Wallenstein (Schiller)

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Reiterbild Wallensteins, Kupferstich um 1625/28, Inschrift nach Auflösung der Abkürzungen: ALBERTUS DEI GRATIA DUX FRIDLANDIAE SACRAE CAESAREAE MAIESTATIS CONSILIARIUS BELLICUS, CAMERARIUS, SUPREMUS COLONELLUS PRAGENSIS ET EIUSDEM MILITIAE GENERALIS
Zeitgenössischer Einband

Wallenstein ist die gängige Bezeichnung für eine Dramen-Trilogie von Friedrich Schiller. Sie besteht aus den Werken Wallensteins Lager mit einem längeren Prolog, Die Piccolomini und Wallensteins Tod, wobei Schiller die Trilogie auch in Wallenstein I mit Wallensteins Lager und Die Piccolomini und Wallenstein II, bestehend aus Wallensteins Tod unterteilt hat. Schiller behandelt darin den Niedergang des berühmten Feldherrn Wallenstein, wobei er sich frei an den realen historischen Ereignissen orientiert: Wallenstein scheitert auf dem Gipfel seiner Macht, er ist der erfolgreiche Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee, als er beginnt, sich gegen seinen Kaiser Ferdinand II. aufzulehnen. Das Werk spielt im Winter 1633/1634 (also fast 16 Jahre nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges) in der böhmischen Stadt Pilsen, wo sich Wallenstein zu jener Zeit mit seinen Truppen aufhält. Für die letzten beiden Aufzüge wechselt der Schauplatz nach Eger, da Wallenstein dorthin flieht. Hier wurde er am 25. Februar 1634 ermordet.

Schiller vollendete die Trilogie 1799.

Hinweis: Zum besseren Verständnis der Handlung werden die Artikel über den Dreißigjährigen Krieg und über die historische Person Wallenstein empfohlen.

Zusammenfassung der Handlung[Bearbeiten]

Wallensteins Lager[Bearbeiten]

Hauptartikel: Wallensteins Lager

Der Kapuziner in der Schiller-Galerie, Stahlstich von Schultheiss nach einem Gemälde von Pecht, um 1859

„Wallensteins Lager“ ist die Einleitung für die beiden folgenden Teile und wesentlich kürzer als diese. Während sich die Haupthandlung unter den höheren Rängen der Truppe und Adeligen abspielt, spiegelt „Wallensteins Lager“ die Stimmung des einfachen Volkes wider, vor allem der Soldaten im Lager Wallensteins. Die Soldaten sind begeistert von ihrem Oberbefehlshaber, der es anscheinend geschafft hat, Söldner aus ganz verschiedenen Gegenden in seiner Armee zu vereinen. Sie loben, dass er ihnen außerhalb des Kampfes viele Freiheiten lasse und sich beim Kaiser für die Armee einsetze. Über den Kaiser wird von vielen eher abschätzig gesprochen. Außerdem loben die Soldaten den Krieg, der zwar den Zivilisten schadet, ihnen aber ein besseres Leben bringe. Ein Bauer beklagt, dass die Truppen ihn ausnehmen würden, ein Mönch kritisiert das gottlose Leben der Soldaten. Diese erfahren zum Schluss des ersten Teils, dass der Kaiser einen Teil der Armee den Spaniern, ebenfalls Habsburger, unterstellen wolle. Sie beschließen, Max Piccolomini, einen Truppenführer, zu bitten, sich bei Wallenstein dafür einzusetzen, dem Wunsch des Kaisers nicht zu folgen.

Die Piccolomini[Bearbeiten]

Hauptartikel: Die Piccolomini

Mit dem zweiten Teil beginnt die Haupthandlung der Wallenstein-Trilogie. Die Perspektive wechselt von den einfachen Soldaten zu den Führern der Truppe des Fürsten Wallenstein, des Oberbefehlshabers der kaiserlichen Armee. Sie versammeln sich im Lager bei Pilsen, wo sie auf weitere Befehle warten. Größtenteils sind sie begeisterte Anhänger des Fürsten und schätzen ihn sogar mehr als den eigentlich höher gestellten Kaiser. Wallenstein liegt mit dem Kaiser im Konflikt, da er wiederholt dessen Befehlen nicht gefolgt ist. Wohl um ihn zu schwächen, befiehlt ihm der Kaiser, einen Teil seines riesigen Heeres abzutreten. Er will das nicht hinnehmen und überlegt offiziell, das Kommando über die kaiserlichen Truppen aufzugeben. Insgeheim führt er Verhandlungen mit den Gegnern des Kaisers, den Schweden, um den Kaiser zum Frieden zu zwingen. Er möchte sich die Möglichkeit offenhalten, sich mit den Schweden gegen seinen eigenen Kaiser zu verbünden. Dazu wird er auch von seinen engsten Vertrauten Terzky, seinem Schwager, und Illo gedrängt. Diese wollen ihn zum Treuebruch gegenüber dem Kaiser bewegen. Dazu lassen sie alle Heeresführer ein Dokument unterschreiben, in dem Wallenstein Treue geschworen wird. Allerdings lassen Terzky und Illo die anderen in dem Glauben, dass in dem Dokument diese Treue zu Wallenstein eingeschränkt werde, durch die Verpflichtungen gegenüber ihrem Kaiser. In der zur Unterschrift vorgelegten Erklärung wird diese Einschränkung aber heimlich entfernt.

