Katholikos

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den kirchlichen Bischofstitel, die Hauptkirche griechisch-orthodoxer Klöster wird unter Katholikon behandelt.

Katholikos (von griechisch καθολικός katholikos ‚Ganzheit, allgemein, universal‘, Plural καθολικοί katholikoi; lateinisch cathōlicus) ist ein Titel für das Oberhaupt mancher altorientalischer Kirchen und entspricht weitgehend dem Patriarchen. Seit dem 4. Jahrhundert wurde er vom Bischof von Seleukia-Ktesiphon getragen und später von weiteren Bischöfe übernommen. Das Katholikat ist der Jurisdiktionsbereich eines Katholikos und entspricht einem Patriarchat.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Oberhäupter der Kirchen außerhalb des Römischen Reiches führten zunächst den Titel Katholikos und später zusätzlich oder stattdessen den eines Patriarchen.

Der Bischof von Seleukia-Ktesiphon war als Oberhaupt der Kirche im persischen Reich nach den pseudo-nicänischen Kanones den fünf altkirchlichen Patriarchen gleichgestellt. Da sich das Sassanidenreich mit Ostrom in einem permanenten Spannungszustand befand (siehe Spätantike und Römisch-Persische Kriege), war der Kontakt zwischen der Kirche in Persien und der römischen Reichskirche behindert. Überdies war es gegenüber den staatlichen Stellen nicht möglich, dass ein Untertan des römischen Kaisers Repräsentant der Christen war. Der Katholikos erhielt das Recht, untergeordnete Bischöfe aus eigenem Recht zu ernennen und von ihnen gewählt zu werden, blieb aber unter der Oberaufsicht des Patriarchen von Antiochia.

Nachdem auf der Synode von Beth-Lapat 483 die persische Kirche als Katholikat des Ostens die Lehren des Nestorianismus für verbindlich erklärte, fügte der Katholikos des Ostens seinem Titel den Patriarchentitel hinzu.

Der syrisch-orthodoxe Patriarch von Antiochien ernannte in späterer Zeit einen Katholikos (Maphrian) als Stellvertreter im Osten, der im Mittelalter in Takrit im Irak residierte. Davon leiten sich die Katholikate der Malankara Syrisch-Orthodoxen Kirche und der Malankara Orthodox-Syrischen Kirche ab („Katholikos des Ostens“ beziehungsweise „Katholikos von Indien“).

Aus vergleichbaren politischen Gründen erhielten im Mittelalter auch die Oberhäupter der Armenischen Apostolischen Kirche und von Albania in Kaukasien sowie der Georgischen Kirche den Katholikostitel. Die armenische Kirche kennt sowohl Patriarchen als auch Katholikoi; Patriarchen stehen hier im Rang unter den Katholikoi.

Auch manche Oberhäupter der Katholischen Ostkirchen benutzen den Titel Katholikos, zum Beispiel der armenisch-katholische Patriarch und der Großerzbischof der Syro-Malankara Katholischen Kirche.

Katholikate[Bearbeiten]

Der Jurisdiktionsbereich eines Katholikos wird entsprechend dem Patriarchat als Katholikat bezeichnet.

Die wichtigsten Katholikate sind oder waren:

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm de Vries: Der christliche Osten in Geschichte und Gegenwart (= Das östliche Christentum. NF Bd. 12, ZDB-ID 531745-9). Augustinus-Verlag, Würzburg 1951.