Theorie der drei Welten

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zur gleichnamigen ontologischen Position von Gottlob Frege siehe Drei-Welten-Lehre.

Die Theorie der drei Welten (Kurzzeichen: 三个世界理论; Langzeichen: 三個世界理論; Pinyin: Sān gè shìjiè lǐlùn), auch „Drei-Welten-Theorie“ genannt, wurde angeblich von Mao Zedong entwickelt[1] und später unter Hua Guofeng zur Staatsdoktrin erhoben.

In den Jahren unter Hua Guofeng hielt China an der Auffassung fest, ein neuer Weltkrieg sei „wegen der wachsenden Widersprüche zwischen der kapitalistischen und der sozialistischen Welt unvermeidbar“[2] – auch auf dieser Frage hatte Anfang der 1960er Jahre der ideologische und politische Konflikt mit der Sowjetunion beruht, die von der Möglichkeit einer dauerhaften friedlichen Koexistenz von Sozialismus und „Imperialismus“ ausging. Jetzt allerdings wurde die Sowjetunion selbst bezichtigt, die gefährlichste kriegstreiberische Macht zu sein.

Inhalt der Theorie[Bearbeiten]

Die Drei-Welten-Theorie beschrieb als „erste Welt“ die imperialistischen „Supermächte“ USA und Sowjetunion, wobei der „Sozialimperialismus“ der nach chinesischer Auffassung ab Mitte der 1950er Jahre vom Sozialismus abgekommenen „revisionistischen“ Sowjetunion der Hauptfeind und noch gefährlicher und aggressiver sei als der US-Imperialismus. „… seit 1978 gehören die Vereinigten Staaten von Amerika nur noch bedingt dazu [zur ‚ersten Welt‘—WP].“[3]

Als „zweite Welt“ galten die Industrienationen, die zwar die „dritte Welt“ ausbeuteten, jedoch selbst unter dem Einfluss der „Supermächte“ standen und ein Interesse hatten, sich aus der Unterwerfung unter deren Vorherrschaft zu befreien. In der „dritten Welt“, den Entwicklungsländern (sozialistische Staaten wie China, Bulgarien, Rumänien und die Mongolei eingeschlossen[3]), als deren Sprecher China sich damals noch sah, wurde ebenfalls in erster Linie der Kampf gegen das „Hegemoniestreben“ der „Supermächte“ als entscheidend betont (siehe auch blockfreie Staaten). Chinas Diplomatie bemühte sich nun, eine Annäherung zwischen „dritter“ und „zweiter“ Welt und eine Stärkung der Position der Länder Europas im Kampf gegen den „Hegemonismus“ der Sowjetunion herbeizuführen: „Aufgabe der Zweiten Welt …“, erläuterte Erwin Wickert, westdeutscher Botschafter in China von 1976 bis 1980, „ist es, im Verein mit der Dritten Welt und den USA die Sowjetunion zu isolieren und ihrem Hegemoniestreben entgegenzutreten.“[3]

Politische Auswirkungen[Bearbeiten]

Praktische Folgen dieser Theorie waren seitens Chinas die Unterstützung von Bewegungen oder Organisationen, deren Politik sich unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung gegen die Sowjetunion richtete, so beispielsweise die Unterstützung der von den USA ausgehaltenen UNITA in Angola, die gegen die dortige linksgerichtete MPLA-Regierung kämpfte. In den Ländern der Dritten Welt und in den entwickelten Staaten, u.a. auch in der BRD, führte diese Theorie zu einer neuen Ausrichtung der Politik der K-Gruppen, die diese Theorie teilweise oder vollständig übernahmen[4] bzw. entschieden ablehnten.[5] Die Peking Rundschau veröffentlichte 1977 und 1978 zahlreiche Stellungnahmen marxistisch-leninistischer Parteien, die die Theorie der drei Welten unterstützten.

Ideologische Bedeutung[Bearbeiten]

Erwin Wickert, westdeutscher Botschafter in China von 1976 bis 1980, schrieb über die ideologische Bedeutung dieser Theorie: „… man benutzt… die ‚Drei-Welten-Theorie‘, um eine bereits eingeleitete Außenpolitik zu erklären und zu rechtfertigen, die es einem sozialistischen Land erlaubt, gute und freundschaftliche Beziehungen auch zu Regierungen sehr unterschiedlicher Couleur zu unterhalten, zu konservativen wie sozialistischen Regierungen, ja auch zu dem Militärregime in Chile − wenn sie sich nur in die antisowjetische Einheitsfront einordnen lassen. Daß eine solche gekünstelte Konstruktion nicht mehr exportfähig ist und die unterdrückten Völker der Welt nicht mehr zu revolutionären Befreiungskämpfen begeistern kann, liegt auf der Hand. Sie ist nur für den eigenen Gebrauch bestimmt und nur für eine bestimmte Zeit und weltpolitische Situation günstig.“[3]

Literatur[Bearbeiten]

Offizielle Darstellung[Bearbeiten]

Kritische Stellungnahmen[Bearbeiten]