Was Wallenstein nicht weiß: Einer seiner Vertrauten, Octavio Piccolomini, der auch Wallensteins Pläne kennt, ist weiterhin kaisertreu geblieben und spioniert für diesen. Er hat auch eine Vollmacht bekommen, Wallenstein offiziell als Oberbefehlshaber abzulösen. Diese Vollmacht will er aber erst nutzen, wenn Wallenstein sich öffentlich gegen den Kaiser richtet. Kaiserlichen Spähern gelingt es, einen Unterhändler Wallensteins auf dem Weg zu den Schweden abzufangen. Somit steht Wallensteins Überführung kurz bevor. Die Lage spitzt sich zu, da Octavios Sohn Max Piccolomini [1] und Wallensteins Tochter Thekla sich ineinander verlieben. Max ist ein begeisterter Anhänger Wallensteins und wird von ihm sehr fürsorglich behandelt. Er glaubt dem Vater nicht, dass Wallenstein den Verrat tatsächlich begehen will. „Die Piccolomini“ endet mit Max´ Entschluss, Wallenstein direkt nach seinen Plänen zu befragen. Dadurch soll sich für ihn entscheiden, ob er sich gegen seinen eigenen Vater stellen muss oder gegen den von ihm verehrten Wallenstein.

Wallensteins Tod[Bearbeiten]

Hauptartikel: Wallensteins Tod

Charlotte von Hagn als Thekla, Gemälde von Joseph Karl Stieler, 1828

Im letzten Teil der Wallenstein-Trilogie bricht der Konflikt aus, der im zweiten Teil vorbereitet wurde und führt zu einem tragischen Ende: Wallenstein erfährt, dass sein Unterhändler für die geheimen Verhandlungen mit den Schweden von kaisertreuen Soldaten abgefangen wurde. Also hat sein Kaiser nun womöglich Beweise dafür, dass Wallenstein überlegt hat, sich mit den offiziellen Feinden gegen ihn zu verbünden, vielleicht sogar, um ihn zu stürzen. Nach einigen Zweifeln und durch starkes Zureden von Illo, Terzky, und insbesondere dessen Frau, der Gräfin Terzky, entschließt sich Wallenstein, offiziell ein Bündnis mit den Schweden zu schließen.

Aber Octavio Piccolomini, geheimer Beauftragter des Kaisers, schafft es, fast alle wichtigen Führer aus Wallensteins Armee zur Abkehr von Wallenstein zu bewegen. Insbesondere beweist er Buttler, dass Wallenstein heimlich dessen Karriere behindert hat. Der gekränkte Buttler bleibt bei Wallenstein, um sich rächen zu können. Octavios einziger Sohn, Max Piccolomini, ist zerrissen zwischen seiner Treue zum Kaiser und seiner Bewunderung für Wallenstein, sowie seiner Liebe zu dessen Tochter Thekla. Schließlich entscheidet er sich dafür, Wallenstein zu verlassen. Er versucht, sich dennoch als Freund von ihm zu trennen, wird aber von Wallenstein verstoßen, der darauf mit seinen letzten Getreuen nach Eger flieht. Max Piccolomini stürzt sich selbstmörderisch in einen aussichtslosen Kampf gegen die Schweden und fällt. Als Thekla davon erfährt, bricht sie heimlich zu Max' Grabstätte auf, um bei ihrem Geliebten den Tod zu finden. Auch Wallenstein trauert um den Verlust, glaubt aber, dass das Schicksal Max genommen habe, um zukünftiges Glück auszugleichen.

In der Nacht ermorden Buttlers Schergen, Macdonald und Deveroux, die beiden hohen Offiziere Illo und Terzky bei einem Festmahl, und - in seinem Schlafzimmer - auch Wallenstein selbst. Das Drama endet mit einem letzten Dialog zwischen Octavio und seiner Hauptgegenspielerin, der Gräfin Terzky, die sich zuvor vergiftet hatte und nun stirbt. Octavio erhält am Ende die Botschaft, er sei zum Dank für seine Treue vom Kaiser in den Fürstenstand erhoben worden.

