Touriseum

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Touriseum
Eingang des Touriseums

Eingang des Touriseums
Daten
Ort Meran
Art Tourismusmuseum
Eröffnung 2003
Betreiber Südtiroler Landesmuseen
Leitung Paul Rösch
Website Website des Touriseums

Das Touriseum (kurz für Südtiroler Landesmuseum für Tourismus) ist im Schloss Trauttmansdorff nahe bei Meran im Burggrafenamt beheimatet. Dort wird in verschiedenen Räumen die Geschichte des Tourismus in Südtirol beschrieben und durch eine Vielzahl von Exponaten veranschaulicht. Durch die Räume zieht sich ein Parcours, der im ersten Raum im Jahr 1765 beginnt und im letzten Raum im Jahr 2000 endet. Das Museum besteht aus 20 Räumen.

Geschichte[Bearbeiten]

Wo heute Schloss Trauttmansdorff steht, befand sich um 1300 eine kleine Burg namens Neuberg. Im frühen 16. Jahrhundert zogen Mitglieder der weit verzweigten Adelsfamilie Trauttmansdorff aus der Steiermark ins südliche Tirol. Der junge Nikolaus von Trauttmansdorff gewann im Krieg gegen Venezianer und Franzosen ein großes Vermögen. Neben zwei Burgen bei Trient kaufte er 1543 auch Neuberg bei Meran. Sein Sohn Franz ließ die Burg großzügig erweitern. An ihn erinnern heute noch einige Wappen und Fresken im Schloss. Zwei Generationen später starb dieser Zweig der Trauttmansdorff aus und damit ging eine Epoche zu Ende. Als der Adel das Interesse an seinen Burgen verlor zog er zurück in die komfortableren Stadtpalais. So zerfiel auch Neuberg. 1777 stürzte der Turm ein und zertrümmerte die Kapelle.

1846 kam Graf Joseph von Trauttmansdorff in die junge Kurstadt von Meran und entdeckte die 150 Jahre zuvor von seinen Verwandten verlassene Burg. Er kaufte das halb verfallene Gebäude, erweiterte es auf die heutige Größe und überzog es mit neugotischen Elementen. Schloss Trauttmansdorff, wie die Burg von nun an hieß, gilt als das früheste Beispiel für den neugotischen Burgenbau in Tirol. Im Jahre 1867 verstarb der Graf und wurde in der heute einsehbaren Krypta unterhalb der Kapelle beigesetzt. Reichsritter Moritz von Leon, vermutlich ein unehelicher Sohn des Grafen, erbte den Besitz.

Im Oktober 1870 reiste die Kaiserin Elisabeth mit ihren zwei Töchtern Gisela (14) und Marie Valerie (2) und dem gesamten Hofstaat, 102 Personen, nach Meran und wählte Schloss Trauttmansdorff als Winteraufenthaltsort aus. Der Hofstaat belegte einige umliegende Ansitze und Schlösser. Als die Wiener Zeitung von dem verbesserten Zustand der kränklichen Marie Valerie berichtete, wurde Meran als Kurort berühmt. Insgesamt verbrachte die Kaiserin sieben Monate auf dem Schloss. Im September 1889 besuchte die Kaiserin zum zweiten Mal das Schloss, nachdem sich im Jänner der Kronprinz Rudolf in Mayerling das Leben nahm.

Moritz von Leon, der Erbe des Grafen Trauttmansdorff, konnte den umfangreichen Besitz nicht halten und verkaufte den Ansitz Pienzenau, die Fragsburg sowie 1892 das Schloss Trauttmansdorff. Baron Friedrich von Deuster wurde zum neuen Schlossherrn. Er wurde zum Mitglied der Rennleitung des Pferderennplatzes, kaufte die Fragsburg zurück und erweiterte das Schloss um einen großen Saal im Neorokoko Stil im Ostflügel. Außerdem legte er rund um das Schloss Obstwiesen und Gärten an. Unter Friedrich von Deuster erlebte Schloss Trauttmansdorff eine neue Blütezeit, die der Erste Weltkrieg jäh beendete.

Friedrich von Deutster wurde nach dem Ersten Weltkrieg wie viele andere deutsche Staatsbürger enteignet und die "Opera Nazionale per i Combattenti" übernahm das Schloss in seinen Besitz. Erst als die Opera 1977 aufgelöst wurde, wurde nach langer Suche 1990 mit der Südtiroler Landesverwaltung ein Käufer für das bereits baufällige Schloss gefunden, der das Gelände um das Schloss in einen Botanischen Garten verwandelte und im Schloss, das er von Grund auf sanierte, das Touriseum einrichtete. Der Botanische Garten wurde im Sommer 2001, das Touriseum im Frühjahr 2003 eröffnet. Pro Saison ziehen Touriseum und Botanischer Garten 270.000 Besucher an. 67 % der Besucher stammen aus Deutschland, der Rest aus Italien und anderen europäischen Ländern.

Geschichte des Touriseums[Bearbeiten]

Das Touriseum erzählt in der Dauerausstellung in chronologischer Reihenfolge und in drei Sprachen (Deutsch, Italienisch und Englisch) die Geschichte des Tourismus in Tirol und Südtirol von 1750 bis zur Gegenwart. Es werden die verschiedensten Aspekte des Tourismus aufgegriffen: die Sichtweise der Einheimischen und deren Umgang mit dem Wandel des Tourismus, die Entstehung und Veränderungen der Lebensräume und der Menschen durch den Tourismus.

Der interaktive Parcours beginnt in einer Felspassage, die die Überquerung der Alpen im 19. Jahrhundert mit der Kutsche darstellt. Mit der Bahnlinie über den Brenner, die 1867 in Betrieb ging, wurde das Reisen schneller und bequemer. Diese Zeit wird durch einen imitierten Eisenbahnwaggon durch den der Besucher im Touriseum durchgeht dargestellt. Die Ankunft der Touristen in Tirol war nicht nur mit der Gründung von Verschönerungsvereinen verbunden, sondern auch mit zahlreichen Auseinandersetzungen mit dem Klerus, der den Tourismus als Gefahr für die Moral im heiligen Land Tirol aufnahm. Die Bahnstrecke brachte zunehmend mehr Kurgäste und Bergsteiger ins Land. Es folgte die Eroberung der Berge mit Schutzhütten.

Ein erster Höhepunkt des Tourismus war um die Jahrhundertwende zu verzeichnen. Das südliche Tirol war zum "Südbalkon der Monarchie" geworden und viele aus der besseren Gesellschaft Europas kamen zur Kur. Damit entstanden zahlreiche Grandhotels, wie beispielsweise das Karerseehotel. Doch mit dem Ersten Weltkrieg wurde das Ferienziel zum Kriegsgebiet und ging an die nördlichste Provinz Italiens über. In den 1930er Jahren wurde mit den Bergfilmen von Luis Trenker das Skifahren populär, doch war dieser Aufschwung mit der Option und dem Zweiten Weltkrieg schließlich wieder vorbei.

Der Parcours verläuft weiter in die 1950er Jahre und der Verbreitung des Automobils. Dadurch reisten vermehrt deutsche Touristen nach "Bella Italia". Die Bauern auf dem Land erkannten die Chance und begannen die Touristen in Fremdenzimmer einzuquartieren und zu bewirtschaften. Eine typische Stube stellt im Parcours diese Zeit dar. Gefolgt von einem Tunnel, der Autobahn, durch den der Besucher in eine modernere Hotelhalle im Stil de Siebziger mit viel Plüsch gelangt. Dies ist die Zeit in der sich das Landschaftsbild stark durch den Bau von Pensionen und Hotels verändert. Am Ende des Parcours kommen noch einmal die Akteure des Tourismus zu Wort, die von dem Filmemacher Karl Prossliner in einer markanten und witzigen Videoprojektion zusammengefasst sind.

Im zweiten Stock befinden sich schließlich die historischen Räume mit den Sissi Zimmern und dem Deuster Saal.

Konzept[Bearbeiten]

Das Touriseum wurde entwickelt von: Tacus & Didonè, Bozen (Architektur), Gruppe Gut Graphics, Bozen (Grafik/Art direction), Josef Rohrer, Meran (Inhalt/Texte), Paul Rösch, Direktor des Touriseums, Meran (Koordination).

Philosophie[Bearbeiten]

Das Touriseum ist das erste Museum im Alpenraum, das sich umfassend und ausschließlich dem Tourismus widmet. Es zeigt abwechselnd aus der Perspektive der Einheimischen und der Gäste, wie der Tourisumus nach Tirol gekommen ist und wie er das Land und seine Bewohner verändert hat. Auf eine vergnügliche, unterhaltsame und witzige Art und Weise sollen die Besucher den Tourismus kennenlernen.

Ausstellungen[Bearbeiten]

  • 2001: Schachzüge – Le mosse – Kurhaus Meran
  • 2003: Touristische Plakate
  • 2004: Der Blick aus der Ferne
  • 2004: Mythos Gastwirtin
  • 2005: Spuren – Tracce
  • 2006: “Orient all inclusive”
  • 2007: Grand Hotel – Bühne der Literatur
  • 2009: Der mit dem Bart… Andreas Hofer Tourismusheld?!
  • 2011: A la carte! – Die Geheimnisse der Speisekarte
  • 2011: "Sie wünschen? Desidera?"
  • 2012: WC-ART: PostKartenIdylle im Stillen Örtchen
  • 2012: Das Klo auf Reisen
  • 2012: Vorhang auf!
  • 2013: Urlaub_2.0

Bildergalerie[Bearbeiten]

Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff[Bearbeiten]

Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff, die sich rund um das Schlossgelände mit zwölf Hektar ausbreiten, zeigen Natur- und Kulturlandschaften aus aller Welt, botanische Raritäten, Themengärten sowie lokale Vegetationsbilder des Landes Südtirols. Die botanische Gartenwelt teilt sich in vier Bereiche ein: Die Waldgärten, die Sonnengärten, die Wasser- und Terrassengärten sowie die Landschaften Südtirols.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Touriseum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

46.66079911.185305Koordinaten: 46° 39′ 39″ N, 11° 11′ 7″ O