Thanat Khoman

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Thanat Khoman (auch Thanad; Thai ถนัด คอมันตร์; * 9. Februar 1914 in Bangkok) ist ein ehemaliger thailändischer Politiker; er war von 1959 bis 1971 Außenminister.

Leben und Karriere[Bearbeiten]

Thanat stammt von einer thai-chinesischen Familie ab. Er studierte in Frankreich die Rechte und trat 1940 in den diplomatischen Dienst von Thailand ein. Zunächst war er während des Zweiten Weltkriegs in Tokio stationiert, schloss sich dann nach seiner Rückkehr nach Thailand der Seri-Thai-Bewegung an, die Widerstand gegen die japanische Besatzung leistete. In diesem Zusammenhang war er Mitglied einer Geheimdelegation im Februar 1945 nach Ceylon, wo sich das Hauptquartier des Allied South-East Asia Command befand.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte er zahlreiche diplomatische Posten inne und stieg 1957 zum Botschafter in den USA auf. Am 10. Februar 1959 wurde er zum Außenminister Thailands in die Regierung von Premierminister Sarit Dhanarajata berufen. Diese Zeit war von extrem repressiven Maßnahmen der Militärregierung geprägt, die Demokratie und freie Rede für gefährlich und nicht im Einklang mit der Haltung des thailändischen Volkes ansah. Thanat sagte unter anderem[1]:

„Wir befinden uns heute an einer Weichenstellung, wir müssen genau in uns hineinschauen und wir müssen wissen, wer wir sind, was wir wollen und was wir können ... es hat keinen Sinn, diejenigen nachzuäffen, die trotz allem von uns in vielen Gesichtspunkten verschieden sind. Für viele von uns liegt der eigentliche Grund [für die Instabilität zahlreicher Regierungen Thailands] in der plötzlichen Verpflanzung fremder Institutionen auf unseren Boden ohne sorgfältige Vorbereitung und besonders ohne die Umstände unseres Heimatlandes, die Natur und Eigenschaften unseres Volkes, mit einem Wort den Genius unserer Rasse, in Betracht zu ziehen, mit dem Resultat, dass ihre Wirkungsweise planlos, ja chaotisch ist.
Wie kann eine repräsentative Regierung funktionieren, wenn diejenigen, die als Repräsentanten des Volkes in der Nationalversammlung gewählt sind, die Interessen des gesamten Landes vergessen und nur ihre eigensüchtigen Interessen verfolgen. Darüber hinaus, wie können die Wähler hoffen, ihres Vertrauens würdige Vertreter zu wählen, wenn sie kaum in der Lage sind, zwischen Wahlversprechen und den eigentlichen politischen Programmen zu unterscheiden.“

Sein wesentlicher Beitrag war in der Förderung regionaler Versöhnung und Zusammenarbeit.

Thanat spielte Mitte der Sechziger Jahre eine Schlüsselrolle bei der Vermittlung zwischen Indonesien und Malaysia. Die Wahl Bangkoks als Gründungsort für ASEAN (Association of South-East Asian Nations) im August 1967 war ein Ausdruck des Respekts für seine aktive Rolle bei der Bildung dieser Institution. Am 17. November 1971 musste er nach einem Staatsstreich zurücktreten, wohl auch weil er beabsichtigte, Thailand dem kommunistischen China anzunähern.

Nach seinem Rücktritt als Außenminister trat Thanat in die Landespolitik ein und wurde 1979 Vorsitzender der Demokratischen Partei (bis 1982). Zwischen 1980 und 1982 war er gleichzeitig stellvertretender Premierminister. 1982 zog er sich aus dem politischen Leben zurück.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Bangkok Post, 10. März 1959, als Zitat von Thanats Ansprache bei der American Association of Thailand mit dem Titel "Eine neue Ära für Thailand"

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Leifer: Dictionary of the modern politics of South-East Asia. London: Routledge 1996. ISBN 0-415-13821-3. Artikel: "Thanat Khoman".
Anmerkung zu thailändischen Namen: Dieser Artikel spricht Personen mit ihrem Vornamen an.