Tristan und Isolde

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Tristan und Isolde (Begriffsklärung) aufgeführt.
Tristan und Isolde mit dem Liebestrank, John William Waterhouse
Moderne künstlerische Darstellung: Anna Costenoble, Tristan und Isolde, 1900.

Die Erzählung von Tristan und Isolde ist neben der vom Gral oder der von König Artus und seiner Tafelrunde einer der Stoffe, die von der erzählenden Literatur des europäischen Mittelalters häufig bearbeitet wurden. Zahlreiche Dichter unterschiedlicher Volksliteraturen – besonders in Frankreich und Deutschland – haben ihr dichterisches Können an der Gestaltung dieses spannungsreichen Stoffes erprobt.

Handlung[Bearbeiten]

Tristan ist der Sohn von Riwalin, dem König von Lohnois, der aber in einem Krieg ums Leben gekommen ist, und Blanscheflur, der Schwester des König Marke von Cornwall, die in Sehnsucht zu ihrem Mann Riwalon auch starb. Tristan wuchs bei Rual le très loyal, einem Freund Riwalins auf. Mit sieben Jahren wird Tristan ins Ausland geschickt, um Sprachen zu lernen. Später wird er wieder zurückgeholt, damit er die wichtigen Herren in seinem Lande kennen lernt. Tristan wird mit seinem Knappen Kurvenal entführt und auf Cornwall wieder freigelassen. Bei König Marke erfährt er von seiner adligen Herkunft und will den Tod seines Vaters rächen. So trifft er auf Morgan, der seinen Vater umgebracht hat, und tötet ihn. Morold, der Sohn des Königs von Irland, fordert seinen jährlichen Tribut von Cornwall. Tristan stellt sich Morold zum Zweikampf, den er zwar gewinnt, dabei aber von Morolds Schwert vergiftet wird. Tristan fährt nach Irland, da er weiß, dass nur Isolde, die Schwester von Morold, ihn heilen kann. Tristan wird zur Königin Isolde gebracht, der er vorgibt, Tantris zu heißen. Sie bietet ihm an, ihn zu heilen, wenn er sie mit seinem bezaubernden Harfenspiel beglücke, und ihre gleichnamige wunderschöne Tochter Isolde unterrichte.

Als Tristan wieder in seine Heimat zurückkehrt, wird der König zur Heirat gezwungen, da er noch keine Erben hat. So wird dem König die schöne Isolde vorgeschlagen, bei der er zustimmen würde, unter der Bedingung, dass er keine andere heiraten werde. Denn er nimmt an, dass sich Isolde nicht zur Heirat einverstanden erklären würde.

Tristan fährt nach Irland, um im Namen des Königs von England um die Hand von der schönen Isolde anzuhalten. Die Familie der schönen Isolde stimmt zu, aber nur, wenn sie dann auch landesweit Königin von England wird. So fahren Tristan und Isolde zu Marke. Die Königin hatte vor der Abfahrt noch einen Liebestrank gebraut, den sie Brangaine, einer Verwandten, mitgab. Er sollte von König Marke und Isolde zusammen getrunken werden. Dann werden sie sich auf ewig lieben. Als aber Brangaine eine Weile nicht auf den Trank aufpaßt, trinken Tristan und Isolde nacheinander aus dem Gefäß. Tristan und Isolde verlieben sich ineinander und müssen sich nun heimlich treffen.

Durch eine List wird Isolde dem König Marke weggenommen. Doch Tristan kann sie zurückholen und dem König wieder übergeben. Tristan und Isolde treffen sich nun öfter, wobei sie auch entdeckt werden. Es werden ihnen Fallen gestellt, doch Tristan und Isolde können diese immer wieder umgehen. So können sie auch die Zweifel des Königs aus dem Weg räumen. Doch eines Tages bemerkt der König, dass sich die beiden lieben. König Marke lässt sie gewähren, bis er sie eines Nachts zusammen im Bett entdeckt. Nun ist Tristan in England nicht mehr sicher und flüchtet nach Deutschland, wo zur Zeit Krieg herrscht. Dort trifft Tristan auf Herzog Jovelin, dessen Frau Karsie, dessen Tochter Isolde aux mains blanches und dessen Sohn Cahedin le noble, mit dem er sich verbündet und in den Krieg zieht. Nun sieht er immer mehr Isolde aux mains blanches, die ihn an Isolde von England erinnert. Doch er beginnt an ihrer Liebe zu zweifeln und verliebt sich in Isolde aux mains blanches. Er wird in einer folgenden Schlacht von einem vergifteten Speer verletzt und kann nur durch die Heilsalbe der Königin von Irland, um deren Geheimnis auch Isolde von England weiß, geheilt werden. Tristan sendet also Kurvenal aus, seinen treuen Begleiter, um Isolde von England zu ihm zu bringen. Wenn er sie bei seiner Rückkehr bei sich habe, solle er ein weißes Segel hissen, andernfalls ein schwarzes. Isolde kehrt nach England zurück und ein weißes Segel wird gehisst. Um ihn nicht an Isolde von England zu verlieren, berichtet Isolde aux mains blanches dem todkranken Tristan, das Segel sei schwarz. Der entmutigte Tristan stirbt. Als Isolde von England ihren toten Geliebten erblickt, stirbt auch sie kurz darauf.

Ursprung[Bearbeiten]

Der Ursprung der Tristan-Legende lässt sich nicht zuverlässig rekonstruieren; neben zahlreichen anderen Entstehungsideen erscheinen vor allem ein orientalischer Ursprung, ein germanischer Ursprung und ein keltischer Ursprung als möglich.