  • Zu den Thesen der neuen opportunistischen Strömung: Die „Theorie der drei Welten“ - eine marxistisch-leninistische Theorie? Beilage zu „Roter Morgen“, Zentralorgan der KPD/Marxisten-Leninisten, Nr. 11/1977.
  • Raoul Marco, Über den Begriff „3. Welt“. In: „Roter Morgen“, Zentralorgan der KPD/Marxisten-Leninisten, Nr. 26/1977, S. 11.
  • „Zeri i Popullit“, Organ des Zentralkomitees der PAA: Theorie und Praxis der Revolution. Beilage zu „Roter Morgen“, Zentralorgan der KPD/Marxisten-Leninisten, Nr. 28/1977.
  • Gegen die opportunistische „Theorie der drei Welten“: Resolution des II. Plenums des ZK der PCP(R). In: „Roter Morgen“, Zentralorgan der KPD/Marxisten-Leninisten, Nr. 32/1977, S. 9.
  • „A Classe Operaria“, Zentralorgan der KP Brasiliens: Die „Theorie der drei Welten“ muss entschieden bekämpft werden! In: „Roter Morgen“, Zentralorgan der KPD/Marxisten-Leninisten, Nr. 37/1977, S. 9f.
  • KP Spaniens/ML: Nieder mit der „Theorie der drei Welten“. In: „Roter Morgen“, Zentralorgan der KPD/Marxisten-Leninisten, Nr. 40/1977, S. 11.
  • Gemeinsame Erklärung der Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten Leninisten, Kommunistischen Partei Griechenlands (Marxisten-Leninisten), Kommunistischen Partei Italiens (Marxisten-Leninisten), Portugiesischen Kommunistischen Partei (Wiederaufgebaut), Kommunistischen Partei Spaniens (Marxisten-Leninisten). Beilage zu „Roter Morgen“, Zentralorgan der KPD/Marxisten-Leninisten, Nr. 42/1977.
  • Resolution des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Japans (Linke): Die „Theorie der drei Welten“ − eine falsche, antimarxistische Theorie. In: „Roter Morgen“, Zentralorgan der KPD/Marxisten-Leninisten, Nr. 43/1977, S. 11.
  • Erklärung der Kommunistischen Partei Britanniens/Marxisten-Leninisten. In: „Roter Morgen“, Zentralorgan der KPD/Marxisten-Leninisten, Nr. 44/1977, S. 11.
  • „Proletariake Semaia“: Stützen wir uns auf den Marxismus-Leninismus. In: „Roter Morgen“, Zentralorgan der KPD/Marxisten-Leninisten, Nr. 47/1977, S. 11.
  • KP Perus: Die „Theorie der drei Welten“ ist reaktionär. In: „Roter Morgen“, Zentralorgan der KPD/Marxisten-Leninisten, Nr. 48/1977, S. 11.
  • KP der Arbeiter und Bauern des Iran: Resolution über die internationale Lage. In: „Roter Morgen“, Zentralorgan der KPD/Marxisten-Leninisten, Nr. 50/1977, S. 11.
  • Erklärung der KP Kolumbiens/Marxisten-Leninisten: „Wir leben in der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution“. In: „Roter Morgen“, Zentralorgan der KPD/Marxisten-Leninisten, Nr. 3/1978, S. 10.
  • Die „internationale Einheitsfront“ der Führung der KP Chinas: Eine Front gegen die Revolution und den Sozialismus. In: „Roter Morgen“, Zentralorgan der KPD/Marxisten-Leninisten, Nr. 7/1978, S. 9f.
  • Die „Drei-Welten-Theorie“ als strategische Konzeption hat den Wind von rechts im Rücken! (China aktuell, Heft 2) Herausgegeben von der Zentralen Leitung des KABD, März 1978. Erschienen bei Verlag Neuer Weg, Stuttgart.
  • KP Ceylons verurteilt „Theorie der drei Welten“. In: „Roter Morgen“, Zentralorgan der KPD/Marxisten-Leninisten, Nr. 30/1978, S. 11.
  • Gemeinsame Erklärung der KP Kolumbiens/ML, der RKP Chiles, der KPML von Ekuador und der Partei Rote Fahne von Venezuela, verabschiedet am 30. September 1978. Mit einem Vorwort des MLSK der MLPÖ.(Theorie und Praxis des Marxismus-Leninismus, Heft 27) Strobl, Wien 1979.

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Erstmals in der Rede Deng Xiaopings vor der UNO-Vollversammlung am 10. April 1974 ohne Nennung eines Urhebers vorgetragen. Siehe Peking Rundschau, Nr. 15 vom 16. April 1974, S. 8-13
  2. Erwin Wickert, China von innen gesehen, Stuttgart 1984, S. 299
  3. a b c d ebenda, S. 234
  4. Der Kommunistische Bund Westdeutschland und die maoistische Kommunistische Partei Deutschlands, in Österreich der Kommunistische Bund Österreichs, in der Schweiz die Kommunistische Partei der Schweiz/Marxisten-Leninisten
  5. Z.B. die Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten, in Lateinamerika einige „marxistisch-leninistische“ Parteien, als einzige kommunistische Regierungspartei die Partei der Arbeit Albaniens