U-Bahnlinie 55 (Berlin)

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Linie Berlin U55.svg
Berliner U-Bahn-Großprofil
Strecke der U-Bahnlinie 55 (Berlin)
Streckenlänge: 1,8 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: untenbestrichene Seitenstromschiene
750 V =
   
Kehrgleisanlage Hauptbahnhof
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Hauptbahnhof (HBF) Fernverkehr VBB Bahn-Regionalverkehr.svg Berlin S5.svg Berlin S7.svg Berlin S75.svg
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Bundestag (BUN)
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Brandenburger Tor (BRT) Berlin S1.svg Berlin S2.svg Berlin S25.svg
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Weiterführung in Richtung Alexanderplatz im Bau
   
Unter den Linden (ULU) Berlin U6.svg (ab 2019)
   
Museumsinsel (MIN) (ab 2019)
   
Berliner Rathaus (RHO) (ab 2019)
   
Anschluss an die Berlin U5.svg in Richtung Hönow
U5 200-Kilometer-Plan Tegel Heckerdamm Jungfernheide Wiebestraße Beusselstraße Turmstraße Fritz-Schloß-Park Hauptbahnhof Bundestag Brandenburger Tor Unter den Linden Museumsinsel Berliner Rathaus Alexanderplatz Schillingstraße Strausberger Platz Weberwiese Frankfurter Tor Samariterstraße Frankfurter Allee Magdalenenstraße Lichtenberg Friedrichsfelde Tierpark Biesdorf-Süd U-Bahnhof Elsterwerdaer Platz Wuhletal Kaulsdorf-Nord Neue Grottauer Straße Cottbusser Platz Hellersdorf Louis-Lewin-Straße Hönow KarlshorstStrecke der U-Bahnlinie 55 (Berlin)
Über dieses Bild
Kennzeichnung am Bahnhof Bundestag
Blick in den im Schildvortriebverfahren errichteten Tunnel zwischen den Bahnhöfen Brandenburger Tor und Bundestag

Die Linie U55 ist eine Strecke der Berliner U-Bahn vom Brandenburger Tor zum Hauptbahnhof, die am 8. August 2009[1] eröffnet wurde. Diese bisher nur 1,8 Kilometer lange Strecke ist Bestandteil der auch als Kanzler-U-Bahn bezeichneten Verlängerung der U-Bahnlinie 5 vom Alexanderplatz nach Westen. Nach Bau und Inbetriebnahme der Strecke zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor wird die Linie U55 voraussichtlich 2019Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren in der Linie U5 aufgehen.

Planungsgeschichte[Bearbeiten]

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Der Name Kanzler-U-Bahn ist eine Anspielung auf den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, da der Bau der Linie auf Betreiben der damaligen Bundesregierung im Hauptstadtvertrag geregelt wurde. Die ursprünglichen Planungen stammen allerdings aus dem 200-Kilometer-Plan der West-Berliner Verwaltung Mitte der 1950er Jahre, die bereits damals neben vielen anderen Projekten u. a. eine westliche Verlängerung der U-Bahn-Linie E (heute: U5) in der heute projektierten Trassenführung vorsahen.

Unter den im Zuge der Wiedervereinigung geplanten U-Bahn-Verlängerungen und Linien-Neubauten war die U5 die erste größere Baumaßnahme. Die existierenden Pläne aus den 1950er Jahren wurden so angepasst, dass die vom Alexanderplatz verlängerte U5 den neu geplanten Hauptbahnhof sowie das neue Regierungsviertel bedient. Für den heutigen Bundestag wurde damals eine großzügige Verteilerebene mit direkten Zugängen zum Kanzleramt und Paul-Löbe-Haus (Bundestagsgebäude) vorgesehen. Auch dies trug zur Verbreitung des Begriffs Kanzler-U-Bahn bei.[1] In der langfristigen Planung soll die U5 im Westen ab Hauptbahnhof weiter durch den Ortsteil Moabit (Anschlussbahnhof zur U9 in der Turmstraße) und über die Jungfernheide (Anschluss U7, Nordring der S-Bahn) bis zum Flughafen Tegel verlaufen. Allerdings wurde nur der Abschnitt Alexanderplatz–Turmstraße in den vordringlichen Bedarf aufgenommen und näher untersucht. Dieser Abschnitt wurde mit den folgenden Bahnhöfen geplant:

Eine Finanzierungsvereinbarung wurde im Rahmen des Hauptstadtvertrages allerdings nur für den Abschnitt Alexanderplatz – Hauptbahnhof getroffen, obwohl die Kosten-Nutzen-Untersuchung sich auf den Abschnitt bis Turmstraße bezog.

Angesichts der projektierten Baukosten von ca. 650 Millionen Euro allein zwischen Alexanderplatz und Hauptbahnhof und der auf diesem Abschnitt parallel verlaufenden Stadtbahn wird die Notwendigkeit dieser Linie häufig in Frage gestellt. Der Kosten-Nutzen-Wert der Strecke vom Alexanderplatz bis zur Turmstraße betrug 1,79. Werte größer 1 bedeuten in diesem Fall, dass der Nutzen im Allgemeinen größer ist als die Kosten und das Projekt somit als wirtschaftlich gelten kann. Eine gesonderte Berechnung für den Abschnitt nur bis zum Hauptbahnhof wurde nicht durchgeführt.[1]

Baustopp und Zwischennutzung[Bearbeiten]

2002 stoppte der Berliner Senat das Projekt aus finanziellen Gründen. Die Stationen Hauptbahnhof und Reichstag waren dabei schon im Rohbau fertiggestellt gewesen. Um die Rückzahlung von 170 Millionen Euro[2] Fördergeldern des Bundes zu vermeiden, beschloss der Senat 2003 eine Fortführung bis zum Brandenburger Tor, die bis 2006 fertiggestellt werden sollte. Auf einem Gleis sollte anschließend ein Zwei-Wagen-Zug auf der dann 1,47 km langen Strecke pendeln.[3]

Am 27. Oktober 2005 wurde bekannt, dass die Fertigstellung aufgrund hohen Grundwasserstands am Brandenburger Tor nicht bis Mai 2006 erfolgen könne. Daraufhin wurde ein vorübergehender Betrieb im 610 m langen Abschnitt zwischen Hauptbahnhof und Reichstag zur Fußball-WM 2006 diskutiert.[3] Diese Pläne wurden letztlich nicht realisiert. Die Berliner Verkehrsbetriebe weigerten sich, die Betriebskosten für den Inselbetrieb auf diesem kurzen Abschnitt zu tragen. Darüber hinaus äußerten Polizei und Feuerwehr Bedenken, ob die kurzen Fahrzeuge die erwarteten Menschenmassen bewältigen könnten. Das Bundesverkehrsministerium verzichtete darüber hinaus auf die Rückzahlung von 70 Millionen Euro Fördermitteln, die in den bis dahin realisierten Bau investiert worden waren und durch die Verletzung der Betriebspflicht eigentlich hätten zurückgezahlt werden müssen.[4]

U-Bahnhof Bundestag als Opern-Spielstätte 2008

Während des Baustopps fungierte der im Rohbau fertige Bahnhof Reichstag als Veranstaltungs- und Filmdrehort. Beispielsweise fanden dort die Uraufführung von Angie (ein Stück über Angela Merkel), Kart-Rennen und eine Party mit Robbie Williams während seiner Tournee statt. Aber auch Teile der Horror-Filmproduktion Resident Evil und des Science-Fiction-Films Æon Flux wurden im U-Bahnhof gedreht. Im April und Mai 2008 diente der fertiggestellte und nunmehr in Bundestag umbenannte Bahnhof als Aufführungsort einer Inszenierung von Mozarts Zauberflöte unter der Regie von Christoph Hagel.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung nutzte die leerstehende U-Bahn-Station außerdem von Ende Oktober bis Mitte November 2008 für die Ausstellung „Weltmaschine“, eine Exposition über die Aktivitäten rund um den Teilchenbeschleuniger LHC am internationalen Forschungsinstitut CERN.

Teil-Fertigstellung als U55[Bearbeiten]

Einbringung eines Wagens durch Materialeinlaßöffnung
Eröffnung der U-Bahn-Linie 55 am 8. August 2009
Zitat am Treppenausgang:

„Gefahren lauern auf diejenigen, die nicht auf das Leben reagieren“
  besser bekannt als:
„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“

M. Gorbatschow, 6. Oktober 1989

Als der Bund drohte, die schon geleisteten Finanzhilfen wegen des Baustopps zurückzufordern, wurde 2003 beschlossen, den schon fertigen Abschnitt als ‚Mini-U-Bahn-Linie‘ zu betreiben. Sie soll, um die Fahrgäste nicht zu verwirren, U55 heißen. Unter dem SPD-Senator Peter Strieder sollte der Bahnhof Brandenburger Tor, der noch nicht fertiggestellt war, nur für Kurzzüge mit einem Ausgang geöffnet werden. Nach dem Rücktritt des Senators und der Übernahme des Amtes durch Ingeborg Junge-Reyer wurden diese Pläne geändert: So sollte der Bahnhof Brandenburger Tor nun komplett ausgebaut werden. Da dies jedoch wesentlich mehr Zeit in Anspruch nahm, dauerten die Bauarbeiten bis Sommer 2009. Bis Oktober 2005 wurde noch mit einem provisorischen Betrieb während der Fußballweltmeisterschaft 2006 gerechnet. Doch aufgrund von Grundwasserproblemen verzögerte sich der Bau, sodass die komplette Einweihung der 1,8 Kilometer[5] langen Linie – dann jedoch mit einem 120 Meter langen Bahnsteig Brandenburger Tor – erst am 8. August 2009[6] stattfand. Ein zuvor angekündigter Inselbetrieb zwischen den Stationen Hauptbahnhof und Bundestag ab 28. Mai 2006 fand wegen Unrentabilität nicht statt.

Die Strecke wird seit dem 9. August 2009 im Pendelbetrieb bedient. Dabei fährt der Zug zwischen 4:45 Uhr und 0:45 Uhr (sonntags ab 5:45 Uhr) alle zehn Minuten jeweils um die Minute 0 ab Brandenburger Tor und um die Minute 5 ab Hauptbahnhof. Die Fahrt dauert 2½ Minuten, wobei pro Schicht nur ein Fahrer im Einsatz ist. Besonderheiten der Linie U55 sind das Fehlen eines Anschlusses an das Berliner U-Bahn-Netz und eine von Hand zu bedienende Weichenanlage am Hauptbahnhof. Für die eingleisige Strecke mit nur einem Zug gibt es eine vereinfachte Zugsicherung ohne Hauptsignale.

Auf der Strecke waren ursprünglich acht Wagen vom Typ F79 im Einsatz, die für die Strecke angepasst wurden. Geplant war, dass vier Wagen als Fahrgastzug unterwegs sind und vier Wagen als Reserve in einer Hilfswerkstatt ohne Arbeitsgruben am Hauptbahnhof stehen. Mittlerweile werden zwei der sechs vorhandenen Wagen eingesetzt. Durchschnittlich transportiert die U55 rund 6200 Passagiere pro Tag, erwartet wurden 6400.[7] Die „Werkstatt“ besteht aus zwei Seitenbahnsteigen auf Gitterrosten für die Reinigung der Wagen und einer Fahrzeughebeanlage. Wegen fehlender Anbindung an das Berliner U-Bahn-Netz wurden die Wagen am 23. und 24. Juli 2009 mit einem Kran durch die Materialeinlassöffnung an der Minna-Cauer-Straße auf das Gleis herabgelassen.[5] Zwei Wagen wurden Mitte Januar 2013 für Fristarbeiten aus dem Tunnel herausgehoben und werden nicht auf die U55 zurückkehren.[8]

Der Bund förderte das Teilstück der U55 mit 170 Millionen Euro,[2] die Gesamtkosten betrugen 320 Millionen Euro.[1]

Die Benennung des U-Bahnhofs Bundestag (der ursprüngliche Planungsname war Reichstag) geht auf eine Initiative des Ältestenrats des Deutschen Bundestags zurück, dessen Wunsch eine Benennung nach dem aktuellen Namen des deutschen Parlamentes war. Dieser Name wird auch der Lage des Bahnhofs besser gerecht, da er sich nicht vor dem Reichstagsgebäude, sondern vor dem Paul-Löbe-Haus des Bundestages befindet.

Wegen des zunächst erwarteten geringen Fahrgastaufkommens wurden an der Station Bundestag noch keine Rolltreppen eingebaut. Eine Nachrüstung ist für einen späteren Zeitpunkt vorgesehen. Die für Rolltreppen vorgesehenen Bereiche neben den Treppenabgängen sind provisorisch mit Blechen verkleidet, damit keine Gefahrenquellen entstehen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: U55 (Berlin) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKlaus Kurpjuweit: Der lange Weg zur kurzen U-Bahn. Der Tagesspiegel, 5. August 2009, abgerufen am 23. Januar 2012.
  2. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKanzler-U-Bahn startet am 8. August 2009. Berliner Morgenpost, 19. Oktober 2008, abgerufen am 23. Januar 2012.
  3. a b Meldung Berlin: Trauerspiel um die U55. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 12/2005, S. 560.
  4. Meldung Keine U-Bahn zur WM. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 6/2006, ISSN 1421-2811, S. 272.
  5. a b Kerstin Marquard: In zweieinhalb Minuten vom Berg ins Tal. (PDF) In: plus_08 Das Kundenmagazin der BVG. August 2009, S. 14–16. Abgerufen am 19. August 2009.
  6. Peter Neumann: Was lange währt, wird endlich die U 55. In: Berliner Zeitung, 7. November 2008
  7. Kleine heile Welt im Untergrund. In: Berliner Zeitung, 6. August 2010.
  8.  Kurzmeldungen – U-Bahn. In: Berliner Verkehrsblätter. Nr. 5, 2013, S. 92.

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