Dabei gilt insbesondere die keltische Ursprungstheorie als wahrscheinlich, da es hier lokale und historische Bezüge gibt (siehe Drystan fab Tallwch, Diarmuid und Gráinne sowie Scéla Cano meic Gartnáin, „Die Geschichte von Cano, dem Sohn Gartnáns“). So hat man etwa in Cornwall eine Stele aus dem 6. Jahrhundert mit der Inschrift „DRVSTANVS“ gefunden. Aus keltischen Lais ging der Stoff vermutlich zunächst in nordfranzösische und anglonormannische Spielmannsdichtungen über. Sie sind allesamt nur fragmentarisch überliefert, so auch die im 12. Jh. entstandenen Romane von Béroul und die kunstvollere Bearbeitung des Thomas von England (eines Anglonormannen) sowie eine in ihrer Existenz umstrittene Tristan-Fassung Chrétiens de Troyes (ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert). Von hier aus fand die Sage den Weg in die spanische, italienische, deutsche, skandinavische, slawische und sogar in die griechische Literatur.[1]

Insgesamt kann man davon ausgehen, dass sich der Stoff im Laufe der Jahrhunderte aus den verschiedensten Quellen entwickelt hat, so dass es keinen exakten Ursprungstext gibt.

Bearbeitungen[Bearbeiten]

Von Eilhart von Oberg stammt die erste deutsche Bearbeitung des Tristan-Stoffes. Sein Tristrant dürfte wohl Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts entstanden sein. Aus dem 12. Jahrhundert sind nur drei Pergament-Bruchstücke seines Textes erhalten. Drei aus dem 15. Jahrhundert stammende Papier-Handschriften, die vermutlich auf eine Bearbeitung des Textes aus dem 13. Jahrhundert zurückgehen, überliefern den vollständigen Text.

Auf der Version des Thomas von England schließlich fußt der ebenfalls fragmentarische Versroman Tristan des mittelhochdeutschen Dichters Gottfried von Straßburg aus dem 13. Jahrhundert, der als „klassische“ Stoffrepräsentation des Mittelalters gilt. Sowohl Ulrich von Türheim als auch Heinrich von Freiberg schrieben eine Fortsetzung, um Gottfrieds Fragment abzuschließen. Eine Übersetzung des französischen Prosa-Tristan sind die im 15. Jahrhundert entstandenen Bruchstücke eines prosaischen Tristanromans. Um 1400 ließen Franz und Niklaus Vintler aus Bozen auf ihrem Schloss Runkelstein einen Teil des Sommerhauses mit Terraverde-Fresken zum Motiv von Tristan und Isolde ausmalen.

Über das Mittelalter hinaus schufen zahlreiche weitere Schriftsteller, bildende Künstler und Komponisten Tristan-und-Isolde-Bearbeitungen, etwa Hans Sachs (Tragödie, 1553), Karl Immermann (unvollendete Tragödie, 1840, nach Schlussbearbeitung von Ludwig Tieck 1841 veröffentlicht), Richard Wagner (Tristan und Isolde, Oper, 1859) und Thomas Mann, dessen Novelle (Tristan, 1901) auf Wagners Oper anspielt, aber keine Tristan-Erzählung ist. Bernard Cornwell integrierte das Thema in seine Arthus-Chroniken.

Sowohl in der Metal-Musik, als auch in der Musik der Mittelalterszene wurde das Thema aufgegriffen, so etwa durch Blind Guardian (The Maiden and the Minstrel Knight auf dem Album A Night at the Opera, 2002), Grave Digger (Tristan’s Fate auf dem Album Excalibur, 1999) oder Qntal, die der Thematik 2003 das ganze Album Qntal III – Tristan und Isolde widmeten.

Verfilmungen[Bearbeiten]

  • 1943: L'Éternel Retour, Frankreich – Regie: Jean Delannoy, Drehbuch: Jean Cocteau
  • 1981: Feuer und Schwert – Die Legende von Tristan und Isolde, Irland, Deutschland – Regie: Veith von Fürstenberg
  • 1998: Tristan und Isolde – Eine Liebe für die Ewigkeit, Deutschland, Italien – Regie: Fabrizio Costa
  • 2006: Tristan & Isolde, Tschechien, Großbritannien, Deutschland – Regie: Kevin Reynolds

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brockhaus 14. A., Bd. 15, Stichwort Tristan

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Zink (Hrsg.): Tristan et Iseut. Les poèmes francais. La saga norroise. Textes originaux et intégraux présentés, traduits et commentés par Daniel Lacroix et Philippe Walter. Paris 1989 : Le livre de Poche [Lettres Gothiques] 4521. (mit einer sehr guten Einführung und der skandinavischen Adaption des Tristan-Romans von Thomas von England aus dem 13. Jh., die die Legende komplett wiedergibt)
  • Günter de Bruyn: Tristan und Isolde [neu erzählt], Fischer Taschenbuch 8275, Frankfurt am Main 1988ff, ISBN 978-3-596-28275-3 (Lizenzausgabe des Verlags Neues Leben, Berlin).
  • Gottfried von Straßburg; Dieter Kühn (Hrsg.): Die Geschichte der Liebe von Tristan und Isolde. Reclam-Verlag, Ditzingen 1998, ISBN 978-3-15-004474-2.
  • Gottfried von Straßburg; Rüdiger Krohn (Hrsg.): Tristan: Verse 1–9982. Band 1, Reclam, Ditzingen 1986, ISBN 978-3-15-004471-1 / Verse 9983–19548 Band 2 ISBN 978-3-15-004472-8 (Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch).
  • Gottfried von Straßburg: Tristan und Isolde. Neu bearbeitet von Wilhelm Hertz. Stuttgart 31901 (bei Cotta) und weitere Auflagen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tristan and Iseult – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien