Theater Hagen

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Das Theater Hagen wurde als Städtisches Schauspielhaus am 5. Oktober 1911 eingeweiht und befindet sich im historischen Gebäude in der Hagener Innenstadt. Mit seinen jährlich rund 162.000 Besuchern und dem Schwerpunkt Musiktheater ist das Theater eines der über die Stadt hinaus bekannten Wahrzeichen und kulturellen Anziehungspunkte.

Das Theatergebäude
Frauen-Statuen von Milly Steger über dem Portal des Stadttheaters

Geschichte[Bearbeiten]

Am 27. Mai 1910 beschloss der Aufsichtsrat der Hagener Theater-A.G., einen Theater-Neubau an der Elberfelder Strasse in Auftrag zu geben. Als Architekt wurde Ernst Vetterlein aus Darmstadt gewonnen. Die feierliche Eröffnung des neuen, 650 000 Mark teuren Theaters fand am 5. Oktober 1911 statt. Die Bildhauerin Milly Steger hatte vier weibliche Figuren geschaffen, die über dem Portal standen und deren Nacktheit Anlass zu Protesten gab. Oskar Kaiser, bisher Direktor des bestehenden Hagener Schauspiel-Ensembles, wurde nun Intendant. In den ersten Spielzeiten dominierte das Schauspiel des eigenen Ensembles gegenüber den eingekauften Operngastspielen von oft liebloser Qualität.

Als Intendant folgte 1914 auf Kaiser der Hofschauspieler Franz Ludwig, dessen Pläne für das Hagener Theater durch den Weltkrieg bis 1918 nicht zur Ausführung kamen. Eine für das Hagener Musiktheater wichtige Premiere war die Aufführung von Carl Maria von Webers „Freischütz“ mit hauseigenen Sängern am 20. Juli 1919. In der folgenden Spielzeit wurde dann zum ersten Mal große Oper – z.B. Wagner, Verdi, Puccini - in eigener Regie produziert. Die wirtschaftlich unruhigen Zeiten brachten das Theater in große finanzielle Schwierigkeiten, so dass das Haus Anfang der 20er Jahre vorübergehend geschlossen werden musste.

Die erste Fusion des Theaters Hagen mit den Städtischen Bühnen Münster sollte 1923/24 die Lösung der finanziellen Probleme bringen: Hagen war Sitz für Oper und Operette, Münster stellte das Schauspiel. Die Leitung beider Häuser hatte der Münsteraner Intendant Max Krüger inne. Doch die Theaterehe verlief nicht so wie gewünscht, das Experiment scheiterte. Mit dem ehemaligen Oberspielleiter des Altonaer Theaters Richard Dornseiff kam 1923 ein Intendant an die Hagener Bühne, der für eine moderne, zeitgenössische Richtung des Theaters stand, allerdings beim Publikum nicht ankam, so dass er bereits nach drei Jahren das Theater verlassen musste.

Hans Hartmann, der spätere Intendant des Westdeutschen Rundfunks, wurde Dornseiffs Nachfolger. Er leitete das Theater mit großem kaufmännischem Geschick und konnte eine ganze Reihe technischer Neuerungen einführen.

1930 wurde Paul Smolney Intendant der Hagener Bühne, die durch seine künstlerische Leitung einen hervorragenden Ruf bekam. Wie schon so oft vorher gab es auch unter seiner Intendanz wieder Fusionsgedanken, erst mit Dortmund, dann mit Wuppertal. Ende 1932 war die Hagener Theater-A.G. nicht mehr in der Lage, das Haus mit stark zusammengestrichenen städtischen Zuschüssen weiter zu führen. Um das Theater dennoch zu erhalten, gründete das Ensemble eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts und wählte mit W.G. von Keller und Willie Schmitt zwei Mitglieder zu Direktoren. Doch das „Gemeinschaftstheater“, wie es nun hieß, hatte nicht lange eine Chance. Am Tag von Hitlers Machtergreifung begann auch für die Bühne eine andere Zeit. Die beiden letzten Direktoren legten Ende März 1933 nach einem Misstrauensvotum ihre Ämter nieder. Mit der Spielzeit 1933/34 ging die Intendanz in die Hände des NSDAP-Mitglieds Hermann Bender über, der bislang als Opernsänger engagiert war, und aus dem Gemeinschaftstheater wurde eine Aktiengesellschaft. Für die städtischen Bühnen war von nun an der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda zuständig. Damit ist Wesentliches gesagt über die Aufgaben der Theater, die von nun an auch Instrumente zur Indoktrination des Volkes waren. Mitte Oktober 1934 löste die Stadt die Hagener Theater A.G. auf und kaufte das Theater, ohne die Aktionäre abzufinden.

