Udinen

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Die Udinen (auch: Uden) sind ein am Südhang des östlichen Kaukasus (Transkaukasien) siedelnde Sprachgruppe, deren Sprache, Udisch, zur lesgischen Sprachgruppe der Nordostkaukasischen Sprachen gehört. Ihre Bevölkerungszahl, die um das Jahr 1906 noch auf 7200 Personen geschätzt wurde, betrug nach der Volkszählung von 1926 nur noch 2761 Personen. Andere Quellen nennen Zahlen bis zu 10.000 Udinen. Die Udinen muslimischen Glaubens sind in den letzten Jahrhunderten meist im Volk der Aserbaidschaner, die in Georgien lebenden christlichen Udinen weitgehend im Volk der Georgier aufgegangen.

Siedlungsgebiet[Bearbeiten]

Foto einer udinischen Frau aus Wartaschen 1883.

Die Uden wohnen heute in vier Orten: die Sprecher des Nidsch-Dialektes in der Ortschaft Nic und im benachbarten Dorf Mirzabeyli; die Sprecher des Wartaschen-Dialektes in der Kleinstadt Oğuz, vormals Wartaschen, alle auf dem Territorium der Aserbaidschanischen Republik[1]. Weitere Sprecher leben in dem Dorf Oktomberi, vormals Zinobiani in der Munizipalität Qwareli in Ost-Georgien[2], dessen Einwohner in den Jahren 1920-22 aus Wartaschen übergesiedelt sind. Sofern die Uden heute des Udischen überhaupt noch kundig sind, sind sie oft dreisprachig: Russisch, Aserbaidschanisch oder Georgisch, und Udisch.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Uden wurden schon sehr früh, um 400 n. Chr., christianisiert. Im antiken Reich Albania bildete sich eine eigene orthodoxe Kirche mit eigener Kirchensprache, die Alwanische Sprache mit eigener Schrift, die eine Frühform der udischen Sprache war. Nach Kriegen gegen das Sassanidenreich beschränkte sich ihr Einfluß aber nur noch auf Westgebiete des heutigen Aserbaidschan.

Während der arabischen Herrschaft konvertierten viele Uden zum Islam. Albania wurde als muslimisches Reich Aran größtenteils islamisiert. Im Kaukasus zerfiel die "Albanische" Kirche, der die christlichen Uden angehörten, und wurde teils mit der Armenischen Kirche (ehemaliges Katholikat in Gandsassar), teils mit der Georgischen Orthodoxen Kirche vereinigt. Deshalb sind die Sprecher der Udischen Sprache heute teils armenische Christen, teils georgisch-orthodoxe Christen und zum kleineren Teil Muslime. Die alwanische Kirchensprache kam außer Gebrauch und die gesprochene Udische Sprache wurde zunehmend von der aserbaidschanischen, armenischen und georgischen Sprache verdrängt[3].

Die meisten armenisch-christlichen Udinen flüchteten während des Bergkarabachkonfliktes (wie auch Armenier) aus Aserbaidschan ins nordöstliche Armenien. Auch in Russland leben einige dorthin eingewanderte Udisch-Sprecher, die Volkszählung in Russland 2010 ermittelte 4267 Udinen in Russland.[4] Die Volkszählung in Aserbaidschan 2009 ermittelte rund 3800 Udinen in Aserbaidschan.[5] Daneben gibt es, wie erwähnt, einige in Armenien und Georgien.

Zu berücksichtigen ist, dass die Udinen nichts mit den Albanern am Balkan zu tun haben.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Udinen. In: Brockhaus. Kleines Konversationslexikon von 1906, S. 77722
  • Gerhard Deeters: Die Sprachwissenschaft in der Sowjetunion. In: Bolschewistische Wissenschaft und 'Kulturpolitik'. Ost-Europa-Verlag, Königsberg, Berlin 1938, S. 236-251, S. 238-239.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Karte bei linguarium.org, Dialekte als 10aa und 10ab eingezeichnet, ehemalige Sprachgebiete als 10.
  2. Karte bei linguarium.org, Oktomberi im Westen als 10aa eingezeichnet.
  3. Historisches Verbreitungsgebiet der Alwanischen und Udischen Sprache als Muttersprache oder Zweitsprache im 4.-8. Jahrhundert, im 10-13. Jahrhundert (mittelgrün) und Restgebiete des Udischen um 1800 (dunkelgrün).
  4. Ergebnisse der Volkszählung in Russland, fünfte Excel-Tabelle dort, Zeile 167 (russisch).
  5. Staatliches Statistisches Komitee der Republik Aserbaidschan, ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung bei den Volkszählungen 1926-2009(englisch) (MS Excel; 39 kB).