014.