Inszenierungen[Bearbeiten]

Wolfgang Heinz als Wallenstein, 1962 am Deutschen Theater Berlin, unter der Regie von Karl Paryla

Die Uraufführungen fanden 1798–1799 am Weimarer Hoftheater (heute Deutsches Nationaltheater Weimar) unter der Theaterleitung von Johann Wolfgang von Goethe statt:

  • Wallensteins Lager, 12. Oktober 1798 (unter dem Titel Das Lager zur Eröffnung des umgebauten Weimarer Hoftheaters)
  • Die Piccolomini, 30. Januar 1799
  • Wallensteins Tod, 20. April 1799 (unter dem Titel Wallenstein)

Wallenstein gehört – oft erheblich gekürzt und auf einen Theaterabend komprimiert – zum klassischen deutschen Bühnenrepertoire. Zu den überregional beachteten Inszenierungen des Stücks zählen:

  • 1959: Deutsches Theater Berlin, Regie: Karl Paryla
  • 1959: Burgtheater, Regie: Leopold Lindtberg. - Eine Hörfassung dieser Inszenierung ist 1960 von NDR und ORF für das Radio aufgezeichnet worden und 2004 auf 4 CDs erschienen. Diese gekürzte Rundfunkfassung der ursprünglich an 2 Abenden mit einer Gesamtlänge von 7 Stunden gegebenen Inszenierung umfasst Die Piccolomini (Länge: ca. 100 Minuten) und Wallensteins Tod (ca. 130 Minuten): Wallenstein. Ein dramatisches Gedicht. Die Piccolomini und Wallensteins Tod (4 CDs), Verlag Mnemosyne, ISBN 3-934012-22-1
  • 1961 Ruhrfestspiele Recklinghausen. - Eine Hörfassung dieser Inszenierung ist vom 1961 vom WDR aufgezeichnet worden und innerhalb einer 20 CDs umfassenden Schiller-Edition 2005 erschienen: Friedrich Schiller, Werke. Eine Auswahl auf 20 CDs. Random House Audio, ISBN 3-89830-926-6
  • ab 1973: Seit 1864 finden alle drei Jahre sommers die Wallenstein-Festspiele in Altdorf bei Nürnberg statt. Ursprünglich wurde nur das Spektakel-Drama Wallenstein in Altdorf von Franz Dittmar über die Altdorfer Studentenzeit Wallensteins von Laiendarstellern des Orts gespielt. Seit 1973 wird in Altdorf aber auch die Schiller-Trilogie aufgeführt. Dabei werden die drei Teile in einer etwa 150 Minuten dauernden Kurzversion zusammengefasst.
  • 2005: Wallenstein. Eine dokumentarische Inszenierung von Helgard Haug und Daniel Wetzel (Rimini Protokoll). Produktion: Nationaltheater Mannheim / Deutsches Nationaltheater Weimar. Gastspiele u.a. beim Theatertreffen Berlin, am Schauspielhaus Zürich und bei den Hamburger Autorentheater-Tagen am Thalia-Theater.
  • 2007 inszenierte Peter Stein alle elf Akte der Trilogie am Berliner Ensemble mit Klaus Maria Brandauer (für zwei Vorstellungen übernahm Peter Stein für den verletzten Brandauer die Rolle) in der Hauptrolle; Spielstätte der über zehnstündigen, fast den kompletten Text enthaltenden Aufführung war die Kindlhalle, eine ehemalige Brauerei in Berlin-Neukölln (29 ausverkaufte Aufführungen mit insgesamt 34800 Besuchern). Weitere überregional beachtete Aufführungen dieses Jahres waren Wolfgang Engels Inszenierung am Schauspiel Leipzig und Thomas Langhoffs Inszenierung am Wiener Burgtheater (mit Gert Voss als Wallenstein).

Literatur[Bearbeiten]

  • Kiermeier-Debre, Joseph (Hrsg.): Friedrich Schiller - Wallenstein, Originaltext mit Anhang zu Verfasser, Werk und Textgestalt, incl. Zeittafel und Glossar, erschienen in der Bibliothek der Erstausgaben, Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 2004. ISBN 978-3-423-02660-4
  • Barthold Pelzer, Tragische Nemesis und historischer Sinn in Schillers Wallenstein-Trilogie. Eine rekonstruierende Lektüre; (=Forschungen zur Literatur- und Kulturgeschichte 60); Diss. (TU Berlin), Frankfurt am Main u.a. (Peter Lang) 1997 (ISBN 3-631-31936-3)
  • Bernhardt, Rüdiger: Friedrich Schiller: Wallenstein. Königs Erläuterungen und Materialien (Bd. 440). Hollfeld: C. Bange Verlag 2005. ISBN 978-3-8044-1825-7
  • Fritz Heuer und Werner Keller (Hrsg.): Schillers Wallenstein (= Wege der Forschung, Band 420), Darmstadt, 1977
  • Elfriede Neubuhr (Hrsg.): Geschichtsdrama. (= Wege der Forschung, Band 485) Darmstadt, 1980
  • Dieter Borchmeyer: Macht und Melancholie. Schillers Wallenstein. Athenäum, Frankfurt/Main 1988 (= Athenäums Monographien Literaturwissenschaft, Bd. 91). ISBN 3-610-08941-5. 2., überarbeitete Auflage Mnemosyne, Wien 2002, ISBN 3-934012-18-3

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Die Figur des Max Piccolomini ist von Schiller aus dichterischen Gründen erfunden worden.