Der Spielplan der Hagener Bühne bot zunächst überwiegend die alten, bewährten Opern und Operetten, auch im Schauspiel gab es wenige dezidiert nationalsozialistische Stücke zu sehen, bevorzugt wurde das Heitere. „Die Deutsche Bühne“ in Hagen, später umbenannt in NS-Kulturgemeinschaft, wurde die zweitgrößte Theatergemeinschaft im Reich. 1935 begannen die nationalsozialistischen Kulturkammern, jüdische Künstler aus dem Ensemble zu werfen. Das 25-jährige Jubiläum des Hagener Theaters 1936 wurde mit einem Festakt gefeiert, der vor allem ein Eigenlob der neuen Herren war.

Auch nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ging das Kulturleben weiter. Die Bevölkerung wurde zu Theaterbesuchen aufgerufen, neue Opern und Schauspiele wurden angekündigt und neue Künstler engagiert. Erst mit der Spielzeit 1940/41 gab es kriegsbedingte Störungen, z.B. begann die Saison später und die Vorstellungen durften wegen der immer häufiger werdenden Bombardierungen und der damit einhergehenden Verdunkelung nicht länger als bis 21 Uhr dauern. Das Theater übernahm in zunehmendem Maße die ihm von Staats wegen übertragene politische Aufgabe, das Publikum bei guter Laune zu halten, wofür die Regierung auch immense Defizite übernahm. Auch die Durchhalteparolen für den Endsieg hatten die Theater auszugeben, indem sie ein gnadenlos heiteres Programm anboten. Noch im Juli 1944 wurde offiziell verbreitet, „dass sich die Organisationsform des nationalsozialistischen Theaters vollauf bewährt habe“. Bereits einen Monat später wurden die meisten Theater stillgelegt – auch das Hagener Theater – und die Künstler dem „Kriegseinsatz zugeführt“. Das Gebäude wurde durch Bombardierungen so zerstört, dass kein Spielbetrieb mehr möglich war.

Nach Kriegsende, im Mai 1945, gab es in Hagen kein Kulturleben mehr. Aber schon am 19. August desselben Jahres fand in der schmucklosen Aula der Oberschule in Haspe ein „Opern- und Operettenabend“ statt. Die Turnhalle der Hasper Oberschule war für die nächsten vier Jahre als „Neues Theater“ neben dem Kammermusiksaal der Stadthalle der Ort für Schauspiel- und Musiktheateraufführungen. Als eine der ersten Bühnen konnte Hagen nach dem Krieg einen geregelten Theaterbetrieb unter der Leitung von Otto Schönfeldt aufbauen.

Mit Beginn der Spielzeit 1947/48 übernahm Hermann Werner für die nächsten 27 Jahre die Gesamtverantwortung für die Hagener Bühne und musste als erste große Hürde die Währungsreform mit ihren Auswirkungen überwinden. Am 5. September 1949 wurde das wiederaufgebaute Theater mit einer Aufführung des „Rosenkavalier“ feierlich eröffnet; die 960 Gäste der Premiere waren hauptsächlich die Handwerker, die in nur 5 Monaten das Theater für 430.000 DM restauriert hatten.

Am 14. Februar 1950 beschloss die Stadtvertretung Hagens den Verzicht auf die eigene Schauspielsparte, zunächst wurde mit dem Schauspielhaus Bochum dem Hagener Theater das prominenteste Schauspiel Westdeutschlands unter der Leitung von Saladin Schmitt zur Seite gestellt. Die Intendanz Werners sorgte für klaren Kurs, Zuverlässigkeit und Kontinuität. Es begannen für das Theater glückliche Jahre, die sich in steigenden Besucherzahlen – die Platzausnutzung stieg von 41 % (1949) auf 90,6 % (1956) - und künstlerischen Höhepunkten ausdrückten. 1954 erlebte Hagen seine erste zyklische Aufführung von Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“. Ab 1956 gab es 11 Spielzeiten lang das viel umjubelte „Fest der Stimmen“: In besonderen Aufführungen der Hagener Bühne gastierten Spitzensänger europäischer Festspiele und renommierter Opernhäuser. Aber nicht nur bei diesen saisonalen Höhepunkten konnte man in Hagen gute Stimmen hören, Sänger der ersten Riege sangen hier ganze Aufführungsserien.

1961 wurde das fünfzigjährige Jubiläum des Theaters gefeiert, u.a. mit „Die Meistersinger von Nürnberg“. Außerhalb des Abonnements wurde mit „Der Versuch“ eine neue Reihe aufgelegt, die mit dem zeitgenössischen musikdramatischen Schaffen bekannt machte. 1962 sahen die Hagener Zuschauer mit „Kiss me, Kate“ das erste eigenproduzierte Musical.

1966 zog sich das Bochumer Schauspielhaus aus Hagen zurück, von nun an gastierten die Landesbühnen und Tourneetheater. Die Stadt musste – genau wie die Nachbarstädte – sparen, da kamen wieder, diesmal konkrete, Fusionspläne auf den Tisch. Ein Gutachten aus dem Jahre 1969 warnte jedoch entschieden vor einer Fusion, mit welcher Bühne auch immer, schlug dafür eine Reihe von innerbetrieblichen Veränderungen vor. Die Theatergemeinschaft mit Dortmund kam nicht zustande.

Ab der Spielzeit 1973/74 stand die Städtische Bühne Hagen unter neuer Leitung: Manfred Schnabel bewies in den 13 Jahren seiner Intendanz seine Vorstellungen eines erfolgreichen Ensembletheaters. Dazu gehörte ein in zwölf Jahren (bis 1983) kontinuierlich aufgebautes Ballett unter Ballettmeister Janez Samec und programmatische Reihen, z.B. „heitere Oper aus dem osteuropäischen Raum“ oder „heitere Vorklassik“, die sich über mehrere Jahre durch die Spielpläne zogen. Als Dauereinrichtung wurde 1978 das „Mobile Theater“ ins Leben gerufen, das sowohl für Kinder wie auch für Erwachsene spielte, das theaterpädagogische Programm wuchs. Matineen, Sonderveranstaltungen, Werkgespräche, Einführungen und Workshops gehörten bald zum selbstverständlichen Angebot des Theaters.

1982 wurde ein Projekt geboren, das in den folgenden Jahren das Theater Hagen zu dem deutschen „Musical-Mekka“ machte: die „Tage des Musicals“. Ein Autorenwettbewerb für Musicals wurde ausgerichtet, das Siegerstück in Hagen produziert und Workshops und Gastspiele auswärtiger Produktionen sorgten für ein spannendes Programm. Die „Tage des Musicals“ standen alle zwei Jahre auf dem Spielplan.

Im November 1986 wurde, nach der Berufung von Manfred Schnabel als Intendant des Essener Theaters, Peter Pietzsch Intendant in Hagen. Gleich zu Beginn seiner Intendanz konnte er seine Unkonventionalität und sein Engagement unter Beweis stellen: als nach der Hauptprobe von „Rigoletto“ die Bühne wegen Einsturzgefahr gesperrt werden musste, fand Pietzsch in Leverkusen einen Ort, an dem Theater und Zuschauer eine grandiose Premiere erlebten. Die musikalische Rückschau auf die Nachkriegsjahre „Hörst du mein heimliches Rufen?“ hatte 1989 im Theatercafé Premiere, die letzte Vorstellung fand am im Jahre 2000 (!) im Großen Haus statt. Es wurden vermehrt wieder Schauspiel-Eigenproduktionen gezeigt, zumeist in der Regie von Peter Schütze.

1993 gehörte „Strandpiraten“ von Ethel Smyth zu den Opernausgrabungen und Uraufführungen, die die Bühne häufiger ins überregionale Feuilleton brachten. Obwohl immer wieder totgesagt, hatte das Ballett in Hagen nun einen festen Platz im Spielplan gefunden. Die Schul- und Jugendtheatertage konnten 1999 zum 10. Mal durchgeführt werden, ein eigenes Jugendtheaterprogramm stieß auf großes Interesse und die Gründung eines neuen Theater-Jugend-Clubs waren nur einige Merkmale einer intensivierten Zusammenarbeit von Theater und Schule.

Im Jahr 2000 wurde Rainer Friedemann neuer Intendant des Theater Hagen und konnte im ersten Jahr seiner Intendanz gleich das Hagener Kinder- und Jugendtheater im Jugendzentrum „Globe“ eröffnen. Das Theater Hagen erhielt 2003 einen modernen Werkstätten- und Bühnen-Neubau, in dem auch zwei neue Spielstätten eingeweiht wurden: die Probe- und Studiobühne opushagen, wo u.a. Liederabende, experimentelles Musiktheater oder das Festival „TanzRäume“ ein neues „Kleines Haus“ etablierten, sowie das lutzhagen. Die 1. Internationale AIDS TanzGala, deren Erlös an die AIDS-Hilfe Hagen ging, reihte 2004 tänzerische Glanzlichter internationaler Compagnien aneinander. Liederabende von Ensemblemitgliedern avancierten in den folgenden Jahren vom Geheimtipp zum Publikumserfolg.

Der neue Hausherr Norbert Hilchenbach eröffnete 2007 seine Intendanz mit Jake Heggies „Dead Man Walking“ und begann damit eine Reihe moderner amerikanischer Opern, die mit „Endstation Sehnsucht“, der europäischen Erstaufführung „Salsipuedes“ und „Street Scene“ fortgesetzt wurde. In der Saison 2007/2008 konnte das philharmonische orchesterhagen den 100. Geburtstag mit außergewöhnlichen, bejubelten Konzerten feiern. Das Ballett profilierte sich mit seinen Ballettabenden weiter und suchte neue Wege in der Arbeit mit Jugendlichen wie z.B. mit „BallroomDance“ oder mit Jugendlichen mit Behinderungen mit dem preisgekrönten „Closing the Gap“. Für die „Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010“ präsentierte das theaterhagen außergewöhnliche Vorstelllungen aller Sparten.

Die Aktion „Jeder Schüler ins Theater“, eine Gemeinschaftsaktion von Theaterförderverein und Theater, sollte 2010 jedem Schüler der 3. bis 7. und ab der 10. Klasse aus Hagen und Umgebung einmal im Jahr einen kostenlosen Theaterbesuch in Hagen ermöglichen. Im ersten Jahr waren die ausgewählten Produktionen „The Fairy Queen“ und die Märchenoper „Die drei Rätsel“. Die mit großer Resonanz aufgenommene Aktion wurde fortgesetzt.

2011 konnte das lutzhagen seinen 10. Geburtstag mit einem spannenden Jubiläumsprogramm feiern. Zu Beginn der Spielzeit 2011/12 steht das theaterhagen dank herausragender Produktionen wie z.B. der Oper „Gegen die Wand“ in der Spitzengruppe der NRW-Theater.

Im Dezember 2012 wurde das Theater vom Deutschen Kulturrat auf die Vorwarnliste der Roten Liste Kultur gesetzt (Kategorie 3), weil es seit Jahrzehnten finanziellen Kürzungen ausgesetzt ist und damit eine weitere erfolgreiche Theaterarbeit behindert.

Finanzierung[Bearbeiten]

Das Hagener Theater wird wesentlich durch Steuergelder, ausgezahlt durch die Stadt Hagen, finanziert, projektbezogen erhält das Theater auch Landesmittel.

Künstlerische Leitung[Bearbeiten]

Intendanten (I) und Generalmusikdirektoren (GMD):

Literatur[Bearbeiten]

  • Färber, Jens: Künstler, Bürger, Obrigkeit. Hagener Musik- und Theaterpolitik im 19. und 20. Jahrhundert, Münster 1999
  • Fritzsche, Jörg: 100 Jahre Orchester Hagen - Die Geschichte der Hagener Philharmoniker, in: Philharmonisches Orchester Hagen (Hg.): 100 Jahre Philharmonisches Orchester Hagen 1907-2007 (Festschrift), Hagen 2007, S. 13-87.
  • Peter P. Pachl (Hg.): Ein Theater in Bewegung. 13 Jahre Ära Peter Pietzsch am theaterHAGEN 1987-2000. Lesezeichen Verlag, Hagen 2000. ISBN 3-930217-40-6
  • Ute Sieberth: Von Bürgern für Bürger : das Theater Hagen. in: Hagener Impuls 19 (1997) S. 9-15
  • Christian Wildhagen (Hg.): Theater Hagen 2000 bis 2007. Intendanz Rainer Friedemann. Hagen 2007, 180 Seiten, Selbstverlag (beim Theater Hagen erhältlich)
  • Maria Hilchenbach: theaterhagen 100 Jahre 1911-2011 ( Festschrift)
  • Westfalenpost/ Westfälische Rundschau, Sonderbeilage 100 Jahre Theater Hagen, Hagen 4.Oktober 2011, S.7 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Theater Hagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.3583333333337.4666666666667Koordinaten: 51° 21′ 30″ N, 7° 28′ 0″ O