Katholikos

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Dieser Artikel erklärt die substantivierte Maskulinform Katholikos. Die Bedeutung der Neutrumform siehe Katholikon

Katholikos (griech. καθολικός, pl. καθολικοί, als Ganzes, allgemein, universal; latinisiert cathōlicus) ist ein kirchlicher Titel, der seit dem 4. Jahrhundert von dem Bischof von Seleukia-Ktesiphon getragen wurde. Die Funktion und Stellung entspricht im Wesentlichen der eines Patriarchen.

Der Bischof von Seleukia-Ktesiphon war als Oberhaupt der Kirche im persischen Reich nach den pseudo-nicänischen Kanones den fünf Patriarchen gleichgestellt. Da sich das Sassanidenreich mit Ostrom in einem permanenten Spannungszustand befand (siehe Spätantike und Römisch-Persische Kriege), waren der Kontakt zwischen der Kirche in Persien und der römischen Reichskirche behindert. Überdies war es gegenüber den staatlichen Stellen nicht möglich, dass ein Untertan des Kaisers Repräsentant der Christen war. Der Katholikos erhielt das Recht, untergeordnete Bischöfe aus eigenem Recht zu ernennen und von ihnen gewählt zu werden, blieb aber unter der Oberaufsicht des Patriarchen von Antiochia.

Nachdem auf der Synode von Beth-Lapat 483 die persische Kirche als Katholikat des Ostens die Lehren des Nestorios für verbindlich erklärte, fügte der Katholikos des Ostens seinem Titel den Patriarchentitel hinzu.

Der syrisch-orthodoxe Patriarch von Antiochien ernannte in späterer Zeit einen Katholikos (Maphrian) als Stellvertreter im Osten, der im Mittelalter in Takrit im Irak residierte. Davon leiten sich die Katholikate der Malankara Syrisch-Orthodoxen Kirche und der Malankara Orthodox-Syrischen Kirche (Indian Orthodox Church) her („Katholikos des Ostens“ bzw. „Katholikos von Indien“).

Aus vergleichbaren politischen Gründen erhielten im Mittelalter auch die Oberhäupter der Armenischen Apostolischen Kirche und von Albania in Kaukasien sowie der Georgischen Kirche den Katholikostitel. Die armenische Kirche kennt sowohl Patriarchen als auch Katholikoi; Patriarchen stehen hier im Rang unter den Katholikoi.

Auch manche Oberhäupter mit Rom unierter Kirchen benutzen den Titel Katholikos, so der armenisch-katholische Patriarch und der Großerzbischof der Syro-Malankaren.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm de Vries: Der christliche Osten in Geschichte und Gegenwart (= Das östliche Christentum. NF Bd. 12, ZDB-ID 531745-9). Augustinus-Verlag, Würzburg 1951.

Siehe auch[Bearbeiten]

Katholikat von Kilikien, Patriarch, Patriarchat (Kirche), Großerzbischof